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Hammerfall/Thunderstone - Oberhausen

28.05.2005 | 11:15

24.04.2005, Turbinenhalle

Ich bleibe dabei, das neue HAMMERFALL-Album ist nicht wirklich der erhoffte Überhammer bzw. die erwünschte Rehabilitation nach zwei eher durchwachsenen Alben. Trotzdem, live haben die Jungs bisher immer ordentlich Gas gegeben, weshalb es für mich auch außer Frage stand, den Gig in der Oberhausener Turbinenhalle zu besuchen. Doch da war ich nicht ganz alleine, denn der Schuppen war verdammt gut gefüllt, wobei ich die Zahl der Anwesenden bei ca. 2500 Menschen ansiedeln würde. Und das Bewundernswerte dabei war, dass fast jeder Mensch im Publikum mit dem aktuellen HAMMERFALL-Merchandise ausgestattet war. Ich möchte mal wetten, dass mindestens jede zweite Person im Publikum das Cover des neuen Albums auf seinem Leibchen trug. Beachtlich.
Dies sollte natürlich keinesfalls heißen, dass die anderen Bands es an diesem Abend schwerer haben sollten, denn eigentlich wurde jeder Act herzlich begrüßt und konsequent abgefeiert, auch wenn die Performance schon ein wenig voneinander abwich, zumindest showtechnisch.

Verwunderlich war diesbezüglich, dass LORDI, die eigentlich als Co-Headliner angekündigt waren, schon als erste Band auf die Bretter mussten. Ob das jetzt aus Gründen der Labelpolitik passierte oder doch eher daran lag, dass die Finnen trotz der mageren Spielzeit von einer halben Stunde eine recht aufwendige Bühnendekoration dabei hatten, blieb im Raume stehen. Wer jetzt aber vermutet, dass die Band damit für eine eher müde musikalische Darbietung entschädigen wollte, wurde schnell eines Besseren belehrt, denn LORDI rockten in den knapp 35 Minuten gewaltig. Kein Wunder also, dass man die gesamte Halle nach ca. 30 Sekunden des Openers komplett im Griff hatte. Mit der nach wie vor aktuellen Single 'Blood Red Sandman' und 'Devil Is A Loser' erarbeitete man sich lauten Applaus, ständiges Mitklatschen und Unterstützung bei den Refrains, bevor dann mit dem überragenden Hit 'Would You Love A Monsterman' wieder der Vorhang fiel – viel zu schnell, denn da wäre noch viel mehr gegangen. Der überschwängliche Jubel dürfte die Band aber letztendlich dazu angespornt haben, schnell wieder zurückzukehren, am Besten direkt als Headliner.

Setlist:
Get Heavy
My Heaven Is Your Hell
Blood Red Sandman
The Children Of The Night
Pet Destroyer
Devil Is A Loser
Would You Love A Monsterman


FIREWIND finde ich auf Konserve besonders stark, und was ich von Gitarrist und Bandchef Gus G. mit DREAM EVIL live mitgekriegt habe, gefiel mir auch sehr gut. Der heutige Auftritt war aber im Grunde genommen ziemlich langweilig, was aber daran gelegen haben kann, dass der vom US-Metal beeinflusste Sound der Band zwischen den eingängigen Nummern der drei anderen Gruppen ein wenig fehl am Platz wirkte. FIREWIND ließen sich trotzdem nicht davon beirren und schmetterten neue Songs wie 'The Forgotten Memory' und 'Tyranny' ins Publikum, welches auch mit lautem Applaus antwortete. Mich persönlich haben FIREWIND aber nicht wirklich mitreißen können, zumal der etwas unkoordiniert herumhampelnde Sänger Chitral Somapala mit seinen Ansagen auch meistens daneben lag. Außerdem war es absolut nicht nötig, in der kurzen Spielzeit mit 'The Fire And Fury' auch noch ein Instrumental zu spielen, um zu zeigen, was Gus G. an der Gitarre so drauf hat. Das wissen die Fans doch eh schon. Mit dem kurz vor Ende gespielten 'I Am The Anger' konnte man den kritischen Rezensenten aber dennoch milde stimmen. Im Vergleich zu den drei anderen Acts gingen FIREWIND aber an diesem Abend als Verlierer von der Bühne.

Setlist:
Beware The Beast
Kill To Live
The Fire And Fury
The Forgotten Memory
I Am The Anger
Tyranny

Bei THUNDERSTONE dachte ich anfangs auch nur „man, was haben die sich entwickelt“. Die zu Debützeiten ständig bemühten STRATOVARIUS-Vergleiche mögen zwar immer noch ein wenig zutreffen, aber da die Finnen ihre Landsmänner mittlerweile soundtechnisch bereits überholt haben, sollten diese Vergleiche demnächst bitte umgekehrt gemacht werden. Auf jeden Fall war am heutigen Abend festzustellen, dass THUNDERSTONE sehr, sehr selbstbewusst und bestens aufeinander eingespielt erschienen, was sich schlussendlich auch auf ihre tadellose Performance übertrug. Selbst mein mitgereister Kollege, dem sonst beim Gedanken an finnischen Power Metal schon mal schnell übel wird, zeigte sich von der Oberhausener Show begeistert und besorgte sich postwendend das noch komplett frische neue Album "Tools Of Destruction", von dem man auch hier mit 'Liquid Of The Kings' und 'I Will Come Again' schon einige Songs darbot. Das Hauptaugenmerk lag aber noch auf dem bisher besten, zweiten Album, dessen Hitsingle 'Until We Touch The Burning Sun' als letzter Song die Massen noch mal mobilisierte, bevor dann der Headliner erwartet werden durfte.
Den heutigen Auftritt dürfen die sympathischen Finnen um ihren charismatischen und stets in Bewegung bleibenden Frontmann Pasi Rantanen jedenfalls als echten Siegeszug verbuchen. Auch hier wäre eine Headliner-Tournee in nächster Zeit sehr gut denkbar und von mir sehr erwünscht.

HAMMERFALL hatten im Interview mit Walls Of Fire bereits angekündigt, dass sie zwar nur wenige Auftritte spielen, dafür aber mit einer üppigen Bühnendekoration durch die Lande reisen werden. Gesagt, getan, Joacim Cans hatte nicht zuviel versprochen, denn als der riesige Vorhand von der Decke rieselte, offenbarte sich den Zuschauern eine riesige Eislandschaft, ganz im Stile des letzten Hammerfall-Albums "Chapter V: Unbent, Unbowed, Unbroken". Während des Intros posierten die beiden Gitarristen Stefan und Oscar sowie ihr Kumpane am Tieftöner, Magnus, auf den erhöht erbauten Felsen und grinsten ziemlich breit, als sie die jubelnde Menge erblickten. Mit 'Secrets', welches mir live ungleich besser als auf Platte gefiel, erwischten die Schweden einen guten Einstieg, der jedoch noch von einzelnen (später wiederkehrenden) Spielfehlern seitens Oscars begleitet wurde. Gestört hat es indes keinen, und so steigerten sich die Reaktionen bei den folgenden Nummern 'Riders Of The Storm' und 'Renegade' mehr und mehr. Wie schon vermutet lag der Schwerpunkt natürlich auf dem aktuellen Album, doch HAMMERFALL spielten auch eine ganze Menge alte Sachen, von denen vor allem die Bandhymne 'Hammerfall' und die Power-Ballade 'Glory To The Brave' erstklassig waren. Unverständlich war lediglich, warum die Band so viel Material (okay, eigentlich nur drei Songs, aber definitiv zwei zu viel) vom schwachen "Renegade"-Album spielte, stattdessen hätte man besser mal Platz für 'The Dragon Lies Bleeding' und 'Legacy Of Kings' (wo waren diese beiden Klassiker eigentlich?) lassen sollen. Aber über Geschmack lässt sich ja im Falle HAMMERFALL leicht streiten…
Wie auch immer, in Sachen Show ließen HAMMERFALL absolut nichts anbrennen; die Band poste in allen Teilen der künstlichen Landschaft, schmiss massig Plektren ins Auditorium und suchte immer wieder den Kontakt zu den Fans. Leider äußerte sich dies manchmal in einigen gekünstelten Ansagen von Joacim, der es irgendwie mal wieder als Pflicht betrachtete, sämtliche Klischees herunterzurasseln, es dabei aber nicht wirklich schaffte, witzig zu sein. Da hätte man statt dem ganzen Gequatsche und den "spontanen" (hüstel…) Witzen besser ein oder zwei ältere Nummern mehr spielen können.
Weiterhin ist mir nicht ganz klar, warum die Band mittendrin ein Drum-Solo platzierte. Es war zwar eine nette Idee, Herrn Johansson diverse Metal-Klassiker am Schlagzeug spielen zu lassen, woraufhin die Menge dann auch in Stücke wie 'Run To The Hills' und 'Painkiller' einstimmte, aber mit zunehmender Dauer wirkte auch das wieder überladen. Apropos überladen: selbstverständlich mussten Hammerfall auch das Epos 'Knights Of The 21th Century' spielen, merkten dabei aber anscheinend nicht, dass diese Komposition die Stimmung hemmte und der einzige echte Langweiler im gesamten Set war.
So negativ einzelne Punkte jetzt klingen mögen, so geil war es am Ende trotzdem wieder, denn der laute Zuschauerchor, der bei der Zugabe 'Heeding The Call' fast alleine für den Gesang zuständig war und bei 'Let The Hammer Fall' richtig laut Krach machte, jagte einem schon den ein oder anderen gänsehaut-artigen Schauer über den Rücken. Und zu sehen, mit wie viel Spielfreude eine Band wie HAMMERFALL trotz aller überflüssiger Symbolik bei der Sache ist, finde ich ebenfalls jedes Mal wieder klasse. Die Setlist mag zwar im Endeffekt etwas unglücklich gewählt worden sein (manche Songs hätte man besser weiter hintern platziert, die Songauswahl wurde ja eben bereits kritisiert), konnte aber dennoch alle Anwesenden überzeugen.
Schön war am Ende der Show noch zu sehen, wie HAMMERFALL ihre Fans mit einbezogen. So durfte die Gewinnerin eines Karaoke-Wettbewerbs bei 'Blood Bound' auf der Bühne den Chorus mitgrölen, hielt sich aber unverständlicherweise dabei ziemlich zurück. Chance wohl vertan… Fast noch schöner war jedoch der Anblick eines echten Ruhrpott-Szene-Originals, der in stolzer Pose und mit recht beschaulichem Bierbauch ein Bier nach dem anderen vernichtete und trotzdem alle Texte zielsicher mitzwitscherte. Ein Anblick für die Götter, der mir letztendlich ebenso in Erinnerung geblieben ist, wie ein lohnenswerter Konzertabend, an dem mich die Headliner trotz einiger Kritik dann doch wieder überzeugen konnten. Aber vielleicht geht man mit den Bands, die man von Anfang an geliebt hat, ja immer etwas härter ins Gericht…

Setlist:
Secrets
Riders Of The Storm
Renegade
Let The Hammer Fall
Living In Victory
The Templar Flame
Drum Solo
Fury Of The Wild
Glory To The Brave
Hammerfall
Knights Of The 21st Century
Hammer Of Justice
Crimson Thunder
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Templars Of Steel
Heeding The Call
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Blood Bound
Hearts On Fire

Redakteur:
Björn Backes

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