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III. Glowing Ember Festival Bayern - Nürnberg

17.03.2019 | 10:48

09.03.2019, Z-Bau

Die Festivaltour mit wechselndem Lineup in der bayerischen Ausgabe.

Das Glowing Ember Festival geht mittlerweile in die dritte Runde, allerdings handelt es sich dabei nicht um ein Festival im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr um eine festivalartige Tour durch verschiedene Bundesländer. Die einzige Konstante im Lineup ist dabei das Hamburger Trio [SOON], das bei den Terminen in den verschiedenen Städten jeweils von lokalen Bands unterstützt wird. In meiner Nähe gibt es gleich drei Möglichkeiten, mir das Ganze anzusehen, aus terminlichen Gründen kann ich jedoch nur die Show in Nürnberg besuchen. Musikalisch geht es hier auch ziemlich bunt zur Sache, denn jede der beteiligten Bands ist in einem anderen Genre unterwegs. Abwechslung ist also definitiv garantiert. Im Z-Bau war ich bisher auch noch nicht, die Location verfügt über mehrere Hallen in unterschiedlicher Größe. Der Rote Salon, in dem das heutige Spektakel steigt, dürfte die kleinste sein, mehr als 200 Zuschauer finden hier drin schätzungsweise nicht Platz. Da ich schon eine halbe Stunde vor Beginn da bin, ist die Anzahl des Publikums noch recht überschaubar, so nach und nach trudeln allerdings immer mehr Gäste ein.

Um halb Acht geht es dann schließlich mit den Nürnbergern DROWN THE SUN los, die den anwesenden Zuschauern gleich eine kernige Ladung Metalcore mit Djent-Anleihen um die Ohren hauen. Natürlich habe ich nichts dagegen, dass es zum Einstieg gleich richtig zur Sache geht, denn softer wird es später ja auch noch werden. Obwohl DROWN THE SUN noch recht jung ist (Gründung war 2016), legen die Jungs eine richtig amtliche Show aufs Parkett im Z-Bau, was natürlich auch vom immer zahlreicher werdenden Publikum honoriert wird. Der Bereich direkt vor der Bühne ist zwar noch leer, jedoch ist dort ein Violent-Dancer zu Gange, der ebenfalls eine sehenswerte Show hinlegt, natürlich passend zu den Klängen welche DROWN THE SUN vom Stapel lässt. Ich muss schon sagen, ich finde es gar nicht mal schlecht, was ich da zu hören bekomme. Ein richtig guter Einstieg, der absolut Lust auf mehr macht. Und ein recht kurzer, denn nach einer halben Stunde ist der Auftritt dann leider schon vorbei und DROWN THE SUN wird mit lautem Applaus von der Bühne verabschiedet.

Obwohl die Umbaupause nicht besonders lange dauert, bleibt trotzdem noch genug Zeit, um vor dem Z-Bau mit anderen Gästen über unsere Lieblingsmusikrichtung zu fachsimpeln. Von den heute spielenden Bands kenne ich nur [SOON], ich habe auch im Vorfeld nicht bei den anderen reingehört, daher bin ich sehr gespannt, was mich heute noch erwarten wird.

MORBID SKY aus Nürnberg verschwendet auch keine Zeit und hat für das Publikum eine Mischung aus Hard Rock und klassischem Heavy Metal im Angebot, der mit einer ordentlichen 80er-Breitseite auf die Zuschauer einprasselt. Von Beginn an gibt die Band Vollgas und man merkt sofort, dass hier schon einiges an Erfahrung auf der Bühne steht. Das Publikum lässt sich gerne von der Musik mitreißen, so etwas geht eben einfach immer. Sogar dem Violent-Dancer scheint es zu gefallen, denn er spult weiterhin sein gewohntes Programm ab, was bei dieser Musik schon etwas seltsam anmutet. Aber solange es ihm Spaß macht, warum nicht. MORBID SKY spielt dann auch die erste Ballade des Abends, der man einen gewissen Ohrwurmcharakter nicht absprechen kann. Danach wird es wieder härter und man sieht der Band richtig an, wieviel Spaß sie auf der Bühne haben. Auch die Fans geizen nicht mit Jubel und bei 'Shark Attack' dürfen sie sogar den Sänger lautstark mit "Attack"-Rufen unterstützen. Nach etwa 35 Minuten ist es dann leider auch schon wieder vorbei, aber MORBID SKY hat in der Kürze dieser Zeit mit einer richtig geilen und energiegeladenen Show überzeugt. So darf es gerne weitergehen.

Setliste: Morbid Sky; Money Machine; Metal God; Dead And Alive; Shark Attack; Burning Alive

Kurz noch etwas gefilterte Luft schnappen, denn bald spielt [SOON]. Der war mehr als flach, musste aber jetzt einfach sein. Draußen erblicke ich gleich wieder bekannte Gesichter von der letzten Pause und so werden die vorhin begonnenen Gespräche über Lemmy und die Welt einfach fortgesetzt.

Um kurz nach Neun geht es weiter mit [SOON]. Der Dreier aus Hamburg spielt eine eigenständige Mischung aus (Dark) Rock und Metal, welche live nochmal ordentlich an Härte gewinnt im Vergleich zu den Studioalben. Die Einflüsse im Sound von [SOON] sind in der Tat vielfältig. Würde man zehn Leute fragen, an welche Bands sie diese Musik erinnert, würde man höchstwahrscheinlich zehn verschiedene Antworten erhalten. Eine gehörige Portion Melancholie kann man in den meisten Songs ausmachen, aber sonst zeigen sich die Jungs aus dem Norden schon sehr experimentierfreudig. Komplexe Songaufbauten, Tempo- und Rhythmuswechsel aber auch atmosphärische Post-Rock-Elemente finden sich in den einzelnen Tracks. Doch auch die Bühnenshow kann sich mehr als sehen lassen. Sänger Eric ist sehr viel unterwegs auf der Bühne und macht es den Fotografen schwer, einen guten Schnappschuss von ihm einzufangen. Außerdem verleiht er seinem Gesang durch Posieren und Gestikulieren zusätzlich Ausdruck. Auch Gitarrist Lenny ist sehr aktiv und schrubbt während einiger Songs die Saiten sogar mit einem Drumstick, was ich so bisher noch gar nicht gesehen habe.

Auch beim Publikum scheint der eigenständige Sound von [SOON] gut anzukommen, mittlerweile hat sich die kleine Halle des Z-Bau richtig gut gefüllt und auch direkt vor der Bühne ist ordentlich was los. Beifall gibt es nach jedem Song nicht zu knapp, wofür sich Eric immer artig bei den Fans bedankt. Die Musik in Kombination mit der energetischen Bühnenshow und den Lichteffekten reißt wohl so ziemlich jeden im Z-Bau mit, auch der Violent-Dancer ist vor der Bühne wieder aktiv und lässt seine Moves vom Stapel. Und das sogar im Takt. Aber auch sonst sieht man viele Köpfe kreisen, wenn man seinen Blick durch das Publikum wandern lässt. Eine richtig geile Atmosphäre zaubert [SOON] da in den Z-Bau. Das hohe Energielevel wird auch bis zum Ende durchgezogen. Als Eric den letzten Song ankündigt, kann ich gar nicht glauben wie schnell die Zeit wieder vergangen ist, dabei hat [SOON] heute bisher die längste Show gespielt. So gibt es noch ein letztes Mal Applaus für die Hamburger, die sich in Nürnberg nach diesem starken Auftritt sicher einige neue Fans erspielt haben dürften.

Setliste: Why; Just An Illusion; Our Isolation; Time; Desperate; All I Wanted; My Ideas; Better Days; A Means To An End; Blessing In Disguise

Als ich nach einer Zigarettenpause wieder die Halle betrete, fällt mir auf, dass der Merchstand kurzerhand in den Flur umgezogen ist. Auch nicht schlecht, dann passen noch ein paar mehr Leute in die Halle und dieser Platz wird auch gebraucht, denn mittlerweile ist es schon ziemlich voll.

Als nächstes steht der Auftritt von OCEANIC auf dem Programm, eine Band, die ebenfalls aus Nürnberg stammt und somit ein Heimspiel hat. Die Franken spielen eine Mischung aus Stoner Rock, Stoner Metal und Grunge, die sofort wunderbar ins Ohr geht und jede Menge Spaß macht. Nach dem Auftritt von [SOON] passt das jetzt auch musikalisch richtig gut rein, denn später geht es dann nochmal härter zur Sache. Die Songs der Nürnberger wissen durch fette schwergewichtige Riffs zu überzeugen, aber auch viele atmosphärische Elemente sind enthalten. Zudem zeigt Sänger Christian, dass er durchaus auch melancholischen und gefühlvollen Gesang drauf hat. Die Kombination aus Stoner Rock und Grunge gefällt mir echt gut, vor allem wenn sie so wuchtig aus den Boxen kommt wie hier im Roten Salon im Z-Bau. Die Musik erinnert mich nicht selten an Bands wie FOO FIGHTERS oder auch SOUNDGARDEN, nur kommt sie von OCEANIC eine ganze Ecke härter und wuchtiger daher.

OCEANIC hat mit "Elixir" auch ein neues Album im Gepäck, das erst vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde. Das macht sich natürlich auch auf der Setliste bemerkbar, die zu größten Teilen aus Songs von "Elixir" besteht. Die Zuschauer haben sichtlich Spaß daran und auch die Band ist erfreut über die Resonanz des Publikums, das schon den ganzen Abend richtig gut drauf ist. Es fällt aber auch nicht schwer, sich von den schweren Riffs mitreißen zu lassen und nicht selten kommt auch etwas 90er Jahre-Feeling auf. Fast schon eine kleine Zeitreise, denn 80er Jahre Sound gab es ja vorhin von MORBID SKY schon. Nach 'Losing Ground' ist die Show dann leider schon vorbei und auch OCEANIC holt sich ein letztes Mal den Applaus des Publikums ab und verabschiedet sich in den wohlverdienten Feierabend. Ich habe zwar nicht auf die Uhr geschaut, aber die Spielzeit kam mir jetzt schon wesentlich kürzer vor als noch vorhin bei [SOON].

Setliste: Behind The Sun; Burden; On Fire; Serenity; Resonance; Drown; Decline; Losing Ground

Man glaubt es kaum, aber selbst jetzt treffen noch einige späte Gäste im Z-Bau ein. Der größte Teil des Abends ist zwar schon gelaufen, aber es steht ja immer noch der Auftritt von DEFY THE LAWS OF TRADITION an. Deshalb begebe ich mich schnell wieder in den Roten Salon und postiere mich ein letztes Mal direkt vor der Bühne, wo es jetzt sogar richtig eng geworden ist.

DEFY THE LAWS OF TRADITION steht schon auf der Bühne und nimmt letzte Einstellungen an den Instrumenten vor. Anschließend geben sich die Mitglieder noch gegenseitig einen Handschlag und dann legen sie auch schon los. Aber wie! Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, geben die Musiker von der ersten Sekunde an Vollgas, anders kann man es nicht sagen. Vor allem Sänger Nico scheint völlig unter Strom zu stehen, mit seiner adrenalingeladenen und intensiven Bühnenshow ist er ein absoluter Blickfang. Ich frage mich, ob er dieses hohe Energielevel wohl bis zum Ende durchhalten kann. Im Strobo-Licht gewinnt die Show noch zusätzlich an Intensität. Musikalisch würde ich das Ganze als eine Mischung aus verschiedenen harten Musikstilen bezeichnen, wobei die Hardcore-Elemente am deutlichsten ausgeprägt sind. Aber auch klassische Metal-Elemente inklusive Gitarrensoli finden sich im Sound der Nürnberger. Wie man das aber nun nennen mag, spielt eigentlich gar keine Rolle, denn immmerhin tritt es gehörig Hintern.

Bei DEFY THE LAWS OF TRADITION finde ich den Unterschied zum Studioalbum auch immens, die Truppe ist einfach eine Liveband, der Abriss ist praktisch vorprogrammiert. Auch bei den Zuschauern rennen die Jungs offene Türen ein, so ausgelassen wie jetzt war die Stimmung an diesem Abend noch nicht. Vor der Bühne gibt es standesgemäß Gedrängel und Geschubse, wie es sich zu solcher Musik gehört. Ein Fan springt sogar von der Bühne in die Menge und lässt sich auf Händen nach hinten tragen. Dass auch der Violent-Dancer wieder an vorderster Front aktiv ist, versteht sich beinahe von selbst, zu dieser Musik passt sein Tanzstil auch hervorragend. Großen Respekt an den Mann, er hat das tatsächlich den ganzen Abend durchgehalten. Auch DEFY THE LAWS OF TRADITION schafft es, das hohe Energielevel über die gesamte Spielzeit aufrecht zu erhalten. Als dann Schluss ist, gibt es noch einmal richtig lauten Applaus und damit endet das dritte Glowing Ember Festival Bayern. Was für eine Show!

Setliste: Scapegoat; Irreversible; Live And Let Nerd; Warpath; This Ain’t Over; (U)Solution; Hang.In’; Sirens; Gojira; WCDTOS; My Last Mistake

Vor allem das breitgefächerte Aufgebot an Bands bzw. Musikstilen fand ich sehr interessant. Einige Zuschauer haben mir zwar erzählt, dass ihnen jetzt nicht jede Truppe gefallen hat, aber das kommt bei einer solch vielseitigen Auswahl eben auch vor. Vor allem für Fans, die sich für verschiedene Musikstile interessieren, hat sich der Abend definitiv gelohnt. Selbst wem bei der einen oder anderen Band vielleicht die Musik nicht gefallen hat, kann nicht bestreiten, dass heute Abend wirklich jede Truppe auf der Bühne absolut überzeugen konnte. Im Z-Bau war eine richtig gute Stimmung und auch über die Getränkepreise kann sich echt niemand beschweren. Dass man in Franken leckeres Bier bekommt, dürfte sich auch von selbst verstehen. Sollte das Glowing Ember Festival im nächsten Jahr wieder stattfinden, werde ich sicher wieder dabei sein, vielleicht sogar mehrmals. Einige Ausgaben finden auch in diesem Jahr noch statt, das solltet ihr euch echt nicht entgehen lassen.

Redakteur:
Hermann Wunner

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