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Helloween/Primal Fear - Wörgl (AT)

07.02.2006 | 13:11

20.01.2006, Komma

Eigentlich muss ich ganz ehrlich zugeben, dass sich meine Vorfreude auf diese Tour zunächst sehr in Grenzen hielt. PRIMAL FEAR sind live immer wieder eine Macht, waren mir bisher einfach zu unspektakulär und vorhersehbar.
HELLOWEEN "begeisterten" mich in Wacken 2004 dermaßen, dass ich nach einigen Takten von 'Eagle Fly Free' und Deris' Gesangsleistung fast rennend das Weite gesucht habe.
Doch beide Truppen haben starke neue Alben vorgelegt, insbesondere den Kürbisköpfen ist mit dem dritten "Keeper"-Teil ein Silberling in sehr hoher Qualität geglückt, den ihnen viele Fans und Schlechtreder in dieser starken Form nie zugetraut hätten.
Also, rein ins Vergnügen ...

... und das hat man mit PRIMAL FEAR von Anfang an: 'Demons And Angels' fegt wie ein akustischer Orkan über die noch nicht allzu dicht besetzten Reihen im Komma hinweg, führt zu den ersten Jubelstürmen und lässt den Rezensenten fröhlich grinsend zurück. Wow! Das ist mal mindestens eine ganze Klasse stärker, als ich das eigentlich erwartet hatte. Mr. Scheepers, ganz leger in Longsleeve gekleidet, hat scheinbar einen wunderbaren Tag erwischt und kann den gesamten Gig über mit einer famosen Gesangsleisung begeistern. Überhaupt ist die fast unbändige gute Laune auf - und natürlich vor - der Bühne auffällig, hier sticht kein Bandmitglied besonders hervor, man feiert mit den Fans und sich selbst. Fast kommt mir die Vermutung, dass PRIMAL FEAR außerhalb von Dschörmenie noch 'ne Nummer größer sind. Derartige Jubelarien, wie sie das Publikum in Wörgl anstimmt, würde man im Heimatland der powernden Metaller kaum zu Ohren bekommen. Schön.
Und gerechtfertigt: Untermalt von einem nahezu perfekten Sound zünden Stücke wie 'Rollercoaster' oder das tolle 'Nuclear Fire' natürlich doppelt so gut. Der kernige Background-Gesang von Mat Sinner trägt sein Übriges zum Gelingen des Auftritts bei, und Scheepers-Ralle grunzt sogar mal ordentlich ins Mikro. Holla! Bei dieser mitreißenden Darbietung kann man leicht darüber hinwegsehen, dass der Titelsong der neuen Scheibe etwas schnulzt, schließlich bekommt man dafür straighte Rocker wie 'Running In The Dust' geboten. Und als PRIMAL FEAR zum Ende der Show hin die Hymne 'Metal Is Forever' ankündigen, da gibt es unter den Answesenden ohnehin kein Halten mehr. Zugabe-Rufe nach einer knappen Stunde Spielzeit, herrlich. Hätte die Band diese auch in ihrer Heimat gehört? Vermutlich nicht.
Toller Auftritt, verdammt starke Truppe (auch Neu-Drummer Randy Black macht einen guten Eindruck und hat sichtlich Spaß), ein idealer Einstieg für die Kürbisköpfe.

Setlist:
Intro
Demons And Angels
Rollercoaster
Nuclear Fire
Seven Seals
Angel In Black
Running In The Dust
Diabolus
Final Embrace
Metal Is Forever

Dann schlägt die Stunde der Wahrheit. Wie gut würden sich HELLOWEEN präsentieren? Kann die Band dem Erwartungsdruck, der mit dem neuen Album einhergeht, standhalten? Oder gar sämtliche Erwartungen übertreffen? Oder wird das doch ein Griff ins Klo? Banges Warten in der Umbaupause, versüßt mit lecker Ösi-Bier und einem kurzen Plausch mit SERENITY, einer der besten Newcomer-Truppen der Alpenrepublik. Die könnten übrigens auch perfekt für HELLOWEEN eröffnen ... gut, genug der Gedanken und pünktlich zum Kürbis-Beginn mit 'King For A Thousand Years' wieder in der Halle. Was für ein Sound! Was für ein Song! Ich hätte nicht gedacht, dass die Hamburger auch mit dem Opener ihrer neuen Scheibe einsteigen, immerhin ist ein 14-Minuten-Stück nicht unbedingt der beste Einstieg für einen Live-Gig. Aber denkste. Die wunderschönen Melodien, der fette Bombast, der Abwechslungsreichtum - egal, was einen auf Platte an diesem Stück am meisten begeistert, Weiki & Co. zaubern dies hier ohne Verlust auf die Bühne. Die Stimmung in der Halle ist mit "am Kochen" noch dezent beschrieben, der helle Wahnsinn, wie die Band hier abgefeiert wird. Die Jungs haben sichtlich Spaß auf der Bühne, Weiki übt sich als Dirigent und meister der bösen Fratzen (und raucht während des gesamten Auftritts erstaunlich wenig, also gute Laune?), hält sich zunächst etwas im Hintergrund. Vorne rumturnen muss er auch nicht viel, denn dort wirbelt Andi Deris wie ein kleiner Wirbelwind in Lederjacke, und auch Basser Markus entpuppt sich als wahrer Entertainer. Manchmal weiß man nicht, ob man lieber auf seine Fratzen oder seine Griffel schauen soll - beides beeindruckend.
'Eagle Fly Free', sozusagen der Benchmark bei sämtlichen HELLOWEEN-Gigs, folgt gleich als zweiter Song. Natürlich verreckt Deris bei den ganz hohen Parts wieder etwas, aber ansonsten macht das Stück tierisch Spaß. Wobei ich mich ernsthaft frage, wieso die Band ihn auch seit Jahren ins offene Messer laufen lässt: Spielte man das Stück einen oder zwei Halbtöne tiefer, so fiele das keinem Schwein großartig auf, und Andi könnte deutlich lockerer - und vor allem sicherer - singen. Naja, sei's drum, Spaß macht das auch so.
Insbesondere Deris und Großkopf sind die beiden Leute, die dafür sorgen, dass das ein unvergesslicher HELLOWEEN-Gig wird: Andi mit lustigen, sehr lockeren Ansagen, die das Geschehen mehr als nur Auflockern, und Markus mit einem Stageacting, das man einfach gesehen haben muss. Herrlich, wie viel Spaß man an seiner eigenen Musik haben kann. Mastermind Weikath hält sich da vornehm zurück, beweist aber bei seinem Gitarrensolo mit eingespielter "Pippi Langstrumpf"-Melodie, dass er nur so böse schaut und in Wirklichkeit wohl auch 'nen Clown gefrühstückt hat.
'Keeper Of The Seven Keys' wird dann derart göttlich vorgetragen, dass ich mich nicht zwischen wildem Mitbangen und gänsehautigem Genießen entscheiden kann. Waaah! Hatte ich diese Band jemals schlechtgeredet? Sieht man HELLOWEEN an diesem Abend in dieser Verfassung, so kann man sich gar nicht vorstellen, dass es in der Bandgeschichte auch nur einen schlechten Gig gegeben haben soll. Wollte ich meckern, so könnte ich noch das Fehlen von "Better Than Raw"-Song bemängeln, die sicherlich auch gut angekommen wären. So nimmt man halt mit 'Hell Was Made In Heaven' oder 'Power' vorlieb. Geht auch. Und 'A Tale That Wasn't Right' zählt immer noch nicht zu meinen Lieblingsballaden. Dafür macht 'Mrs. God' live doch um einiges mehr Spaß als auf Konserve, und zum ellenlang dargebotenen 'Future World' muss man hoffentlich keine Worte mehr verlieren.
Sound topp, Publikum restlos begeistert, Band in wahnsinnig guter Stimmung und Verfassung. Die neuen Songs haben ihre Feuertaufe nicht nur bestanden, sondern sind für mich schon jetzt nicht mehr wegzudenken. Demnach kann ich nur noch meinen imaginären Hut ziehen und mich dieses Mal auf eine Festivalsaison mit HELLOWEEN ganz ehrlich freuen. Viel besser geht nimmer!

Setlist:
King For A 1000 Years
Eagle Fly Free
Hell Was Made In Heaven
Keeper Of The Seven Keys
A Tale That Wasn't Right
Drumsolo
Occasion Avenue
Mr. Torture
If I Could Fly
Gitarrensolo
Power
Future World
The Invisible Man
---
Mrs. God
I Want Out
Dr. Stein

Redakteur:
Rouven Dorn

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