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Hellfest - Clisson (FR)

09.07.2008 | 15:24

20.06.2008, Festivalgelände

Clisson? Wo zur Hölle ist denn bitteschön Clisson? Das kleine mittelalterliche Städtchen im Westen Frankreichs gleich bei Nantes ist zum Glück schnell auf der Landkarte ausgemacht, und nachdem die erste Billing-Ankündigung mir schier die Freudentränen in die Augen treibt, sind auch Hotel und Billigflieger bald gebucht. Und auch die Warnungen diverser Kollegen, die eine angeblich katastrophale Organisation bemängeln, kann mich nicht davon abhalten, zu dieser Ansammlung von Lieblingsbands nach Frankreich zu pilgern.

So erwarten Kollege Phil und ich das Schlimmste und lassen uns durch den Gedanken von Chaos und angeblich schlechter Organisation auch einen nächtlichen Touristenrausch durch Paris nicht verderben. Immerhin schmeckt der Rotwein vorzüglich, das Essen ist köstlich, und der Eiffelturm wirkt mitten in der Nacht schon sehr beeindruckend. Und wie es der Zufall so will, stehen wir also um Mitternacht auf dem Pariser Wahrzeichen und treffen ROTTING CHRIST – surreal! Viel zu früh am Freitagmorgen nach einem waschechten Pariser Frühstück (lecker Croissants und Schokobrötchen) werden wir von unserem im Hellfest-Forum gefundenen Fahrer Julien abgeholt, und es geht ruckzuck 400 Kilometer gen Westen, auf einer endlos leeren französischen Autobahn mit überteuerten Benzinpreisen (wer bei uns schon jammert, sei gewarnt!).

Nach dem Einchecken ins gemütliche Hotel am Bahnhof von Clisson erleben wir gleich die erste angenehme Überraschung: Es gibt tatsächlich Shuttlebusse die circa jede halbe Stunde vom Bahnhof zum Festivalgelände fahren und uns für faire zwei Euro zum Ort des Geschehens bringen. An der Akkreditierungskasse anstellen? Fehlanzeige! Probleme mit der Last-Minute-Akkreditierung (danke noch einmal an Roger)? Keine Spur! Nach zehn Minuten haben wir unsere Pässe in der Hand und fragen uns, wo eigentlich die schlechte Organisation sein soll? Auch das Festivalgelände gibt nicht viel Aufschluss über dieses Rätsel, und klar, das Hellfest ist als junges Festival nicht überstrikt organisiert, wie man es von den großen Events in Deutschland kennt, doch die wichtigsten Sachen passen einfach, und die kleinen Unstimmigkeiten stören kaum. Angenehm, locker und freundlich präsentiert sich die Atmosphäre am Hellfest den Besuchern und der Crew, und so werden schon nach einer Stunde die Zweifel aus dem Weg geräumt – von schlechter Organisation oder Chaos keine Spur! Das VIP-Areal ist sogar mit Liegestühlen und Gratis-Internet-Bus bestückt, und jeden Tag gibt es für die Journalisten und Crew ein mehrseitiges Festivalmagazin mit kurzen Reviews, Besucher-Interviews und Fotos vom Vortag.

Ein weiterer Pluspunkt des Festivals sind die stylischen Aufbauten. Egal ob bei der Bühne, bei den Zäunen rund um das Festivals, bei der Beleuchtung oder den Gertränkeständen - hier haben sich die Veranstalter mächtig ins Zeug gelegt und schaffen mit genial designten Aufbauten und Lichtprojektionen eine einmalige Atmosphäre und ein Markenzeichen für ein Festival, welches es in dieser Form wohl nur einmal gibt - Klasse statt Masse! Das einzige Manko an der Sache ist das wässrige französische Bier, welches weder schmeckt noch besoffen macht, da versteht man dann vielleicht, warum auf dem Festival kaum Alkleichen rumliegen und die meisten Anwesenden lieber auf "Spezialzigaretten" umsteigen. Ich habe zumindest selten ein Festival gesehen, auf dem so viel gekifft wurde, und vor allem die Zeltbühne verwandelt sich am letzten Tag bei CULT OF LUNA in ein grasig verrauchtes Areal, bei dem man vom Drinstehen schon high wird. ;-)

Das Hellfest wurde aber nicht nur zum Highlight für die Franzosen. Bei dem Mix an genialen Bands pilgerten vor allem viele Engländer und Iren (welche die billigen Ryan-Air-Verbindungen nach Nantes nutzten) zum Ort des Geschehens. Weiters wurden außerdem folgende Flaggen und Nationalitäten gesichtet: Deutschland, Schweiz, Rumänien, Österreich, Finnland, Schweden, Libanon, Marokko, Syrien, Türkei, USA, Spanien, Australien, Italien, Mexiko, Griechenland usw. Ein friedlich metallisches Fantreffen der Nationen also, welches mit einer angenehmen Besucherzahl von ca. 13.000 Leuten auch nicht in den Rahmen der überdimensionalen Festival-Events trat.

Redakteur:
Caroline Traitler

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