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Heavy Metal - Nix Im Scheddel...? Nr.22 - Leipzig

24.03.2002 | 07:39

22.03.2002, Tonellis

Es war mal wieder Zeit für eine neue Runde, und den erneuten Versuch das Motto der Veranstaltung (nämlich mehr auf als im Scheddel zu haben) zu bekräftigten. Diesmal war der Schuppen allerdings nicht so prall gefüllt, nur relativ wenig Leute wollten den interessanten Bands, die heute auf dem Plan standen, beiwohnen.
Den Auftakt machten REPENT mit gutem Old School Thrash Metal in Richtung KREATOR und Konsorten. Die Leute auf und vor der Bühne waren lustig bei der Sache, zudem gab's geile Songs zu hören, die wirklich gut ins Ohr gingen. Neben den musikalischen Leckerbissen, die die Band verabreichten, gingen sie auch unverkrampft auf das Publikum ein. Ein vereinzelter SLAYER-Ruf genügte und sofort reagierten Gitarrist und Drummer mit der bekannten Eingangsmelodie bzw. dem getrippelten Schlagzeug aus "Raining Blood". Man könnte glatt denken, es gäbe nur diesen einen SLAYER-Song! Doch natürlich wollte sich das dadurch erst auf den Geschmack gebrachte Publikum mit so einem Pausenfüller nicht zufrieden geben und nach zwei weiteren, eigenen Songs hatten dann auch REPENT begriffen, dass es ein bisschen mehr von "Raining Blood" sein durfte. Trotzdem blieb es bei einer kurzen SLAYER-Kostprobe, was nicht weiter schlimm war, denn die eigenen Songs waren stark und unterhaltsam genug. Beleg dafür waren die zahlreichen Zugaberufe, die aber leider unerhört blieben. Dennoch gibt's von mir ein unumschränktes "Ohr scheen!" für diesen Thrash-Leckerbissen namens REPENT.
Next one waren POLYMORPH, die jetzt ihren ursprünglich für November letzten Jahres geplanten Auftritt nachholten. Am Anfang gefielen die mir nicht so gut, da ein Song wie der nächste klang und der Sound irgendwie zu steril rüberkam, wie als ob etwas fehlen würde. Also mal eben etwas genauer nach vorne geschaut. Da trieben drei Männer ihr Unwesen, einer röhrte ins Mikro, der zweite hatte sich eine Gitarre umgehängt und der dritte malträtierte das Schlagzeug. Aber kein Bass weit und breit zu sehen. Daran lag es also. Nach der Hälfte des Gigs kam schließlich auch der verschollene Bassist dazu und folglich hörten sich POLYMORPH auch schon deutlich besser an. Man sagt ja so allerlei fiese Dinge über Bassisten (Bassisten seien diese Typen, die immer bei der Band rumhängen und man braucht sie nur, damit live einer mehr auf der Bühne steht), aber so ganz trifft das halt doch nicht zu. Ohne Bass auch kein kraftvoller Metal-Sound.
Der Sänger war ein Meister des Propellerbangings, ich hab sein Gesicht während des gesamten Auftritts nur ein bis zweimal gesehen, allerdings hätte ich mir bei den Vocals etwas mehr gewünscht als das gleichbleibende, undifferenzierte Megatief-Gegrowle, das die Songs ein wenig zu Einheitsbrei degradierte. Zum Schluss gab es zwar weniger Zugaberufe als bei REPENT, aber POLYMORPH gaben trotzdem noch ein Stück zum Besten.
Wir haben also gelernt, dass eine Band sehr wohl einen Bassisten in ihren Reihen haben sollte und solcherlei Witze:
Wie viele Bassisten braucht man, um eine kaputte Glühbirne zu wechseln? Einen, aber der Gitarrist muss es ihm erst zeigen.
...sind einfach nur fies. Weil es aber trotzdem lustig ist, gibt es weitere Ausführungen zur Spezies Bassist in unserer Satire-Zone unter http://www.powermetal.de/satire/anzeigen.php?id=7 zu bestaunen.
Zurück zum Konzert, denn jetzt kam noch die Band, auf die ich mich schon den ganzen Abend gefreut hatte - meine Ösi-Favs von LEGACY OF HATE. Von der (noch) aktuellen Scheibe "The Killing", übrigens ein saustarkes Stücklein abwechslungsreicher Death Metal, wurde immerhin sechs der acht Stücke gespielt, u.a. eines der geilsten Coverstücke aller Zeiten - "Locomotive Breath" von JETRHO TULL. Ja genau, das ist die Band mit dem altrockenden Flötisten Ian Anderson, aber was LOH daraus gemacht haben, ist einfach ein megagenialer, vernichtender DM-Song. Diese Nummer muss man einfach gehört haben.
Damit war natürlich der Appetit angeregt und entsprechend klasse ging es dann auch weiter, mit dem räudigen "Hot-Flesh-Grinder" und "Mutation", bei welchem die vereinzelten Ähnlichkeiten zu BOLT THROWER im LOH-Sound besonders deutlich hervortreten. Die bangenden ersten Reihen gaben jedenfalls ihr Bestes, sehr zur Freude der Band. Da deren Songs immer wieder von ruhigeren Passagen unterbrochen werden, kann es einfach nie langweilig werden (und man kann die Nackenmuskulatur auch mal für einen Moment entspannen). Bestes Beispiel war "Atrocious Manifesto" mit melodischem Mittelteil, welchem sich mit "Death By Execution" der Opener der "The Killing"-Scheibe anschloss. Als Zugabe durfte dann noch das endgeile "Infernal Fire" herhalten, ein Teil, das die songschreiberische Klasse der Österreicher untermauert. Welch begnadete Melodien - ein toller Ohrwurm und ein grandioser Abschluss der diesmonatigen Scheddel-Party.
Fazit: LEGACY OF HATE waren echt cool, lediglich die zu langen Pausen zwischen den Songs haben mich etwas genervt. Diese Band sollte man echt im Auge behalten.
Und noch etwas sollte man im Auge behalten. Wenn es das nächste Mal "Heavy Metal - nix im Scheddel...?" heißt (20.4.), dann steht das zweijähriges Jubiläum an. Und damit da ein paar mehr Leute kommen als dieses Mal, gibt es dann eine ausgiebige Geburtstagsfete im großen Saal (!) mit 5 Bands und 100 Litern Freibier. Be there!

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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