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JUDAS PRIEST - Oberhausen

20.02.2016 | 20:53

17.12.2015, Königs-Pilsener Arena

British Steel

Kurz vor Weihnachten und dem Jahreswechsel steht das Ruhrgebiet noch einmal für einen Abend Kopf, denn für die beschauliche Königs-Pilsener Arena am Centro in Oberhausen hat sich niemand Geringeres als JUDAS PRIEST angekündigt. Als letzten Gig ihrer umfangreichen "Redeemer Of Souls"-Tour wählten die Pioniere des Edelstahls also Nordrhein-Westfalen, eine Entscheidung, die sie keinesfalls bereuen sollte. Denn selbst im höheren Alter untermauert JUDAS PRIEST erneut den immensen Status, zeigt so manchem Jungspund, wo der Leder- und Nietenfrosch die Locken hat und legt einen Bilderbuchauftritt hin.

Doch bevor uns eine Lehrstunde in Sachen Heavy Metal über vier Dekaden Musikgeschichte und Hits in Hülle und Fülle vor den Latz geknallt wird, darf eine andere Rocklegende zeigen, was sie im 47. Bandjahr noch im Köcher hat. Die Rede ist von UFO, von der wir aufgrund des alltäglichen Staus auf deutschen Straßen leider nur die letzten beiden Songs mitbekommen.

Doch schon das ausufernde und voller Hingabe vorgetragene 'Rock Bottom' ist musikalisch ein absoluter Lichtblick. Bereits früh wird der glasklare Sound der Arena deutlich. Für Bands wie UFO, JUDAS PRIEST oder vor einigen Wochen auch NIGHTWISH also wie geschaffen.

Auch wenn es also zeitlich für uns nur für 'Rock Bottom' und dem anschließenden Gassenhauer und Evergreen 'Doctor Doctor', bei dem der Arena-Innenraum seine Stimmbänder schon einmal für den folgenden Act ölt, reicht, beeindruckt UFO-Frontmann Phil Moggs' Gesangseinlage sowie der Klang. Und nach einer angenehm kurzen Umbaupause richten sich alle Augen erneut in Richtung Bühne. Es ist Zeit für den knapp zweistündigen Gottesdienst, der mit 'War Pigs' eingeleitet wird.

Dann jedoch fällt der immens große JUDAS PRIEST-Backdrop, es geht in die Vollen, the priest is back! Erneut macht sich der außerordentlich gute und glasklare Sound bemerkbar, denn 'Dragonaut' hat ordentlich Wumms. Und eins möchte ich vorweg nehmen: So gut der Klang der Arena, die Auswahl der Songs, das Zusammenspiel der Instrumentalfraktion auch war, so stellt Rob "Metal God" Halford mit seinem unfassbar guten Gesang heute alles in den Schatten. Hohe Töne? Kein Problem! Höhere Töne? Nichts leichter als das! Die höchsten Töne? Als wenn Rob nie etwas anderes getan hätte. Die gesamte Arena ist sich in einem Punkt einig: Hier spricht Gott persönlich zu seiner Gefolgschaft. Und diese singt mit, reckt die Fäuste in den Himmel und sieht eine Darbietung, die besser einfach nicht hätte ausfallen können.

Hinzu kommt die Optik: Am heutigen Abend geht es zeitlich hin und her, 'Desert Plains' folgt auf 'Metal God', 'Halls Of Valhalla' folgt auf 'Victim Of Changes', das unnachahmliche 'Turbo Lover' folgt auf 'The Rage' und das unschlagbare 'Beyond The Realms Of Death' folgt auf den aktuellen Titelsong. Zu jeder einzelnen Darbietung gibt es auf dem großen Monitor über der Bühne das passende Albumcover. Die aktuellen Stücke werden visuell passend untermalt und bekommen dadurch noch mehr Dynamik.

Es ist nicht einfach ein Live-Konzert einer großen Band, es ist großes Kino einer lebenden Legende, die zum Abschluss ihrer "Redeemer Of Souls"-Tour in die Vollen geht. Mit gewohnt charmanten Ansagen und jeder Menge Feuer hinter der Stimme hat der Metal God die Halle zu jeder Sekunde im Griff. Faulkner schüttelt die Riffs und Soli mit jugendlicher Leichtigkeit aus seinem Ärmel, Travis und Hill sind eh die unverrückbaren Felsen in der Brandung und sogar Tipton, der anfänglich etwas müde zu wirken scheint, taut im Laufe des Sets noch einmal auf. Heute funktioniert einfach alles. Heute ist einer dieser Abende, in denen ein gewisser Hauch von Magie in der Luft liegt.

'Screaming For Vengeance' und 'Breaking The Law' dürfen hierbei ebenso nicht vergessen werden wie 'Hell Bent For Leather' und Robs Fahrt auf der Harley. Diesmal hat er sogar eine kleine Weihnachtsmütze im Gepäck, die im weiteren Verlauf auch nicht abgenommen wird. Wenn ich im Vorfeld noch nicht richtig in Weihnachtsstimmung gewesen bin, durch Santa Metal God wird es damit doch noch was. Nach kurzer Verschnaufpause werden dann die üblichen Klassiker verbraten: 'Electric Eye' ist auf jedem PRIEST-Konzert genauso allgegenwärtig wie 'You've Got Another Thing Comin', 'Painkiller' oder 'Living After Midnight', bei dem die Halle ihre letzten Reserven bündelt und schlussendlich noch einmal alles gibt. Nach euphorischem Beifall und einer Menge Anerkennung ob der jugendlichen Leistung des 64-jährigen (!) Frontmanns ist dann doch Schicht im Schacht.

Nach zwei Stunden Hits, Hits und Hits beendet 'We Are The Champions' von QUEEN aus den Boxen auch den schönsten Konzertabend. Doch über das, was JUDAS PRIEST heute abgeliefert hat, wird man Tage später noch reden. Mit vielen Ohrwürmern, der gewissen Portion Stahl und der Gewissheit, dass die Recken es immernoch draufhaben, setze ich mich nun in mein Auto, steuere auf die Autobahn zu und der erste Track vom "Turbo"-Album wird laut aufgedreht. Mensch, war das 'ne Sause.

Text: Marcel Rapp; Fotos: Frank Hameister

Redakteur:
Marcel Rapp

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