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Keep It True - Lauda-Königshofen

30.07.2003 | 04:08

19.07.2003, Tauberfrankenhalle

Mit dem KEEP IT TRUE haben Tarek Maghary (MAJESTY) und Oliver Weinsheimer (HEAVY, ODER WAS) ein neues Festival ins Leben gerufen. Natürlich kann man nun einwenden, dass es inzwischen schon genügend andere Festivals gibt, und deshalb haben sich die beiden bei der Konzeption durchaus ihre Gedanken gemacht. Bei den meisten Festivals ist es nämlich so, dass einem nur noch das übliche Band-Billing vorgesetzt wird, und deshalb wollen Tarek und Oliver beim KEEP IT TRUE auf Bands setzen, die man noch nie oder nur recht selten in Deutschland zu sehen bekommen hat...

Das erste Mal fand dieses KEEP IT TRUE nun am 19. Juli statt, und es wurde von den Leuten auch ziemlich gut aufgenommen. Die Veranstaltung war zwar nicht komplett ausverkauft, aber recht gut gefüllt war die Tauberfrankenhalle in Lauda-Königshofen allemal. Normalerweise wird diese Halle wohl für Sport-Events verwendet, aber auch für eine Veranstaltung wie das KEEP IT TRUE hat sie sich ganz gut bewährt - von der etwas mäßigen Sound-Qualität mal abgesehen...

Um dem Publikum auch ein kleines Rahmenprogramm zu bieten, wurde vor der eigentlichen Veranstaltung zusätzlich noch ein Metal-Markt organisiert. Dieser war zwar im Grunde recht überschaubar, aber dennoch gab es für die Besucher genügend Gelegenheit, ihr mühsam Erspartes in Platten oder CDs umzusetzen. Positiv anzumerken ist dabei auch, dass die meisten Stände erst spät am Abend abgebaut wurden und deshalb während der ersten Bands noch ausreichend Gelegenheit bestand, das Angebot zu prüfen. Neben den Anbietern von Platten, CDs und sonstigem Merchandising gab es zum einen natürlich auch einen POWERMETAL.de-Stand - das KEEP IT TRUE wurde schließlich von uns präsentiert -, und zum anderen konnte man sich in der Halle sowohl in fester als auch in flüssiger Form bestens verpflegen. Über die Preise konnte man dabei auch gar nicht meckern: Das Bier sollte 2 Euro kosten, und für einen ganz ordentlichen Steaksemmel musste man beispielsweise 3 Euro bezahlen...

Im Vordergrund standen aber natürlich die Bands, und die hatten es bei der KEEP IT TRUE-Premiere wirklich in sich...

ETERNAL REIGN

Und da sag noch mal einer, die erste Band sei immer die am wenigsten sehenswerte! Das kann man von ETERNAL REIGN wohl kaum behaupten. Die sechs Bremer stürmten pünktlich um 13 Uhr auf die Bühne und rockten los, als gäbe es nichts anderes auf der Welt. Angelockt von den amerikanisch angehauchten Melodic-Power-Metal-Klängen konnten sich nun auch einige Metalheads von Metalbörse & Co. losreißen und pilgerten auf die Lärmquelle zu.
ETERNAL REIGN hatten aber auch bedacht, dass der Durchnittsmetaller nicht nur Ohren, sondern auch zwei Augen hat, und so konnte man von Anfang an ein fetziges Stageacting erleben: Schon beim ersten Song 'Perfect Crime' sah man Sänger Dirk Stühmer auf dem Bühnensteg herumturnen und konnte beobachten, wie Basser Jörg Hassel, dem die Spielfreude ins Gesicht gemeißelt war, mit seinem Bandkollegen Michael Sebastian rumalberte. Ähnliche Showeinlagen zogen sich durch das komplette Set, das zum Großteil aus Songs bestand, die auch auf dem aktuellen Silberling "Crimes Of Passion" zu finden sind. Alles in allem also ein wirklich spaßiger Gig - schade nur, dass er ausgerechnet zur gefürchteten Zeit des Mittagstiefs und der eingerosteten Gelenke stattfinden musste.
[Ulrike]

BLOODSTAINED

Auch wenn ich die Band BLOODSTAINED zuvor überhaupt nicht kannte - kein Wunder, da das Debüt erst im Herbst erscheint -, so waren die Griechen für mich doch die Überraschung des Festivals. Sie sind aufgrund von Absagen relativ kurzfristig engagiert worden, waren aber mit Sicherheit eine Bereicherung für das KEEP IT TRUE. Und mit dieser Meinung stehe ich - wenn ich die Publikumsreaktionen richtig gedeutet habe - nicht alleine da...
Ehrlich gesagt war ich schon etwas skeptisch, da Oliver in seiner Ankündigung auf der KEEP IT TRUE-Homepage die Band mit den früheren JAG PANZER verglichen hat und den Sänger gar auf eine Stufe mit Harry "Tyrant" Conklin gestellt hat, aber im Nachhinein muss ich zugeben: Aus der Luft gegriffen sind diese Vergleiche nicht.
Die Band war sich offensichtlich der Chance bewusst, sich in Deutschland vor einer Vielzahl interessierter Metal-Fans zu präsentieren, und so rockten sie von Beginn an richtig los. Die Spielfreude und Begeisterung, mit der BLOODSTAINED zu Werke gingen, übertrug sich recht schnell auch auf das Publikum, und so hatte der sehr aktive Sänger relativ leichtes Spiel. Spätestens bei der Bandhymne 'Bloodstained', die mit den Ripper Owens-mäßigen Worten "What's our name?" angekündigt wurde, war die Stimmung zum ersten Mal auf dem Höhepunkt - ein Mitsingteil tat hier sein Übriges. Doch auch danach gingen die inzwischen recht zahlreichen Leute vor der Bühne bei Songs wie 'Related With Danger' oder 'Greetings From Hell' begeistert mit. Sehr gut wurden auch die beiden sehr gelungenen Cover-Versionen, zum einen 'Harder Than Steel' von JAG PANZER und 'Wargods Of Metal' von SACRED STEEL, aufgenommen, und so war es nicht weiter verwunderlich, dass BLOODSTAINED um eine Zugabe nicht herum kamen. - Diese Band wird man sich mit Sicherheit merken müssen...
[Martin]

GUNFIRE

Als die Jungs von GUNFIRE die Bühne betraten, überkam mich sogleich ein Gefühl, das sich auch während des gesamten Auftritts nicht ganz vertreiben ließ. Man könnte dieses Gefühl in etwa so beschreiben: Langeweile, gepaart mit akutem Unwohlsein beim Anblick des Kurzhaarvokalisten Roberto Borrelli, der seine Augen hinter einer poppigen Sonnenbrille verbarg. Die Musik der fünf Italiener war dann zwar doch nicht so poppig wie zu befürchten war, sondern bewegte sich vor allem gesanglich mehr im melodischen Power-Metal-Bereich, konnte mich persönlich aber nicht wirklich überzeugen. Doch ein paar mitgereiste Landsleute und auch einige wenige Fans aus den hiesigen Gefilden konnten sich vor Begeisterung kaum halten und feierten bei Songs wie 'Fight For The Truth', 'The Fire Still Burns' und 'When The Devil Miss The Hell' so richtig ab. Im Großen und Ganzen war das, was GUNFIRE da ablieferten aber eher ein 08/15-Gig, bei dem der Wiedererkennungseffekt höchstens in dem deutlich herauszuhörenden italienischen Akzent und einer geschmacklosen Spiegelbrille liegen wird.
[Ulrike]

MALEDICTION

Als MALEDICTION ihr Werk begannen, gab es so manche verdutzte Gesichter, die ungläubig zur Bühne starrten. In jedem dieser ungläubigen Blicke war folgende Frage deutlich eingraviert: Singt da jetzt ein Mann oder eine Frau? Die Ohren eines jeden Anwesenden plädierten eindeutig für die Antwort 'Frau', doch die Augen, die - wenn man ihnen die Möglichkeit bot, das Ganze aus der Nähe zu betrachten - einen ordentlichen Bartansatz meldeten, ließen dann doch überzeugt an die Antwort 'Mann' glauben. Und wirklich: Sylvain ist ein Männername und gehört zu einem 25jährigen Franzosen, seines Zeichens Vokalist bei MALEDICTION. Dieser sorgte von Anfang an für Staunen im Publikum, vor allem dann, wenn er sich in die weite Welt der höheren Tonlagen aufmachte, die selbst so manche Frau noch nie betreten haben mag. Natürlich sind alle Songtexte von MALEDICTION in Französisch verfasst, was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man bedenkt, wie schwierig es für einen Franzosen sein muss, kaugummikauend das englische R zu rollen. Doch auch Metalheads, die der französischen Sprache eher wenig mächtig waren, hatten bei diesem Gig mit Songs wie 'Prince Des Tenebres', 'Le Masque De Fer' und 'Le Fils De Satan' eine Menge Spaß und ließen kräftig ihr Haupthaar kreisen. (Bei der vorzüglichen Gitarrenarbeit doch auch kein Wunder, oder? - Martin)
[Ulrike]

KILLER

Die belgischen KILLER blicken mittlerweile auf über 20 Jahre Bandhistorie und sieben Alben zurück, sind aber bei uns wohl weitgehend unbekannt geblieben. Auf dem KEEP IT TRUE haben sie eine wenig aufregende Melange aus klassischem Heavy Metal und Hardrock geboten, meist in schnellerer Gangart und mit konventionellem Riffing sowie Endlos-Soli des Gitarristen, Sänger und Bandleader 'Shorty'. Der spielte und sang in einer nicht unsympathischen, rauen und urwüchsigen Art und kam auch gut beim Publikum an. Wirklich störend waren jedoch die unsagbar blubbernd klingenden Keyboards und Shortys manchmal bis zur Schmerzgrenze übersteuerter Gitarrensound. Nach einer Wanderung durch die Halle, bei dem Shorty und sein Bassist spielend durch die Besucher gelaufen sind und auch schon mal bei sitzenden Fans Halt gemacht haben, hat sich dies zum Glück deutlich gebessert. Kein aufsehenserregender Auftritt, aber sympathisch-rau und solide.
[Klaus]

KILLERS

Fast genauso lange sind KILLERS aus Bayonne im Baskenland im Geschäft und konnten mit ihrer durchgehenden Speed-Attacke überzeugen. Blickfang waren sicherlich der großgewachsene Gitarrist und Sänger mit seiner auffällig lackierten Jackson-Custom-Gitarre sowie der in krassem Gegensatz dazu kleine, bullige Bassist, der mit stampfenden Bewegungen von einem Bühnenrand zum anderen tanzte. Einige Songs fingen zwar mal etwas langsamer und harmonischer an, aber spätestens nach ein paar Takten war es damit wieder vorbei und das Gaspedal wurde wieder bis zum Boden durchgetreten. Das mag sich aufgrund mangelnder Variabilität vielleicht langweilig anhören, war es aber ganz und gar nicht, sondern energiegeladen und mitreißend. Die meisten Songs wurden in französisch gesungen, einige auch in Baskisch, und mancher Refrain hatte einen fast volksliedhaften, melodischen Refrain. Schade, dass davon außer dem zahlreich angereisten und mächtig Stimmung machenden, eigenen Fanclub wohl kaum jemand etwas verstanden hat oder hätte mitsingen können, da es sich dem Vernehmen und einigen restlichen Fetzen Französischkenntnissen nach wohl um intelligente, sozialkritische und politische Texte gehandelt hat (das zweiminütige Späßchen 'Hu-Ha-Hu-Ha-Heavy-Metal' mal außen vor gelassen). KILLERS genießen in Frankreich Kultstatus und der speedig-rotzige Metal mit seiner gewissen Punkattitüde fand auch in Lauda-Königshofen viele Freunde.
[Klaus]

SOLITAIRE

Die Finnen von SOLITAIRE ließen - nachdem sie sowieso schon in der Running Order ein paar Plätz nach hinten geschoben worden waren - ein ganzes Weilchen auf sich warten, da es technische Probleme gab, doch irgendwann ging es dann doch los. Und zwar richtig ordentlich... SOLITAIRE stiegen mit 'Crossfire' in ihr Set ein und ließen gleich noch 'Listen To The Priest' folgen, und dann hatten sie das Publikum auch schon im Griff. Da soll noch irgendjemand sagen, richtig old-schooliger Speed Metal wäre nicht mehr angesagt, denn schließlich gingen die Leute vor der Bühne begeistert mit und schüttelten kräftig die Köpfe. Weiter ging es mit 'Rising To The Challenge', doch leider fiel hierbei das Mikrofon aus. SOLITAIRE ließen sich dadurch aber nicht aus der Bahn werfen, und spielten den Song bis zum zweiten Refrain einfach als Instrumentalstück. Danach konnten die Finnen ihren Gig aber ohne größere Probleme fortsetzen, und sie spielten weitere Songs von ihrem Debüt-Album "Rising To The Challenge", u.a. 'A Slash In The Night' und 'Eye Of The Needle'. Nach 'Thunderhorse' war dann nach einer knappen halben Stunde auch schon Schluss. Das Publikum forderte zwar lautstark eine Zugabe, doch diese wurde ihm aufgrund der Verzögerungen nicht zugestanden. Schade eigentlich, denn SOLITAIRE gehören auch zu den Gewinnern des KEEP IT TRUE, da sie mit ihrer erfrischenden Art jede Menge Sympathien gewinnen konnten, nicht zuletzt auch aufgrund der deutschen Ansagen von Sänger Mika Savolainen...
[Martin]

DOOMSWORD

Es dauerte wieder ziemlich lange, bis es weiter gehen konnte, so dass sich bei der immer größer werdenden Meute vor der Bühne schon Ungeduld breit machte. Immer wieder wurden "DoomSword"-Rufe laut, bis das Warten dann doch ein Ende hatte... Mit dem obligatorischen 'Sacred Metal' legten DOOMSWORD los, und die Stimmung im Publikum war von Beginn an hervorragend. Die Fans gingen bei der gebotenen Mischung aus Epic Power Metal und noch mehr Doom Metal begeistert mit, und natürlich wurde auch lautstark mitgegrölt. Als es dann mit 'For Those Who Died With Sword In Hand' noch eine Ecke kräftiger und vor allem riff-lastiger zur Sache ging, gab es in den ersten Reihen sowieso kein Halten mehr. Bei der Songauswahl hatten sich DOOMSWORD vor allem auf ihre zweite Scheibe "Resound The Horn" konzentriert, und so gab es im Weiteren u.a. 'MCXIX', 'Onward Into Battle' oder auch 'Shores Of Vinland' zu hören. Aber auch ein so Song wie 'Helms Deep' vom Debüt-Album "DoomSword" wurde natürlich berücksichtigt und hervorragend dargeboten. Dass dabei ein Fan auf die Bühne kletterte und vor dem Sänger Deathmaster auf die Knie fiel, wurde vom übrigen Publikum belustigt aufgenommen. Weniger erfreut war die Fanschar dagegen, als nach einer knappen Stunde der letzte DOOMSWORD-Song angekündigt wurde, der natürlich - so ist es bei den Italienern Tradition - nur 'The DoomSword' heißen konnte. Die Band wurde vom Publikum noch einmal kräftig abgefeiert, und dementsprechend durfte auch ein langer Mitgrölteil natürlich nicht fehlen. Die Rufe nach einer Zugabe wurden zwar auch hier laut, doch wie zuvor bei SOLITAIRE durften auch DOOMSWORD nicht auf die Bühne zurückkommen. Es war nur noch etwas Body-surfing angesagt, und dann war's das leider... Hoffentlich kehren die Italiener bald mal wieder auf deutsche Bühnen zurück, denn live kommen die sehr epischen Songs gleich noch eine Ecke besser rüber - super!
[Martin]

MAJESTY

Dass MAJESTY vor heimischen Publikum auf ihrem eigenen Festival nicht viel falsch machen konnten, stand wohl von vorne herein fest. Geschenkt bekamen sie deswegen trotzdem nichts und mussten sich, vor allen Dingen nach den überragenden DOOMSWORD, ihr Publikum erspielen. Wer die Band seit längerem verfolgt, wird feststellen, dass sie sich von jedem Konzert zum nächsten steigern und mittlerweile mit einer unheimlichen Souveränität und Bühnenpräsenz auftreten.
Unterstützt von einem fetten und druckvollen Sound und einem wirklich gelungenen Stage-Outfit mit vielen detailreichen, mittelalterlichen Stilelementen ließen die sechs dann auch nichts anbrennen und gingen mit 'Hail To Majesty' und 'Epic War' gleich in die Vollen. Sänger Tarek, der trotz extremen Schlafmangels durch die Vorbereitungen des Festivals sicherlich nicht der Ausgeruhteste war, wirkte agil wie immer und eher noch stimmgewaltiger als sonst (Also, ich habe ihn schon weitaus besser erlebt, z.B. beim BANG YOUR HEAD REVISITED)! - Martin). Besonders auffällig und lobenswert ist das ständige Bemühen um wirklich nahen Kontakt zu den Fans, die dann auch reichlich auf die Stege vor der Bühne und die Bühne selbst kletterten und dort sogar zum Mitsingen eingeladen wurden (um dann nach einigen Minuten auf der Bühne freundlich und sanft heruntergeleitet zu werden, bevor sie sich vielleicht noch weh tun konnten). Dass er sich bei der Ansage zu 'Sword & Sorcery' dann kurz vertan hat, hat wirklich niemanden gestört und macht ihn eher noch sympathischer. Der kleine Versprecher war dann auch ganz schnell vergessen und die Menge bangte und grölte, was das Zeug hielt. Große Überraschungen in der Setlist gab es erwartungsgemäß keine, auch wenn einige, einschließlich mir, das großartige 'Aria Of Bravery' vermisst haben mögen.
Immer wieder beindruckend ist Gitarrist Rolf Munkes, der sich ohne großes Posing und mit sparsamsten Bewegungen ein Klasse-Solo nach dem anderen aus den Fingern spielt und seit seinem Einstieg eine riesige Bereicherung für die Band darstellt. Nach den Knallern 'Heavy Metal', 'Son Of Metal' und 'Fields Of War' folgten dann noch die Hymnen 'Keep It True' und 'Metal To The Metalheads', die lautstark gefeiert wurden. Den anhaltenden Rufen nach einer Zugabe kam die Band aufgrund des bereits verzögerten Zeitplans leider nicht nach, eine Zurückhaltung, die auf jeden Fall für sie spricht.
Zu True Metal und all den dazugehörigen Klischees mag man stehen wie man will - MAJESTY machen live ganz einfach Spaß und sind eine Größe im deutschen Heavy Metal, an der mittlerweile schwerlich vorbeizukommen ist.
[Klaus]

Setlist MAJESTY:

Intro
Hail To Majesty
Epic War
Ride Silent
Sword & Sorcery
Intro
Heavy Metal
Son Of Metal
Fields Of War
Keep It True
Metal To The Metalheads

BROCAS HELM

Nein, nicht erst als sie die Bühne betraten, erregten BROCAS HELM Aufsehen, sondern schon lange vorher. Denn Jim Schumacher - seines Zeichens Basssaitenklampfer der Band - war seit den Morgenstunden auf dem KEEP IT TRUE unterwegs. Was aber nicht heißen soll, dass ihn jeder Festivalbesucher gleich erkannte... Wäre ja auch verwunderlich, nachdem es ja für BROCAS HELM das erste Konzert
in Deutschland war... Es lag wohl eher an seinem kultigen Outfit, bei dem wohl jedem die Mütze auffiel, die stark den hierzulande üblichen Polizeimützen ähnelte. Dabei handelt es sich aber keineswegs um den legendären Helm, der BROCAS HELM den Namen gab, denn dieser weilt zur Zeit im Tower Of London und gibt den Bandmitglieder immer wieder die Kraft aufzustehen und gegen die schrecklichen Popsongs und Charts zu kämpfen, die unsere Welt bedrohen. Der Kampf, den die drei Recken von BROCAS HELM über eine Stunde in der sengenden Hitze auf den Feldern des KEEP IT TRUE austragen mussten, war zwar für alle Beteiligten mit Anstrengung verbunden, aber dafür um so siegreicher...
Eingeleitet wurde das kämpferische Treiben von den Schlachtrufen und Pfiffen der teils von weit her angereisten Streitmacht. Und schon legten die drei Anführer los: Jim schwang seine stählerne Streitaxt, die mit einem mächtigen Dorn ausgestattet war und sein Mitstreiter Bob Wright versuchte die Feinde mit seinem lilanen Hemd und furchteinflößenden Tönen - die er sowohl seiner Gitarre als auch seinem Mund entlockte - in die Flucht zu schlagen. Mit Songs wie 'Black Death', 'Into The Battle' und 'Ghost Story', von denen jeweils auch ein gleichnamiges Album existiert, wurde die wilde Schlacht eingeleitet, und schon bald sah man die Menge vom Kampfgeist berauscht mit Kopf und - sofern vorhanden - mit Haaren um sich zu schlagen. Aber bei dem ganzen Kampfesernst kam auch der Spaß nicht zu kurz -
schließlich muss man ja die Truppenmoral aufrecht erhalten! Und so musste der ein oder andere Kämpfer schon mal schmunzeln, wenn er sein Oberhaupt Jim sich drehend auf der Bühne herum staksten sah.
(Bei BROCAS HELM merkt man halt, wie nah Genie und Wahnsinn beieinander liegen können... Dieser Auftritt hatte aber ganz klar eine Schlagseite zur Genialität! - Martin)
[Ulrike]

Setlist BROCAS HELM :

Black Death
Into Battle
Night Siege
Ghost Story
Into The Ithilstone
Haunted Moon
Banchee Scream
Raven Wreck
Wartoons
T.O.D.
Defender
Children
Prepare For Battle
Fly High
---
Skull Fucker

OMEN

Mit einem 'Hello Germany, this is OMEN!' meldet sich DIE Kultband des US-Metal zurück und alle Bedenken, ob sie den hohen Erwartungen gerecht werden können, waren spätestens nach den ersten paar Takten von 'Death Rider' hinfällig. Mit 'Termination' und 'Battle Cry' folgen zwei weitere unsterbliche Klassiker, die vom Publikum heftig gefeiert wurden und bei denen Sänger Kevin Goocher seinen Vorvorgänger J.D. Kimball vielleicht nicht vergessen machte, diesem aber auch nicht deutlich nachstand.
Mit '1000 Year Reign' folgte der erste Song der in Kürze erscheinenden neuen CD "Eternal Black Dawn", und obwohl es sich dabei um einen genialen Nackenbrecher handelt, der sich nahtlos an bisherige Meisterwerke anschließt, reagierte das Publikum doch etwas verhaltener. Allerdings nur, um bei dem folgenden 'Dragon's Breath' wieder in frenetischen Jubel auszubrechen. Sänger Kevin war dann auch sichtlich gerührt und musste einige Klöße im Hals runterschlucken. 'Ruby Eyes (Of The Serpent)' heizte die Stimmung noch einmal auf, bevor mit 'Eternal Black Dawn', einem eher episch ausgelegten Rocker, wieder ein bisschen Ruhe einkehrte. Im folgenden jagte wiederum ein Klassiker den anderen, unterbrochen nur von dem zähfließenden 'House On Rue Royal'. Der Band war jederzeit anzumerken, welchen Spaß sie hatte. Drummer Rick Murray verteilte seine Drumsticks gleich dutzendweise, Kevin wurde nicht müde, dem Publikum mitzuteilen, wie großartig er es findet und Kenny spielte sich förmlich den Allerwertesten ab und die Finger wund.
Bei 'Teeth Of The Hydra', dem letzten Stück des regulären Sets, fiel dann leider Kennys Verstärker aus und die Band witzelte sich durch die fast zehnminütige Zwangspause. Kenny hat sich selbst darüber wohl am meisten geärgert, aber im Publikum gab es sicherlich niemanden, der ihnen deswegen böse gewesen wäre. Den lautstarken Rufen nach einer Zugabe kamen sie mit 'The Axeman' nach, das nahtlos in 'In The Arena' überging und den Mob noch einmal zum kochen brachte. Mit einem Stück der neuen Scheibe war dann leider nach einer knappen Stunde Schluss...
Der eine oder andere Besucher hätte sich wohl noch ein paar Klassiker wie 'Warning Of Danger', 'March On’ oder 'Hell’s Gate' mehr gewünscht, aber schließlich war die Spielzeit begrenzt und OMEN haben zu Recht die Chance genutzt, ihr neues Album vorzustellen. Wenn die restlichen Songs von "Eternal Black Dawn" nur halbwegs das Niveau der Songs erreichen, die beim KIT präsentiert wurden, steht uns eine Hammerscheibe ins Haus (Ich kann dich/euch beruhigen - "Eternal Black Dawn" IST eine Hammerscheibe! - Martin). Mit ihrem Auftritt haben OMEN auf jeden Fall bewiesen, dass die neue Truppe um Kenny Powell ihren Vorgängern in nichts nachsteht.
[Klaus]

Setlist OMEN:

Death Rider
Termination
Battle Cry
1000 Year Reign
Dragon's Breath
Ruby Eyes (Of The Serpent)
Eternal Black Dawn
Die By The Blade
Nightmares
House On Rue Royal
Bounty Hunter
Teeth Of The Hydra
The Axeman
In The Arena
Thorn In Your Flesh

SOLEMNITY

Als letzte Band des Abends war es an SOLEMNITY, noch für einen krönenden Abschluss eines tollen Festivals zu sorgen. Wer die Band um Sven The Axe bereits kannte, der konnte sich ja ausrechnen, dass die vorherige Umbaupause etwas länger werden würde. Und so war es auch, so dass sich doch schon einige Zuschauer auf den Heimweg machten. Doch die, die ausharrten, bekamen zumindest visuell einiges geboten. Wie bei SOLEMNITY üblich, war die Bühne nämlich mit allerlei Mauerstücken, Skeletten, Kerzenleuchtern und sonstigem Krimskrams vollgestellt. Fürs Ohr wurde leider etwas weniger geboten, doch das war nicht die Schuld der Band...
Nach dem obligatorischen Intro stürmte die Band auf die Bühne - Sven The Axe geschminkt bis unter die Hutschnur, und 'am Bass der Tod' - und legte gleich mit 'Solemnity' los. Doch leider stand der gesamte SOLEMNITY-Auftritt unter keinem guten Stern, und so hatte die Band mit immensen Sound-Problemen zu kämpfen. Das ging beim Opener und auch beim anschließenden 'Open Fire' so weit, dass man den Gesang von Sven eigentlich nur erahnen konnte, und von einem Hörgenuss war man deshalb meilenweit entfernt. Auch bei der Pyro-Show lief einiges daneben, aber trotzdem knallte es immer noch an allen Ecken und Enden. Den Schwerpunkt bei der Songauswahl hatten SOLEMNITY ein wenig überraschend auf ihr Debüt "Reign In Hell" gelegt, doch auch ihre aktuelle Scheibe "King Of Dreams" kam nicht zu kurz. So folgte beispielsweise die True-Metal-Hymne 'Fire In Mainstreamland', ehe es mit den beiden Titeltracks direkt weiterging. Die Fans, vor allem in den ersten Reihen, ließen sich auch von der eingeschränkten Soundqualität nicht wirklich stören und feierten die Band ordentlich ab. So wurde bei 'Kill The Majesty' natürlich lautstark mitgesungen, während die Haare ja sowieso fortwährend durch die Luft gewirbelt wurden. Auch das epische 'Vampire's Dance' hatten SOLEMNITY im Programm, wobei während des länglichen Instrumentalteils/Mosh-Parts Svens Freundin Dani (LIGEIA) einen Gastauftritt als Vampir-Opfer hatte. Überhaupt waren Show-Elemente immer wieder an der Tagesordnung - ob Sven nun eine Bibel in Brand steckte, selbst Feuer spuckte oder mit einem funkensprühenden Schwert über die Bühne sprang. Bei 'Vampire's Dance' flog sogar ein Herz durch die Gegend, und auch der obligatorische Kelch mit Blut beim anschließden 'Chalice Of Blood' durfte natürlich nicht fehlen. Danach mussten SOLEMNITY dann aber ihr Set aus Zeitgründen kürzen und hatten somit nur noch Zeit für einen Song. Mit 'Walpurgis Night' verabschiedeten sich die Horror-Metaller und hinterließen ein insgesamt doch zufriedenes Publikum, das gerne noch den einen oder anderen Song mehr gehört hätte...
Unter anderen Voraussetzungen hätte der SOLEMNITY-Gig eine richtig gute Metal-Party werden können und somit das i-Tüpfelchen des KEEP IT TRUE darstellen können, aber so blieb eben ein zwiespältiger Eindruck. Ich hoffe für Sven und seine Jungs, dass sie beim nächsten Mal mehr Glück haben - verdient hätten sie es jedenfalls...
[Martin]

Setlist SOLEMNITY:

Intro
Solemnity
Open Fire
Fire In Mainstreamland
Reign In Hell
King Of Dreams
Kill The Majesty
Vampire's Dance
Chalice Of Blood
Walpurgis Night

Unter dem Strich kann das KEEP IT TRUE als Erfolg auf der ganzen Linie gewertet werden. Zum einen natürlich für die Besucher, die einige gute und noch mehr sehr gute Bands gesehen haben, und das zu einem wirklich supergünstigen Preis. Zum anderen aber auch für die Veranstalter, für die das gewählte Konzept mit einem solchen Hallen-Festival hervorragend aufging. Und wenn uns nicht drei rotzfreche Gören (ja, fühlt euch ruhig angesprochen!) ein Banner geklaut hätten, dann wäre es auch für POWERMETAL.de eine rundum tolle Veranstaltung gewesen. - Wie auch immer - nach einer solchen erfolgreichen Premiere kann die zwangsläufige Folge nur sein, dass es in absehbarer Zeit eine Neuauflage des KEEP IT TRUE gibt. Der Termin steht auch bereits fest (10.04.2004), nur auf das Billing darf man noch gespannt sein - spontan würden mir da die zunächst für dieses Jahr angekündigten TWISTED TOWER DIRE, aber auch THE LORD WEIRD SLOUGH FEG oder gar MANILLA ROAD einfallen?!?

Redakteur:
Martin Schaich

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