Heavy Metal - nix im Scheddel...? Nr. 63 - Leipzig

02.04.2006 | 23:36

25.03.2006, Kulturbundhaus

Wie schnell doch die Zeit vergeht. Kurz bevor der Scheddel sein erstes Indoor-Festival veranstaltet, musste noch mal eben die alljährliche Geburtstags-Veranstaltung über die Bühne gebracht werden, die mit zwei Fässern Freibier lockte und mit dem obligatorischen Grunzwettbewerb wieder allerlei Zuschauern Gelegenheit gab, die eigenen Growl-Fähigkeiten auszuloten.

GOMORRHA aus Jena war es vorbehalten, den Abend zu eröffnen. Mit ihrem grindigen Death Metal waren sie die extremste der vier Bands, was zur Folge hatte, dass sich die anwesenden Zuschauer auch nur teilweise freudig-erregt dem brutalen Gemetzel hingaben. Für die meisten TANKARD-Sympathisanten war das Ganze dann aber wohl doch eine Spur zu heftig. Leider war die Truppe nicht sonderlich variabel in der Ausführung ihres Geknüppels, konnte aber zumindest durch die ohrenbetäubende Brutalität punkten. Zudem kamen das sautiefe Gegrunze und die "ausdrucksstarke" Mimik des Growlers sehr gediegen rüber. Ein NAPALM DEATH-Cover rundete den Auftritt der Death/Grinder aus Jena schließlich ziemlich schnieke ab.

Großes Kino dann bei GORILLA MONSOON. Ein dumpfes Dröhnen tönte durch den Raum, als die Dresdner loslegten. Da sich der Sänger das Pseudonym "Jack Sabbath" verpasst hat, war auch klar, was kommen würde. Der Vierer wusste mit intensivem Doom Metal zu begeistern, wobei man dermaßen brachial vor sich hin stampfende Riffs wirklich selten hört. Die Klampfen waren runter gestimmt bis zum geht-nicht-mehr - das Ganze war einfach heavy as hell. Besonders lecker war auch, dass sich die Songs von GORILLA MONSOON nicht ausschließlich in SloMo-Gefilden bewegten, sondern sich ab und an sogar in so etwas wie "Speed Doom" verwandelten. Sehr schmackhaft und so muss man den Dresdnern einen absolut exqusiten Auftritt bescheinigen, der für die Zukunft noch Großes erhoffen lässt. Für viele, die mit der Band noch nicht so vertraut waren, war das die positive Überraschung des Abends. Das bestätigten zumindest die vielen begeisterten Kommentare im Publikum.

HARMÖNY SCHEISS? Wat is dat denn hier? Nun, hierbei handelte es sich natürlich um die Berliner Death-Metal-Combo HARMONY DIES, die diesmal nicht mit ihrem Standard-Programm unterwegs war, sondern stattdessen als Coverband von Old-School-Klassikern die Scheddel-Bühne unsicher machte. Und die Auswahl war ja nun wirklich mal einwandfrei - bei Stücken von Truppen wie OBITUARY, CARCASS, ENTOMBED, MEGADETH oder SLAYER bleibt einfach kein Auge trocken, zumal die Cover auch noch arschtight vorgetragen wurden. HARMÖNY SCHEISS waren auch zu allerlei Späßchen aufgelegt und machten mit ihren coolen Sonnenbrillen zudem extremst einen auf lässig. Beim Cover von KREATORs 'Under The Guillotine' holte man sich dann noch TANKARD-Gerre als Gast auf die Bühne und intonierte mit ihm zusammen diesen feinen Thrash-Happen. Und zum Schluß wurde dann sogar stilecht eine Klampfe zerdroschen, bis nur noch Kleinholz davon übrig war. Lustige Sache, das.

Alle Jahre wieder gern genommen beim Scheddel-Geburtstag ist der Grunz- bzw. Luftgitarre-Wettbewerb. Wer sich traute, wurde mit T-Shirts oder CDs belohnt, wodurch doch eine ganze Menge Freiwilliger herbei gelockt wurden. Ein Teilnehmer brachte es sogar fertig, statt des angespielten Songs aus voller Kehle TWISTED SISTERs 'We're Not Gonna Take It' zu schmettern - und ein Teil der Zuschauer stimmte freudig und lauthals ein. Auf einer Veranstaltung wie dem Scheddel ist es schon bemerkenswert, dass solche alten Schinken von den Besuchern mitgesungen werden können, auch wenn manche einfach nur noch mit dem Kopf schüttelten.

Dann war die Reihe an TANKARD, den Feierlichkeiten die Krone aufzusetzen. Dass die Jungs und ihr Brüllklops Gerre mächtig Spaß hatten, war ihnen deutlich anzumerken, aber gerade in der zweiten Hälfte der Show machten sich dann schon einige Auflösungserscheinungen im Publikum bemerkbar. Musikalisch war natürlich alles beim Alten und auch dass Frontsau Gerre ganz gerne mal ein bisschen vortankt, ist durchaus bekannt. Trotzdem ließ er es in dieser Hinsicht dieses Mal ganz besonders krachen - was war der Typ besoffen! Trotzdem brachten die Frankfurter es auf locker eine halbe Stunde Zugaben (u.a. 'Alien' und 'Empty Tankard'). Und da es von TANKARD nicht viel mehr zu berichten gibt als knuffiger Thrash, viel Bier, viel gute Laune und viel Party, gibt's jetzt an dieser Stelle noch eine Anekdote für die Klatschseite.
Gegen Ende des (regulären) Sets, der mit dem obligatorischen 'Freibier' endete, enterte nämlich ein gut bestücktes Mädel die Bühne und lallte Gerre was von "ausziehen" entgegen. Dieser bezog die Aufforderung natürlich nicht auf sich, sondern half dem Mädel selbstlos aus den Klamotten. Kurz bevor der BH fiel, kam sie aber dann wohl kurzzeitig wieder zu Sinnen und verweigerte das Ablegen dieses Textils. Wenig später verabschiedete sich Gerre dann von den verbliebenen Gestalten und mit den Worten "Und du kommst mit" schnappte er sich das besagte Objekt der Begierde, die ihn auch gerne Richtung backstage begleitete. Insider wussten allerdings später zu berichten, dass der volltrunkene Gerre im direkten Anschluss an den Gig so fix und fertig war, dass er sich erstmal für eine Mütze voll Schlaf darnieder legen musste und sich Frau somit eine andere Beschäftigung suchen musste. Tja, Groupies haben's eben auch nicht leicht... (Wenn das kein gutes Schlusswort ist.)


Scheddel-Infos und bisherige Berichte gibt es hier:
http://www.powermetal.de/tour/festival.php?id=787

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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