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IN SOLITUDE, BEASTMILK, DANIEL BAY - München

26.10.2014 | 18:51

27.10.2014, Hansa 39, Feierwerk

Starkes Package, starke Show!

Kündigen die Ausläufer des Hurrikans Gonzalo den unheilvollen Sturm an, der an diesem denkwürdigen Dienstag das Münchner Feierwerk in Schutt und Asche legen wird? Nicht ganz, aber seine Handlanger heißen heute IN SOLITUDE und BEASTMILK, die nicht weniger als 120 mutige Zeitzeugen an die Wände des Hansa 39 blasen. Meine Unfähigkeit, Menschenmengen quantitativ richtig einzuschätzen, sei mir verziehen.

DANIEL BAY hat für die Tour spontan zugesagt. Pflegeleicht mit nur einer Akustikgitarre ausgestattet, vertritt der sympathische Sänger und Songwriter als Opener die Hardcore Punks OBNOXIOUS YOUTH, deren Absagegrund nach wie vor nicht geklärt ist. Ist eigentlich auch ziemlich egal, denn der Lockenkopf weiß mit seiner tollen Stimme zu überzeugen. Instrumental etwas langweilig, beharrt er doch auf derselben Anschlagtechnik und wäre damit wohl an einem Lagerfeuer besser aufgehoben, hat sein tiefer Gesang sehr viel Charakter und ist ausdrucksstark. Als Kerl darf man durchaus auch die Augen schließen und plötzlich könnte man meinen, ein Sivert Høyem von MADRUGADA würde das noch spärlich anwesende Publikum verzücken. Ein schöner, wenn auch überflüssiger Anheizer.

BEASTMILK-Shirts scheinen gerade extrem angesagt zu sein. Oder ist es gar die Band selbst?
Nach einer relativ fixen Umbaupause eröffnen die Neo-Gothrocker mit 'The Wind Blows Through Their Skulls' einen energischen, sehr kurzweiligen Auftritt. Dem anwesenden Publikum fällt der richtig gut gemischte Sound auf. Bei den arg verhallten Gitarren von Goatspeed und Linnéa Olsson (ex-THE OATH) ein schwieriges Unterfangen - Respekt an den Mischer! Der Neuzugang hat sich augenscheinlich ausgesprochen gut in die Band eingelebt und übernimmt sogar feinste Leadarbeit und ist dabei stets verdammt sexy - ähem, souverän. Das Publikum steht steil und feiert den heutigen heimlichen Headliner BEASTMILK ab. Ich für meinen Teil verliere mich in den sphärischen Klängen, den einfachen, monotonen Strukturen und den catchy Gesangsmelodien von Sänger Kvohst (ganz großartig: 'Death Reflects Us'). Dennoch freue ich mich auf den offiziellen Headliner, der mit "Sister" mein Jahreshighlight 2013 veröffentlicht hat!

Setlist: The Wind Blows Through Their Skulls, You Are Now Under Our Control, Void Mother, Fear Your Mind, Ghosts Out Of Focus, Surf The Apocalypse, Children Of The Atom Bomb, Nuclear Winter, Death Reflects Us, Genocidal Crush, Love In A Cold World.

Heute gibt jede der drei Bands wirklich alles. Dass ein Teil von IN SOLITUDE gesundheitlich angeschlagen ist, merkt man den Jungs nicht an. Das sind leidenschaftliche Musiker und Fans, die da auf der Bühne stehen. Jeder einzelne Ton und jedes Wort wird zelebriert. Auch bei den Schweden fällt der fantastische Sound auf - das oftmals zitierte "das klingt wie auffa Scheibe!" greift auch hier, wenn auch 'nen Ticken härter, was den Songs von IN SOLITUDE aber auch gut zu Gesicht steht.

Die Setlist umfasst das komplette "Sister"-Album minus 'Pallid Hands' und 'Inmost Nigredo'. Zwei Songs, die ich schmerzlich vermisse - aber das groovende 'Demons' und 'To Her Darkness' (Jahrhundertrefrain!) entschädigen genauso wie das geniale CORTEX-Cover 'Jesus I Betong' und 'Witches Sabbath' vom Debüt "In Solitude". Es fällt auf, dass nicht jeder Besucher die engagierte, leidenschaftliche Show und die famose Songauswahl zu schätzen weiß. Bereits zu Beginn des Auftritts der Schweden verziehen sich einige Richtung Ausgang, um die nächste Kippe anzustecken. Ich hoffe nur, dass das keine Tendenz ist, die sich fortsetzt, denn mir fällt derzeit keine Band ein, die einerseits durch und durch traditionell klingt, andererseits aber auch fest im Hier und Jetzt verankert ist, die aus Altbekanntem Neues schafft, dabei vielleicht auch verstört. Wer will denn schon die x-te Kopie der Kopie einer Kopie? Ich nicht und deswegen bin ich dankbar, dass es Innovatoren wie IN SOLITUDE gibt.

Setlist: Intro, Death Knows Where, Witches Sabbath, Lavender, A Buried Sun, To Her Darkness, Jesus I Betong, Sister, Demons, Horses In The Ground, He Comes.

Fotos: © Michel Winterer (EmotionalPhotoArt)

Redakteur:
Haris Durakovic

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