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KNOCK OUT FESTIVAL 2018 - Karlsruhe

21.12.2018 | 16:45

15.12.2018, Schwarzwaldhalle

Vorweihnachtliche Bescherung!

Das Knock Out Festival hat sich seit seiner ersten Ausgabe im Jahr 2005 vor allem dank konstant starker Line-Ups inzwischen zu einer festen Größe etablieren können. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die 2018er Ausgabe bereits seit Wochen ausverkauft ist. Im Vorfeld wurde die diesjährige Besetzung von Vielen als die Stärkste überhaupt bezeichnet, was Fans aus allen Ecken Deutschlands und sogar aus dem europäischen Ausland nach Karlsruhe lockt.

Die Ehre das Knock Out Festival 2018 zu eröffnen haben die Lokalmatadoren SONS OF SOUNDS. Pünktlich um 17 Uhr entert das Trio die Bühne der Schwarzwaldhalle, um die bereits zahlreich anwesenden Festivalbesucher auf Betriebstemperatur zu bringen. Dies gelingt allerdings leider nur bedingt, denn erst einmal ist der Sound ziemlich bescheiden und Viele dürften die Band auch gar nicht kennen. Im vorderen Bühnenbereich, der vom SoS-Fanclub in Beschlag genommen wurde, ist die Stimmung durchweg gut. Aber in den hinteren Reihen kann man fast schon von Desinteresse sprechen. Überlange Nummern mit leicht progressivem Touch bei soundtechnisch schwierigen Bedingungen sind halt nicht unbedingt dazu geeignet, um auf einem Festival für überschäumende Stimmung zu sorgen. Zum Einstieg hätte nicht nur ich mir eventuell etwas leichtere Kost gewünscht. Als Opener habe ich zu anderen Gelegenheiten durchaus auch schon schlechtere und unpassendere Kapellen gesehen, von daher: alles gut.

Setliste: One Sky; Illumination; The Change; Children Of The Light; Blood Of The Shamans

Da sind die Power Metaller FREEDOM CALL natürlich ein ganz anderes Kaliber. Wann immer ich die Nürnberger in der Vergangenheit live gesehen habe, sie verbreiten einfach nur gute Laune. Und so ist es auch dieses Mal. Bereits ab der fast schon traditionellen Eröffnungsnummer 'Tears of Babylon' hat man das Publikum fest im Griff. Und trotz auch hier nicht optimalen Sounds kommt im weiten Rund der Schwarzwaldhalle erstmals so etwas wie Festivalstimmung auf. Hier stehen alte Hasen auf der Bühne, die wissen, wie man ein Festivalpublikum unterhält. Die Textzeile "Oh, the time has come, for power & glory - And tonight, for a happy metal party" aus 'Power & Glory' beschreibt das Motto des gut 40minütigen Auftritts von FREEDOM CALL am Besten. Karlsruhe hat Bock auf Party und die ist auch noch lange nicht vorbei.

Setliste:
Tears Of Babylon; Union Of The Strong; Freedom Call; Metal Is For Everyone; Power & Glory; Warriors; Land Of Light

Mit CORELEONI steht als nächstes eine Band auf der Bühne, auf die ich mich im Vorfeld als Fan der alten GOTTHARD-Scheiben mit am meisten gefreut habe. Gitarrist Leo Leoni möchte mit diesem Bandprojekt genau diese alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Mit dabei sind unter anderem auch GOTTHARD-Schlagzeuger Hena Habegger, Jgor Gianola (Gitarre) Mila Merker (Bass) und Sänger Ronnie Romero (LORDS OF BLACK, RAINBOW). Der Einstieg in den heutigen Set ist mit dem Dreier 'Higher', 'Standing in the Light', 'Downtown' fulminant. Allerdings muss ich auch hier mal wieder den Sound bemängeln, der gerne etwas druckvoller hätte sein können. Davon lasse ich mir wie auch die meisten anderen allerdings nicht die Laune verderben und feier diesen einfach nur genialen Auftritt nach allen Regeln der Kunst ab. Man kann Leo Leoni nicht genug dafür danken, CORELEONI gegründet zu haben. Live gehört die Band mit zum Besten, was der heutige Hard Rock zu bieten hat, wie sie auch auf dem Knock Out eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Setliste: Higher; Standing In The Light; Downtown; Walk On Water; Firedance; In The Name;Make My Day; Mountain Mama; She Goes Down; Ride On; Here Comes The Heat

Die deutsche Metalinstitution PRIMAL FEAR kann im Anschluss eigentlich nicht viel falsch machen, ist das Publikum doch inzwischen perfekt auf Betriebstemperatur, nicht nur dank steigendem Bierkonsums. Nach kurzem Intro ist der Klassiker 'Final Embrace' der optimale Einstieg in eine Metalshow par excellance. Mit 'Chainbreaker' wird dann auch gleich noch ein Brikett drauf gelegt. Und auch der Sound ist zum ersten Mal zumindest passabel. Aufgrund des begrenzten Zeit präsentiert man eine leicht gekürzte Setliste der gerade abgeschlossenen Tour zum neuen Album "Apocalypse". Und wie es am Ende einer Tour ist nicht ungewöhnlich ist, zeigt sich die Band perfekt eingespielt. Prinzipiell kann ich mich nicht erinnern, PRIMAL FEAR schon einmal in schlechter Form gesehen zu haben, und so ist es auch diesmal. Ralf Scheepers, einer der besten Metalsänger Deutschlands, liefert auch heute wieder eine Topleistung ab. Am Ende stehe ich mit meiner Feststellung nicht alleine da, dass eine Stunde PRIMAL FEAR einfach zu wenig sind. Aber es soll ja noch ein bisschen was kommen.

Setliste:
Apocalypse (Intro); Final Embrace; Chainbreaker; Blood, Sweat & Fear; Face The Emptiness; Under Your Spell; Nuclear Fire; Hounds Of Justice; King of Madness;The End Is Near; When Death Comes Knocking; Metal Is Forever

Die Dänen PRETTY MAIDS sind live grundsätzlich auch eine Bank und daher auch zurecht Co-Headliner. Mit 'Sin Decade' gelingt der perfekte Einstieg in ein quasi Best Of-Programm, das fast keine Wünsche offen lässt. Und abgesehen von kleinen Feedbackproblemen zu Beginn des Sets passt auch der Sound. Ronnie Atkins ist bestens bei Stimme und auch nach all den Jahren im Geschäft, immerhin geht die Gründung bereits auf das Jahr 1981 zurück, verfügt die Truppe heute immer noch über mehr Feuer und Energie als so mancher Newcomer. Klar, optisch bröckelt es ein bisschen, aber musikalisch ist der Lack noch lange nicht ab. Zum Beweis finden sich mit 'Bull's Eye' und auch 'Kingmaker' zwei Stücke vom letzten Album im Set, die sich bestens ins Gesamtprogramm einfügen. Man beschränkt sich trotz kürzerer Spielzeit nicht nur auf die alten Hits, was allerdings auch zur Folge hat, dass mit 'Red Hot & Heavy' eines meiner absoluten Lieblingsstücke heute leider nicht zum Zug kommt. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau bei einer ansonsten wie gewohnt tadellosen Leistung der PRETTY MAIDS, die mit dem abschließenden 'A Merry Jingle' sogar noch für Weihnachtsstimmung sorgen. Einfach nur stark.

Setliste:
Sin-Decade; Rodeo; We Came To Rock; Mother Of All Lies; Kingmaker; Little Drops Of Heaven; Pandemonium; Bull's Eye; Future World; Back To Back; Love Games; A Merry Jingle

In der nun folgenden Umbaupause wird die Bühne verhüllt und das gewisse Knistern in der Halle ist deutlich zu spüren. Dieses löst sich in pure Begeisterung auf, als pünktlich um 23 Uhr der Vorhang fällt. Ich durfte die Wahnsinnsshow der wiedervereinigten HELLOWEEN bereits im November 2017 in Stuttgart erleben. Das Spektakel jetzt noch einmal auf einem der letzten Stops der Pumpkins United Tour zu sehen, ist da noch so etwas wie das ganz besondere Sahnehäubchen. Vergleiche zum damaligen Auftritt anzustellen ist müßig, denn trotzt perfekter durchgestylter Inszenierung bleibt auch noch genug Zeit für Spontanität auf der Bühne. So erzählt uns Andi Deris, der heute Heimspiel hat, wie er sich damals als kleiner Junge von zu Hause weggeschlichen hat, um in eben dieser Halle KISS mit IRON MAIDEN im Vorprogramm zu sehen, was übrigens 1979 war. Und einen kleinen Seitenhieb auf die Heimat von Michael Kiske, die da Hamburg ist, darf in diesem Zusammenhang auch nicht fehlen. Es ist schön zu sehen, dass alle Beteiligten eine Menge Spaß haben. Hier stehen tatsächlich sieben Freunde auf der Bühne, die ihre Fans zusammen einfach nur unterhalten wollen. Höhepunkt ist wie 2017 der wundervolle multimediale Tribut an den verstorbenen Drummer Ingo Schwichtenberger, der sich so mit Dani Löble ein Drumduell liefert. Da es sich um einen Festivalauftritt mit verkürzter Spielzeit handelt, fehlen heute ein paar Stücke im Programm. Bis auf den kleinen Fauxpas, dass 'Keeper Of The Sven Keys' nur kurz angespielt wird, das geht eigentlich gar nicht, fällt diese Kürzung nicht zu negativ auf. Kurz nach 1 Uhr sieht man auf jeden Fall überall nur glückliche Gesichter. 

Setliste:
Helloween (Michael Kiske & Andi Deris); Dr. Stein (Michael Kiske & Andi Deris); I'm Alive (Michael Kiske); Are You Metal? ( Andi Deris); Perfect Gentleman (Andi Deris & Michael Kiske); Starlight / Ride the Sky / Judas (Kai Hansen); Heavy Metal (Is The Law) (Kai Hansen);  A Tale That Wasn't Right (Michael Kiske & Andi Deris); Pumpkins United (Andi Deris, Michael Kiske); Schlagzeug Solo (Dani Löble & Ingo 'battle'); Livin' Ain't No Crime angespielt (Michael Kiske);  A Little Time (Michael Kiske); March Of Time (Michael Kiske); Sole Survivor (Andi Deris); Power ( Andi Deris); How Many Tears (Andi Deris, Kai Hansen); Inivitation; Eagle Fly Free (Michael Kiske); Keeper Of The Seven Keys angespielt (Michael Kiske & Andi Deris); Gitarren Solo  -  In The Hall Of The Mountain King (Kai Hansen); Future World (Michael Kiske); I Want Out (Michael Kiske & Andi Deris)

Für mich persönlich war das Knock Out Festival 2018 der perfekte Abschluss eines Konzertjahres mit vielen Höhepunkten. Und der Trip nach Karlsruhe zählt da definitiv dazu. Man darf schon gespannt sein, wen man für die nächste Ausgabe so alles aus dem Hut zaubert. Auch wenn das diesjährige Line-Up nur sehr schwer zu toppen sein dürfte, bin ich zuversichtlich, dass die Macher wieder ein feines vorweihnachtliches Päckchen schnüren werden.

Fotocredits: Frank Hameister

Redakteur:
Tommy Schmelz

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