Hütte Rockt Festival 3 - Georgsmarienhütte

22.09.2009 | 18:43

28.08.2009,

"Hütte Rockt Festival 3" erfolgreich: Georgie rockt härter als der Headliner!

Zum dritten Mal fand dieses Jahr das "Hütte Rockt Festival" statt, welches als Non-Profit-Veranstaltung von einem Verein ehrenamtlicher Mitarbeiter organisiert wird, die einst als Laien an den Start gingen, in den beiden Vorjahren immerhin mit bekannteren Namen wie DRONE, KARPATENHUND, NACHTGESCHREI, KIND IM MAGEN? und WARHEAD im Line-up aufwarten konnten sowie allem Anschein nach zumindest keinen Fehler zweimal mach(t)en. Ein straff arbeitendes, aber im persönlichen Kontakt stets freundliches Orga-Team sorgte denn auch für eine wie am Schnürchen ablaufende Running Order mit punktgenau eingehaltenen Spielzeiten.

So kam es auch, dass wir, als wir am Freitag gegen 17:30 Uhr an der Kasse aufschlugen, bereits die erste Band verpasst hatten: Die AIR BORNE FLY KILLERS sollen ihr circa halbstündiges Set allerdings nicht nur pünktlich begonnen, sondern die ersten Besucher in Georgsmarienhütte auch recht amtlich gerockt haben.

Nun denn: Die erste Umbaupause des noch jungen Abends ermöglichte uns, das Campinggelände in näheren Augenschein zu nehmen. Hier war schon ein ansehnliches Zeltdörfchen im Entstehen begriffen, und erste schweifende Blicke über die inoffizielle Kleiderordnung reichten aus, um klarzustellen, dass am ersten Festvialtag die FROG BOG DOSENBAND den Rang des Publikumslieblings einnehmen würde. Das idyllische Campingareal beim Diese Regionalhelden sollten noch am Freitag ihren letzten offiziellen Auftritt absolvieren. Wie im Vorfeld per Buschtrommel durchsickerte, könnte ein möglicher Grund sein, dass der Status eines der Bandmitglieder als ebensolches mit den pädagogischen Werten seines hauptberuflichen Arbeitgebers nicht länger zu vereinbaren war. Wie sich später zeigen sollte, kann es an mangelnder Publikumsresonanz bei Livekonzerten der Spaßband kaum gelegen haben. Doch von Abschiedswehmut war zuvor im Campingbereich direkt neben dem Bühnenareal genauso wenig zu spüren. In idyllischer Umgebung ging alles seinen mehr oder weniger ungeordneten Gang, wie sich das eben für ein Festival gehört.

Der ebenso heiteren wie friedlichen Stimmung schloss sich auch das Wetter an – glücklicherweise, denn im Vorjahr hatte ein anhaltender Regenguss der Abendkasse einen gehörigen Strich durch die vorab kalkulierte Rechnung gemacht, das Festival in eine Schlammschlacht verwandelt und die Finanzierung in ein Schlamassel, welches nur durch Benefizkonzerte, Verzicht mehrerer Bands auf Gagen, großzügige Sponsoren im Umkreis von bis zu fünzig Kilometern und schließlich, nach längerem Stillhalten, auch durch die Zusage von städtischer Unterstützung kompensiert werden konnte. Den engagierten Veranstaltern ist es um so höher anzurechnen, dass diesen Widrigkeiten zum Trotz dieses Jahr wieder ein "Hütte Rockt Festival" stattfand und darüber hinaus im Vorfeld für einen rutschsicheren Eingangsbereich sowie ein im Regenfall wenigstens vor kürzeren Schauern etwas Schutz bietendes Improvisations-"Zelt" aus Fallschirmseide gesorgt worden war. Doch hielten sich die Niederschläge am ersten Abend glücklicherweise ohnehin im Nieselrahmen und auch unterhalb der Fünfminutengrenze.


THE SPIRIT OF DESIRE @ THE SPIRIT OF DESIRE
lieferte noch in angenehmem Sonnenschein bei lediglich leichter Bewölkung am Horizont einen träge schiebenden Hardrock ab, der prima zur entspannten Stimmung auf dem Rondell vor der Bühne passte und uns - anfangs noch spärlich gesäte Festivalgänger - gemütlich eingroovete. Erste Highlights des jungen Abends konnten das Stück 'Liar' sowie der Titelsong 'Behind Secret Eyes' des aktuellen Outputs (und ersten Albums von THE SPIRIT OF DESIRE nach einer Reihe von vier EPs) setzen.

LAUT @ Es folgten die Rocker von LAUT mit einem etwas wurstiger anmutenden Set bodenständigen Deutschrocks mit recht eingängigen, aber mitunter etwas blass bleibenden Melodien. Gegen Ende wurde von LAUT noch eine angenehm dicht stehende Rhythmuswelle über den Rasen gespült, die von einigen leicht psychedelischen Einwürfen durchwoben war. Das lief mir schon besser ein als ihre vorher gespielten Stücke - ebenso das erste Alster des Abends, welches bereits zum Freundschaftspreis von 1,80 Euro für die Besucher strömte. Auch die kulinarische Versorgung mit Pizza-, Döner- und Würstchenbude war für ein Festival dieser Größe wirklich astrein. Auf verhältnismäßig günstige Preise war von den Veranstaltern bei der Organisation ausdrücklich geachtet worden.

EAT THE GUN @ Um eine leckere Krakauer zu 2,50 Euro gestärkt, konnte ich nun den ersten Höhepunkt des Abends würdigen: EAT THE GUN lieferten eine ernergetische Show und sorgten mit dem Kracher 'Unleash The Freak' in der jetzt rasch einbrechenden Dunkelheit auch beim inzwischen deutlich gewachsenen Publikum für Stimmung. Spätestens mit 'Viva The Insane' hatte die Band die Meute für den Rest ihres rundum professionellen Auftritts im Sack. Stilistisch lässt sich EAT THE GUNs rauhbeiniges Gebräu wohl am ehesten zwischen GLUECIFER und PETER PAN SPEEDROCK einordnen, Frontmann Hendrik hingegen erinnert eher an eine Mischung aus OVERKILLs Bobby Blitz und Tingeltangel-Bob von den Simpsons. Kollege Walter Scheurer hat sich auch auf Platte von den Songs des aktuellen Albums "Super Pursuit Mode Aggressive Thrash Distortion" überzeugen lassen, so dass hier nur noch eins zu sagen bleibt: Viva the freaks!

MAMBO KURT @ Als nächster Tagesordnungspunkt sorgte MAMBO KURT mit Heimorgelcovern von SLAYER, RAGE AGAINST THE MACHINE, DOCTOR ALBAN und SPORTFREUNDE STILLER sowie einer "C64-Version" von DEICHKINDs 'Remmidemmi (Yippieh Yippieh Yeah)' für ein in jeder Hinsicht kontrastreiches Programm, führte seine musemathischen Fähigkeiten vor (64 Kilobyte entsprechen acht Takten) und bewarb die neue MAMBO KURT-Actionfigur (eine stilechte Kombination aus modischer Härte und textilem Weichmaterial). Auch einen Crowdsurfingversuch ließ sich der passionierte Alleinunterhalter und inoffizielle Botschafter aller Heimorgeln nicht nehmen. Es ist schon faszinierend zu sehen, wie es dem anno '82 zum Heimorgelmeister gekürten hauptberuflichen Chirurg nicht nur gelingt, Stücke, bei denen ein Rockpublikum, das damals teilweise noch nicht einmal geboren war, andernorts holländische Treibhausfrüchte auspacken würde, zu Ende zu spielen, sondern dass er als MAMBO KURT die Leute darüber hinaus sogar noch zum begeisterten Ausrasten und Mitfeiern bringt.

DIE SACKRATTEN @ Noch mehr Farbe als MAMBO KURTs Diskokugel und bereits ohne Verstärker eine vergleichbar hohe Phonstärke wie der ockergekleidete Sonnenbrillenträger an seinen Höllentasten brachten wenig später DIE SACKRATTEN auf die Bühne.

Der unbedachte Fehlschluss vom Bandnamen auf eine räudige Punkband könnte kaum weiter fehlgehen, denn statt filzlausstarrendem Deutschpunk mit Schamhaartexten boten nun rund anderthalb Dutzend Gaukler mit Trommeln, Flöten, Feuerspuckern, Jongleuren und Dudelsäcken der schaulustigen Menge eine in mittelalterliches Instrumentalgewand gekleidete Lärmkulisse. Die Spielleute zockten in ihrem Set zwar weitgehend den gleichen Stiefel herunter, doch war ihre Musik aufputschend und tanzbar, was in Kombination mit der Feuerkunst scheinbar mühelos die Gunst des Publikums fand.

Noch heißer erwartet und frenetischer abgefeiert wurde nur noch der letzte Gig der FROG BOG DOSENBAND, welche die Bühne wieder mal in Klamotten irgendwo zwischen TURBONEGRO-Mode und Karnevalskostüm in Beschlag nahm. Von den Menschen vor der Bühne ließen sich die mittlerweile darauf befindlichen Kostümierten oft die Buchstaben S, A, U, F, E und N herüberbrüllen, und wie sich bereits im Vorfeld vernehmen ließ, lässt sich aus selbigen auch das traditionelle bandinterne Motto vor dem Betreten der Bretter, welche die Welt bedeuten, rekonstruieren.

FROG BOG DOSENBAND @ Im Gegenzug zu lauthalsigen Sprechchören gab die FROG BOG DOSENBAND ihren Fans eine musikalische Mischung aus verhärtetem Deutschrock Marke TORFROCK, leicht psychedelisch angeschrägter Schweineorgel und vielen bunten Kaugummipopmelodien auf die Ohren. Altpunks durften sich mitunter auch an Sir Hannes Schmidt alias HONIGDIEB erinnert fühlen, obgleich die FROG BOG DOSENBAND dessen Vielseitigkeit zumindest an diesem Abend nicht ganz erreichte.

Mit Stampfgrooves vom Fass sorgten die Sumpffrösche für Eingängigkeit, und zumindest auf einem großen dieser Fässer stand STATUS QUO drauf. Wer schon immer mal wissen wollte, was ein Schaufelradbaggerverleih mit Saufen all over the world zu tun hat, kann diese Bildungslücke nun allenfalls noch im virtuellen Klassenzimmer unter http://wolf.openskynet.de/fbd/index.htm schließen.

Bleibt noch zu erwähnen, dass es auf dem "Hütte Rockt" auch zu einem Wiedersehen mit ehemaligen Bandkollegen kam, die FROG BOG DOSENBAND für das Crowdsurfing extra ein Gummiboot mitgebracht hatte und man zu guter Letzt für das Publikum an vorderster Front noch höchstpersönlich Kurze austeilte.

Nach diesem fulminanten Auftritt, dessen Ende auch von oben - mit dem heftigsten Schauer des Abends - gebührend begossen wurde, ließen DIE SACKRATTEN mit einem zweiten Set für die Unverdrossensten unter uns das Ende des ersten Festivaltages zünftig krachend ausklingen.

Redakteur:
Eike Schmitz

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