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KREATOR, ARCH ENEMY, SODOM und VADER - Wiesbaden

19.12.2014 | 09:24

11.12.2014, Schlachthof

Im Wiesbadener Schlachthof haben sich mit KREATOR und SODOM wieder einmal die Wege der beiden Thrash-Metal-Legenden aus dem Ruhrgebiet gekreuzt. Ein lohnender Abend, bei dem unter den Fans nicht nur viel Bier fließt, sondern im Moshpit auch der Schweiß steht.

Ein eindrückliches Tourpaket ist da an der Death/Thrashfront mit KREATOR, ARCH ENEMY, SODOM und VADER zusammengestellt worden. Es besteht natürlich gar kein Zweifel daran, dass Herr K. aus M. und ich uns am Donnerstagabend auf nach Wiesbaden machen. Leider liegt der Nachteil dieses Mega-Paketes schon auf der Hand, als wir am Vorabend der Show noch einmal die Homepage der Veranstaltungshalle besuchen: Beginn: 17.40 Uhr. Uff!

Bis ich mich aus den Fängen des Dienstherrn befreit und im alltäglichen Wahnsinn der ÖPNV-Rushhour zum Wiesbadener Schlachthof gequält habe, ist der Auftritt von VADER schon vorbei. SODOM, die alte Abrissbirne, bolzt sich bereits durch die Halle, die zu meiner Überraschung schon reichlich gefüllt ist. 'Agent Orange' brettert uns gerade entgegen, als wir uns durch die schwitzenden Fans nach vorne schieben, um den Angelripper auf der Bühne besser sehen zu können. Der spart sich lange Reden und prügelt stattdessen ein abwechslungsreiches Programm aus überwiegend neuerem Material und einigen alten Klassikern ins Publikum. Logisch, dass dabei das kultbesetzte 'Ausgebombt' nicht fehlen darf. Eigentlich bin ich heute hauptsächlich wegen KREATOR gekommen. Mein letztes SODOM-Konzert liegt Dekaden zurück. Umso erstaunter bin ich über die Spielfreude und Präzision, mit der die Ruhrgebietshelden ihre Songs noch immer krachen lassen. Ein lohnender Auftakt also für einen Abend, der mit hohen Erwartungen besetzt ist.

Als nächstes hat sich nämlich ARCH ENEMY angekündigt. Mit ihrer neuen Sängerin Alissa White-Gluz habe ich die Schweden noch nicht live gesehen und bin daher ziemlich gespannt. Das scheint nicht allen Fans in der Halle so zu gehen. Ein junger Mann neben uns prustet: "Die braucht ja wohl echt keiner!" Abwarten, Freunde! Tatsächlich erweist sich die neue Frontfrau als ziemliche Rampensau. Im Gegensatz zu Angela Gossow finde ich Alissa zwar stimmlich noch etwas volumenfrei, mit seinem agilen Auftritt vermag der blauhaarige Wirbelwind dieses kleine Defizit jedoch nahezu auszugleichen. Nach einer kurzen Aufwärmphase hat die Band das Publikum gepackt und um mich herum wird ordentlich mitgebangt. Mich spricht besonders das neue Songmaterial von ARCH ENEMY an. Titel wie 'As The Pages Burn' oder später 'You Will Know My Name' reißen nicht zuletzt wegen ihrer Eingängigkeit ordentlich mit.

Und dann kommt die Stunde der Sehnsucht! The KREATOR has returned!  Als Intro erklingt der alte Folksong "In The Year 2525" von Zager & Evans aus dem Jahr 1969, der mit Bildern von Katastrophen aus der Weltpolitik untermalt wird.  In diesem Sinne eröffnet KREATOR die Show folglich mit einer kraftvollen 'Violent Revolution'. Abwechselnd wird die Bühne im Laufe der nächsten anderthalb Stunden in grünes oder tiefrotes Licht getaucht. Mille präsentiert sich in bester Verfassung. Offenbar hat der Herr etwas abgenommen und stürzt sich mit neuer Kraft in die heiß ersehnte 'Extreme Aggression'.
Auch die einschlägigen Aufforderungen des KREATOR-Frontmannes, den für Hessen berüchtigten Moshpit zu zelebrieren, lassen nicht lange auf sich warten. In der Mitte des Schlachthofes geht es also bald schon rau zu: Verschwitzte Gestalten mit irrwitzigen Blicken wanken an mir vorbei und taumeln im Klanggewitter meines Favoriten 'Phobia' ins Dunkel der Halle.

Es gibt aber auch nachdenkliche Momente, in denen auf der Leinwand hinter der Bühne Fotos verstorbener Persönlichkeiten aus der Metalszene vorbei ziehen. Zu 'Enemy Of God' beschwört Mille die Kraft der Musik, die er in der Lage wähnt, Menschen aller Kulturen miteinander zusammen zu bringen, während er an den Religionen und der Politik einmal mehr kein gutes Haar lässt. Was wäre ein KREATOR-Konzert ohne ein solches Statement!
Dann hagelt es die brutalen Kracher á la 'Phantom Antichrist', 'Impossible Brutality' und 'Hordes Of Chaos'. Und wie jedes Mal bei KREATOR sind die Fans auch diesmal wieder bereit, sich gegenseitig umzubringen – yeah, 'Pleasure To Kill'.

Im Zugabenteil werden wir mit einer Coverversion des IRON MAIDEN-Klassikers 'The Number Of The Beast' beglückt, bevor wir über 'People Of The Lie' zum Abschlussritual 'Flag Of hate/Tormentor' geleitet werden.
KREATOR-Shows bieten schon seit längerem keine wirklichen Überraschungen mehr, aber es ist trotzdem – oder gerade deshalb – immer wieder ein Vergnügen, die gewaltigen, zumeist lang vertrauten Songgranaten zu erleben, die diese Band auszeichnen.

Redakteur:
Erika Becker
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