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Jon Oliva's Pain - Ludwigsburg

16.11.2005 | 22:33

09.10.2005, Rockfabrik

Das TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA hat sich in den letzten Jahren zu einem ziemlich erfolgreichen Projekt entwickelt, so dass SAVATAGE-Mastermind Paul O'Neill seine Prioritäten dort sieht. Und da auch die SAVATAGE-Musiker bekanntlich im TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA eingespannt sind, liegt die eigentliche Hauptband nun schon länger auf Eis. Sehr schade, aber als gemeiner SAVATAGE-Fan kann man da leider nichts ändern - man muss sich mit dieser Situation abfinden und kann nur hoffen, dass sich daran irgendwann mal wieder etwas ändert...
Erfreulicherweise hatte Jon Oliva zu Beginn des Jahres ein Einsehen mit den SAVATAGE-Fans dieser Welt und veröffentlichte mit "'Tage Mahal" ein Solo-Album, das mir persönlich sogar besser gefällt als das letzte SAVATAGE-Werk "Poets And Madmen". Er hat sich dann sogar auf ein paar wenigen Festivals gezeigt (u.a. RockHard-Festival), aber da sich diese mit meinem Terminplan nicht vereinbaren ließen, musste ich auf eine weitere Chance hoffen. Diese gab es nun im Oktober tatsächlich auch, und zwar in Form einer Mini-Tour, die Jon Oliva u.A. auch nach Ludwigsburg führte.

Bevor Jon Oliva aber auf die Bühne kommt, dürfen zunächst einmal die Jungs von SAIDIAN ran, um das leider noch sehr übersichtliche Publikum ein wenig anzuheizen. Da die Band aus der Stuttgarter Gegend stammt, genießen sie in der Ludwigsburger Rockfabrik natürlich Heimvorteil, und so stehen in den ersten Reihen einige Leute, die mit den SAIDIAN-Songs durchaus vertraut sind. Die Musiker um Sänger Markus legen ausgesprochen selbstbewusst und engagiert los, und mit 'Burn Down The Night' erwischen sie einen ordentlich Start. Sie lassen dann gleich noch 'Lonely Nights' von ihrem bislang einzigen Album "For Those Who Walk The Path Forlorn" folgen, und schon bei diesen ersten Songs ist mir, der ich mit SAIDIAN bislang nichts zu tun hatte, klar, dass mich nun eine halbe bis dreiviertel Stunde Euro-Power-Metal in Reinkultur erwarten würde. Zu auffällig sind die Parallelen insbesondere zu EDGUY, und dementsprechend ist es mit Eigenständigkeit und innovativen Songs hier nicht allzu weit her. Die Leute in den ersten Reihen haben damit aber kein wirkliches Problem, denn sie gehen bei weiteren Songs des aktuellen Albums ('Cry In The Rain', 'Chains Of Time') ganz gut mit, und bei 'Silent Killer', das es sogar auf diverse Sampler geschafft hat, wird auch halbwegs lautstark mitgesungen. Es folgen mit 'Heart Of Stone' und 'Raging Fire' noch zwei weitere "For Those Who Walk The Path Forlorn"-Songs, bevor SAIDIAN zum Abschluss ihres kurzen Auftritts noch einen neuen Song vorstellen, der laut Ansage durch Sänger Markus wohl 'Praise The Lord' (oder so ähnlich) heißt. Musikalisch wird auch hier nichts wirklich Neues geboten - eine Midtempo-Nummer eben -, aber wie schon bei den Songs zuvor können SAIDIAN schon zeigen, dass sie in technischer Hinsicht nichts anbrennen lassen. So kann man den Auftritt dieser noch recht jungen Band als durchaus gelungen bezeichnen, auch wenn mir die Musik persönlich ein wenig zu unspektakulär ist. Aber daran kann die Band ja vielleicht noch arbeiten - Potential ist nämlich durchaus vorhanden.

Setlist:
Burn Down The Night
Lonely Nights
Cry In The Rain
Chains Of Time
Silent Killer
Heart Of Stone
Raging Fire
Praise The Lord

Nach dem Auftritt von SAIDIAN heißt es dann erst einmal warten, bevor Jon Oliva und seine Begleitband auf die Bühne kommen. Sie legen auch gleich richtig los und steigen mit 'New York City Don't Mean Nothing' vom "Streets"-Album ein. Die Stimmung in der zwischenzeitlich doch ganz gut gefüllten Rockfabrik ist von Beginn an richtig gut, und einige Leute singen bereits lautstark mit. Beim Keyboard-Solo blitzen dann auch schon Jons großartige Entertainment-Fähigkeiten auf, die nur sehr schwer in Worte zu fassen sind - diese Gestik und Mimik muss man einfach gesehen haben. Und wenn er dann auch noch mit seiner kleinen Hexenfigur rumalbert und auf Ähnlichkeiten zwischen ihr und ihm hinweist, dann kann man sich nur schwerlich ein Grinsen verkneifen. An "New York City ..." schließen Jon & Co. dann direkt eine weitere "Streets"-Nummer an, nämlich 'Jesus Saves', das vor allem beim Refrain kräftig mitgegröhlt wird. Danach folgt eine kurze Begrüßung durch Jon, wobei er anmerkt, dass er sich sehr freut, wieder in der Rockfabrik zu sein. Da Jon Oliva - wie bereits erwähnt - im letzten Jahr ein Solo-Album veröffentlicht hat, kommen selbstverständlich auch Stücke von dieser Scheibe zum Zuge, und zwar zunächst 'All The Time'. Da "'Tage Mahal" sehr SAVATAGE'sche Züge trägst, reiht sich diese Nummer problemlos zwischen den Band-Klassikern ein, denn danach folgt bereits 'Gutter Ballet', das vom Publikum natürlich begeistert aufgenommen wird. Doch nicht nur die Stimmung vor der Bühne ist hervorragend, nein, auch die Musiker auf der Bühne haben sichtlich ihren Spaß. Nach der Bemerkung von Jon, dass er diesen Abend seinem verstorbenen Bruder Criss widmet und deshalb fast ausschließlich Songs gespielt werden, die er geschrieben hat, geht es mit einer weiteren "Gutter Ballet"-Nummer, nämlich 'Hounds' weiter. Und dieses Stück hat es wahrlich in sich, denn zumindest ich habe während des ganzen Songs eine wahnsinnige Gänsehaut. Auf diesen Höhepunkt folgt aber auch schon der nächste, denn nun ist wieder das "Streets"-Album an der Reihe, und zwar mit dem Doppelpack 'Tonight He Grins Again'/'Strange Reality'. Jon & Co. bleiben auch nach der obligatorischen Bandvorstellung noch bei der Rock-Oper "Streets", indem sie 'Ghost In The Ruins' spielen, und das in einer großartigen Version. Nachdem das Publikum zunächst sehr lautstark mitgesungen hat, dürfen sich im recht länglichen Instrumentalteil Matt LaPorte und Jerry Outlaw austoben. Die beiden Gitarristen zeigen, dass sie mit ihren Instrumenten sehr gut umgehen können und liefern sich regelrechte Duelle, ohne den Unterhaltungswert dabei zu vernachlässigen. Wie bereits angedeutet, bleibt das aktuelle Album "'Tage Mahal" trotz all der SAVATAGE-Klassiker nicht auf der Strecke, und so gibt erst 'The Dark' und - nachdem sich Jon in der ersten Reihe eine Zigarette erschnorrt hat - danach 'People Say - Gimme Some Hell' zu hören. Danach geht es dann aber wieder in SAVATAGE'sche Gefielde, und es folgt die beste Ballade dieser Band und vielleicht sogar die beste Ballade überhaupt, nämlich 'Believe', und auch dieses Mal sorgt sie bei mir wieder für eine Gänsehaut. Langsam, aber sicher neigt sich der Auftritt von Jon & Co. auch schon dem Ende zu, jedoch hat der beleibte Musiker zum Abschluss noch einmal ganz tief in der Band-Geschichte gegraben und zwei unsterbliche Klassiker ausgegraben, 'City Beneath The Surface' und 'Sirens'. Diese beiden Nummern werden vom Publikum dann auch noch einmal gnadenlos abgefeiert, und so ist es eigentlich klar, dass sich die Fans damit noch nicht zufrieden geben wollen. Sie fordern lautstark nach mindestens einer Zugabe, und die sollen sie auch bekommen. Es gibt zunächst 'Power Of The Night' - besser als mit diesem Titel kann man diesen Abend eigentlich kaum umschreiben -, und anschließend noch 'Hall Of The Mountain King' - wie ja nicht anders zu erwarten, aber doch sehr zu meiner Freude (Madness reigns...). Das war's dann aber wirklich, und Jon und seine Mitstreiter verlassen endgültig die Bühne - nach einem wirklich großartigen Auftritt.
Diese Band präsentierte sich nämlich in ausgesprochen guter Verfassung und war damit deutlich mehr als nur ein SAVATAGE-Ersatz. Insbesondere bekam man als SAVATAGE-Fan endlich mal wieder Songs zu hören, die live schon lange nicht mehr zum Standard-Programm gehören, wie beispielsweise 'Hounds', 'Tonight He Grins Again' oder 'City Beneath The Surface'. Lange Rede, kurzer Sinn: Wer Jon Oliva und seine Begleitband auf dieser Mini-Tour versäumt hat, der hat wirklich was verpasst!

Setlist:
New York City Don't Mean Nothing
Jesus Saves
All The Time
Gutter Ballet
Hounds
Tonight He Grins Again / Strange Reality
Ghost In The Ruins
The Dark
People Say - Gimme Some Hell
Believe
City Beneath The Surface
Sirens
---
Power Of The Night
Hall Of The Mountain King

Redakteur:
Martin Schaich

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