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JESS AND THE ANCIENT ONES, ANOMALIE, CARONTE - Weinheim

01.01.2018 | 14:26

15.12.2017, Cafe Central

Ein wahrlich kosmisches Ereignis!

Für das letzte Konzert in diesem Jahr geht es für mich heute in das Cafe Central nach Weinheim. Unter dem Motto "Rise Of The Cosmic Fire" präsentiert die Quantheon Promotion ihre erste Tour und verspricht im Vorfeld einen ganz besonderen Abend. Nicht nur das Line Up ist sehr speziell, sondern die gesamte Veranstaltung ist sehr liebevoll inszeniert und bietet dem Besucher ein Ambiente, das man so oft gar nicht auf Konzerten antrifft. Während die Bühne mit Fackeln und einem Mini-Altar verziert ist, gibt es im ganzen Club verstreut Äste, sowie Tier- und Menschenknochen zu entdecken, die sehr ästhetisch arrangiert sind.

Mit einer sehr großzügigen Ladung Weihrauch startet der Auftritt von CARONTE, die kurzfristig ihren Slot mit ANOMALIE tauschten. Noch bevor die ersten Töne erklingen, zelebriert die Band ein kleines Ritual auf der Bühne und unterstreicht damit nochmals die bereits sehr okkulte Atmosphäre im Raum. Wie jede anständige Doom-Metal Band wird hier nicht am Bass gespart und ein sanftes Brummen dröhnt aus den Boxen. Musikalisch bewegen sie sich irgendwo zwischen BLACK SABBATH und ELECTRIC WIZARD, wobei es der Band gelingt eine sehr angenehme Abwechslung aus groovigen Rock ’n’ Roll und schwerfälligen Gitarreneinlagen zu servieren. Das Konzept kommt beim Publikum zu Beginn nur mäßig an, jedoch können nach der ersten Hälfte des Sets schon erste nickende Köpfe gesichtet werden. Eine Besonderheit in der Setlist ist das etwas merkwürdige Cover von ‘Somebody to Love', ansonsten nutzen die Italiener die Spielzeit, um ihr aktuelles Studioalbum "Yoni" vorzustellen.

Setliste: Ode To Lucifer, Wakan Tanka Rider, Abraxas, Somebody To Love, Shamanic Meditation Of The Bright Star, The Moonchild, Black Gold

Im Anschluss daran betreten die Herren von ANOMALIE die Bühne. Mit der Scheibe "Visions" beschreitet die Band stilistisch neue Wege und hat dabei auch erstmals einen Hauch von Okkultismus eingebaut. Passend zu dieser recht mystischen Stimmung wird auch die Performance sehr gezielt wie eine Art Zeremonie inszeniert. Insbesondere Sänger Marrok hat meiner Meinung nach in seiner Präsenz als Frontmann ganz neue Seiten gezeigt. Nicht nur die Übergänge zwischen Klar- und Schreigesang sind technisch einwandfrei, sondern auch die Stimmung ist perfekt eingefangen. Allerdings könnte die Songauswahl für jemanden, der sehr stark von den Vorgängern "Between The Light" und "Refugium" angetan ist, eintönig wirken, denn bis auf den letzten Song dominiert das aktuelle Studioalbum. Da die einzelnen Nummern recht lang sind, fällt gar nicht auf, wie schnell die Spielzeit vorbei geht. Für die nächste Tour wäre auf jeden Fall eine längere Setlist wünschenswert.

Setliste: Vision I: Towards the Sun, Vision II: The Wanderer, Vision III: A Monument, Vision IV: Illumination, Untouched Walls

Der geheime Favorit des Abends kommt aus einer kleinen Stadt hoch oben im Norden. Mit "Second Psychedelic Coming: The Aquarius Tapes" hat JESS AND THE ANCIENT ONES vor wenigen Jahren die Psychedelic Szene ordentlich auf den Kopf gestellt und sich in kurzer Zeit eine große Fangemeinde erspielt. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen augenscheinlich nur für die Finnen da sind und mit dem Vorprogramm jetzt weniger anfangen konnten. Die bereits erwähnte Schwermut, die die vorherigen Bands mit viel Mühe aufgebaut haben, muss jetzt der fröhlich ansteckenden Art von Sängerin Jess weichen. Mit nur einem Tamborin bewaffnet schwebt die großwachsene Frau quasi über die Bühne und entlockt auch den grimmigen Black Metaller Besucher ein leichtes mitwippen und mittanzen. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, obwohl ein Bandmitglied alles andere als seinen Spaß hat. Der Bassist entschuldigt sich für seine Performance, da er mit den Folgen einer Lebensmittelvergiftung zu kämpfen hat. Trotz aller Bedenken sollte das Konzert nicht abgesagt werden und so kämpft er sich wacker durch. Obwohl die Rufe nach einer Zugabe sehr laut sind, haben die Fans natürlich Verständnis, dass nach der regulären Spielzeit dann auch wirklich Schluss ist.

Setliste: Equinox Death Trip, In Levitating Secret Dreams, Death Is The Doors, Samhain, Shining, The Devil, The Lovers, Anyway The Minds Flow, Prayer For Death And Fire, Minotaure, Astral Sabbath, Return To Hallucinate, Castaneda, You And Eyes

Viele Promoter bewerben ihre Konzerte und Tourneen als etwas Besonderes, aber Quantheon hält tatsächlich was sie versprechen. Dieser Abend ist in seiner Gestaltung und Ausführung ein absolut rundes Ding gewesen und macht sehr neugierig auf andere Projekte im kommenden Jahr.

Redakteur:
Hang Mai Le

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