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Jon Oliva's Pain, Kingcrow und Max Pie in Aschaffenburg im Colos-Saal - Aschaffenburg

21.08.2012 | 12:26

03.07.2011, Colos-Saal

25 Jahre "Hall Of The Mountain King" - Bergkönig Jon Oliva lässt die Halle des Colos-Saal mächtig erzittern.

Der König (SAVATAGE) ist tot, lang lebe der Bergkönig (JON OLIVA)! Schon beim Betreten der "Halle" fällt sofort der große, weiße Flügel auf. Auch wenn sich dahinter eigentlich ein Keyboard versteckt, macht er doch reichlich viel Wind und ist irgendwie dem Abend angemessen. Aber bevor wir in den Genuss von JON OLIVA'S PAIN kommen, müssen sich noch zwei Supportbands über den steinigen Bergweg zu den hoffentlich geneigten Zuhörern aufmachen.

Als erste Band nehmen MAX PIE aus Belgien diese Hürde auf sich. Obwohl ich diese Band nicht kenne, bin ich doch angenehm überrascht, was Tony (Vocals), Damien (Guitars), Oli (Bass) und Sylvain (Drums) da abliefern. Sie spielen eine hörenswerte Mischung aus Metal, Hardrock und ein bisschen Progressive Rock und können bei den schon zahlreich Anwesenden durchaus punkten.

Die nachfolgende Band KINGCROW muss sich - wie schon MAX PIE - immer mehr oder weniger gekonnt um den Flügel herumschlängeln. Aber auch diese sechs Herren aus Italien schaffen es relativ mühelos, das Publikum für sich zu gewinnen. Sie sehen sich selbst als Progressive-Rock- und Metal-Band, die sich inzwischen ein ganzes Stück von ihrem Ursprung als Classic-Hardrock/Metal Band entfernt hat. Mir hat KINGCROW gut gefallen und soweit ich feststellen kann, dem Großteil des Publikums auch. Inzwischen ist es noch voller geworden und nachdem sich KINCROW mit ihren letzten Song "Phlegethon" vom gleichnamigen, 2010 erschienen Album, verabschiedet haben, wächst die Spannung. Was wird Jon Oliva an diesem Abend seinem Publikum bieten?

Setlist: Evasion, Island, Lovocaine, Timeshift Box, Washin' Out, Fading Out III, Phlegethon

Da ich direkt seitlich an der Bühne klebe, komme ich ganz früh in den Genuss der ausgelegten Setliste und fange schonmal an, mich zu freuen. Das verspricht, ein wunderbarer Abend zu werden! Nach diversen Umbauarbeiten, ein wenig Soundcheck - der schon frenetisch bejubelt wird, besonders als sich Chris Kinder seinem Drumset widmet - einer Getränkeflasche hier, einigen Handtüchern dort und einer letzten Kontrolle des Flügels, herrscht erwartungsvolle Stille. Genau so lange, bis der Bergkönig himself die Bühne betritt.

Ein Aufschrei aus hunderten Kehlen und sofort tosender Beifall zaubern Jon gleich zu Anfang ein sehr breites Grinsen ins Gesicht. Und um es gleich vorweg zu sagen: Diesmal ist der Meister hervorragend bei Stimme und bestens gelaunt. Keine ekligen Getränke, die sein Arzt ihm verordnet hat, wie bei seinem letzten Auftritt, alles bestens!

Trotz seiner ja nicht ganz schlanken Statur und einem Flügel mitten auf der Bühne, ist er mal rechts, mal links zu finden - wenn er nicht gerade spielen muss - scherzt mit dem Publikum, schneidet auch schon mal Grimassen für die Fotografen, hält oft sein Mikro in die Menge und freut sich offensichtlich über die sehr textsicheren Zuhörer. Der Opener 'Gutter Ballet' und das nachfolgende 'Edge Of Thornes' rufen direkt einen wahren Begeisterungstaumel hervor. Aber eigentlich ist es bei jedem Stück so. Sobald die ersten Töne erklingen, geht im Publikum die Luzi ab. Auch die Band sprüht vor Spielfreude, alle sehen entspannt und strahlend aus, man hat wirklich das Gefühl, dass sie sehr viel Spaß an der Sache haben.

Letztes Jahr ist ja unerwartet Jon Oliva's langjähriger Gitarrist Matt LaPorte verstorben und Neuzugang Jerry Outlaw trägt im zu Ehren ein Matt-LaPorte-Gedenkshirt. Er ist vielleicht nicht ganz so charismatisch wie sein Vorgänger, macht seine Sache aber - soweit ich das beurteilen kann - recht gut. Weitere Mitstreiter sind Gitarrist Joe Diaz und der gut "behütete" Bassist Jason Jennings, der mich vom Aussehen her irgendwie ein bisschen an Johnny Depp erinnert. An den Drums treibt, wie schon erwähnt, Chris Kinder seine Spielchen mit den Stöckchen.

Mit 'Ghost In The Ruins' - in Gedenken an seinen verstorbenen Bruder und Ausnahmegitarristen Chris Oliva - ist quasi die Halbzeit erreicht und dann kommt das, worauf die Menge gewartet hat: Das Mountain-King Album. So ganz hat er zwar die Reihenfolge nicht eingehalten und 'Last Dawn' hat gefehlt, trotzdem ist das Publikum während des ganzen zweiten Teils komplett aus dem Häuschen. Jeder einzelne Titel wird regelrecht abgefeiert und irgendwie vergeht die Zeit wie im Flug. Nach 'Prelude To Madness' ist es dann Zeit für den Titelsong und sowohl Band als auch Publikum geben noch einmal alles. Strahlend und schon einmal großzügig Plektren verteilend, verlassen die Herren die Bühne. Natürlich ist klar, dass wenigstens noch eine Zugabe kommen muss. Sehr zur großen Überraschung und Freude (nicht nur von meiner Seite aus) beschließt das wunderbare 'Believe' einen ganz besonderen, unvergesslichen Abend.

Da wird wieder klar, warum SAVATAGE zu den Großen im Metalbereich zählen und welche fantastischen Songs im Laufe vieler Jahre von den beiden Oliva-Brüdern geschrieben worden sind. Hoffen wir, dass der Bergkönig Jon Oliva uns noch oft auf solche nostalgischen Reisen mitnimmt.

Setlist: Gutter Ballet, Edge Of Thorns, Sirens, Power Of The Night, Tonight He Grins Again, Walk Upon The Water, Ghost In The Ruins, 24 Hours Ago, Beyond The Doors Of The Dark, Legions, Strange Wings, The Price You Pay, White Witch, Devastation, Prelude To Madness, Hall Of The Mountain King, Zugabe: Believe

Hanne Hämmer

Redakteur:
Hannelore Hämmer

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