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Headbangers Open Air 2014 - Brande-Hörnerkirchen

16.08.2014 | 01:51

25.07.2014, Scheune

Die größte Gartenparty der Welt!

NWoBHM zum ersten Kaffee des Tages. Dazu ein strahlend blauer Himmel und eine Sonne, die noch nicht zu heiß brennt. So kann ein Samstag gern beginnen. Wobei ich gestehen muss, dass ich von SOLDIER lediglich den Singlehit 'Sheralee' so richtig gut kenne. Natürlich habe ich mich in den letzten Wochen ein bisschen schlau gehört, aber wirklich vertraut mit dem Material der Band bin ich jetzt nicht. Ein Jammer, denn das Quintett macht von Beginn an mächtig Laune. Sänger Richard Frost, der erst seit 2012 mit von der Partie ist, entpuppt sich schnell als sympathischer Frontmann mit Humor und Entertainerqualitäten. Immer wieder bindet er das gut gelaunte und zu dieser Tageszeit schon recht zahlreich anwesende Publikum in die mitreißende Show der Band ein, so dass ich - wie so oft beim Headbangers-Open-Air - feststellen muss, dass NWoBHM, wenn er knackig vorgetragen wird, einfach immer wunderbar funktioniert. Dieser britische Klang, der sofort angenehm in der Magengegend blubbert, die schwungvolle Taktgebung und die Hooks lassen eben auch alte Hüften schwingen und lahme Füße wippen. Wenn dann mit 'Storm Of Steel' oder 'Dogs Of War', dem Titelsong des aktuellen Albums, auch noch hochkarätiges Songmaterial dazu kommt, kann nichts mehr schief gehen. So natürlich auch nicht bei den Soldaten, die abgefeiert werden wie kleine Helden.

[Holger Andrae]


Kalter Stahl am heißen Mittag, kann das gut gehen? Im Falle der New Yorker Thrasher von COLDSTEEL auf jeden Fall. Die haben es sich, nach einer EP im letzten Jahr und Demoveröffentlichungen beim Qualitäts-Archäologen für Metal, Stormspell Records, nun zur Aufgabe gemacht, dem HOA-Publikum einen energischen Mix aus Thrash und Hardcore der alten Schule um die Ohren zu hauen. Früher Crossover und Wollmützen sind zu erwarten und die Band liefert ab dem ersten Song. Eine eingespielte Backingband und ein Sänger, der gut bei Stimme ist, in den Ansagen mächtig einen auf "New York Old School" macht, das überzeugt nicht alle, mir macht es aber richtig Spaß. Das gute Zusammenspiel der Band erklärt sich übrigens dadurch, dass diese auch unter dem Namen SANITARIUS aktiv ist, weshalb in der Mitte des Sets ein kleines Intermezzo in Form einiger Stücke dieser Band zum Besten gegeben wird. Hier ist dann deutlich traditionellerer US Power Thrash an der Reihe, der den einen oder anderen Puristen wieder milde stimmt, bevor es zum Abschluss nochmals mit dem Klassiker 'Crackdown' "New York Style" eins auf die (Woll-)Mütze gibt. Ein gelungener Auftritt, der vor allem auch für SANITARIUS als gute Visitenkarte durchgeht, da die Herren unter diesem Namen auch noch die Aftershow-Party bespielen werden.

Setlist: Dead By Dawn, Ashes To Ashes, You Lose, Blood Secrets, Shell Shock, America Idle, Truth Or Dare, Zero Stance (SANITARIUS), Shell Shock (SANITARIUS), Crackdown, Eyes To The Soul (SANITARIUS)

[Raphael Päbst]


Französische Bands haben auf dem HOA Tradition und konnten mich bisher, auch wenn ich in diesem Gebiet eher unbeleckt bin, vor Ort eigentlich immer überzeugen. Im Gegensatz zu den Landsmännern BLASPHÈME im Vorjahr spielt für ADX heuer das Wetter mit und spendiert dem Speed Metal in Landessprache eitel Sonnenschein. Somit sind die Bedingungen perfekt und die Band nutzt die Chance, ihr umfangreiches Werk in allen Facetten zu präsentieren. Die sind vor allem mal schnell und erstrecken sich über gut 30 Jahre. Speed Metal kommt auf dem HOA ja immer gut an und somit stört die Sprachbarriere auch nur die wenigsten. Sänger Phil Grelaud bemüht sich um ein paar englische Ansagen, fällt aber immer wieder ins Französische zurück, in dem er sich hörbar wohler fühlt. Stimmlich ist der Herr jedoch voll auf der Höhe und erreicht diese in den Liedern auch mühelos. Das Publikum ist angetan und so fliegen Haare und Fäuste und ADX kann sich über viel Applaus freuen. Somit wächst bei mir von Lied zu Lied einmal mehr die Überzeugung, dass ich mich dringend mehr mit dem französischen Metal befassen sollte und ich bin gespannt, welchen Vertreter der Spielart das HOA uns nächstes Jahr präsentieren wird.

[Raphael Päbst]


Ja, das hat er wirklich Recht, der gute Raphael: Wo beispielsweise das "Keep It True" fast ausschließlich - von einigen Farbtupfern abgesehen - auf britische und US-amerikanische Bands setzt, und das "Bang Your Head" dazu noch etliche Teutonen packt, da beweist das nordische Traditionsbanger-Eldorado immer wieder den Mut zur exotischen Band. Die Franzosen sind quasi Standard, nach DER KAISER, BLASPHÈME und etlichen mehr (manch Kollege meint sogar, es spielten beim HOA ausschließlich französische Bands). Dazu gibt es heuer die Polen von TURBO, immer wieder mal Italiener und Spanier; ja, der Euro-Metal wird in Brande-Hörnerkirchen ausgiebig gepflegt, und das macht auch den besonderen Reiz des Festivals aus, denn das Füllhorn gerade an ost- und südeuropäischen Bands, die kaum einmal nach Deutschland kamen, ist unerschöpflich. Doch zu ADX: Wie Raphael schon sagt, die Band weiß das Publikum zu überzeugen, und auch mir gefällt die Show der nicht mehr ganz so jungen Franzosen richtig gut. Zumal mit Didier Bouchard (Drums), Pascal Betov (Gitarre) und Phil Grelaud (Gesang) immer noch drei Urmitglieder an Bord sind und auch die Setlist sehr gut bestückt ist. Die drei Klassikeralben aus den Achtzigern "Exécution", "La Terreur" und "Suprématie" werden ausgiebig gewürdigt. Dass mit dem Titelstück der 2008er-Scheibe "Division Blindée" und dem brandneuen "Red Cap" lediglich zwei Songs am Start sind, die nach 1987 erschienen sind, mag Skeptiker ob der Qualität der neueren Alben auf den Plan rufen, doch das wäre unfair. Welche alte Achtziger-Band würde bei ihrem ersten Festivalauftritt in einer abgelegenen Gegend fern der Heimat denn nicht auf ihre größten Klassiker zurückgreifen? Eben: Keine! Daher gehen beide Daumen hoch für die Pariser, und der Rezensent nimmt sich vor, seiner "Weird Visions"-CD (von der ja leider nichts gespielt wurde) nach und nach zumindest das Frühwerk der Band zur Seite zu stellen.

Setlist: Déesse du Crime, Command Suicide, Paracelse, Mémoire de l'Éternel, L'Étranger, Le Fléau de Dieu, Red Cap, Suprématie, Notre Dame de Paris, Division Blindée, Caligula

[Rüdiger Stehle]


Nachdem ich mir bei ADX eine kleine Pause gegönnt habe, begebe ich mich für meine alten Helden TYGERS OF PAN-TANG wieder unter die inzwischen gleißende Sonne. Im Gegensatz zu DIAMOND HEAD gestern, funktioniert die neue Besetzung für mich in diesem Fall ganz ausgezeichnet. Dabei sind es eigentlich exakt die gleichen Vorraussetzungen: Die Bands klingen beide weicher als damals, haben einen deutlich melodischeren Sänger in ihren Reihen und klingen auch auf ihren aktuellen Alben jeweils deutlich zahmer als damals. Was bei DIAMOND HEAD für mich nur auf Konserve funktioniert, passt bei den Tigern auch in einer Livesituation ganz ausgezeichnet. Es mag daran liegen, mit welchem Feuer die gesamte TYGERS-Besatzung immer wieder loslegt. Da springt der Funke einfach sofort über. Obendrein hat man mit dem italienischen Frontmann Jacope Meille einen absoluten Glücksgriff getan: Der gute Mann scheint auf einer Bühne geboren zu sein, so viel Spaß verbreitet er. Okay, man mag Robb Weirs Bühnenklamotten ein bisschen overdressed finden und böse Zungen vergleichen die Band mit einer Kreuzfahrtband und meinen dies hämisch. Ich hingegen erinnere mich an einen Auftritt von STYX vor gut 12 Jahren, bei man die auf den Kreuzfahrten gewonnene Bühnenerfahrung der damals recht frischen Besetzung mit Gowan schnell in eine superbe Bühnepräsenz ummünzen konnte. Ähnlich professionell sehe ich die aktuelle Besetzung der Briten, die es offenbar noch einmal so richtig wissen möchten. Das neue Album ist superb und wer mutig genug ist, einen Song des damals (auch von mir) verhassten "The Cage" Albums - im heutigen Fall 'Paris By Air' - unfallfrei in den Set zu integrieren, vor dem ziehe ich meinen imaginären Hut. Etwas zusammenzucken muss ich nur, wenn Jacope Songs von unschlagbaren Debütalbum singt, denn das darf nach meinem subjektiven Empfinden nur Jess Cox. Klar, heute ist das technisch besser, aber einen Text wie 'Euthanasia' möchte ich nicht im Stil einer Liebesgeschichte vorgesungen bekommen. Steht man allerdings in der feiernden Menge, dann feiert man auch so einen Song automatisch mit. Toll genug ist er ja. Die Band ist von der Begeisterung des Publikums sichtlich ergriffen und spielt sich in einen wahren Rausch, dessen Höhepunkte für mich die Nummern von "Spellbound" und "Crazy Nights" sind. Bombe!

Setlist: Keeping Me Alive, Love Don't Stay, Gangland, Don't Stop By, Mr. Indispensable (Medley aus: Paris By Air, Do It, Euthanasia), Rock Candy, Insanity, Suzie Smiled, Hellbound, Love Potion No. 9

[Holger Andrae]

 

VIOLENT FORCE fand ich damals super! Hab' mir die Demos bestellt und diese rauf und runter gehört. Das dürfte etwa 30 Jahre her sein. Das Album habe ich mir im US-Wahn dann geklemmt. Ob es Ignoranz oder Geldmangel war, ich weiß es nicht mehr. Fakt ist: Heute bin ich tatsächlich ziemlich euphorisiert, was den Auftritt der Velberter Rumpelburschen angeht. Aber Moment mal, da spielt ja nur Original-Sänger/Bassist Lemmy mit den Jungens von REZET als Begleitband. "Egal, die können spielen, das wird schon gut werden", denke ich mir. Welch' Untertreibung! Lemmy macht sofort klar, dass es nur die Songs vom einzigen Album "Malevolent Assault Of Tomorrow" geben wird, weil einfach kein weiteres Material existiert. Simpel und logisch. Simpel ist natürlich auch der Hauruck-Thrash des Quartetts, aber das stört bei so einer mitreißenden Darbietung mal eben gar nicht. Souverän und gut aufeinander abgestimmt, entfachen die Buben ein herrliches Feuerwerk, das den kompletten Garten in eine kopfschüttelnde, haarige Masse verwandelt. Lemmys schnodderige Ruhrpott-Art ist unterhaltsam und die beiden Flitzfinger zappeln, als hätten sie Strom in der Hose. Es wird einem schon vom Hingucken schwindelig. Ich finde es erstaunlich, dass dieser recht rüde Thrash sogar heute gar nicht altbacken klingt. Ob es an der Frischzellenkur durch REZET liegt oder ob ich heute mal wieder durch meine rosafarbenen Plüschohren höre, vermag ich nicht zu sagen. Fakt ist: Bei 'Dead City' und 'Destructed Life' werden ein paar Hundert Kehlen heiser gesungen und diese beiden Granaten sind nur die Sahnehaube auf einem fulminanten Auftritt, den ich in dieser Klasse nicht erhofft hatte. Bitte weitermachen!

Setlist: SDI; Vengenance And Venom; MAOT; The Night; What About The Time After?; Violent Force; Destructed Life; Soulbursting;Sign Of Evil; Dead City

[Holger Andrae]

 

Hätte irgendwer davon geträumt, jemals TRAUMA live sehen zu können? Wohl kaum. Ich muss hier jetzt niemanden mit Geschichten über Cliff Burton langweilen und komme somit ausnahmsweise mal direkt auf den Punkt. In der aktuellen Besetzung finden wir mit Drummer Kris Gustofson und Sänger Donny Hillier immerhin noch zwei Originalmitglieder, die von Gitarrist Kurt Fry und Bassist Marcel Eaton ergänzt werden. Da der Gesang das Alleinstellungsmerkmal der einzigen Scheibe "Scratch & Scream", die man sich als armer Schüler damals vom sauer ergaunerten Taschengeld absparen musste, darstellt, bin ich guter Dinge, dass wir heute einen ordentlichen Auftritt serviert bekommen. Aber schon beim brachialen Eröffnungsdoppel 'The Day All Hell Broke Loose'/'Bringin' The House Down' werde ich eines Besseren belehrt. Auch wenn Donnie wie eine Diva über die Bühne tänzelt und in seinen weichen Bewegungen dabei im harschen Kontrast zur musikalischen Darbietung agiert, fegt die Band über den Garten hinweg wie ein Feuersturm. Ich habe lange keine Reunion gesehen, die mich vom Schlag weg dermaßen umgehauen hat. Gut, die beiden Neulinge wirken ein bisschen hüftsteif, aber bei der gebotenen Metalkunst ist das völlig zweitrangig. Die Songs ballern und sind einprägsam zugleich. Da sitzt jede Note und Mister Hillier ist noch bestens bei Stimme. Das hätte ich in dieser Qualität nicht erwartet. Das Publikum sieht dies wohl ähnlich und feiert die Band, trotz Regen, nach allen Regeln der Kunst ab. 'We Are Watching You' wird zur Mitsing-Hymne und bei 'I Kill For Less' fliegen Fäuste. Als ware dies alles nicht schon toll genug, kündigt Donnie plötzlich neues Material an. Jawoll! Es wird demnächst bei Pure Steel Records ein Album erscheinen, von welchem die Band ausreichend Songs spielt. Und was soll ich lange um den heißen Brei herum reden? Diese Nummern stehen den alten Schmachtfetzen in Nichts nach. Da kommt ein absoluter Knaller auf uns zu! Aber zurück zum Auftritt: Erstaunlich ist, dass die Stimmung sogar bei den unbekannten Titeln nicht abflacht. Das zeugt von Qualität. Für mich ist die Band eines der vielen Highlights dieses Festivals. Ganz groß!

Setlist: The Day All Hell Broke Loose, Bringin' The House Down, I Kill For Less, Scratch And Scream, Lay Low, In The End, We Are Watching You, The Flight Of The Raven, Heart Of Stone, Egypt, Kingdom Come, Too Late, The Long Way Home, When I Die

[Holger Andrae]


Feinster Speed/Thrash aus Passaic, New Jersey, abgefeuert von einer Institution wie WHIPLASH steht als nächstes auf dem Programm. Die Freunde räudig brachialer Töne wurden schon beim KIT 2012 von den US-Veteranen um Frontmann Tony Portaro (den letzten verbliebenen Tony des legendären 3x-Tony-Line-ups) bestens bedient, und so machen der passionierte Cowboyhut-Träger mit dem ellenlangen Zöpfchenbart und seine Sidekicks Dank DeLong (Bass) und Dan Foord (Drums) auch heute keine Gefangenen. Die Tightness mag zwar nicht unbedingt bestechend sein, aber dafür stimmt der energetische Faktor. Die Band ist eine fiese Dampframme, die schrottet, poltert und rattert, als gäbe es kein Morgen. Zusammen mit der harten Strobo-Bestrahlung wirkt das dann nochmal krasser. Der ordentlich gefüllte Garten weiß dies zu schätzen, zahlreiche Leute im vorderen Drittel grölen mit, und die Band erntet auch mit der Songauswahl Zuspruch, die zwar keine großen Überraschungen liefert, aber immerhin die aktuelle Single 'Sword Meet Skull...' präsentiert und ansonsten die Schwerpunkte auf die klassischen Scheiben "Power And Pain" und "Ticket To Mayhem", sowie auf das bärenstarke, zwischenzeitliche 1998er-Abschiedsalbum "Thrashback" legt. In der Form darf uns die Peitschenband um den Mann mit dem Hut jedenfalls noch sehr lange erhalten bleiben.

Setlist: Last Man Alive, Spit On Your Grave, Killing On Monroe Street, Stagedive, Spiral Of Violence, Insult To Injury, The Burning Of Atlanta, Sword Meet Skull - Sword Meet Skull, Red Bomb, Warmonger, Last Nail In The Coffin, Eternal Eyes, This, Walk The Plank, Power Thrashing Death, Nailed To The Cross

[Rüdiger Stehle]


'Anvil Of Crom', die Titelmelodie des Lendenschurzklassikers "Conan, Der Barbar", verkündet, dass der Hammer des Nordens fertig geschmiedet ist, und somit ist es nun Zeit für GRAND MAGUS' zweites Gastspiel auf dem HOA. Das schwedische Trio um Sänger und Gitarrist JB Christofferson kann heute nur gewinnen, denn es hat sowohl Conan als auch Crom selbst, der den zuvor noch wütenden Wettergott in Schach hält, auf seiner Seite, sodass die Vorzeichen für einen Start-Ziel-Sieg perfekt sind. Seit die Band mit dem 2008er-Album "Iron Will" ihre Berufung für den klassischen Heavy Metal gefunden hat, nehmen JB und seine Mitstreiter nicht nur zwei Sprossen auf der Erfolgsleiter auf einmal, sondern sind, seit sie in diesem Jahr herausfanden, dass die Lösung um das Rätsel des Geheimnis des Stahls "Triumph And Power" heißt, auch endgültig und zweifelsfrei zu den führenden traditionellen Kapellen unserer metallischen Gegenwart zu zählen. Der sehr gut gefüllte Garten empfängt die Drei euphorisch mit offenen Armen, und die Musiker freuen sich nicht nur sichtlich über den beeindruckenden Zuspruch seitens des Publikums, sondern auch darüber, dass sie mittlerweile zum Co-Headliner aufgestiegen sind. GRAND MAGUS trägt den Set, der Songs aller Alben seit einschließlich "Iron Will" umfasst, mit Herzblut und angenehmer Lässigkeit vor. Dennoch lässt man bewusst Raum für bedächtige Zwischentöne: So wird 'Valhalla Rising' beispielsweise einem Freund der Band gewidmet, der kürzlich bei einem Autounfall zu Tode kam. Dieser kurze andächtige Moment ist jedoch keineswegs repräsentativ für das restliche Konzert, denn die Atmosphäre unter den Fans ist glücklicherweise stimmgewaltig und von Sprechchören, Luftgitarrenspiel und Textsicherheit geprägt, sodass man festhalten kann, dass GRAND MAGUS seit dem ersten Auftritt beim HOA im Jahr 2010 nicht nur einige neue Fans für sich gewinnen konnte, sondern heute auch bei vielen Besuchern einen starken ersten Eindruck hinterlässt, denn den Posten des Co-Headliners hat man heute jedenfalls tadellos ausgefüllt.

[Arne Boewig]

Ich muss gestehen, dass ich zuerst etwas skeptisch war als es hieß, die verbleibenden Musiker würden RIOT nach dem Tod von Mark Reale mit einem Ersatzgitarristen weiter führen. Mark war für mich der Inbegriff dieser Institution, eine Fortführung ohne ihn war für mich kaum vorstellbar. Erst nachdem ich erste Reaktionen zu Konzerten und Livematerial im Netz mit dem neuen Axtschwinger Nick Lee gesehen hatte, änderte sich meine Ansicht und so stehe ich heute voller Freude vor der Scheune, um mir von RIOT V, so der leicht abgewandelte Bandname, den finalen Nackenschlag des Wochenendes versetzen zu lassen. Das Quintett macht von Beginn an keine Gefangenen und bläst uns mit 'Narita', 'Fight Or Fall' und 'Fall On Your Knees' erst einmal um. So geht Heavy Metal! Ich habe selten eine alteingesessene Band gesehen, die so agil, spielfreudig und energisch auf der Bühne agiert. Halleluja! Über die Sängerqualitäten von Mister Hall muss ich wohl keine Worte mehr verlieren, oder? Der sympathische Fronter meistert einfach alle Tonlagen und interagiert mit dem Publikum wie ein ganz Großer. Was heißt _wie_ ein ganz Großer? Er ist ein ganz Großer! Neben ihm beackert Texaslegenden-Bassist Don Van Stavern seinen Tieftöner und wirkt in dem metallischen Wirbelsturm furchtbar entspannt. Eine Augenweide! Ganz anders Neuzugang Nick Lee: Er ist ständig in Aktion, schneidet Grimassen, hat Hummeln im Gesäß und wirkt so gar nicht wie ein Neuzugang. Dass Mike Flyntz, der Sidekick von Mark Reale ein fantastischer Klampfer ist, ist ebenfalls nichts Neues. Mit welchem Enthusiasmus er aber noch immer die alten Klassiker zockt, ist ansteckend. Zu guter Letzt hätten wir Frank Gilchriest an den Drums, den ich zuletzt beim KIT hinter der Schießbude von LIEGE LORD bewundern durfte. Er meistert problemlos die teils recht vertrackten Vorgaben seiner Vorgänger. Der prall gefüllte Garten geht von der ersten Sekunde an komplett steil, singt jeden Ton mit, so dass die Band sich in einen wahren Rausch zu spielen scheint. Dabei werden sämtliche Phasen angespielt, was vom Publikum durch immer euphorischere Reaktionen honoriert wird. So bekommen wir mit 'Hard Lovin' Man' noch eine Rhett Forrester-Nummer geboten und als 'Angel Eyes' vom "Inishmore"-Album angekündigt wird, flippen einige Zuschauer vor mir komplett aus. Es ist aber auch eine absolute Macht, zu hören wie Todd Hall auch diese, im Original von Mike DiMeo gesungene Nummer meisterlich hin bekommt. Wie aus dem Nichts gibt es Zwischendurch eine komplett neue Nummer mit dem bezeichnenden Titel 'Metal Warrior', die sich ausgezeichnet in den Set einfügt und deren Titel nicht nur mich schmunzeln lässt. Als es dann zum Abschluss 'Swords & Tequila', 'Warrior' und 'Outlaw' gibt, kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr! Ein Konzertelebnis, welches mich vom Energielevel tatsächlich an einen Auftritt von ARMORED SAINT erinnert. Da es sich bei den gepanzerten Heiligen um die beste Liveband aus dem Metalsegment handelt, kann die Auszeichnung gar nicht größer sein. RIOT V schlägt in dieser Form jede Band und ist ein mehr als würdiger Headliner.  

Setlist: Narita, Fight or Fall, On Your Knees, Metal Soldiers, Wings Are For Angels, Johnny's Back, Hard Lovin' Man, Fire Down Under, Metal Warrior, Sign Of The Crimson Storm, Angel Eyes, Still Your Man, Altar Of The King, Flight Of The Warrior, Bloodstreets, Road Racin', Swords And Tequila, Warrior, Thundersteel, Outlaw

[Holger Andrae]

Redakteur:
Holger Andrae

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