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Gotthard / The Seer - Stuttgart

13.11.2000 | 10:14

14.04.1999, Longhorn

\"Eeeeeendlich \", dachte ich als der Tag X endlich gekommen war, \"GOTTHARD is in town!\". \"Eeeeeeeeeeendlich \" (mit noch mehr e\'s), kam mir auch in den Sinn, nämlich \"vorbei!!!\", als der Gig hinter mir lag. \"Warum?\". Gute Frage, aber mit einer noch überzeugenderen Antwort!
Here we go:
THE SEER aus Augsburg, zwar noch nie was von denen gehört, aber gut lassen wir uns mal überraschen, man ist ja schließlich für alles offen. Puh Teufel, wenn es nur bei dem \"nie gehört\" geblieben wäre. Langweiligster Radio-Pop-Rock mit dezenten Folkeinflüssen folterte das Stuttgarter Publikum annähernd 45 Minuten. Glaubt\'s mir, Wolfgang Petri hätte mehr gekickt! Kaum zu glauben, als das Gedudel \"Gott sei\'s gedankt\" endlich vorbei war, gab\'s auch noch Applaus (hab ich da nicht auch ein paar \"Zugabe\"-Rufe gehört oder war das nur der Nachhall der unsäglich penetranten Geige?) aus dem Auditorium. Unbegreiflich! Hört sich vielleicht alles ein bißchen hart an, aber ......!
Naja, Schwamm drüber, gleich gibt\'s ja 110%ige Vollbedienung, dachte ich zumindest kurz bevor GOTTHARD die Bühne enterten. 2 Stunden später war ich eines besseren belehrt worden. Der einst megageile Schweizer Alpen-Express GOTTHARD mutierte in den letzten 2 Jahren zur Europa-Park-Bimmel-Bahn \"GOTTWEAK\", was im Longhorn leider \"eindrucksvoll\" unter Beweis gestellt wurde. Aber man hätte ja schließlich vorgewarnt sein müssen: nach 3 wirklich starken Rock-Scheiben und \"Defrosted\" einer Akkustik-Scheiblette (nun gut, Durchhänger hat jeder mal) gibt\'s auf dem vierten offiziellen Studio Output \"Open\" eine Ansammlung aus kommerziell radiotauglichen Rock-Pop Nummern ohne Kanten, poliert bis zur letzten Note, zu hören. Sicher der Silberling ist nicht schlecht und hat seine Reize, nur hat das ganze nichts mehr mit den rockigen Anfangstagen der Band zu tun!
Tja, in Stuttgart fing man mit dem Opener besagter Platte an. Kann man einen noch schlechteren Einstieg für eine Live-Show finden als mit dem schlechtesten Song einer Scheibe? Eigentlich nicht!
Leider setzte sich dieses Trauerspiel von Song zu Song fort. \"Schlag auf Schlag\" oder wohl besser \"Streicheleinheit auf Streicheleinheit\" servierte man dem Publikum im Schwabaländle nahezu das komplette \"Open\" Machwerk. Nur ab und an erbarmte man sich und griff etwas tiefer in die Songkiste um alte Klassiker aus der Tasche zu ziehen wie z.B. \"Mountain Mama\" oder \"Hush\", wobei es hier auch wesentlich bessere Songs gegeben hätte. Aber gut, man war schließlich für jede noch so kleine Aufmerksamkeit dankbar! Nach gut einer Stunde verabschiedeten sich die Alpenländer zum ersten Mal, um nach ein paar Minuten später mit der Frage \"Habt Ihr geglaubt, wir lassen Euch schon gehen?\" wieder aufzutauchen. Hätte Sie uns doch gehen lassen! Was folgte war die längste halbe Stunde, die ich jemals ausgestanden habe: jau, es folgte eine 30 minütige Akkustik-Feuerzeug-in-die-Höhe-Barhocker-Sitzerei-Orgie! Gähn! Anschließend schalteten die \"Take-Off Lieblinge\" nochmals ein paar Gänge zu und brachten nach ca. 120 Minuten das zu Ende, auf das ich mich schon seit Januar gefreut habe - leider gefreut habe!
Allerdings muß man den Jungs wirklich eins zugestehen: Professionalität und Perfektion. Der ganze GOTTHARD-Set war von Anfang bis Ende allerbestens insziniert, egal ob spielerisch (äußerst solide und mit wohl einem der besten Rock-Sänger (Steve Lee) überhaupt), soundtechnisch oder auch visuell (erstklassige Mega-Dia-Projektion passend zu jedem Song und beeindruckende Lightshow).
Nun ja, den Anwesenden hat\'s wohl gefallen, wäre die Stimmung sonst so gut gewesen, aber mehr Spontanität und alte Klassiker als Perfektion und Weichspüler-Pop-Rock hätte dem ganzen gut getan, denn schließlich verkauft man sich ja noch immer als Rock\'N\'Roll Band! Bleibt abzuwarten ob sich meine Gebete erhören und GOTTHARD in Zukunft wieder zu dem werden, was sie früher einmal groß gemacht hat oder aber ....... oh Gott, daran will ich gar nicht denken!

Redakteur:
Oliver Kast

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