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Heavy Metal - Nix Im Scheddel...? Nr. 27 - Leipzig

30.09.2002 | 03:52

27.09.2002, Tonellis

Zunächst einmal musste für die 27. Folge der unendlichen Scheddel-Geschichte die Absage von den Ruhrpott-Thrashern NIGHT IN GALES hingenommen werden. Die hatten sich von ihrem Drummer getrennt und noch keinen schlagkräftigen Ersatz präsentieren können. Deswegen brauchte man jedoch wirklich keinen Hals zu schieben, denn ein Blick auf die drei verbliebenen Bands versprach, dass es auch so sehr unterhaltsam werden würde.
Den frostigen Auftakt nach der Sommerpause bestritten MOURNING ENDS, die relativ melodischem Black Metal frönten. Der wurde mit Wechselgesang aufgepeppt, wobei nicht, wie so häufig, der männlich-weibliche Kontrastgesang bedient wurde, sondern von den mehr oder weniger bärtigen Buben einer das tiefe Grunzen und einer die Cleanvocals übernahm. Wechselgesang gab es auch in textlicher Hinsicht, da man nämlich sowohl deutschsprachige als auch englische Songs zum Besten gab. Weil die Bühne im Tonelli's einfach nicht für ein Sextett konzipiert ist, musste einer der Gitarristen vor selbiger stehend aufspielen, was aber weder Band noch Publikum zu stören schien. Die Musik selbst war größtenteils absolut hörenswert. Auch wenn auf Dauer doch immer wieder die selben Songstrukturen bemüht wurden, vom Geamtsound her war das alles im grünen Bereich. Nett anzuschauen war auch die blonde Keyboarderin, besonders wenn sie sich im Propellerbanging versuchte.
Danach war es Zeit für die Lokalmatadoren DISILLUSION, was für den Rezensenten die Gelegenheit bot, selbige nach längerer Abstinenz (Asche auf mein Haupt) endlich mal wieder in Aktion erleben zu können, in welcher ich in letzter Zeit nur Schlagzeuger Jens beim Fußball beiwohnen durfte. Während ich mich über seine Fußballkünste an dieser Stelle aber lieber ausschweigen möchte, steht außer Frage, dass er als Drummer absolut in der 1. Liga spielt, mit Super-Timing bearbeitete er seine Felle. Die Desillusionierten hatten die Leute perfekt im Griff, spätestens ab dem Zeitpunkt als sie ihre beiden Hits (wenn man so sagen darf) "The Porter - A Lament" und "In Vengeful Embrace" direkt hintereinander auf die Menge losließen. Natürlich kamen auch alle anderen Songs der letzten beiden Kurzvergnügen (MCD und Single) zum Zuge, dabei überraschte aber, dass man die vertrackten Songstrukturen von "Expired", "Three Neuron Kings", "Eternal Duality" und Co. auch live adäquat umsetzen konnte. Schon jetzt war klar (ohne damit den ebenfalls überzeugenden ORTH auf die Füße treten zu wollen), dass DISILLUSION mit ihrem eigenständigen Melodic Death unbestritten das Highlight des Abends waren. Den Abschluss des regulären Sets bildete der letztjährige Hammer "The Long Way Down To Eden", der den kleinen Saal noch mal amtlich zum Kochen brachte. So angeheizt waren natürlich Zugaben fällig. Die folgten mit dem älteren "Swallowed" und "Eternal Duality" zum Zweiten. Fazit: Ein absolut gelungener Auftritt dieser aufstrebenden Band.
Mit ORTH enterte schließlich eine ziemlich lustige Truppe die Bretter, die die Welt bedeuten. Wer dachte, er könne sich jetzt in aller Ruhe und zurückhaltend am Bierglas nippend die letzte Band ansehen, war definitiv auf dem falschen Dampfer. ORTH feuerten eine Death Metal-Granate nach der anderen ab und ließen mit ihren kraftvollen Attacken kaum eine Verschnaufpause. Erbarmungslos wurden die Nackenmuskeln der Anwesenden malträtiert. Ein Vergnügen der heftigeren Sorte. Eine deutliche Aussage traf man gleich zu Beginn mit dem Song "Auf Dem Rechten Auge Blind" und machte sofort weiter mit "Metamorphosis" vom "Ano Kato"-Album. Die aktuelle Scheibe "Feed The Flames" stand natürlich im Vordergrund, u.a. mit "Digital Dominator", aber die Jungs gingen mit "Leichenschmaus" auch bis zu ihren Anfängen zurück. "Zero Tolerance" beendete vorläufig ORTH's beeindruckende Energieleistung, aber nur für kurze Zeit. Danach schossen sie mit ihrer ersten Zugabe allerdings den Vogel ab - das im Original schon schräge "Bobby Brown" (besonders der Text) von FRANK ZAPPA wurde umgekrempelt, ein paar Gänge hochgeschaltet und kam so im geschmeidigen Death Metal-Gewand ultrabrutal und ultrageil daher. Freude, Freude, Freude. Beendet wurde der Auftritt dann standesgemäß mit einem NAPALM DEATH-Cover ("Suffer The Children"), das den Hammer ebenfalls noch einmal gehörig kreiseln ließ. Dann war Schluss und Zeit für die Tränke. Erneut ein erfolgreicher Abend mit einer guten (MOURNING ENDS) und zwei herausragenden Bands.

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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