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Heavy Metal - Nix Im Scheddel...? Nr.21 - Leipzig

25.02.2002 | 03:21

22.02.2002, Tonelli's

Alle Achtung! Trotz der Konkurrenz des am gleichen Abend stattfindenden DARK FUNERAL-Konzerts im Hellraiser, waren doch ziemlich viele Freunde harter Klänge bei Tonelli's eingetrudelt. Das sagt doch eine ganze Menge über den Kultstatus dieser Veranstaltung aus. Nicht eingetrudelt waren hingegen die als Headliner geplanten FLESHLESS, die auf der Autobahn (unverschuldet) in einen Unfall hinein geraten waren. Doch auch das war kein großer Grund zur Trauer, denn spontan erklärte sich eine anwesende Band mit dem wohlklingenden Namen SAHSNOTAS bereit, einzuspringen. Also auf ins unweit entfernte Hohenmölsen, schnell die Instrumente und ein stolzes Elternpaar eingepackt und dann geschwind back to Scheddel. Klasse Aktion das!

Los ging's vor Ort derweil mit DEATH REALITY, einer Band, die weniger mit komplexen Songstrukturen und ausufernden Gitarrensolos auf sich aufmerksam machte. Mit anderen Worten - die sich brachialem, aber auch etwas einfallslosem Highspeed-Gebolze verschrieben hatte. Selbst wenn die jeden Song zweimal gespielt hätten, wäre es (mit Ausnahme des abschließenden OBITUARY-Covers) wohl kaum einem Zuhörer aufgefallen. Nun will ich hier aber auch nicht rumunken, denn zum Warmwerden war das Geknüppel natürlich wie gemalt. Trotzdem war mir das Songmaterial zu eintönig und simpel gehalten, auch wenn das natürlich den meisten Anwesenden egal zu sein schien.
Einen ganzen Zacken cooler kamen die nachfolgenden KHMER herüber. Das lag nicht nur an der deutlich abwechslungsreicheren Musik (hier war Midtempo kein Fremdwort mehr) oder den verfilzten Mähnen der vier Protagonisten (die längste Matte würde ich auf sagenhafte 1 cm schätzen). Nein, vor allem war es die Tatsache, dass der Spaß hier mehr als deutlich im Mittelpunkt stand (nachdem der anfängliche Ärger über den schlechten Monitorsound verflogen war), der sich in lustigen Ansagen en masse über dem freudigen Publikum ergoss. Da wurde über verschiedene Leipziger Stadtteile hergezogen und mit "Chemie, Chemie"-Sprechchören irgendeiner unbedeutenden Fußballtruppe gedacht (worüber auch nicht jeder lachen konnte). Das war schon deutlich unter der Gürtellinie. Schlimm, schlimm! :-)
Obwohl die eigenen Songs der Band in ein metallisches Gewand gepackt waren, verbrachten KHMER dann den zweiten Teil des Auftrittes damit, ihren Hardcore-Idolen mit diversen Coverstücken Tribut zu zollen (O-Ton: "Des is geil, so was kennt ihr gar nich"). Dabei durften Headbanger aus dem Publikum die Bands erraten und als sagenhafter Hauptpreis wurden (echt genmanipulierte?) Apfelsinen (!) ausgeschrieben. Und tatsächlich suchte der KHMER-Sänger zwei Minuten nach dem letzten Song mit einer Apfelsine in der Hand, den Typen, der MADBALL erraten hatte.
Der Abschluss war den bereits erwähnten, spontan eingesprungenen SAHSNOTAS vorbehalten. Da niemand der Anwesenden (einschließlich Veranstalter) wusste, was ihn jetzt erwartete, hätte es bedenklich stimmen können, dass das Schlagzeug fehlte, als das Trio die Bühne enterte. Aber zum Glück gab's trotzdem keine klassisch angehauchten Frickelorgien ohne knackige Rhythmusunterlegung zu hören, sondern im Gegenteil Death Metal mit schön druckvollem und differenziertem Drumsound. Des Rätsels Lösung: ein Drumcomputer war bei der trommlerlosen Band im Einsatz. An den Ansagen muss zwar noch ein bisschen gefeilt werden, aber dafür kam die Band absolut ehrlich herüber und konnte die unverhoffte Chance durchaus nutzen. Den Lacher des Abends bescherten aber die (seitens der Band) unerwarteten Zugaberufe, als die Jungs eigentlich schon mit dem Abbau beginnen wollten. Denn das sei leider nicht möglich, da "wir nur so 'nen verkackten Drumcomputer haben und dessen Festplatte voll ist". Aber das konnte die Scheddel-Crowd natürlich nicht zufrieden stellen. Also wurde ein bereits gespielter Song erneut zum Besten gegeben - die Abstimmung gewann die Numero drei "Hate Covered Soul". Danach verließen die tapferen Drei glücklich die Bühne, allerdings nicht ohne zu versprechen, sich eine größere Festplatte zuzulegen. :-)
Noch besser wäre natürlich ein leibhaftiger Drummer, also wer sich im Großraum Leipzig dazu berufen fühlt, kann bei den Scheddelmachern (kontakt@scheddel.de) sicherlich die Adresse oder Telefonnummer der Band erfragen.

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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