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Headbangers Open Air - Brande-Hörnerkirchen

09.10.2019 | 19:16

25.07.2019, Der Garten

Dass 22. HOA findet bei bestem Wetter und mit einem sensationellen Line Up statt und ist somit ein absolutes Highlight des diesjährigen Festivalsommers.

Als ich aufs Gelände komme, spielen die Sauerländer namens MIRRORPLAIN schon eine Weile. Die Band, die aktuell als Support der später auftretenden QUEENSRYCHE unterwegs sind, bieten ganz ordentlichen Heavy Metal, der zum Ankommen recht nett ins Ohr geht. Die melodischen Arrangements gefallen mir ziemlich gut und auch der Gesang geht fluffig in den Gehörgang. Allerdings hapert es ein bisschen in Sachen Ausstrahlung und Bühnenpräsenz, sodass der Funke nicht wirklich aufs Publikum überspringen mag. Vielleicht habe ich auch einfach zu wenig gesehen oder bin noch gar nicht wirklich anwesend, denn andauernd wird man durch irgendwelche Begrüßungsrituale abgelenkt.

 

Die zweite Band des heutigen Eröffnungstages nennt sich HIDDEN INTENT, ein australisches Thrash-Trio, welches bereits zwei Longplayer und einige Singles und Demos am Start hat. Mir ist die Band bis dato nicht bekannt, aber ihr aggressiver Thrash passt wunderbar zum ersten Bier am heutigen Tag. Da man gleich zu Beginn natürlich auch das eine oder andere Begrüßungsritual hinter sich bringen muss, ist es ganz formidabel, wenn als Beschallung dazu eine gelungene Coverversion gespielt wird. 'Orion' von Metallica kann man sich da schon mal gefallen lassen. Im weiteren Verlauf servieren die drei extrem spielfreudigen Herrschaften einige Songs ihrer Veröffentlichungen und man merkt ihnen an, wie sehr sie es genießen, vor so einem wohlwollenden Publikum auftreten zu dürfen. Die anwesenden Fans lassen sich die Riffs auf jeden Fall gut ohren und gehen gut ab. Als dann schlussendlich mit 'Altar Of Sacrifice' auch noch ein Klassiger dieser überdimensionalen Regen-Scheibe zum Besten gegeben wird, sieht man, wie sich etliche vor der Bühne den Hals abschrauben. Gelungener Auftritt einer sehr sympathischen Truppe.

Setliste: Orion; Walking Through Hell; Imminent Psychosis; Apocalypse Now; Petrified; Prey For Your Death; Addicted To Thrash; Altar Of Sacrifice


Für die nächste Band müssen wir nicht mal die Sprache wechseln. ESPIONAGE kommt nämlich ebenfalls aus Australien. Musikalisch ist das Quartett aber verspielter unterwegs als ihre Vorspieler. Ich würde den Stil des Quartetts eher im Speed Metal verorten als im Thrash, aber wer bin ich schon, diese ineinander übergreifenden Stilmittel zu definieren? Eben. Fakt ist, dass die Band um Sänger und Bassist Andrew Morris irgendwie eleganter musiziert als HIDDEN INTENT. Hinzu kommt der Umstand, hier mit zwei Äxten Alarm machen zu können, was die Jungs auch voll ausnutzen. Die Riffs knallen gut durch die Scheune und begeistern die Hartgesottenen, die sich schon am frühen Nachmittag in die bratende Sonne stellen. Mich will das aber nicht so ganz überzeugen, was ich sehr schade finde, da ich das Album "Digital Dystopia" wirklich gelungen finde. Heute will der Funke trotz der Temperaturen nicht überspringen, da mir die Rotzigkeit fehlt, die ich bei dieser Stilistik sehr mag. Das ist musikalisch zwar alles erste Sahne, aber die Darbietung ist mir zu geföhnt. Obendrein gibt es unzählige Menschen zu begrüßen, sodass ich ESPIONAGE nicht in voller Länge anschaue.

Setliste: Digital Dystopia; At Lightspeed We Strike; Nightmare Approaches; Falling From The Skies; Hellfire; (Drum solo); I Wana Be Somebody (WASP Cover); Nuclear Eclipse; Wings Of Thunder; Light Begins To Fade

 

Mein Donnerstag-Highlight ist als nächstes an der Reihe und so begebe ich mich nach vorne in den Bereich der Fußwipper. SANHEDRIN ist für mich eine der besten aktuellen Bands und ihr Auftritt bei HELL OVER HAMMABURG vor knapp fünf Monaten zählt zu meinen Konzerthighlights des laufenden Jahres. Entsprechend hoch sind meine Erwartungen, die das Trio aus Brooklyn aber sofort erfüllt. Der gute Sound, der allen drei Instrumenten den nötigen Freiraum lässt, erquickt sofort die Gemüter und wenn Erica singt, ist die Welt für einen Moment nicht beschissen. Dazu dann Jeremys unaufgeregtes, aber extrem effizientes Gitarrenspiel und fertig ist meine Metaller-Glückseligkeit. Wie schon beim HOH überzeigt die Band durch eine ungemeine Tightness. Das Zusammenspiel ist so wunderbar cremig, hat aber trotzdem den Crunch, den solche Musik einfach benötigt. Das scheint das Publikum genauso zu empfinden, denn der Applaus ist mehr als freundlich. Davon offensichtlich angestachelt, geben die drei Musikanten auf den Brettern der Scheune so ziemlich alles. Da muss Erica die Menge während der Instrumentalpassagen gar nicht zum Mitmachen auffordern, das klappt von ganz alleine. Freudiges Grinsen auf den Gesichtern der Akteure. So entsteht ein intimes Verhältnis zwischen Band und den Zuschauern, welches gerade auf einem Open Air nicht sonderlich häufig vorkommt. Ich muss jetzt gar nicht auf einzelne Songs eingehen, denn einen weniger guten Titel haben die Drei bislang noch nicht aufgenommen. Mich freut aber das als Zugabe gespielte 'For The Wicked', welches eine glücklich erschöpfte Menge zurück lässt. Bombenauftritt!

Setliste: The Getaway; Mediation; Riding On The Dawn; Demoness; Collateral Damage; Wind On The Storm; Die Trying; Blood From The Stone; In From The Outside; For The Wicked

 

Die Coverband SLADE UK schenke ich mir, da man irgendwann auch mal Nahrung aufnehmen muss. Das, was uns da beim genüßlichen Mampfen die Gespräche untermalt, klingt aber wie ein unterhaltsames Potpourri bekannter Klassiker. Ein kurzer Blick zum Abschluss bestätig die von außen wahrgenommen gute Laune und sieht authentisch verkleidete Musiker, die zur allgemeinen Erheiterung sogar noch den Weihnachts-Hit spielen. Kann man machen.

 

Den ersten Tag beschließt der Seattle-Fünfer QUEENSRYCHE, der mit diesem Auftritt seine Tour einläutet. Die Band hatte aber offenbar Probleme bei der Anreise, denn beim vorher geplanten Meet & Greet waren die Herrschaften leider noch nicht im Garten angekommen. Dumm gelaufen. Leider verzögert sich auch der Start des Auftrittes um gute 45 Minuten, was sicherlich passieren kann. Was ich allerdings nicht verstehe, wieso es in der gesamten Wartezeit keinerlei Kommunikation mit der wartenden Menge gibt. Dies führt nach einer halben Stunde auch zu ersten Unmutsäußerungen, die mit der Zeit immer lauter werden. Als die Band dann endlich loslegt, ist die Stimmung erstmal etwas unterkühlt, da es auch nun keinerlei Kommentar zu der Verzögerung gibt. Obendrein ist der Sound, der bis dahin durchweg gut bis sehr gut war, viel zu laut. Vor allem das Schlagzeug ist sehr dominant und dröhnend, während die Gitarren viel zu leise aus den Boxen tönen. Glücklicherweise relativiert sich dieser Missstand mit der Zeit etwas, aber so gut wie bei den Bands vorher wird es leider nicht mehr. Wenden wir das Augenmerk aber auf das eigentliche Geschehen, dann erleben wir vor allem einen Todd LaTorre in ausgezeichneter Stimmverfassung. Er meister die schwierigen Tate-Nummern recht problemlos. Leider scheinen die Herren Wilson und Jackson aber heute etwas unterwältigt zu sein, denn im Gegensatz zum sensationellen Auftritt im Knust vor wenigen Jahren, ist das alles eher etwas hüftsteif. Überraschend flexibel ist allerdings die Songliste, in der von allen (relevanten) Alben mindestens ein Titel zum Zuge kommt. Ich hätte mir zwar 'Queen Of The Reich' als spannungsgeladene Zugabe gewünscht, aber 'Empire' ist natürlich auch ein feiner Rausschmeißer. Sehr angenehm fand ich natürlich mal wieder den "Rage For Order"-Knaller 'Dream In Infrared', sowie 'I Am I' vom völlig unterschätzten gelobten Land. Insgesamt ein guter, aber kein sensationeller Gig.

Setliste: Blood Of The Levant; I am I; NM 156; Man The Machine; Walk In The Shadows; Condition Human; Queen Of The Reich; Silent Lucidity; Open Road; Propaganda; Screaming In Digital; Take Hold Of The Flame; Eyes Of A Stranger; Light Years; Jet City Woman;Empire

[Holger Andrae]
Alle Photos von Taina "Petrunella" Keck

Redakteur:
Holger Andrae

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