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KATATONIA - Leipzig

27.04.2010 | 10:37

04.04.2010, Conne Island

Schabernack bei KATATONIA.

Einen Dank an die überaus "nette" Security, welche lieber schwatzt, als zu bemerken, dass direkt vor dem Schalter niemand mehr steht. Warum sollte man auch seinen Job machen und mitdenken – nein, lieber Smalltalk, anstatt die nächste Fuhre hineinzulassen. Daumen hoch!

Die lange Schlange ist also völlig unnnötig, während drinnen bereits die ersten Töne von LONG DISTANCE CALLING erklingen. Dort angekommen folgt die Überraschung: Jetzt schon ist das Conne Island total voll – und das, obwohl draußen noch gefühlte hundert Mann stehen. Auf Kosten der Besucher wird hier jeder hineingelassen. Aber wenn man den Kollegen aus den anderen Städten zuhört, so ist Leipzig kein Einzelfall. Offensichtlich sind die viel zu kleinen Venues dem Andrang nicht gewachsen.

Bei LONG DISTANCE CALLING kann es nur heißen: durchkämpfen, ein wenig schauen und ganz schnell wieder raus. Mit "Avoid The Light" aus dem Jahre 2009 haben sie ein schlagkräftiges Argument, um für die Großmeister KATATONIA zu eröffnen. Damals waren meine Worte "Mit "Avoid The Light" zeigen sie erneut, dass man für großartige Musik nicht mal einen Sänger benötigt. Intensive Rockmusik, gepaart mit Ambient-artiger Atmosphäre. Melancholisch und aufmunternd zugleich entfachen sie auf ihrem zweiten Album eine krude Mischung aus Progrock und Psychedelic." Genau das könnte ich wieder sagen. Musikalisch absolut top, auch wenn Instrumentalmusik live leider nur halb so viel Spaß macht. Dennoch ist die Stimmung gut, und LONG DISTANCE CALLING können sicherlich einige neue Fans gewinnen.

SWALLOW THE SUN gastierten erst vor kurzer Zeit als Headliner im Leipziger Conne Island, was zu einem netten Wiedersehen mit vielen Fans führt. Ihr aktuelles Album "New Moon" ist ein Wunderwerk finnischer Melancholie und konnte sich tagelang in der Dauerrotation festsetzen. Doch heute scheint es nicht wirklich zu zünden. Nach einem seltsamen Intro und dem Dank an KATATONIA geht es mit 'These Woods Breathe Evil' gleich in die Vollen. Doch der Schabernack geistert heute umher. Denn für SWALLOW THE SUN ist es der letzte Gig der Tour. Das nehmen die Schweden von KATATONIA zum Anlass, den Finnen diverse Streiche zu spielen. So richtig checkt das Frontmann Mikko aber nicht – auch nicht, als bei fast jeder Ansage seine Stimme durch einen Verzerrer wie Donald Duck klingt. Auch sonst wirkt er mit Mütze und Schall eher wie eine Schlaftablette. Dies hat zur Folge, dass die Musik zwar top, aber die gesangliche Leistung höchst unmotiviert daherkommt. Dann lieber gleich die Klappe halten und allein auf die Musik setzen.
[Enrico Ahlig]

Die letzte Umbaupause hat begonnen. Schnell noch ein letztes Bier an der Bar geholt und einen guten Platz gewählt. Kein einfaches Unterfangen in der übermäßig vollen und warmen Halle, was jede Minute des Wartens anstrengend macht. Aber es soll sich lohnen.

Als KATATONIA die Bühne betreten und gleich zu Beginn mit Songs wie 'Complicity' vom Album "Viva Emptiness" und 'The Longest Year" vom aktuellen Silberling "Night Is The New Day" durchstarten, ist all das vergessen. Der Blick richtet sich nach vorn. Die Schwere, Melancholie und Schönheit ihrer Musik entfalten sich wie eine Blüte, die sich langsam öffnet. Ähnlich ist es wohl mit dem Gesang von Jonas Renkse, der stimmlich immer mehr nachlegt. Der "Mythos" um die schwedischen Doom-Metaller, dass sie keine gute Liveband sind, ist zerstört. Dennoch versteckt sich Renkse hinter seiner langen Lockenmähne und umklammert fest das Mikro. Selten blickt er auf, doch gefühlvoll fasst er sich hin und wieder an sein Herz und lässt seine Mähne immer wieder kreisen. Die beiden Gitarristen und der Bassist folgen ihm, auch wenn sie zwischendurch gerne mal posen.

Spätestens bei 'Ghost Of The Sun' ist auch das Publikum aktiver und versucht, sich in dem Gedränge von der Musik treiben zu lassen. Kurzzeitig singen einige Fans den Refrain sogar laut genug mit. Mit 'Day And Then The Shade' wird es gegen Ende noch mal etwas sentimentaler.

KATATONIA überzeugen die Leipziger an diesem Abend mit ihrer tollen Mischung aus ruhigeren und energischen Gitarrenriffs und dem Gesang, der stets eine eindringliche, gefühlvolle Atmosphäre schafft. Wunderbar.

Ohne eine Zugabe dürfen die Schweden aber noch nicht nach Hause. Am Ende gibt es auch erneut ein wenig "Schabernack" zu sehen, denn zwei Männer, wohl von SWALLOW THE SUN, betreten die Bühne. Der eine in Folie gehüllt und mit übergroßen Händen in Form von "Pommesgabeln" und der andere in einem Karton, was zusammen wohl an Spongebob erinnern soll.

Nach dem Konzert gehen die Fans mit positiven Erinnerungen nach Hause und können scheinbar nicht fassen, wie gut KATATONIA live sind. Auf ein baldiges Wiedersehen!

Redakteur:
Franziska Böhl

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