Heavy Metal - Nix Im Scheddel...? Nr. 23 - Leipzig

23.04.2002 | 06:25

20.04.2002, Tonellis

Endlich war es soweit. Der große Tag war gekommen - der zweijährige Geburtstag des "Heavy Metal - Nix Im Scheddel...?" nämlich. Halb Leipzig schien sich dieses Top-Ereignis nicht entgehen lassen zu wollen, fünf nette Bands und zwei Fässer Freibier waren ja auch schlagkräftige Argumente genug. Wie es sich für eine Geburtstagsfeier gebührt, wurde auch gleichzeitig eine Premiere gefeiert, nämlich der große Saal eingeweiht, da seit dem Umzug im September vergangenen Jahres die Konzerte im kleinen Saal nebenan über die Bühne gingen.
Da Veranstalter Ringo zu mir gesagt hat, dass ich nicht mehr über Eintritts- oder Bierpreise schreiben soll, mach ich das halt auch nicht. So sei an dieser Stelle nur erwähnt, dass die 100 Liter Freibier wirklich unverschämt teuer waren. ;-)
Die Umbaupausen wurden u.a. für diverse Danksagungen an jene Leute genutzt, die den Scheddel unterstützen und dieses schöne Ereignis immer wieder möglich machen. Dem kann ich mich an dieser Stelle nur ausdrücklichst anschließen. Außerdem fand (etwas später am Abend) eine große Verlosung statt, die sich allerdings als sehr kompliziert herausstellte. Obwohl so reizvolle Preise wie CDs, T-Shirts und Tattoo-Gutscheine vergeben wurden, wollte die Präsente irgendwie kaum jemand haben. Im Schnitt mussten etwa fünf Nummern von der Glücksfee gezogen werden, bis der jeweilige Preis endlich an den Mann bzw. die Frau gebracht werden konnte. So schlecht war das Zeugs ja nun wirklich nicht und wenn es was umsonst gibt, springen doch sonst auch alle herbei wie der Bulle nach der Kuh. Oder war das doch nur dem exzessiven Freibierkonsum und den damit verbundenen Wahrnehmungseinschränkungen geschuldet? Wir werden es wohl nie erfahren.

So, nun aber genug gelabert vom Drumherum und frisch eingestiegen in den musikalischen Teil des Abends. Die erste Band hieß VERY WICKED und die legten gleich mal los wie die Feuerwehr und knallten der Crowd ein intensives Gewitter vor'n Latz. Ihr brutales Grind-Death-whatever war ein unterhaltsames Hallo-wach und trieb nicht wenige Leute von der Bar weg. Der Sänger röhrte mit seinen kraftstrotzenden Vocals aggressiver als ein notgeiler Löwe in der Brunftzeit, während ihn der Rest der Band mit einem coolen Krach-Teppich begleitete. Ja, diese 45 Minuten zum Auftakt waren schon sehr geil. Lediglich ließ die Ausbeute an kreiselnden Mähnen im Publikum (noch) zu wünschen übrig.
Es folgte ein komplett weibliches Trio namens SACRALIS. Die hatten seit über einem Jahr nicht mehr auf der Bühne gestanden und präsentierten sich nun zum ersten Mal mit neuer Bassistin. Die verhaltenen Ansagen standen dabei in schönem Kontrast zur heftigen Musik. Obwohl die Mucke allen Heavy-Standards genügen konnte, ein wenig statisch war das Gebotene allerdings schon - sowohl von der Bühnenaktivität her als auch teilweise von den Songs. Aber ansonsten war's cool, besonders die räudigen Vocals der Frontlady kamen absolut gediegen herüber. Trotzdem musste das Publikum hernach förmlich zur Zugabe überredet werden (was Ringo in bester Marktschreiermanier übernahm). Eigentlich unnötig zu erwähnen - natürlich haben sich die Mädels nicht ausgezogen, wie von Einigen vor der Bühne unverschämterweise gefordert, aber warum sollten sie auch, wenn man auch mit so druckvoller Musik begeistern kann...
Etwas unklug war es anschließend, VOR dem HAMRMONY DIES-Auftritt zu verkünden, dass NACH deren Gig das zweite 50-Liter Fass Freibier angestochen werden würde. Doch diese hatten es trotzdem nicht weiter schwer, die Gedanken der Leute wieder auf die Musik zu lenken, was einfach an der brachialen Attacke lag, die jetzt die Ohren zum klingeln brachte. Für mich persönlich die beste der fünf Bands, hier gab es einfach nichts zu meckern. Die Jungs hatten Spaß und die Songs knallten extrem rein. Geile Sache, das! Das Publikums sah es ähnlich und feierte die Band gehörig ab.
Ich muss gestehen, dass ich ab VIU DRAKH schon einige Probleme hatte, mich auf das Geschehen vorn auf der Bühne zu konzentrieren. Aber es war unverkennbar, auch diese Band präsentierte Erstklassiges und ging hammerhart zur Sache. Auch die Stimmung im Saal war mittlerweile großartig, während das bei den ersten beiden Bands fast noch ein bisschen verschüchtert wirkte. Die knackigen Songs luden ja auch geradezu zum Banging ein (soweit das den Anwesenden noch möglich war).
Als die letzte Band ihren musikalischen Reigen eröffnete, waren Einige (wohlgemerkt VOR, nicht auf der Bühne!) schon ziemlich knülle. Aus diesem Grund (ich konnte das halt durchaus nachvollziehen) muss auch ich den Bericht über die Band kurz und knapp halten. Also, OBSCENITY servierten ein ähnlich brutales Brett wie bereits HARMONY DIES. Die Band ging kompromisslos zur Sache und untermauerte ihren guten Ruf als sehr starke Live-Band. Hart aber herzlich wurde ein krachender Schlusspunkt unter die Geburtstagsparty gesetzt. Und während OBSCENITY werkelten, ging es schon bedenklich auf zwei Uhr zu. Eine Zugabe wurde noch abgefeuert und dann war Schicht im Schacht.

Kurz resümierend lässt sich festhalten, dass die Bandauswahl erste Sahne und es eine megageile Geburtstagsfete war. Und ich war bestimmt nicht der Einzige, der durch seinen "Heavy Scheddel" auch am nächsten Tag noch schmerzhaft an dieses Highlight erinnert wurde. Stellt sich nur die Frage: Warum kann eigentlich nicht jedes Mal Geburtstag sein?

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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