Hellhoundz Of Doom And Thrash - Aschaffenburg

22.11.2005 | 22:56

11.11.2005, Colos-Saal

11.11., 11.11 Uhr, Narrenzeit? Naja, nicht ganz! Auf jeden Fall Zeit, der "Alliance of Doom and Thrash"-Tour der Genretitanen DESTRUCTION und CANDLEMASS beizuwohnen. Um 18.45 Uhr düse ich mit unserem Sänger Holger im Gepäck nach Aschaffenburg, dieses mal sogar ohne Umwege und Schlenker über Kassel, Hamburg oder Norwegen. Trotzdem verpassen wir den Opener AFTER ALL, die kurz vor unserem Eintreffen die Bretter verlassen haben. Schade, shit happens...

DEATHCHAIN
Die Finnen DEATHCHAIN legen mit einem gewaltigen Death-Metal-Gewitter vom Feinsten los, das uns erst mal unbarmherzig die Eingeweide Richtung Adamsapfel drückt. Keine Ahnung wie die Songs heißen, die Ansagen werden unverständlich ins Mikro gekotzt. Was allerdings musikalisch auf der Stage abgeht, ist wirklich gigantisch. Vor allem der Schlagwerker zieht mich als Drummer vollends in seinen Bann. Diese Maschine sitzt kerzengerade an seinem Kit, um - ohne eine Miene zu verziehen - einen wahren stormblast aus seinem Skelett zu hämmern. Meine Herren, der Typ ist die Härte! Auch das Stageacting der Band ist mehr als nur souverän. Kleine Pannen, zum Beispiel der zeitweise Ausfall der linken Klampfe, werden kaltlächelnd weggesteckt, der Sound ist für eine Quasi-Vorbandposition saftig und das stimmige Licht setzt dem ganzen die Dornenkrone aufs durchgeprügelte Haupt.
Summa summarum räumen DEATHCHAIN auf ganzer Linie ab, den auch die Publikumsreaktionen sind positiv bis Anschlag. Denn der erste Pit sammelt sich bereits beim zweiten Track und gegen Ende hin sieht man einige Verrückte ihre Weichschädel im Blastbeat an die Absperrung klatschen. Cool!

DESTRUCTION
Infernal overkill, das ist meine Kurzbeschreibung des Gigs, den die Kultthrasher an diesem Abend aufs Publikum niederprasseln lassen. Ich habe die Band jetzt zum vierten Mal gesehen, aber diese bestechende Form durfte ich bislang noch nicht genießen. Sympathisch ohne Ende und mit jeder Menge Spaß in den Backen trümmern sich Mike, Schmier und Marc durch ihre mit Hits gespickte Setlist. Nichts fehlt, das Best-Of-Programm spaltet sämtliche Metalheads der Anwesenden.
Egal, ob nun der formidable Opener 'Soul Collector' vom neuen Album oder die zahlreichen Klassiker der Bandgeschichte ('Mad Butcher', Thrash 'Til Death', 'Life Without Sense', 'Eternal Ban', 'Curse The Gods', 'Bestial Invasion', 'The 'Butcher Strikes Back', 'Nailed To The Cross' und 'Total Desaster'), alles bläst aus einem Guss durch die Rübe. Der Sound ist megageil, die Ansagen von Schmier sind metal as fuck und das Stageacting könnte eingespielter kaum sein. An Bühnenpräsenz sind die Jungs jedenfalls kaum zu schlagen. Das Publikum frisst den Thrashern bei jeder Note aus der Hand, angestachelt von einem bestens gelaunten Schmier, da wieder und wieder die Metal-Allianz predigt und verbales Gift in Richtung hochchartig positionierte Weichspülcombos spritzt.
Vor allem die Leistung Mikes muss ich wie immer lobend erwähnen. Der Typ rifft jedes noch so kleine Soundloch zu und spielt sich im Lauf des Gigs in einen totalen Rausch. Vor allem die "Release From Agony"-Nummern, 'Unconscious Ruins' und 'Release From Agony', die ja im Original mit zwei Klampfen eingespielt wurden, klangen noch nie so frisch wie an diesem Freitagabend. Und dass die Buben mit "Inventor Of Evil" eine neue Scheibe am Start haben, die es locker mit den Klassikern der Band aufnehmen kann, beweisen ein enthusiastisch runtergeschrubbtes 'The Defiance Will Remain' und das abschließende 'The Alliance Of Hellhoundz', beim dem kultigerweise CANDLEMASS-Fronter Messiah den Platz an den Backings einnimmt.
Yepp, das ist geil! Die Anwesenden bangen bis in die letzte Reihe des ziemlich vollen Colos-Saals, womit DESTRUCTION schlussendlich einen vollen Erfolg verbuchen können.
Das nächste Mal bin ich auf jeden Fall wieder dabei, wenn die Alliance Of Hellhoundz wieder on the road ist. Bärenstark!

CANDLEMASS
It's time to raise the flag of hate? Nein, jetzt kommen die einzig wahren Doomdancer, die originalsten Originale der kompletten Szene, die musikalische Lava in Formvollendung. Apropos Formvollendung: der gute Messiah zeigt sich hyperagil in eine ganze Ecke schlanker als noch im letzten Jahr und erzählt auch erstmal voller Stolz, dass er fast nur noch Gemüse frisst, um dem eventuell anstehenden Herzinfarkt ein Schnippchen zu schlagen. Witzig wie immer!
Vier riesige Kreuze prägen die Stage mit ihrer imposanten Präsenz, die dem brachial schwerem Sound der Doom-Meister das passende optische Element entgegen stellen. An diesem Abend merkt man nix von bandinternen Querelen, CANDLEMASS agieren wie zu ihren besten Zeiten und feuern einen Klassiker nach dem anderen in die tobende Menge. 'A Cry From The Crypt' macht den Anfang und das Publikum singt sofort jede Zeile mit. Messiah dirigiert die Meute nach Belieben, heizt an wie ein Berserker und steht zu keiner Sekunde still. Völlig konträr zur zähflüssigen Mucke hechtet der Watz wie von einer Tarantel gestochen über die Bühne und nutzt wirklich jeden noch so kleinen Zentimeter der Bretter für seine göttlichen Doomdance-Aufführungen.
Es folgen viele Klassiker, wie das unvermeintliche 'Solitude', das himmlische 'Mirror Mirror' oder 'At The Gallows End', doch gerade die Tracks der neuen, selbstbetitelten Scheibe gefallen mir am besten. 'Black Dwarf' killt alles, 'Seven Silver Keys' wird zur Hymne des Abends und 'Born In A Tank' tritt sämtliche offenstehende Knabberleisten und Fressbretter ein. Mahlzeit!
Ein kleines Manko gibt es aber dennoch: Die Doomster stehen deutlich zu kurz auf der Bühne, leider nur knappe siebzig Minuten. Mir persönlich hat es zwar gereicht, da der Lavaexpress zum Ende hin doch etwas monoton wirkte, aber ein Gros des Publikums glotzte doch etwas enttäuscht in Richtung der vier Kreuze. Shit happens, wie Anfangs schon erwähnt.

Fazit: Es war ein sehr geiles Konzert, das zeigte, dass es durchaus möglich ist, Fans von Doom, Death und Thrash unter einem Dach zu vereinen. Für mich waren DESTRUCTION die Band des Abends. Zum einen, weil sie die beste Setlist der Bandgeschichte durch die Membrane jagten, zum anderen, weil sie sämtliche Anwesenden zum Austicken bringen konnten. Das war großes Kino.
CANDLEMASS are back, das ist mittlerweile klarer als Kloßbrühe und es dürften nach dem starken Auftritt auch dem letzten Zweifler die lauen Argumente abhanden gekommen sein.
Sonst noch was? Ach ja, hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich wie immer tierisch besoffen war und heute ekstatische Schädel- und Nackenschmerzen habe...?

Redakteur:
Alex Straka

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