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KEEP IT TRUE XXII - Lauda-Königshofen

12.05.2019 | 17:11

26.04.2019, Tauberfrankenhalle

Das traditionelle Wochenende mit Urlaub im Metal-Untergrund hatte einige musikalische Überraschungen parat, leider nicht nur positive.

Nach einem ausgedehnten Frühstück ist es wieder Zeit für Metal, allerdings driftet eine Abordnung der POWERMETAL-Crew erstmal ins Händlerzelt ab, während die jungen und frischen schon wieder die Matte schwingen gehen. Leider bewahrheitet sich heute eine Nachricht, die gestern Abend schon bekannt gegeben wurde: CANDLEMASS wird nicht auftreten. Die skandinavische SAS leidet unter einem Pilotenstreik und Hunderte Flüge wurden gestrichen, darunter wohl auch der der Nord-Doomster. Blöd, immerhin ist Leif Edling bereits hier, hat er doch gestern beim Mark Shelton-Tribut bereits auf der Bühne gestanden. Da CANDLEMASS nun schon zum zweiten Mal einen Auftritt auf dem "Keep It True" absagen muss, ist es kein Wunder  dass die Band nunmehr als "CANCELMASS" betitelt wird. Doch weiter geht es mit der Musik, die auch wirklich stattfindet.

 

Nachdem ich die EP ganz gut fand, das neue Album allerdings sogar ziemlich abgefeiert habe, war ich sehr gespannt, ob sich dieser geniale, mehr als nur gotisch angehauchte Metal der IDLE HANDS auch live so gut umsetzen lassen würde. Und ich muss zugeben: Ich finde einiges richtig fein beim Auftritt der Portländer, angefangen beim sehr eigenen Look und dem völlig gelangweilten Stageacting des Sängers, das so hervorragend zu den Songs passt. Auch eben jene Songs sind weiter große Klasse, famos komponiert und arrangiert. Aber dann hört es leider schon auf. Der "Sound" ist wirklich eine Katastrophe, selten habe ich eine Band so verwaschen am "Keep It True"-Festival gehört wie IDLE HANDS am heutigen Tag. Viele der schönen Melodien gehen dadurch völlig verloren. Die Qualität der Songs steht auch weiterhin nicht zur Debatte, aber die Reihenfolge ist für einen Live-Gig wirklich unpassend. Ich erkenne keinen Spannungsaufbau, hier sollten die Herren und die Dame (die zumindest massiv rockt) noch mal nachjustieren. Und da Sänger Gabriel Franco, einer der großen Gewinner auf der Platte, live auch mehrmals richtig daneben liegt, ist IDLE HANDS (neben dem Ufologen) der größte Verlierer dieses Wochenendes. Ziemlich schade.

Setliste: Nightfall; Blade And The Will; Time Crushes All; I Feel Nothing; Jackie; Give Me To The Night; Can You Hear The Rain; Cosmic Overdrive; A Single Solemn Rose; By Way Of Kingdom; Don't Waste Your Time; Dragon, Why Do You Cry

[Jonathan Walzer]

 

Auch der zweite Tag hält für mich ein frühes Schmankerl bereit: SACRED RITE war mal eine meiner absoluten Lieblingsbands. Dass ich mal in den Genuss einer Live-Show der Hawaiianer kommen würde, hätte ich nicht für möglich gehalten. Aber: Das "Keep It True" macht es möglich! In der Band sind auch heute noch mehrere Original-Mitglieder, von denen zwei den Weg nach Deutschland angetreten haben, nämlich Mark Kaleiwahea und Jimmy Dee Caterine, womit Gesang und beide Gitarren abgedeckt wären. Dass auch die beiden Ersatzmäner eine tolle Figur abgeben, ist da das Sahnehäubchen auf einem begeisternden Auftritt, der mit 'Wings Of Pegasus' und 'I've Seen The Wizard' brillant beginnt. Der melodische Metal funktioniert, Mark ist gut bei Stimme und die noch nicht besonders zahlreiche Meute vor der Bühne lässt sich nicht lumpen. Als dann mit 'Eleanor Rigby' eine BEATLES-Coverversion ausgepackt wird, die dem Lied deutlich einen metallischen Stempel aufdrückt, steigt der Lärmpegel. Auch der Rest des Auftritts wird mit den brillanten Liedern der drei Alben aus den Achtzigern bestritten, bis auf eine Ausnahme: der Titelsong der 2007er Scheibe "Resurrection' schleicht sich ein und hat zwei herausragende Merkmale: Zum einen scheint er der längste SACRED RITE-Song des Tages zu sein, zum anderen ist er auch der am wenigsten spektakuläre. Trotzdem finde ich es immer richtig, dass eine Band ihre Setliste gut mischt, deswegen gräme ich mich nicht, aber eins steht fest: Da fehlen noch so viele Songs, dass ja wohl eine neue Platte und dann eine Tour zwingend notwenig sind. ich warte, meine Herren!

Setliste: Wings Of Pegasus; I've Seen The Wizard; Eleanor Rigby; 1812: The Battle; The Blade; Resurrection; Teaser; Executioner; Revelation

[Frank Jaeger]

 

WITHERFALL auf dem KEEP IT TRUE? Im Vorfeld war ich skeptisch, wie das anspruchsvolle Material der Kalifornier ankommen würde. Auf CD funktioniert der progressive und düstere Power Metal natürlich, aber live? Und tatsächlich erweisen sich nicht alle Bedenken als haltlos. Joseph Michaels Gesangslinien sitzen gerade zu Beginn nicht immer, der zweistimmige Gesang ist leider auch nicht ganz sauber. Auch vermag es das Quintett über die gesamte Spielzeit nicht, wirklich Stimmung in der Halle zu erzeugen. Das liegt aber weniger an der Performance, die bis auf die erwähnten Kleinigkeiten hochwertig ist, als vielmehr an der Komplexität der Kompositionen. Das ist halt definitiv kein Mitgröl-Metal. Dennoch sieht man überall im Publikum anerkennende Blicke, die sich im Verlauf des Auftritts zu echtem Respekt steigern. Vor allem die ruhigeren, melancholischen Stücke wie das famose 'Ode To Despair' funktionieren tadellos. Und spätestens nach zehn Minuten, als der Sänger zu seinen verdammt hohen Schreien ansetzt, ist das Eis gebrochen. Auch Bassist Anthony Crawford hat die Sympathien auf seiner Seite, entlockt er seinem Instrument doch die irrwitzigsten Läufe mit einer Lässigkeit, die ihresgleichen sucht. Ganz anders der Mann an der Gitarre: Er ist ständig in Bewegung und agiert oftmals so weit am Bühnenrand, dass ich erst nach einiger Zeit bemerke, dass die Gitarre nicht vom Band kommt. Die zahlreichen Soli meistert er ebenfalls klasse und mit reichlich Pathos. Die zweite Stimme übernimmt der Keyboarder, der mit seinem zum Publikum gekippten Instrument, aber einer sehr ruhigen Performance, eine sieben auf der DREAM THEATER-Poser-Skala erreicht. Und natürlich ist auch das Schlagzeugspiel erste Sahne, drängt sich aber dankenswerterweise nie in den Vordergrund. Wenn man sich erst darauf eingelassen hat, machen auch die Instrumentalpassagen großen Spaß und man erfreut sich einfach an der Virtuosität der beteiligten Musiker. Der Höhepunkt für mich ist der intensive Abschluss 'Nobody Sleeps Here...', der mich mit dem Gefühl aus der Halle gehen lässt, dass man die mutige Entscheidung, diese Band spielen zu lassen, durchaus würdigen sollte. Bei allem True-Gekeepe sind es doch die Verschiedenheit und der Mut, nicht immer die sichere Bank zu fahren, die die Qualität dieses Festivals ausmachen. Party machen dürfen andere, aber WITHERFALL konnte an diesem Nachmittag jedenfalls einige Sympathiepunkte sammeln.

Setliste: Portrait; Moment Of Silence; End Of Time; Ode To Despair; Shadows; Vintage; Nobody Sleeps Here...

[Jakob Schnapp]

 

Was für ein Triumphzug der Briten SOLSTICE! Dabei war uns davor allen unklar, wer letztlich auf der Bühne stehen würde, da sich die Verschwörungstheoretiker mal wieder von ihrem Sänger getrennt hatten. Am Freitag hatten wir im Merchandise-Zelt bereits Jake Roger von VISIGOTH getroffen und ihn bekniet, doch bei SOLSTICE die Bühne zu entern. Aber wir haben auch kein Problem mit Felipe Plaza (CAPILLA ARDIENTE, PROCESSION), der uns ja bald auch bei SCALD beehren wird. Er singt die Songs alle ohne Textblatt und die Selbstaussage von Felipe, dass er ein fanatischer Fan ist, nimmt ihm wohl jeder ab. Dazu wird vor dem Backdrop des aktuellen Albums ein wahres Feuerwerk entzündet. Hier bleibt keine Kehle leise, wenn wir alle bei 'White Horse Hill' oder 'The Sleeping Tyrant' einsteigen. Bei fünf Songs werden fünf Hits geboten und ich bin wahrlich nicht der einzige, der das aktuelle Material (bei SOLSTICE also alles, was nach der Jahrtausendwende veröffentlicht wurde) besser findet als die paar Oldies. Da auch alles ultratight eingespielt wird, die Halle super gefüllt ist und der Sound richtig fett aus den Boxen donnert, haben wir es mit einem der klaren Highlights des diesjährigen Festivals zu tun. Und als dann doch noch Jake Rogers, der am Vorabend von nichts wissen wollte, die Bühne entert, ist alles grandios. Hier singen zwei der größten lebenden Epic-Metal-Sänger und werden von der hungrigen Meute gefeiert. Zurecht. In dieser Form würde ich mir die Band immer und immer wieder anschauen. Und dann gerne auch mal mit zehn Songs.

Setliste: White Horse Hill; To Sol A Thane; The Sleeping Tyrant; Death's Crown Is Victory; Cimmerian Codex

[Jonathan Walzer]

 

Als Freund texanischer Kopfknoten-Musik war die Ankündigung des All-Star-Projektes aus eben jenem Staat mit dem Namen TEXAS METAL LEGION ein ganz besonderes Leckerli. Leider habe ich nur die letzten vier Songs dieses einmaligen Ereignisses live erleben können, da es unter anderem am Halleneingang am Samstagvormittag einen Aushang mit einer geänderten Bandreihenfolge gibt. Da es wegen der durch den Pilotenstreik bedingte Absage des Tagesheadliners CANDLEMASS einige zeitliche Veränderungen im Zeitplan geben würde, glaube ich natürlich diesem Aushang und plane so eine Nahrungsaufnahme zum angegebenem Zeitpunkt der für mich weniger wichtigen Band MIDNIGHT. Als ich nach einer leckeren Portion Nudeln mit Pesto fein nass geregnet in der Halle ankomme, spielt die Band, deretwegen ich mich so beeilt habe, schon und ich denke noch, ich habe maximal einen Song verpasst. Neben Jason McMaster (WATCHTOWER) sehe ich Mike Soliz (MILITIA), Art Villareal (SA SLAYER, KARIOB, MILITIA), Scott Womack (JUGGERNAUT), Bob Catlin (SA SLAYER, JUGGERNAUT) und Chip Alexander (KARION, MILITIA) und sie zelebrieren 'Unholy Book' von S.A. SLAYER. Ich habe mich gerade auf meiner Luftgitarre warm gespielt, als ich erfahre, dass die Band bereits seit einer halben Stunde auf der Bühne steht, da der geänderte Zeitplan nicht mehr gültig ist. Dieser Umstand ärgert mich so sehr, dass ich die nachfolgenden zwei Songs dieses grandiosen Auftrittes nicht mit voller Aufmerksamkeit verfolgen kann, was mich im Nachhinein sogar noch mehr ärgert. Diese Angelegenheit hat mir für mehrere Stunden ziemlich die Laune verhagelt und damit bin ich nicht allein unterwegs. Immer wieder werde ich auf diese unglückliche Situation von anderen Besuchern angesprochen, die ebenfalls von dem erneuten Tausch der Spielzeiten nichts oder erst verspätet erfahren haben. Natürlich ist mir klar, dass auf einem Festival Dinge falsch laufen können, vor allem, wenn man mit Absagen zu kämpfen hat. Etwas paradox ist es in diesem Zusammenhang allerdings, das man am Vortag eine Lappalie wie "alle Spielzeiten verschieben sich um 10 Minuten nach hinten" per Bühnenansage kommuniziert, eine falsche Bandreihenfolge aber nicht. Dies soll aber genug des Meckerns sein, denn immerhin stehen die Samstagauftritte als Stream bereit und von daher habe ich den kompletten Gig jetzt mehrfach im Netz angeschaut. Da ich nach dem Konzert noch einen netten Plausch mit meinen alten Briefkumpel Jason McMaster habe, bin ich etwas versöhnt und kann Euch nun schon vorab berichten, dass dieser Auftritt eine Lehrstunde in Sachen US Metal ist. Aber der Reihe nach. Bereits das als Intro gewählte Instrumental lässt jedem Stromgitarrenliebhaber das Wasser im Munde zusammen laufen: 'Dr Phibes' von ANGEL WITCH ist einfach mal eine saucoole Nummer, die von Geschmack zeugt. Im direkten Anschluss gibt es mit 'Prepare To Die' und 'Final Holocaust' erstmal zwei Nummern der legendären S.A. SLAYER EP. Dass bei diesen Musikern nichts anbrennen würde, konnte man sich im Vorfeld denken, dass sie aber mit so viel Freude abgehen würden, habe ich nicht erahnt. Es ist eine wahre Freude dieser Truppe zu zuschauen. Jason hat nichts von seiner Ausstrahlung verloren. Er ist einfach mal die progressive Rampensau. Er lebt und verkörpert Metal bis in den kleinen Zeh. Vor allem Bob Catlin scheint es sehr zu genießen, diese alten Kamellen mit guten Freunden zocken zu dürfen. Nach diesem fulminanten Auftakt gibt es einen Wechsel hinterm Mikro und Mike Soliz von MILITIA übernimmt den Part des Vortänzers. 'Panzer' von KARION hat nichts von seiner vertrackten Durchschlagskraft verloren und verzückt nicht wenige Fans in der Halle. Erneut frage ich mich, weshalb diese Band nicht bereits in den 80ern ein bisschen bekannter geworden ist, denn auch das anschließende 'We Are The Law' ist nichts anderes als eine Notenexplosion der Extraklasse. Als dann Jason erneut die Bühne entert und meint, es käme nun etwas von WATCHTOWER, steht sogar beim Anschauen des Streams mein Schlüpper in Flammen. 'Tyrants In Distress' gefolgt vom Smash-Hit 'Meltdown' ist wohl das beste Song-Doppel des Wochenendes. Klar, die Jungs spielen leicht gradlinigere Versionen, aber das stört mich nicht die Bohne. Gerade beim zweiten Song steht die Bühne echt in Flammen! Was für ein Brecher! Als nun auch noch Mike Soliz als Anheizer mit auf der Bühne herumturnt, ist die Stimmung am Überkochen. Mit Songs seiner Band MILITIA geht es weiter im Programm. 'Salem Square' und 'Metal Axe' erhöhen den Hektik-Faktor sogar noch ein bisschen, was mich natürlich nicht im Geringsten stört. Auch bei Mike, der passend zum eröffnenden Instrumental im ANGEL WITCH-Shirt auftritt, singt sich die Seele aus dem Leib. Die Axt schwingen dann beide Frontmänner gemeinsam, was ein herrliches Chaos auf der Bühne erzeugt. Nach dieser exquisiten Ladung Pfeffer im Loch folgen zwei Titel der grandiosen S.A. SLAYER, für die Bob extra seine "good guitar" aus dem Köcher zieht. Allein die Ansage zu 'Unholy Book' ist so fürchterlich cool, Jason redet über Fanzines, Tapetrading und Penpals, dass man sich unweigerlich wie auf einer Zeitreise glaubt. Die Umsetzung der Nummer erzeugt dann nur eines: Maulsperre! 'To Ride The Demon Out' beendet dann den regulären Set, aber die Herrschaften legen mit einer furiosen Version des ACCEPT-Knallers 'Breaker' am Ende noch mal alles in Schutt und Asche. Da ich über das Ende ja sogar livehaftig berichten kann, vermelde ich hier eine wirklich überschäumende Fan-Reaktion. Nachdem ich nun den kompletten Auftritt sehen konnte, verstehe ich auch weshalb. Ganz großes Ohren-Kino!

Setliste: Dr. Phibes (Angel Witch); Prepare To Die; Final Holocaust (SA Slayer); Panzer; We Are The Law (Karion) Tyrants in Distress; Meltdown (Watchtower); Salem Square; Metal Axe (Militia); Unholy Book; To Ride The Demon Out (SA Slayer); Breaker (Accept)

[Holger Andrae]

 

Im Festival-Guide wurde das Rumpelkommando MIDNIGHT als eine "der besten Extreme Heavy/Oldschool Black-Metal-Bands aus Cleveland" bezeichnet. Wow, diese Ehre muss man sich verdienen. Kann das zum Trio aufgeblasene Ein-Mann-Projekt diese enorme Erwartungshaltung erfüllen? Nun, mit Leichtigkeit. Die ersten beiden Lieder entstammen dem letzten Album und zeigen der gut gefüllten Halle, wo der Hammer hängt, respektive wie die Reise zu ebenjenem verläuft: Laut, hart, dreckig, schnell. Witzigerweise ist der Klang deutlich transparenter - ergo "besser" - als auf den Studiowerken. Erst jetzt werden die als Kult verehrten Frühwerke angegriffen: 'Black Rock 'n' Roll' von der 2008er EP ist ein Klassiker und sorgt für ordentlich Stimmung im Pit, der sich, natürlich, vor der Bühne bildet. Wie oft Athenar während des Spielens Zeit hat, eine seiner beiden Hände vom Bass zu nehmen, um standesgemäß abzuposen, ist schon erstaunlich. Dazu grölt und brüllt er gewohnt bestialisch seine punkigen Gesangslinien. Nach einem weiteren Song folgt dann schließlich das epische 'No Mercy For Mayhem' aus dem Jahre 2014. Gereckte Fäuste und zahlreiche bangende Häupter sind die Folge. Auch sei an dieser Stelle die kompetente Arbeit des Gitarren-Sidekicks lobend erwähnt. Das ist aber nur eine knappe Verschnaufspause, denn sofort wird das Tempo mit 'All Hail Hell' wieder angezogen. Im Anschluss genehmigt sich Athenar einen Schluck aus einer verdächtig nach Wasser aussehender Flasche, wobei er diese unter dem Vermerk, dass es sich um Freibier handle, im Publikum entsorgt. Daraufhin fliegt ihm ein Becher entgegen, was den Maestro wiederum dazu bewegt, sich eben davon noch mehr zu wünschen. Also wird 'Satanic Royalty' unter gezielten Becherwürfen der Fans gezockt. "More Cups!" Das ist durchaus unterhaltend, auch wenn er vergisst, die dazugehörigen Pfandmarken ebenfalls zu fordern. Wenig später soll die Meute dann den Fotograben entern, um das rockige 'You Can't Stop Steel' gebührend zu untermauern. Das allerdings weiß die Security zu verhindern. [Hey, da sieht man sogar ein SUMMER BREEZE-Grabenschlampen-Shirt - die Jungs sind ganz andere Kaliber gewohnt als das eher handzahme KIT-Publikum! Frank Jaeger]. Der Stimmung tut's keinen Abbruch, die vorderen Reihen toben, die hinteren nicken anerkennend. Spaßbefreite Nörgler haben vermutlich ohnehin vor dem Auftritt das Weite gesucht. 'Who Gives A Fuck?' bringt vor dem Ende nochmal ordentlich Thrash-Atmosphäre nach Königshofen, dann steht mit 'Unholy And Rotten' vom Demo das würdige Finale an. Der daueranwesende Jarvis Leatherby (NIGHT DEMON) kommt auf die Bühne, bekommt den Bass in die Hand gedrückt und spielt das Lied zu Ende, während Athenar ins Publikum springt. Dann wird ihm noch die von ihren Saiten befreite Gitarre umgehängt und die Halle erlebt einen recht verwirrten Jarvis. So sieht man ihn selten. Allgemein bekommt man mit dem MIDNIGHT-Auftritt beste Unterhaltung und eine gelungene Abwechslung von üblichen Bühnenshows geboten. Das schaffen sonst nur wenige Bands an diesem Wochenende.

Setliste: Penetratal Ecstasy; Poison Trash; Black Rock'n'Roll; Evil Like A Knife; No Mercy For Mayhem; All Hail Hell; Satanic Royalty; Lust Filth And Sleaze; Endless Slut; You Can't Stop Steel; Who Gives A Fuck?; Unholy And Rotten

[Jakob Schnapp]

 

Kann ein Konzert besser beginnen? CULPRIT rund um Bandgründer und Bassist Scott Earl entert die Bühne und der Rockstar wirft erst einmal saucool seine Sonnenbrille ins Publikum. Überhaupt kann zumindest ich mich dem Eindruck nicht erwehren, dass da jemand mächtig vor dem Spiegel das Posing geübt hat. Aber lassen wir den ironischen Unterton mal weg und konzentrieren uns auf das Wesentliche und das ist die Musik. Natürlich gibt es hier und heute vor allem Songs vom legendären Debütalbum "Guilty As Charged", doch auch zwei neue Songs mit den Namen 'Widows' und 'Holy Roller' finden den Weg in die Setliste. Natürlich ist die Stimmung bei den alten Klassikern deutlich besser, denn der Titeltrack, 'Ambush' oder 'Players' sind auch allesamt überragende Nummern. Mino Mereu macht am Mikro einen ordentlichen Job, wie überhaupt die von Earl zusammengestellte Band gut eingespielt wirkt. Allerdings leidet die Show - zumindest in den hinteren Reihen, so ab Höhe Mischpult - schon an einem sehr durchwachsenen Sound, was den Nummern etwas Power nimmt. Dazu kommt, dass ich die sehr selbstverliebte Inszenierung von Scott Earl schon etwas over the top finde. Erst die Sonnenbrille, später ein überflüssiges Bass-Solo und zum Schluss zerdeppert er auch noch einen Bass ganz Rockstar-like auf der Bühne und schmeißt das kaputte Ding ins Publikum. Der letzte, weitaus größere Makel ist allerdings, dass mit 'Tears Of Repentance' der beste Song der Band völlig unverständlicherweise nicht gespielt wird. Das alles führt dazu, dass bei mir der Funke nicht komplett überspringen will und ich den Gig in die Kategorie "ganz gut" einordne. Ein Urteil, das beim "Keep It True" nicht gut genug ist.

Setliste: Guilty as Charged; Ice in the Back; Steel to Blood; Same to You; Widows; Ambush; Holy Roller; Players

[Peter Kubaschk]

 

Bereits die Ankündigung, dass VICIOUS RUMORS den Klassiker "Digital Dictator" mit Keven Gorski, Sohn des verstorbenen Carl Albert, am Mikro komplett spielen würde, hat meine Glückshormonproduktion mächtig angekurbelt. Vor allem, da Keven bereits 2011 bewiesen hat, dass er die gigantische Stimme des Vaters geerbt hat. Und so ist es auch keine Überraschung, dass die Band vom Intro 'Replicant' bis zum abschließenden 'Don't Wait For Me' von der Halle frenetisch abgefeiert wird. Zwar stehen vom Original-"Digital Dictator"-Line-up nur Bandchef Geoff Thorpe an der Gitarre und Schlagwerker Larry Howe auf der Bühne, dennoch ist das hier ein absoluter Triumphzug. In erster Linie natürlich, weil Keven Albert wieder mit traumwandlerischer Sicherheit agiert und seine Wahnsinnsstimme auch die schwierigsten Passagen meistert. Lediglich bei 'Out Of The Shadows' beweist er kleine Schwächen, die aber nicht weiter tragisch sind. Doch auch Geoff Thorpe und Gunnnar DüGrey duellieren sich meisterhaft auf ihren Gitarren. Leider ist der Sound der Halle aber nicht immer voll auf der Höhe. So hört man die melodischen Leads bei 'Worlds & Machines' in den hinteren Reihen nur sehr leise. Insgesamt ist der Sound aber absolut zufriedenstellend und deutlich besser als zuvor bei CULPRIT.

Zudem merkt man auch, dass "Digital Dictator" ein ziemlich makelloses Album ist, funktionieren doch alle Songs auch live hervorragend. Und endlich mal 'The Crest' oder 'R.L.H.' live zu hören ist schon eine feine Sache. Nach 'Out Of The Shadows' kündigt Geoff Thorpe dann "noch ein paar Songs mehr" an, welche auf 'Down To The Temple', 'Hellraiser' und das bereits erwähnte 'Don't Wait For Me' hören. Bei Letzterem darf dann auch der aktuelle Sänger Nick Courtney auf die Bühne, der im Duett mit Keven den Song performt. Als Frontmann wirkt er etwas souveräner und animierender als Keven, aber - und das muss man klar sagen - seine Stimme hat bei aller Klasse absolut keine Chance gegen Keven. Wo Keven die Texte kraftvoll singt, screamt Courtney eher, was eben deutlich weniger originell und eigenständig klingt.

Dennoch bleibt natürlich die Frage, warum VICIOUS RUMORS trotz des Ausfallls von CANDLEMASS nicht mehr Spielzeit bekommen hat. Die Reaktionen zeigen eindeutig, dass die Truppe sogar Headlinerpotential hat, und selbst wenn Keven nicht mehr Songs hätte singen können, weil das nicht geprobt wurde, so sind Geoff Thorpe und Trupp ja gerade auf Tour und haben sicher mehr Material in petto, das sie mit Nick Courtney spielen könnten. Sehr schade.

Setliste: Replicant, Digital Dictator, Minute To Kill, Towns On Fire, Worlds And Machines, The Crest, R.L.H., Condemned, Out Of The Shadows, Down To The Temple, Hellraiser, Don't Wait For Me

[Peter Kubaschk]

 

Einem Auftritt von SATAN kann man immer guten Gewissens mit Freude entgegenblicken, denn die alteingesessenen Herren haben seit ihrer Reunion noch keinen schlechten Gig hingelegt. Von daher freue ich mich sehr, dass die Band von der Absage des eigentlichen Headliners in Sachen Spielzeit profitieren kann und eine gute Viertelstunde länger spielen darf. Gleich der Einstieg mit den beiden Oldies 'Trial By Fire' und 'Blades Of Steel' macht deutlich klar, dass uns auch heute ein exzellenter Auftritt bevorsteht. Der transparente Sound lässt vor allem das beste europäische Gitarrendoppel Ramsey/Tippins in sehr gutem Licht erklingen. Im weiteren Verlauf pendeln die Briten in abwechslungsreicher Manier durch ihren Backkatalog, der glücklicherweise nicht eine schlechte Nummer beinhaltet. Auffallend ist dabei, wie gut die Stücke der aktuellen Alben mit den alten Kamellen harmonieren und wie gut diese auch vom Publikum abgefeiert werden. Es ist völlig gleichgültig, ob 'Break Free' oder 'Cruel Magic' gespielt wird: Die Halle singt artig mit. Leider gibt es in der aktuellen Playlist der Band keine Titel aus der Trev-Robinson-Phase mehr. Ich würde mir hier ja mal 'The Executioner' wünschen oder natürlich irgendwas aus der formidablen Zeit mit Michael Jackson. 'Key To Oblivion' ist ja sogar schon der Bonus-Track des Box-Sets des letzten Albums. Aber dies sind Nörgeleien auf ganz hohem Niveau. Für mich bestätigt der sympathische Fünfer auch heute Abend wieder seine Vormachtstellung im traditionellen Bereich und unter der reformierten Bands ebenso. Brian Ross hat vor dem Auftritt offensichtlich ein paar Scherzkekse (zu viel) genascht, denn sein Mitteilungsbedürfnis zwischen den Songs ist extrem hoch und dabei teils sehr skurril. Zeitreisen [im eher weiteren Sinn, denn Brian redet von "Dr. Who" und der Idee, eine Tardis zu haben! Frank Jaeger], britische Politik, Religion und Magie sind hierbei beliebte Themenfelder. Alles kurzweilig und ebenfalls hochgradig sympathisch. Dazu sind die drei Saitenakrobaten auch optisch vielen ihrer Altersgenossen weit voraus: Mister English wird sicherlich nach gelaufenen Kilometern entlohnt, Steve Ramsey scheint irgendwo eine mobile Dusche zu haben, denn so viel Wasser kann nicht von innen kommen, und Russ Tippins zaubert einfach nur permanent kopfschüttelnd die wundervollsten Melodien aus seinem Instrument. Dass Sean Taylor dabei immer etwas im Schatten bleibt, ist beinahe ein kleines bisschen unfair, denn ohne ihn würde die Band nicht so klingen, wie wir sie mögen. Backbonebeat. Die verlängerte Spielzeit nutzt die Band unter anderem wohl dazu, mit 'No Turning Back' einen weiteren Oldie aus dem gehörnten Hut zu ziehen, was nicht ohne Humor zu betrachten ist, denn hier gibt es ein kleines Texthängerchen von Brian. Als man mit 'Alone In the Dock' den letzten Song intoniert, stehen die ersten Reihen nochmal komplett Kopf und auch ich erwische mich bei ekstatischem Gehampel. Cruel Magic halt.

Setliste: Trial By Fire; Blades Of Steel; Twenty Twenty Five; The Doomsday Clock; The Devil's Infantry; Into The Mouth Of Eternity; Break Free; Ophidian; Time To Die; Cruel Magic; Testimony; Incantations; No Turning Back; Alone In The Dock

[Holger Andrae]

 

Durch die Absage der Schweden ist die französische Truppe SORTILÉGE zum Headliner geworden. Mir sind zwar schon die Füße schwer, aber trotzdem freue ich mich auf eine meiner ansoluten Lieblingstruppen aus unserem Nachbarland, deren Album "Metamorphose" bei mir eine Zeitlang in Dauerschleife lief. Ja, das war natürlich in den Achtzigern, doch dann löste sich die Band auf. Nun spulen wir mal über drei Jahrzehnte vor und SORTILÉGE hat sich wieder zusammengefunden, immerhin mit drei Originalmitgliedern, und spielt heute sogar einen ausgedehnten Gig, bei dem, das kann ich vorweg nehmen, ohne viel zu verraten, kaum ein Wunsch unerfüllt bleibt. Denn die Band hat ja nur zwei Dutzend Lieder, aus denen sie auswählen kann und immerhin 16 davon werden heute erklingen. Das ist doch mal ein schönes Verhältnis.

Die Franzosen kommen etwas unspektakulär auf die Bühne, während noch ein bisschen am Sound und am Equipment rumgewerkelt wird. So gesehen genau das Gegenteil der gestrigen Band ARIA, bei der von jedem Musiker jeder Schritt bewusst gemacht wurde, hier wird eher spontan gerockt. Die Setliste hüpft munter zwischen den drei Veröffentlichungen umher, der Sound ist gut, die instrumentale Fraktion sehr ordentlicht, nur Sänger Christian Augustin, genannt "Zouille", ist in den höheren Lagen gelegentlich weniger treffsicher. Aber hey, der Zahn der Zeit nagt an uns allen. Als er das brillante 'Metamorphose' anstimmt, ist zwar klar, dass er hier in stimmlich schweres Fahrwasser gleiten wird, aber das macht gar nichts! Der tolle Song ist ein Highlight und Christian gibt alles. Vielleicht hätte seine Begleitsängerin, die ihn bei einigen Liedern tatkräftig unterstützt, hier auch ein wenig helfen sollen, aber eigentlich ist es auch egal, denn augenscheinlich kennen viele der Anwesenden das Lied und grölen laut und häufig auch mit mehr Enthusiasmus als Können mit. Toll!

Als der Auftritt sich mit 'Chasse le dragon', einem echten Kracher, der auch heute seine Wirkung nicht verfehlt, dem Ende zuneigt, wird wohl kaum jemand CANDLEMASS vermissen. SORTILÉGE ist ein würdiger Headliner, auch wenn ich nicht sicher war, ob die Halle wirklich voll sein würde. Natürlich darf die Bandhymne nicht fehlen, mit der der Auftritt und damit auch das diesjährige KEEP IT TRUE beendet wird, die einen der größten Songs des ganzen Wochenendes darstellt. Ach, ist das schön!

Setliste: Marchand d'hommes; Majesté; Messager; La Montagne qui saigne; D'ailleurs; La Hargne des tordus; Gladiateur; Délire d'un Fou; Progéniture; Métamorphose; Amazone; Civilisation perdue; Mourir pour une princesse; Quand un aveugle rêve; Chasse le dragon; Zugabe: Sortilège

[Frank Jaeger]

 

Vorbei, vorbei. Das Billing in diesem Jahr war eine Wucht und ich bin tatsächlich nicht einmal böse, dass der ursprüngliche Headliner nicht aufgetreten ist. Mir sind 13 Stunden am Stück auch mittlerweile einfach zuviel. Ich beantrage Ü50-Liegestühle! Ansonsten gab es viel tolle Musik, allerdings auch mit einigen Soundschwächen. Besonders bemerkenswert war der Sprung im Sound zwischen AGENT STEEL und ARIA. Letztere hatte ihren eigenen Soundmann dabei, wie es scheint, und der hat die Band prachtvoll in Ton gesetzt.In dieser Halle ist das sicher nicht leicht, aber leider blieb es nicht bei allen Bands so klar. Die Situation am Einlass ist auch in diesem Jahr noch nicht zufriedenstellend gelöst gewesen, da sollte für 2020 noch einmal nachgedacht werden, ob man das nicht entzerren kann. Vielleicht mit Bändchentrupps, die über das Gelände gehen? Oder Bandchenausgabe bereits am Freitagabend, sodass man die Camper schon mal versorgt hat? Doch ansonsten war das KEEP IT TRUE 2019 mal wieder ein rundum gelungenes Festival, das einige Überraschungen bot und viel großartigen Metal. Genau das, was wir uns erhofft hatten. Top! Ich freue mich bereits auf das nächste Jahr.

Noch ein Hinweis: Der Auftritt zum Mark Shelton Tribute und der ganze Samstag wurden aufgenommen und gestreamt. Die Auftritte sind auf der Facebook-Seite des Festivals weiterhin zu sehen (ich weiß aber nicht, wie lange noch). Wer also nachhorchen will, klickt mal hierhin.

Redakteur:
Frank Jaeger

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