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Heavy Metal - Nix Im Scheddel...? Nr. 29 - Leipzig

27.10.2002 | 02:13

25.10.2002, Tonellis

Ich will jetzt nicht so weit gehen und sagen, dass dieses Mal beim Scheddel drei No-Name-Truppen aufspielten, aber der große Publikumsmagnet war halt nicht dabei und so kam es, wie man LEIDER befürchten musste; es war für Scheddel-Verhältnisse ziemlich leer und man hatte vor der Bühne so viel Platz, dass sich jeder problemlos seine eigene Couch hätte mitbringen und hinstellen können. Aber so faul waren die Anwesenden dann doch nicht, sondern die drei Bands wurden verdientermaßen ordentlich abgefeiert.
Den Anfang machten STOLEN PLEASURE aus Pößneck, ein sehr agiles Quintett mit jeder Menge Power. Die boten stampfenden Death Metal, manchmal etwas mit Hardcore-Einflüssen verquickt, der mit aggressivem Growling veredelt wurde. Die voluminösen Stimme des dafür verantwortlichen Brüllwürfels war wirklich beeindruckend, Respekt! Doch seine Stimmbänder waren nicht das einzige, was permanent in Bewegung war, denn irgendwie hatte der Sänger total die Hummeln im Hintern, seinen Bewegungsdrang bekam er jedenfalls die ganze Zeit über nicht in den Griff. Auf der geradezu winzigen Bühne ein durchaus amüsantes Unterfangen, da er wirklich andauernd bei seinen Bandmitgliedern aneckte, auch wenn er es irgendwie schaffte, sie nicht komplett über den Haufen zu rennen. Endgültig gewonnen (zumindest für mich) hatten STOLEN PLEASURE dann, als sie das SEPULTURA-Cover "Refuse/Resist" anstimmten. Der Fünfer präsentierte sich insgesamt absolut motiviert und war auch klanglich vollkommen in Ordnung.
Den Gastauftritt hatten diesmal die Schwaben von REVENGE OF INSANITY, die auch gleich mal durch einen Stau etwas aufgehalten wurden. Die Ländle-Deathster kamen aber doch noch zu ihrem Einsatz und spielten ziemlich heftigen Death/Black Mörtel, bei dem glücklicherweise auch die Melodien nie zu kurz kamen. Obwohl eigentlich ein Quartett, waren sie heute nur als Trio vertreten, was aber der musikalischen Darbietung keinen Abbruch tat, zumal der Wechselgesang der zweiköpfigen Saitenfraktion vom Feinsten war. Negativ anzumerken ist, dass die drei Schwaben irgendwie etwas verkrampft wirkten, was sich vor allem während den Pausen mit gequälten Ansagen und etwas lustlosem Rumgestehe bemerkbar machte, obwohl die Songs selbst, wie erwähnt, einwandfrei waren. Dennoch wäre ein etwas motivierteres Auftreten nicht schlecht gewesen, dann damit beschädigte man schon etwas die gute musikalische Darbietung. Dafür waren die Jungs allesamt echt gut an ihren Instrumenten und vor allem die variablen Vocals des Hauptsängers liefen gut rein. Zur vollen Punktzahl reichte das angesichts der erwähnten fehlenden Lockerheit allerdings nicht.
Den Hauptgang oder Nachtisch (je nach Sichtweise) servierten REQUIEM mit einer satten Portion aggressivem Death Metal. Angenehmerweise war auch Midtempo erlaubt, was der Heftigkeit aber keinerlei Abbruch tat. Der erstklassige zweistimmige Gesang mit dunklen Growls auf der einen und aggressiven Schreien auf der anderen Seite sorgte dafür, dass die Songs echt großartig rüberkamen. Die lustige Truppe ließ sich auch absolut nicht lumpen und spielte sich ohne große Pausen zwischen den Songs regelrecht den Arsch ab. Die Stücke folgten ohne unnötiges Gelaber direkt aufeinander, man kam aus dem Bangen einfach nicht mehr heraus. So muss das sein! REQUIEM machten genau das Richtige und spielten ein brachiales, druckvolles Brett herunter, das keine Hypergeschwindigkeit brauchte um der Audienz die Schädeldecke abzuheben. Wieder Mal eine etwas unbekanntere Band bei dieser Veranstaltung, die durchweg zu überzeugen wusste und deren Name man sich merken sollte. Zwei Zugaben konnten zum Finale noch erstritten werden, was nicht nur mir etwas zu wenig erschien. Alles in allem eine einwandfreie Band, die auf jeden Fall mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.
Denn, und damit schließt sich der Kreis, es waren diesmal so wenig Leute wie lange nicht mehr da, was angesichts der guten Bands doch ziemlich schade war. Es braucht wohl doch immer auch einen größeren Namen wie letztens ILLDISPOSED und ORTH, damit sich mal ein paar Leute herbewegen. Dabei können ja auch unbekanntere Bands durchaus begeistern, und (ohne jetzt das berühmte "U-Wort" in den Mund zu nehmen) eine Chance verdienten die heutigen drei allemal.

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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