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Hörnerfest 2010 - Brande-Hörnerkirchen

31.07.2010 | 10:47

09.07.2010, Festivalgelände

Das Hörnerfest besticht vor allem durch die Atmosphäre, doch auch das Gros der Bands weiß zu überzeugen.

Das Hörnerfest in Brande-Hörnerkirchen ist ein Garant für eine gelungene Party in gemütlicher Atmosphäre. Das Festival findet in einem Garten statt, die Soundregler sind in einem Schuppen platziert und ein Gebäude, unter dem früher wahrscheinlich mal Maschinen geparkt wurden, dient als Bühne. Alles ist hübsch dekoriert mit Fahnen, Wagenrädern und Knochen. An das Festivalgelände grenzt ein großer Mittelaltermarkt mit einem Camp für Schauleute. Der Höhepunkt des Marktes ist die Feuershow der Feuerteufel, die an jedem Abend einmal vorgeführt wird.

Im Jahr 2010 ist Sonne für das gesamte Wochenende angesagt. Das ist schon fast zu viel Sonne; es ist richtig heiß, und so ist es nicht verwunderlich, dass ein paar Besucher umkippen. Die Meute hält sich deshalb vermehrt im Schatten auf. Erschwerte Bedingungen der anderen Art also für ein Festival. Trotzdem ist das Hörnerfest mal wieder ein Erlebnis und kann auch in diesem Jahr mit den größeren Festivals mithalten. Von der Atmosphäre her ist es wahrscheinlich unübertroffen.

FIDDELALTERMOLK (Foto) haben die Ehre, das fünfte Hörnerfest zu eröffnen. Die Hamburger spielen Folk-Rock und benutzen viele traditionelle Instrumente wie Geige und Flöte. Russische und irische Einflüsse lassen sich ihrer Musik ausmachen, die beim Publikum gut ankommt.

Richtig begeistert sind die Besucher von RAGNARÖEK. Die Folk-Rocker vom Bodensee bestechen mit einer sehr guten Show und viel Spielfreude. Sie benutzen mittelalterliche Instrumente: diverse Pfeifen, Flöten, eine Drehleier, ein Akkordeon, eine Klarinette und Irish Bouzoukis.

RABENWOLF (Foto) arbeiten an ihrem Aufstieg vom Geheimtipp zur etablierten Größe und sind auf einem guten Weg. Das Publikum geht steil und nimmt auch das neue Lied 'Feld der Steine' gut an. Die Bandhymne 'Rabenwolf' singen einige Fans sogar mit. Nach dem Auftritt applaudieren selbst die Bands im Backstagebereich und zollen der jungen Band Respekt.

Die Regensburger INGRIMM erinnern mit ihrer Musik und Show stark an IN EXTREMO. Kein Wunder, dass das bei den Besuchern des Hörnerfests gut ankommt. Die Band glänzt aber auch durch eine gute Songauswahl und Fannähe; zu 'Teufelsweib' holen sie ein Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne und feiern mit ihr.
[Wolfgang Kühnle]

Die heimlichen Headliner ARKONA werden mit Sprechchören sehnsüchtig erwartet. Vor der Bühne ist es voll, und die Menge ist in bester Feierlaune. Sie werden nicht enttäuscht. Die Russen legen den stärksten Auftritt des Festivals hin.

Sängerin Masha scheint keine Hitze zu kennen und kommt in voller Montur inklusive Umhängefell auf die Bühne und tanzt. Die Band hat ihren eigenen Schlachtruf entwickelt, und bei jeder passenden Stelle heizt Masha die Fans an, diesen zu brüllen. Die Gesangsmischung zwischen Shouts und tiefen weiblichen Vocals ist sehr interessant und stellt das Alleinstellungsmerkmal der Band dar.

Die Fans headbangen, hüpfen und pogen. Bei der Hitze und dem trockenen Boden wirbelt extrem viel Staub auf und macht den Einsatz der Nebelmaschine unnötig. Zur Abkühlung schütten ARKONA immer wieder Wasser ins Publikum. Bei diesen Temperaturen ist das auch bitter nötig.

Dem Auftritt von COPPELIUS geht ein sehr langer Soundcheck voraus. In gewohnt höflicher Manier entschuldigt sich Sänger Max Capella bei seinem Publikum, und die bleich geschminkten Musiker erfrischen ihre Fans zum Ausgleich mit etwas Wasser. Über die Jahre haben sich die Berliner eine kleine Fanschar erspielt, welche sie von Beginn an abfeiert. Viele Besucher schauen sich den Auftritt, der wie immer einen hohen Unterhaltungswert hat, zumindest an. Während der Ansagen zwischen Liedern wie 'Schöne Augen', 'Spring doch' und 'Operation' siezen die Musiker ihr Publikum und pflegen eine gehobene Ausdrucksweise. Am Ende fordern die Fans 'Da Capo', und trotz der großen Zeitverzögerung dürfen COPPELIUS ihnen diesen Wunsch erfüllen.

Der Name THE SHANES lässt auf irischen Folk-Rock schließen, teilweise klingt die Musik aber auch recht bayerisch. Die Mischung ist auf jeden Fall lustig und lädt zum Feiern ein. Auch die Musiker sind sympathisch, gut gelaunt und huldigen sich in ihren Ansagen immer wieder gegenseitig.

Die Interaktion zwischen Band und Publikum funktioniert einwandfrei – daran sollte sich so mancher große Act ruhig mal ein Beispiel nehmen. Die Fans pogen oder headbangen nicht etwa, sie tanzen! Ob allein, zu zweit, eingehakt oder in einer größeren Ansammlung - überall ist Bewegung. Die Truppe aus Trier wird in diesem Sommer ihr letztes Konzert geben. Wer THE SHANES vorher noch einmal erwischen kann, sollte diese Gelegenheit nutzen.

Den ganzen Tag über habe ich viele Fans mit RAPALJE-Shirts gesehen, jetzt bin ich auf ihre Musik gespannt. Das Gelände ist voll, und wahrscheinlich würde das Publikum gern wieder zu den sehr irischen Klängen tanzen, aber es fehlt einfach der Platz. Nur nach rechts und links wird ein bisschen geschunkelt. Die Niederländer haben sprachlich bedingte Verständigungsprobleme mit dem Publikum, und so feiern sie leider für sich auf der Bühne und schauen ihren Fans beim Feiern zu. Der Funke springt nicht richtig über, aber RAPALJE geben alles und werden dafür mit viel Applaus von ihren glücklichen Fans belohnt.

Nach einem langen Soundcheck und mit einer Stunde Verzögerung ist es dann so weit: CULTUS FEROX beschließen den Abend und versprechen ihren Fans, die ganze Nacht mit ihnen durchzufeiern.

Als Intro verwenden die Berliner Piraten das Lied aus "Fluch der Karibik", das ein kleiner Junge bei der Erhängung seiner Schiffsmannschaft anstimmt und in das seine Mitstreiter dann einsteigen.

Bei den ersten beiden Liedern blendet das Bühnenlicht so extrem, dass man keinen Blick auf die Bühne wagen kann, mit der Zeit wird dies wenigstens etwas besser, und so ist der Blick auf die Kostüme der Musiker frei. Sie tragen eine bizarre Mischung aus Bondage-Klamotten und mittelalterlichen Gewändern, wobei sie viel Haut zeigen. Ob das jetzt gut mit Piratenmusik zusammenpasst, möge jeder für sich selbst entscheiden.

CULTUS FEROX geben sich viel Mühe, heizen die Fans an und feuern einen Hit nach dem anderen ins Publikum, die richtige Feierstimmung kommt allerdings nicht auf. Viele klatschen, vorn wird etwas geschoben und getanzt, aber ARKONA und THE SHANES hatten eindeutig die besseren Partys. Ein so langer und heißer Tag zehrt aber auch an den Kräften, und wahrscheinlich sind viele Fans einfach etwas müde. CULTUS FEROX spielen eine gute Show und bekommen dafür auch ihren verdienten Applaus.

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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