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In Flames, Pain - Halle

11.10.2002 | 12:59

08.10.2002, Easy Schorre

Es ist sicherlich nicht übertrieben, wenn ich angesichts des Dreierpacks IN FLAMES, PAIN und SOILWORK diese Tour als ein absoluter Pflichttermin für jeden verantwortungsbewussten Metaller proklamiere. Das war vorher schon klar, aber nach dem Konzert muss man es wirklich noch einmal unterstreichen. Aber genug der Vorrede - hinein ins Vergnügen!

Schon als SOILWORK die Bühne betraten und mit "Follow The Hollow" loslegten, waren die zahlreich anwesenden Metalheads sofort gut bei der Sache, sodass es absolut kein Nachteil war, als erste von drei Bands ranzumüssen. Die Band ihrerseits war ebenfalls gut motiviert und präsentierte sich wirklich von ihrer besten Seite. SOILWORK sind ja schon seit einiger Zeit kein Geheimtipp mehr, sondern eher ein ernstzunehmender Emporkömmling im Melodic Death-Bereich, der ja im Prinzip vom Headliner dieser Tour angeführt wird. Es spricht natürlich für IN FLAMES, dass sie das Risiko eingingen, vom Opener an die Wand gespielt zu werden (was sich im Nachhinein aber absolut nicht als Risiko erwies, siehe unten), sondern vielmehr die herausragenden letzten Alben SOILWORK's dementsprechend honorierten. Honoriert wurden selbige auch vom Hallenser Publikum, zumal auch der Sound mehr als angemessen war, denn all die melodischen Intermezzos, die diese Truppe so besonders machen, waren sehr gut zu vernehmen. Dafür war die Songauswahl leider etwas einseitig. Obwohl man mit "Chainheart Machine" (1999) und "A Predator's Portrait" (2001) zwei wirklich superbe Scheiben in der Hinterhand hat, blieben die Ausflüge dorthin ("Millionflame", "Structure Divine") eher selten. Dafür widmete man sich ausgiebig dem aktuellen Hammeralbum "Natural Born Chaos", dem in Form von "Follow The Hollow", "As We Speak", dem Titeltrack und "The Flameout" Tribut gezollt wurde. Dennoch war es eine eindrucksvolle Vorstellung, die untermauerte, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis SOILWORK vergleichbare Touren headlinen werden. Dieses Mal war der Spaß allerdings nach 35 Minuten schon wieder vorbei, auch eine Zugabe war nicht mehr drin.

Bei PAIN, die wie schon auf dem Summer Breeze mit "It's Only Them" begannen, fiel schnell auf, dass Peter echt schlecht bei Stimme war. Halle war zwar erst der zweite Termin auf dieser Tour, aber da PAIN ja direkt vorher bereits mit TIAMAT unterwegs gewesen waren, machten seine Stimmbänder wohl einfach mal schlapp. Aber kein Gedanke daran, dass es Peter deshalb vielleicht etwas ruhiger angehen lassen würde. Er zog den Auftritt trotzdem einwandfrei durch und während solch ein Manko bei anderen Gruppen vielleicht die ganze Show zunichte gemacht hätte, war davon bei PAIN keine Spur. Dieser Mann schaffte es auch so spielend zu begeistern und riss sich wirklich den Allerwertesten auf. Das Publikum nahm zwar die ruhigeren Stücke ("Injected Paradise", "Just Hate Me") nicht sonderlich euphorisch auf, war aber dafür bei den harten und schnellen Nummern sofort voll dabei. Besonders bei "On And On", "Suicide Machine", "End Of The Line" und "Shut Your Mouth" (komischerweise waren's überwiegend die alten Stücke, die so abgefeiert wurden) ging tierisch die Post ab. Allerdings war leider schon nach 40 Minuten Sense, was zwar schade war, aber vielleicht auch an Peter's Stimme gelegen haben mag. Aber absolut kein Vorwurf an Mr. Tägtgren, denn es war auch so wie immer eine wahre Freude ihm zuzusehen und zu hören. Die Setlist unterschied sich gegenüber der vom Summer Breeze lediglich im Fehlen vom Oldie "On Your Knees Again" und auch wenn Auftritt und Publikumsreaktionen nicht ganz so großartig waren wie auf besagtem Festival, eine astreine Vorstellung war's allemal.

Setlist PAIN:
It's Only Them
On And On
Injected Paradise
Suicide Machine
Dark Fields Of Pain
Eleanor Rigby (BEATLES-Cover)
Just Hate Me
End Of The Line
Shut Your Mouth

Nach zwei so vorzüglichen Bands wartete nun alles auf den Headliner. Und IN FLAMES hätten es sich doch so einfach machen können. Auf die Bühne marschieren, sich ausgiebig feiern lassen (MANOWAR-like), eine routinierte Show hinlegen, natürlich ein paar Songs plus ein, zwei Zugaben spielen und dann wieder abdampfen. Aber nix von all dem war der Fall. Denn was nach dem zugegebenermaßen zu langatmigen Intro abging, hatte nun wirklich nicht den Anschein einer satten, routinierten Band. IN FLAMES waren nicht nur mit viel Energie und Spaß bei der Sache, auch zeigten sie sich von ihrer härtesten Seite und machten deutlich, dass die Betonung bei "Melodic Death Metal" immer noch auf "Death Metal" liegt. Bei den Songs konzentrierte man sich hauptsächlich auf die letzten beiden Alben "Reroute To Remain" (sechs Auszüge) und "Clayman" (fünf Exzerpte). Dennoch war es ein lupenreiner Best Of-Set, jeder Song war ein Highlight. Angefangen beim neuen "System" über eher unregelmäßig zum Besten gegebene Sachen wie "Götterspeise" (na, macht's klick?) und meinen persönlichen Liebling "Artifacts Of The Black Rain" bis hin zum abschließenden "Colony" - einfach Wahnsinn!
Dabei verzichtete die Band auf ausufernde Pausen zwischen den Songs und gab einfach einen nach dem anderen zum Besten, sodass insgesamt innerhalb von 85 Minuten sage und schreibe 19 Songs gespielt wurden. Welche Band bietet seinen Fans heutzutage so etwas noch? Wahrscheinlich waren die Auswahlverfahren für die Setlist so schwierig, dass man einfach so viele Songs wie möglich reinpacken wollte. Kein Problem damit! Zugaben gab es keine, aber ich gehe mal davon aus, dass die einfach schon mit im regulären Teil enthalten waren. Da man ja außerdem die Setlist von Auftritt zu Auftritt variieren wollte (vor allem bei den "Reroute..."-Songs) haben IN FLAMES für diese Tour wohl so gut wie alles ausgepackt, was sie auf Lager haben. Hinzu kommt, dass die Band sich fröhlich, ja beinahe ausgelassen präsentierte und dauergrinsend durch den Auftritt spielte. Trotz der Fülle an Songs in so verhältnismäßig kurzer Zeit ließ der dreadgelockte Anders sich zu allerlei spaßigen Ansagen hinreißen und schaffte es sogar, auf Publikumsrufer einzugehen.
Kurz und gut - IN FLAMES gaben sich absolut fannah, locker und kamen sehr sympathisch herüber. Also überhaupt nicht wie eine (sinnbildlich) fette und zufriedene Band. Aufgrund des Auftretens der Band und der proppenvollen Setlist (mit einem guten Mischungsverhältnis zwischen alt und neu - siehe Setlist) kann man diese Show nur als phänomenal bezeichnen. Mir fallen eine ganze Reihe von Bands mit vergleichbarem kommerziellen Erfolg ein, die sich davon mal eine mehr als dicke Scheibe abschneiden sollten. In dieser Form sind IN FLAMES sicherlich von niemandem an die Wand zu spielen. Ganz groß!
Und der merkwürdige Umstand, dass keine der drei Bands eine Zugabe hingelegt hat, lag wohl daran, dass in der Easy Schorre schon recht zeitig der Hammer fallen muss (23.30 Uhr). Da dachte man sich wohl, ehe wir Songs weglassen, verzichten wir lieber auf unnötiges Gelaber und hängen die Zugaben direkt hintendran (denn ich kann mir nicht vorstellen, dass IN FLAMES irgendwo noch mehr als 19 Songs gebracht haben). Tolle Einstellung.
Leute, diese Tour geht noch fast vier Wochen (die letzten Deutschland-Dates sind Ende Oktober), ich kann nur jedem wärmstens ans Herz legen: geht hin! Ihr ärgert euch schwarz, wenn die Kumpels dann anfangen, von diesem Konzert zu schwärmen.

Setlist IN FLAMES:
System
Pinball Map
Episode 666
Bullet Ride
Embody The Invisible
Cloud Connected
Clayman
Food For The Gods
Artifacts Of The Black Rain
Reroute To Remain
Trigger
Drifter
Square Nothing
Gyroscope
Only For The Weak
Behind Space
Ordinary Story
Black & White
Colony

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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