Headbangers Open Air 2014 - Brande-Hörnerkirchen

16.08.2014 | 01:51

25.07.2014, Scheune

Die größte Gartenparty der Welt!

Alle Jahre wieder versammelt sich eine doch recht stattliche Gruppe von POWERMETAL.de-Schreibern und Forenbewohnern im holsteinischen Brande-Hörnerkirchen, weil das dortige "Headbangers Open Air" einfach eines der entspanntesten, gemütlichsten, sympathischsten Festivals ist, welches die traditionelle Metalszene zu bieten hat. Die viel beschworene Grillparty im Garten ist aber nach wie vor nicht nur ein toller Treffpunkt für die Metalheads, sondern ein wirklich ernst zu nehmendes Festival für all jene Untergrund-Wühlmäuse, die nicht nur auf die alten Kultkapellen aus Nordamerika und Großbritannien scharf sind, sondern auch mal den einen oder anderen Exoten aufgetischt haben wollen, den man in Deutschland noch seltener zu Gesicht bekommt, als die dritte Reihe der NWoBHM- und US-Metal-Veteranen. So bietet das HOA in steter Regelmäßigkeit junge Newcomer oder alte Schlachtrösser aus Spanien, Frankreich, Polen, Italien und vielen Ländern mehr auf, was es in dieser Form nur selten gibt, und so legt dann auch gleich mal ein nachgewachsenes Exponat dieser Sorte los...

Die Rolle des Openers haben dieses Mal vier junge Spanierinnen mit ihrer Kapelle LIZZIES, deren Name und Logo eine starke Affinität zu THIN LIZZY suggeriert, die sich jedoch musikalisch nicht wirklich bestätigt. Dafür sorgt die Optik der feschen Damen zu dieser frühen Stunde sowohl für einen ganz ordentlich gefüllten Garten als auch für einen übervollen Photograben, in dem es allenfalls bei den Headlinern noch etwas enger zugehen sollte. Doch kommen wir zum Auftritt an sich, und der heizt dem Publikum ganz gut ein (was ja in Anbetracht der hohen Temperaturen im subtropischen Holstein gar nicht nötig wäre). Klassischer, rockiger Heavy Metal, schnörkellos mit leichtem Hang zum Speed Metal und einem guten Schuss MOTÖRHEAD oder eben GIRLSCHOOL (der Vergleich war klar, oder?): Das ist das Metier der vier Lieseln aus Madrid, die alle angenehm bodenständig auftreten, sich auch außerhalb der Bühnenzeit auf dem Gelände wohl fühlen und sichtlich Freude an ihrem Opener-Slot in Brande-Hörnerkirchen haben. Sängerin Elena Zodiac (vermutlich nicht die Tochter von Steve Zodiac) hat eine raue, etwas quäkige Stimme, die aber sehr gut zu den knackigen, meist kurzen Songs passt und dem gradlinigen, rotzigen Metal passt; der verzerrte Bass verstärkt die hörbaren Lemmy-Einflüsse, und davon abgesehen weiß die Setlist, die quasi das gesamte bisher existierende Material der Band enthält, auf ganzer Linie zu gefallen, so dass es nach dem Verklingen der letzten Töne sehr schnell geht und die beiden mitgebrachten Releases (Demo und MCD) restlos ausverkauft sind. Die Mädels können den Einstand im hohen Norden also als vollen Erfolg verbuchen, und es bleibt zu hoffen, dass die sich aus den Livequalitäten ergebende Stärke sich auch in Bälde auf Albumdistanz zeigen wird.

[Rüdiger Stehle]

 

Fünf Jahre nach seinem ersten Auftritt beim HOA ist Nick Turbin zurück mit seinen HELLRIDERS, und die Freunde des ganz frühen Materials der East-Coast-Rasselbande ANTHRAX dürfen sich einmal mehr auf eine Vollbedienung in Sachen "Fistful Of Metal" freuen. Feiner Speed Metal mit echten Hymnen ist also angesagt, und die werden von der Originalstimme vorgetragen. Damit sind wir natürlich auch gleich beim faden Beigeschmack der Sache, denn auch wenn Neil Turbin nach wie vor Ausstrahlung und eine tolle Stimme hat, lebt er doch nahezu ausschließlich von der Vergangenheit und hat es mit seiner bereits seit über dreizehn Jahren aktiven Band bis heute nicht geschafft, eigenes Material in die Regale zu hieven. Aktuell ist zwar auf der Bandhomepage das Debütalbum "The Metal Beast" für 2014 angekündigt, dennoch packt die Truppe tatsächlich mit 'Ride With Death' nur einen einzigen neuen Song ins Programm, wohingegen der Rest der Setlist aus der kompletten "Fistful Of Metal"-Album inklusive ALICE COOPER-Cover und den beiden anderen alten ANTHRAX-Schoten 'Raise Hell' und 'Gung-Ho' als Zugabe besteht. Da bleibt zu hoffen, dass diese Wahl dem Event an sich und den Fans geschuldet ist, und dass sie nicht auf mangelndes Selbstvertrauen betreffend die aktuelle Schaffensphase schließen lässt. Wenn wir uns indes auf das konzentrieren, was heute tatsächlich auf der Bühne stattfindet, dann ist Neil Turbin und seinen Sidekicks in jedem Fall eine tighte, überzeugende Vorstellung zu attestieren. Der Frontmann selbst wirkt auf der Bühne mit seiner roten Brille, sowie dem Zylinder mit den Teufelshörnchen zwar etwas skurril, doch zum einen hat er die allzu auftrumpfenden True-Metal-Ansagen des letzten Gigs in der Mottenkiste gelassen, und zum anderen gibt er sich abseits der Bühne sehr entspannt und basisnah. Er ist in jedem Fall einer der schrillsten Screamer des ganzen Wochenendes und in Anbetracht der Hitdichte verwundert es auch kaum, dass das Publikum gut mitgeht und die Reiter am Ende auch ordentlich feiert. Dennoch, ich kann es nur noch einmal betonen: Es ist sehr schade, dass Neil Turbin zwar tonnenweise DEATHRIDERS-Merchandise am Start hat, doch kaum neues Material, welches dem Publikum das Gefühl geben würde, durch seine Merch-Käufe auch eine aktive Band mit eigenem Anspruch zu unterstützen. So hat das Ganze halt doch viel von einer ANTHRAX-Covershow mit Originalstimme. Das heißt nichts Schlechtes, aber mit mehr Blick nach vorne würde mir die Sache doch noch deutlich besser gefallen.

Setlist: Deathrider, Metal Thrashing Mad, Ride With Death, Death From Above, I'm Eighteen (ALICE COOPER-Cover), Across The River, Howling Furies, Subjugator, Raise Hell, Anthrax, Soldiers Of Metal, Panic, Gung-Ho

[Rüdiger Stehle]


Sean Peck ist aktuell der ungekrönte König der von Rob Halford erfundenen und geprägten Kopfstimme, denn niemand screamt momentan extremer. Diese Regentschaft hat sowohl Licht- als auch Schattenseiten für CAGE, denn Seans stimmliche Performance spaltet das Publikum etwas. Entweder man lässt sich überaus gern von Sean an die Wand kreischen und kriegt dabei den Kiefer nicht mehr vom Boden hoch, oder es ist einfach too much, sodass man die stimmlichen Höhen nicht mit erklimmt und recht schnell ermüdet. Verständlich, denn wenn man pausenlos eins auf die Nase bekommt, spürt man irgendwann nichts mehr. Doch es scheinen recht viele Fans Seans extremer Kopfstimme im Garten anwesend zu sein, denn im Bereich direkt vor der Bühne bis zur Mitte des Geländes stehen die Leute recht dicht gedrängt, singen im Maximum der persönlichen Stimmreichweite enthusiastisch mit, tragen dem Faustfaktor der Songs Rechnung und unterstützen Sean und das Gitarrenduo, das nicht nur zufällig Ähnlichkeit mit dem legendären Trio Halford/Tipton/Downing hat, fleißig beim Posen im Ausfallschritt. Die Zaungäste und Skeptiker verfolgen das priestig-powermetallische Geschehen aus sicherer Entfernung vom Bierstand oder dem hinteren Teil des Gartens. Manch einer bewegt sich nach einer gewissen Eingewöhnungsphase sogar weiter nach vorne in den Kreis der Fans und verweilt dort bis zum Schluss, sodass sich CAGE gegen Ende doch einige neue Fans erspielt haben dürfte. Schlecht hört man jedenfalls im Laufe des Abends nur die Wenigsten über die Show sprechen. Und diese Wenigen halten "Painkiller" auch für ein überbewertetes Album, sodass man als Fan immerhin gleich weiß, mit wem man es da zu tun hat, [rede nicht schlecht über unseren holg! FJ] denn schneller, kraftvoll gekreischter Heavy Metal geht kaum besser, sowohl auf "Painkiller" als auch bei CAGE.

Setlist: Hell Destroyer, Planet Crusher, I Am The King, Fall Of The Angels, Kill The Devil, Scarlet Witch, Beholder, Metal Devil, King Diamond, Philadelphia Experiment, White Magic, Final Solution

[Arne Boewig]



Im Vorfeld habe ich mich bei OLIVER/DAWSON SAXON auf eine schöne und entspannte musikalische Untermalung zum geselligen Trinken und ausgelassenen Mitsingen eingestellt. Selten habe ich ein Konzert im Vorfeld so unterschätzt. Am meisten überraschte mich Sänger Bri Shaughnessy, der sonst bei SEVENTH SON das Mikro schwingt. Bris Stimme ist Biff Byford ähnlich genug, damit sich die Klassiker echt anfühlen, ohne zu sehr zu kopieren. Außerdem agiert Bri auf der Bühne durchaus mit einer Menge Charisma, sodass er im direkten Vergleich mit Biff weitaus weniger blass wirkt als man im Vorfeld gedacht hatte. Im Verlauf der Show verschiebt sich mein Fokus von Steve Dawson und Graham Oliver nämlich recht fix auf Mr. Shaughnessy, der sowohl stimmlich als auch bei der Interaktion mit dem Publikum ordentlich Alarm macht. Den Rest besorgen dann natürlich die Songs, denn die Werke der klassischen SAXON-Besetzung sind unsterbliche Klassiker der NWoBHM, die man viel zu selten hört. Die Veteranen feuern einen Hit nach dem anderen ab und ernten von Anfang bis Ende begeisterte Reaktionen, wobei während 'Crusader', 'Denim And Leather', 'Wheels Of Steel' und '747 (Stangers In The Night)' im Publikum am meisten die Kuh fliegt. Bri verkündet kurz vor Schluss, dass OD SAXON demnächst ein Album mit eigenen Songs herausbringen wird und man das unbedingt antesten sollte. Meiner Auffasssung nach besteht der Reiz von OD SAXON jedoch gerade darin, dass es hier nur um das Frühwerk geht. Die "echten" SAXON machen ja schließlich bis heute ordentliche bis sehr gute Alben, sodass zumindest für mich und die meisten anderen Fans dieses Unterfangen momentan eher albern erscheint. [Ganz im Gegenteil! - RS] Dennoch: Abwarten. Vom mäkeln zurück zum livehaftigen Geschehen: der 70-minütige Triumphzug vergeht wie im Flug und beweist, dass so ein Co-Headlinerslot nicht ausreicht, um das imposante Frühwerk von SAXON entsprechend zu präsentieren, denn der Adler hätte gerne noch im Garten landen dürfen und ein bisschen "Heavy Metal Thunder" wäre ganz bestimmt auch nicht verkehrt gewesen. Das ist jedoch Nörgeln auf hohem Niveau, denn auch so geht der Überraschungssieg des Tages an OD SAXON.

Setlist: Rock'n'Roll Gypsy, Strong Arm Of The Law, Whippin' Boy, Denim And Leather, Crusader, 747 (Strangers In The Night), Dallas 1 P.M., Motorcycle Man, Wheels Of Steel, Redline

[Arne Boewig]

 

WARLORD und kein Ende! Lange Zeit war es der unerfüllte Wunsch zahlreicher Freunde der gepflegten metallischen Epik, die US-Amerikaner um den exzentrischen Gitarrenhexer William J Tsamis einmal im Leben live sehen zu können, und jetzt schlägt die Underground-Institution gleich reihenweise zu. Ohne es direkt darauf angelegt zu haben, darf ich heute WARLORD zum dritten Mal in nur sechzehn Monaten sehen, und ich stelle fest, dass diese Konzerthistorie eine Fahrt mit Höhen und Tiefen zu werden scheint. War der KIT-Auftritt 2013 trotz eines hervorragenden Giles Lavery am Mikro doch etwas zäh und hüftsteif, so empfand ich den Gig vor einigen Wochen beim "Bang Your Head" geradezu als Triumphzug, obwohl die Band lediglich einen Opener-Slot hatte. Heute sind die Vorzeichen umgedreht, denn zum einen ist WARLORD jetzt der Headliner eines kleinen Festivals anstatt der Opener eines großen Events, und zum anderen ist die Erwartungshaltung des Rezensenten nach der gelungenen Feuertaufe in Balingen viel höher, bei welcher der neue zypriotische Sänger Nicholas Leptos eine hervorragende Figur abgab. Somit kommt es, wie es kommen muss: Die Truppe um Tsamis und Wunderdrummer Mark Zonder steigt mit 'Lucifer's Hammer' und 'Mrs. Victoria' zwar direkt furios in ihren Gig ein und setzt dem danach mit 'Winter Tears' und 'Black Mass' auch noch ordentlich was drauf, doch irgendwann gerät der Spielfluss ins Stocken und die Angelegenheit beginnt etwas zäh zu werden. Die Setlist - welche jener von den Headliner-Gigs in Griechenland entspricht - hat eben im Gegensatz zum Balingen-Set nicht fast ausschließlich die Knaller aus der Frühphase im Gepäck, sondern setzt mit je fünf Songs auch ausgedehnte Schwerpunkte bei "Rising From The Ashes" und dem neuen Album "The Holy Empire", die eben ein gutes Stück getragener und perseverativer sind, als das Material von "Deliver Us" und "And The Cannons...", und die beim Publikum eben auch lange nicht diesen Status einnehmen. Dadurch wird dem einen oder anderen Besucher das Ganze doch nach einer Dreiviertelstunde etwas zu langatmig. Auch sprüht die Band nicht unbedingt vor Spielfreude und wirkt etwas unmotivierter als noch beim "Bang Your Head", was unter Umständen seinen Grund darin haben mag, dass die Bandmitglieder - allen voran Perfektionist Mark Zonder - mit dem Bühnensetting, der Beleuchtung und dem Sound nicht zufrieden waren, wie dieser später bemerken sollte. Dabei gibt es aus Publikumssicht am Sound nichts auszusetzen, und die Lightshow ist halt die Lightshow einer kleinen Gartenbühne und nicht die einer professionellen Festivalbühne. Aber wie gesagt: Der Gig krankte weder am Sound noch an der Beleuchtung, sondern einfach daran, dass es die Band mit ihrem neueren Material trotz durchaus starker Stücke nicht schaffen kann, dieselbe Euphorie auszulösen wie mit den alten Hits. Da das Oeuvre der Band aus den Achtzigern jedoch überschaubar ist, und kaum reicht, einen Headliner-Slot zu füllen, wird sich dieses Dilemma schwerlich lösen lassen. Entweder das kommende Album wird überraschend ein Knaller erster Kajüte, oder wir werden uns damit abfinden müssen, dass WARLORD doch eher in der Lage ist, die Rolle als bärenstarker Anheizer eines kleinen Festivals auszufüllen als die Rolle des Headliners eines Underground-Festivals. Offenbar deckt sich das auch mit dem Selbstverständnis der Protagonisten Zonder und Tsamis, die WARLORD offenbar eher auf den großen Bühnen zu Hause wähnen. Aber wollen wir nicht zu sehr darauf herumreiten, denn das würde den Nachhall des Gigs in Brande-Hörnerkirchen dann doch zu sehr schmälern. Immer wenn die Band nämlich etwas mehr Gas gibt, wie beim grandiosen 'Kill Zone' (mein persönliches Highlight vom aktuellen Album), oder natürlich wenn sie Asse wie 'Aliens', 'Lost And Lonely Days', das obligatorische 'Child Of The Damned' oder natürlich die erste Zugabe 'Deliver Us From Evil' aus dem Ärmel schüttelt, regiert sie den Garten majestätisch, sodass alles in allem doch das Licht den Schatten überwiegt und ein guter Gig zu Buche schlägt, der allerdings nicht die selbe Wirkung auf die Leute entfalten kann wie jener der Band zuvor, so dass Arne Recht behält: Der Tagessieger ist Sachse!

Setlist: Lucifer's Hammer, Mrs. Victoria, Battle Of The Living Dead, Winter Tears, Black Mass, War In Heaven, Glory, Aliens, Night Of The Fury, Lost And Lonely Days, City Walls Of Troy, Kill Zone, Winds Of Thor, Child Of The Damned, Achilles Revenge. Zugabe: Deliver Us From Evil, 70.000 Sorrows.

[Rüdiger Stehle]


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Redakteur:
Holger Andrae

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