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Headbangers Open Air - Brande-Hörnerkirchen

26.09.2008 | 17:30

24.07.2008, Festivalgelände

Donnerstag, 24.07.08

Es ist, wie es immer ist: Der erste Tag des besten deutschen Festivals beginnt, und die Sonne scheint. Wie könnte es auch anders sein. Der Garten soll ja erneut brennen. Und mit einer Besetzung, die Bands des Kalibers EXODUS, LETHAL, DÉTENTE, NEW EDEN und BEEHLER im Programm hat, sollte das ja auch kein Problem darstellen. Also mache ich mich auf den Weg zur größten Metal-Garten-Party, die die alte Welt zu bieten hat.

Bei der ersten Band handelt es sich um die deutschen MESSENGER, die ich bis dahin nicht kenne. Ihr sehr melodischer Teutonen-Metal ist dann allerdings auch nicht meine Kragenweite und lässt mich relativ kalt. Heiß hingegen ist das Pierre-Brice-Outfit von Shouter Siegfried Schüßler, welches die erste Gesichtsgrätsche des Tages darstellt. Ohne jetzt zu viel zu verraten, es sollen weitere folgen. Die Band spielt zwar tight und wirkt auch bühnensicher im Stageacting, verursacht allerdings spätestens beim HELLOWEEN-Cover 'Dr. Stein' nervöse Zuckungen in meinen Wahrnehmungsorganen. Zeit für eine Kaltschale.

Da ANCESTRAL kurzfristig absagen mussten, stehen als nächstes ROXXCALIBUR auf dem Speisenplan. Dabei handelt es sich um das Sideprojekt einiger VIRON- und ABANDONED-Musiker, welches sich der NWoBHM verschrieben hat. Bin ich bei solchen Bands von Natur aus skeptisch, so braten mich die fünf Rheinländer mit 'Helpless' von DIAMOND HEAD erstmal völlig um. Spielfreude an allen Ecken und Enden und eine musikalisch erstklassige Umsetzung sorgen für freudige Gesichter auf dem gesamten Gelände. Und: Diese Nummer sollte zusammen mit 'See You In Hell' (GRIM REAPER) auch der einzig wirklich bekannte Track in der mitreißenden Tracklist bleiben. Mit JAMESON ROADs '7 Days Of Splendor' oder dem grandios umgesetzten 'Witchfinder General' der gleichnamigen Kult-Band schießen ROXXCALIBUR nämlich weitaus obskureres Material nach, was beim HOA-Publikum natürlich fantastisch aufgenommen wird. Die amüsanten Seitenhiebe auf METALLICA in VARDIS' 'If I Were King' sorgen obendrein für Sympathiepunkte. Ganz großes Kino!

Mit diesem Adrenalinschub im Blut, freue ich mich noch ein bisschen mehr auf DEADLY BLESSING, deren Album "Ascend From The Cauldron" auch nach zwei Dekaden noch immer regelmäßig in meiner Anlage rotiert. Allerdings singt darauf natürlich die Obersirene Ski, die aktuell mit seiner neuen Band FAITH FACTOR für Aufsehen im Underground sorgt. Sein Nachfolger Stephen Childs ist mir bislang noch nicht unter die Löffel gekommen. Also bin ich gespannt. Allerdings wird bereits beim eröffnenden 'Search & Destroy' klar, dass Stephen leider nicht in die großen Fußstapfen seines Vorgängers hineinpasst. Während musikalisch alles im grünen Bereich angesiedelt ist, liegt er ab und an deutlich neben der vorgegebenen Spur. Wie sich hinterher herausstellt, ist er zwar auch noch krank, dies kann meine Enttäuschung während des Auftrittes allerdings nicht mildern. Eigentlich schade, denn die beiden neuen Titel, der auf dem Festival für lumpige drei Euro zu erwerbenden CD, hinterlassen einen deutlich besseren Eindruck. Man kann nicht alles haben.

Nach einem leckeren Nacken im Brötchen geht es zu BENEDICTUM, der Band um Frontfrau Veronica Freeman. Erster Unterschied zu den Bands zuvor: Der Sound ist mit einem Mal deutlich fetter. Ein Bonus, den Madame Freeman mit ihrem Auftreten allerdings schnell wieder zunichte macht. Während die Band soliden, stampfenden Midtempo-Metal serviert, der teilweise unter zu hohem Keyboard-Anteil leidet, agiert die übertrieben sexy gestylte Frontfrau mal wie eine indische Bauchtänzerin, mal wie eine Dame aus dem Rotlichtgeschäft. Wer seinen Metal mit dem Schwanz wahrnimmt, wird das sicherlich toll finden. Ich bin schnell genervt und fasse es nicht, als man dann auch noch 'Balls To The Wall' mit einem Publikumsgast in die Menge schmettert. Das ist mir viel zu platt.

Nun wird es nervig, denn die ungewöhnlich lange Umbaupause vor der Bay-Area-Legende EXODUS will partout nicht enden. Egal, ich habe Bock auf diese amtliche Packung. Die Herren Altus und Holt zählen nach meiner bescheidenen Meinung zu den besten Gitarrenduos des Metal-Genres. Außerdem ist die Rede von einer Setlist, die sich sehr stark auf die alten Klassiker konzentrieren soll. Die Vorzeichen stehen also auf Sturm oder besser: auf Orkan. Lediglich meine Skepsis bezüglich der neuen Rampensau Rob Dukes, dessen Organ ich auf Konserve schätze, den ich allerdings bisher noch nicht live erlebt habe, will nicht verfliegen. Als EXODUS die Bühne dann endlich mit 'Bonded By Blood' entern, weicht die Skepsis, und mein Kopf beginnt wie von allein zu wackeln. Rob versteht es, Paule zumindest stimmlich zu ersetzen. Kann also nichts mehr schiefgehen, denke ich noch und freue mich auf 90 Minuten rasanten Rhabarber-Thrash. Da stören mich auch zwei neue Nummern nicht im Geringsten, denn die Band spielt sich in einen wahren Rausch, welcher sich auch auf die Menge überträgt. Gut, die prolligen Ansagen nerven ein wenig, aber solange der Onkel lediglich über seine Körperflüssigkeiten referiert, ist mir das relativ Latte. Als er dann allerdings zur Einleitung von 'Children Of A Worthless God' einen patriotischen Monolog intoniert und dabei solch unglaubliche Sätze wie "they don't even give razors to their women ..." raushaut, kippt die Stimmung merklich. Trotz einer wirklich amtlichen musikalischen Leistung und einer gelungenen Setlist – es folgen unter anderem 'Fabulous Desaster', 'And Then There Were None',' Blacklist' und 'Toxic Waltz' – bin ich genervt. Ein Umstand, den die von The Dukes gewünschte Wall Of Death dann nicht ändern kann. Im Gegenteil. Ich verziehe mich und verzichte sogar auf den Genuss von 'Hell's Breath'. Angeblich hat sich Gary Holt hinterher bei einigen Fans noch für die Ansagen entschuldigt, was ich aber nicht leibhaftig mitbekommen habe. Zurück bleibt die Erinnerung an eine musikalische Superleistung, die leider von der Rampensau mit den bunten Armen zerstört wurde. Schade.

Redakteur:
Holger Andrae

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