HELLOWEEN - London

11.12.2010 | 12:04

05.12.2010, HMV Forum

Belohnt werden, weil man eine blöde Frisur hat und ein Nerd ist? Nix wie hin zu HELLOWEEN!

"Endlich mal wieder alte Metalheads!" Mit diesem Gedanken beginnt ein Abend der Extraklasse im Londoner Kentish Town. Während vor dem Venue affenartiges Geschrei ausbricht, versammeln sich innerhalb des HMV Forums die dickbäuchigen Kuttenträger an der Bier- und Schnapsbar.

Bereits das Backdrop des Supports hämmert wie ein Donnerschlag. Wochen lang hat man sich hier nach diesem Event gesehnt, der für die meisten Gäste in ihre persönliche Liste der Konzerthighlights eingehen wird. Trommelwirbel: HELLOWEEN supported by STRATOVARIUS. Und der Himmel tut sich auf, Wolken werden beiseitegeschoben, und diverse Götter schauen mit ihren gespannten Augen und Pommesgabeln auf uns herab. Was für ein Abend!

Für Londoner Gigs doch relativ ungewöhnlich beginnen die Finnen von STRATOVARIUS auf die Sekunde genau und reißen das eher zurückhaltende englische Publikum auch gleich völlig vom Teetisch. Der Knüppel wird aus dem Sack geholt, das feine Porzellan zerbrochen und bestialisch auf die Nackenmuskulatur eingepeitscht. Durchweg eingängig, durchweg geniale Karla-Kolumna-rasende Riffs und Soli, durchweg Power Metal satt!

Sänger Timo strotzt vor Energie und spritzt mit seinen ständigen Hampelmann-Einlagen immer mehr Gift ins Volk. Songs wie 'Hunting High And Low' oder 'Black Diamond' werden Wort für Wort mitgesungen, der Raum füllt sich mit zu Fleisch gewordenen Ventilatoren.

Song für Song arbeiten sich die Jungs immer weiter zur Höchstform und dem goldenen Metalthron vor. Wer braucht eigentlich jetzt noch HELLOWEEN? Fairerweise müsste man beide Bands heute zum Mainact erklären, denn wirklich steigen kann die Stimmung bei den Hamburgern gar nicht mehr. Feuerzeuge gehen an, Pärchen halten sich verliebt in den Armen - sinnlicher kann es nicht werden. Ein Feuerwerk der musikalischen Empfindungen. London fliegt davon. Einzig ein paar vereinzelte als Dr. Stein verkleidete Fans grinsen noch koboldartig. Weltklasse!

Raucherpause, Rumschrei-Zeit, Bier auffüllen und zurück in die Masse, bevor auch schon ein riesiges Zahnrad zu rotieren beginnt und 'Are you Metal?' in die Bude geknallt wird. Fäuste und Pommesgabeln fliegen einem um die Ohren, die Decke reißt aus der Verankerung, Schuppen des Nachbarn fallen ins Bier.

Zusammengefasst: London rastest bei HELLOWEEN buchstäblich aus, und die Gladiatoren schlagen ein wie der Urknall. Fronter Andi kann sich die London-Witze natürlich nicht verkneifen. "Aha, jetzt, wo der Schnee geschmolzen ist, kehrt also wieder der Normalzustand ein: Regen." Quatschkopf!

Beim nachfolgenden 'March Of Time' schreit sich die Fangemeinde das Leben aus dem Hals. Meine Fresse, dieses Verhalten hätte ich den Engländern nicht zugetraut. Überflutet von musikalischer Genialität, legt Leadgitarrist Sascha (Meister im Pseudo-Schüchtern-Gucken) ein geniales orgastisches Solo nach dem anderen hin, während den Mädchen das Höschen wegfliegt. Mal schauen, welche Wirkung unser Drummer Daniel bei den weiblichen Gästen hat. Er feuert ein minutenlanges Drumsolo aus seinem Schießstand ab.

Da sich Deutsche immer erklären müssen, führt Andi die Gründe auf, warum die Jungs heute lieber ein Medley ihrer längsten Songs spielen: würde sonst zu lange dauern. Das sollte hier wohl jeder Bombenleger kapiert haben. Auf geht's zu einer musikalischen Goldgrube veredelt mit 'Keeper Of The Seven Keys', 'The King For A 1000 Years', 'Halloween' etc. Wer hier nicht so richtig draufhämmert, verdient einen auf den Schädel.

Die Comedyshow des Multitalents Andi geht weiter. Das Spiel: Quick or dick? Die Regeln: mit den Worten 'I want out' dem Vordermann so schnell wie möglich an entsprechender Stelle das Trommelfell zerreißen. Aber warum sind die Mädels schneller? "Das wäre ja das erste Mal, dass die Frauen vor den Männern kommen", scherzt der Onkel. Schnell beweisen die männlichen Metalheads das  Gegenteil (während Sascha so amüsant winkend die Queen imitiert, dass schon mal das Bier aus der Nase laufen kann), und zur Belohnung werden sie allein gelassen. Wutentbrannt über diese unfaire Behandlung bricht ein Trampelkonzert aus, wie man es nur von Benjamin Blümchen mit Zahnweh kennt.

Was redet er denn nur von worst und best onions? Fakt ist, dass 'Future World' mit Repeat-Schleife sinnlos in die Länge gezogen wird, was damit endet, dass alle Daniel den Stinkefinger zeigen. Sauber! Er ist nun angenervt und verschwindet mit seinen Bandkollegen.

Das HMV Forum fängt an zu brennen. Große Verwirrung. Geht es noch weiter? Links neben der Bühne leuchtet ein riesiger Kürbis auf. Alle wissen, was das heißt. Die Stimmung gleicht einer Massenorgie. Ein letztes Mal dreht sich das Zahnrad, als mit 'Dr Stein' das große Finale eingeläutet wird. Wie vorher im Internet mitgeteilt wurde, haben nun alle Fans die Chance, die Bühne zu besteigen, wenn sie sich als Nerds verkleidet haben! Welch Anblick: Wütende verwirrte Wissenschaftler, Perücken und Kürbisse fliegen durch die Luft und beenden ein Konzert, welches großartiger nicht hätte sein können. We are metal!

Selist HELLOWEEN:
01. Are You Metal? 

02. Eagle Fly Free 

03. March Of Time 
 

04. Where The Sinners Go 

05. Steel Tormentor 
 

06. I'm Alive 

07. Handful Of Pain 

08. Keeper Of The Seven Keys/The King For A 1000 Years /Halloween-Medley 

09. I Want Out 

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Ride The Sky 

Future World 

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Dr. Stein

Redakteur:
Nadine Ahlig

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