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KISS, THE NEW ROSES - München

17.06.2019 | 08:41

31.05.2019, Königsplatz

You wanted the best. You got the best...

Die vier Herren von KISS kommen im Rahmen ihrer "End Of The Road Tour" zum letzten Mal nach München. Es sind immer mehr Bands, mit denen ich aufgewachsen bin, die es entweder schon getan haben oder gerade dabei sind sich in den Ruhestand zu verabschieden. Und der Name KISS steht bei mir mit ganz oben auf der Liste der Helden meiner Jugend, die ich noch einmal live sehen will, bevor es in Rockrente geht. Der Königsplatz bietet dazu das perfekte Ambiente. So mache ich mich bei frühsommerlichen Temperaturen an diesem Freitagnachmittag auf den Weg in die bayrische Landeshauptstadt.

Die Ehre, den Abend musikalisch zu eröffnen, gebührt DJ Thomas 'Metal' Moser vom Radiosender Rock Antenne, der das Publikum für gut 30 Minuten mit Mucke aus der Konserve unterhält, mit Stücken von Bands, die schon mal im Vorprogramm von KISS aufgetreten sind, darunter BON JOVI, IRON MAIDEN und DIE ÄRZTE. Dazu schmeckt das Aufwärmbierchen schon besser, das mit 5,50 für 0,4 Liter nicht gerade günstig ist, aber wir sind hier eben in München. Umso schöner sind aber die Becher mit unterschiedlichen KISS-Motiven, die es für zwei Euro Pfand gibt. Davon werden am Ende zwei Stück als Souvenir mitgenommen, bei Shirts ab 40 Tacken passe ich allerdings.

Den Supportslot haben sich die Wiesbadener Rocker THE NEW ROSES ergattert, die pünktlich um 19:30 Uhr die Bühne betreten. Es gibt fast keine undankbarere Aufgabe, als für KISS zu eröffnen. Wenn nicht wirklich Stimmung aufkommen möchte, so liegt das mit Sicherheit nicht an dem Quartett, sondern daran, dass 98% der etwa 16.000 Anwesenden nur auf den Hauptact warten. Aber die restlichen 2% haben sichtlich ihren Spaß und auch ich fühle mich bestens unterhalten. Ich hatte mich vorher noch nie so richtig mit dieser wirklich tollen Band beschäftigt. Mit diesem Auftritt hat sie in mir definitiv einen neuen Fan hinzugewonnen!

Setliste: Every Wildheart; Forever Never Comes; Dancing On A Razorblade; For A While; It's A Long Way; Life Ain't Easy (For A Boy With Long Hair); One More For The Road; Thirsty

Um 20:45 Uhr heißt es dann: "Alright München! You wanted the best. You got the best. The hottest band in the World. - Kiss!" Der Vorhang fällt und mit massig Pyros, Feuer und Rauch schweben die Protagonisten auf drei Plattformen zu den ersten Klängen von 'Detroit Rock City' vom Bühnendach herab, sehr beeindruckend. Eine KISS Show ist grundsätzlich ein Spektakel und genau dieses bekommen die Fans auch geboten. Das anschließende 'Shout It Out Loud' heizt die Stimmung weiter an und überall wird mitgesungen und mitgeklatscht, mal von den üblichen Handyfilmern abgesehen. Leute steckt doch die Dinger weg und genießt den Augenblick! Nichts gegen ein Erinnerungsfoto, aber eine solche Show hauptsächlich durch einen kleinen Bildschirm zu betrachten, das ist kein Rock 'n' Roll. Und heute erleben wir eine perfekte Rockshow. Da wird selbst ein Schlagzeugsolo zu einem Höhepunkt, welches Eric Singer zu '100,000 Years' zelebriert. Tommy Thayer schießt während seines Gitarrensolos mit Raketen die Lichter aus. Gene Simmons spuckt am Ende von 'War Machine' Feuer, bei seinem Bass-Solo Blut und schwebt zu 'Gods Of Thunder' unters Bühnendach. Das sind alles Effekte, welche man zwar schon auf früheren KISS Konzerten immer wieder in vielleicht leicht abgewandelter Form gesehen hat, die aber live nie ihre Wirkung verloren haben, sie gehören einfach dazu. Ebenso dazu gehört Paul Stanleys Ausflug ins Publikum auf eine kleine Bühne inmitten des Geländes, diesmal zu 'Love Gun' und dem wohl größten Hit 'I Was Made For Loving You'. Bei Paul Stanley gab es ja bereits zu Beginn der Tour Hinweise darauf, dass da beim Gesang wohl etwas nachgeholfen wird und nicht alles ganz live ist. Auch wenn eine leichte Diskrepanz im Klang der Stimme zwischen den Ansagen und während der Songs feststellbar sind, kann und möchte ich mir dazu jetzt hier kein Urteil erlauben. Hey, der Mann ist 67 und liefert immer noch eine Wahnsinnshow. Diese endet dann im regulären Teil mit einem meiner Lieblingsstücke 'Black Diamond', wobei das Intro vom ganzen Publikum mitgesungen wird. Den Zugabenteil eröffnet Eric Singer an einem Flügel sitzend mit 'Beth', welches den Königsplatz in ein Lichtermeer verwandelt. Mit 'Crazy Crazy Nights' und 'Rock 'n' Roll All Night' mit viel Konfetti findet dann ein denkwürdiger Konzertabend nach mehr als zwei Stunden seinen Abschluss.

Setliste: Detroit Rock City; Shout It Out Loud; Deuce; Say Yeah; I Love It Loud; Heaven's On Fire; War Machine; Lick It Up; Calling Dr. Love; 100,000 Years; Cold Gin; God of Thunder; Psycho Circus, Let Me Go, Rock 'N' Roll; Love Gun; I Was Made for Lovin' You; Black Diamond; Zugabe: Beth; Crazy Crazy Night; Rock And Roll All Nite

Ich bin froh, dass ich diese Band noch einmal live erleben durfte. Die Show war phänomenal und die Setliste ließ fast keine Wünsche offen. Vielleicht hätte ich mir noch 'Unholy' von einem der für mich besten Kissalben der späteren Phase gewünscht. Wenigstens gab es 'God Gave Rock 'n' Roll to You II' zum Abschluss vom Band. Jeder, der noch die Gelegenheit hat, KISS auf ihrer Abschiedsreise zu sehen, sollte sich dies auf jeden Fall tun, sofern Ticketpreise von 100 bis 180 Euro nicht abschrecken. Einen anderen Grund als die hohen Preise kann ich mir auch nicht vorstellen, wieso der Königsplatz nicht ganz voll war.

Redakteur:
Tommy Schmelz

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