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Keep It True XV - Lauda-Königshofen

22.05.2012 | 15:03

27.04.2012, Tauber-Franken Halle

Die Kultveranstaltung schlechthin mit jeder Menge Stahl und waschechten Sensationen.

Nach einem Tag voll guter Musik und möglicherweise auch bei dem einen oder anderen Bier zuviel gibt es eigentlich nur eines, um den Tag zu retten: echten Metal. Und da kommen VOLTURE aus den USA gerade recht. Man hat zwar nur eine EP namens "Shocking Its Prey" im Gepäck, die auf Heavy Artillery Records erschienen ist, aber trotzdem gab es 45 Minuten Spielzeit. Da bin ich aber mal gespannt, womit die Herren aus Virginia die Zeit füllen. Kaum zu Ende gedacht, ballern VOLTURE gleich mal die Bandhymne in den Saal. Keine Gefangenen, okay, gute Devise, denn das ist mein absoluter Lieblingssong der EP. Wer da nicht mitgrölt, ist selbst schuld. Schon bei den ersten Tönen wird klar, dass der Mann am Mikro, Brent Hubbard, ein absoluter Könner ist. Mit einer klassischen Achziger-Stimme - soll heißen kraftvoll und auch gerne mal mit spitzen Schreien in der Vokal-Stratosphäre - lässt er alle Anwesenden aufhorchen. Geradeaus, mit diesem Sänger und Kompositionen, die zwar nicht gerade einen Originalitätspreis verdienen, hört man nachher keine negativen Stimmen über den Auftritt. Zumal die beiden neuen Songs, welche die Band nicht nur spielt sondern auch per Vinyl-Single unter die Leute bringt, ebenfalls Lust auf einen Longplayer machen. Bleibt die Frage, wie die Band den Rest der Zeit füllt, denn 22 Minuten der EP plus zwei neue Songs macht was? Genau, einen Gig von 30 Minuten und einen frühen Abgang. Schade, das hat Spaß gemacht. Würde ich jederzeit wieder sehen wollen.

[Frank Jaeger]


Manchmal kommen sie wieder...manchmal auch mit einiger Verspätung. Die US-Thrasher FUELED BY FIRE kehren vier Jahre nach ihrem Europa-Debüt auf dem KIT X im Jahre 2008 wieder nach Lauda-Königshofen zurück. Ende 2009 hatte mich die Absage der Band auf dem Thrash Assault III in Würzburg sehr gewurmt. Seinerzeit zog es FBF vor, am zweiten Studioalbum "Plunging Into Darkness" zu arbeiten...das nunmehr erst im April 2012 in Europa erschien, aber das ist ein anderes Thema. Wie schon anno 2008 muss FUELED BY FIRE quasi zu früher Stunde auf die Bühnenbretter. Den Anfang der Show bildet das wuchtig im Gebälk riffende Intro 'The Arrival', das in den neuen Uptempo-Thrasher 'Rising From Beneath' mündet. Die coole Riffbrett-Akrobatik im Soloteil des Stücks erinnert nicht nur einmal an den SLAYER-Erstling "Show No Mercy" und dass FUELED BY FIRE live wahrlich killen, das können alle Zuschauer bestätigen, die die Band damals auf dem KIT 2008 sahen. Die Circle-Pit-Jünger lassen daher erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten, denn der Vierer Vasquez/Gutierrez/Monroy/Rangel hat seine Pappenheimer bestens im Griff. Mit den neuen Nummern 'Unidentified Remains', 'Deadly Remains' sowie 'Sickness Of Humanity' haben die Herren ausgezeichnete Arschtreter-Nummern am Start, die FBF nochmals formverbessert präsentieren. Trotz der ungewohnt schwülen Temperaturen lassen FUELED BY FIRE nicht locker. Die Riffwände sägen energisch und hier kommt wahrlich Power rüber. Die Circle-Pit-Gemeinde rührt sich vor allem zu den Stücken des Debüts: 'Strikung Death' und 'Put To Death' erhalten frenetische Reaktionen und sorgen für wahnwitzige Pit-Aktivitäten im vorderen Teil der Tauberfrankenhalle. Mit der Band-Hymne 'Thrash Is Back' schließen die Amis einen äußerst energetischen, temporeichen Auftritt, der mir jedenfalls als einer der stärksten des Festivals in Erinnerung bleibt. Kommt bald wieder, Folks!!

Tracklist: The Arrival, Rising From Beneath, Within The Abyss, Put To Death, Unidentified Remains, Eye Of The Demon, Striking Death, Deadly Restraints, Merciless Blade, Sickness of Humanity, Thrash Is Back

[Martin Loga]


Es ist die klassische KIT-Geschichte, die auch SENTINEL BEAST erzählen: 1984 gegründet, 1987 aufgelöst und 20 Jahre später, also 2007, wieder reuniert. Los geht es also mit dem Titelsong des einzigen Albums "Depths Of Death", einer schönen, flotten Speed-Nummer, die mich persönlich als absoluten SENTINEL BEAST-Neuling stark an die geliebten AGENT STEEL erinnert. Veredelt wird der schnelle Sound der Kalifornier durch die ruppige Stimme der Frontröhre Debbie Gunn. Mein Gott, hat die Feuer im Hintern - und da steht ihr die Band in nichts nach. Mit einem DESTRUCTION-Shirt bekleidet, lässt Debbie ihre rötlich-braunen Haare kreisen und animiert wohlweislich auch Nicht-Fans zum Samstag-mittäglichen Headbangen. Das anschließende 'Mourir' bereitet unbewusst auf die abendliche nahezu-MAIDEN-Show vor, allzu offensichtlich ist das Lead von den Jungfrauen aus Großbritannien motiviert. Doch das bedeutet nur eins: Die Luftgitarren in die Höhe und ab dafür! Auch wenn der Gitarrist im Neunziger-Jahre-Wet-Look - Neunziger: gilt das hier schon (oder noch) als modern? - rechts auf der Bühne vor dem Beginn des Gigs einen unheimlich nervösen Eindruck macht, ist das BEAST tight und man merkt der Band definitiv an, dass dies nicht der erste Auftritt nach 25 Jahren Bühnenabstinenz ist. Und so verwundert es kaum, dass das selbstbetitelte 'Sentinel Beast' nicht nur ein Highlight des Auftritts darstellt, sondern als Bandhymne ordentlich abgefeiert wird.

Setlist: Depths of Death, Mourir, Dogs of War, Kill the Witch, Sentinel Beast, Corpse, Beyond the Walls, Sacred Line, Evil Is the Night

[Julian Rohrer]

 

Erstkontakte mit Bands bei einem Festival sind ja so eine Sache, denn oft ist man mit den Bands, die man kennt und sehen will schon ausgelastet genug und gönnt sich lieber eine Pause. Da ich aber schon im Vorfeld von nicht wenigen auf die zu erwartenden Livequalitäten von OSTROGOTH aufmerksam gemacht werde bleibe ich doch neugierig in der Halle. Bislang weiß ich nur, dass es sich um Belgier und "europäisch klingenden Metal" (was viel heißen könnte) handelt. Schon bei den ersten Takten herrscht eine super Stimmung in der Halle, die sich im Lauf der Show nicht nur hält sondern sogar steigert, am Ende sind fast alle Anwesenden am bangen, grooven oder mitwippen, selten habe ich so viel positive Energie und Bewegung in der Tauberfrankenhalle erlebt. Dabei punktet die Band gleich mehrfach: OSTROGOTH spielen melodiegeladene, ernergetisch-stampfende, flotte Rocker, die man beim ersten Hören schon wie selbstverständlich kennt, 'Paris By Night' ging mir auch zwei Tage später kaum aus dem Ohr. 

So hat man mitsingkompatible Refrains zu bieten, die in kraftvoll nach vorne rockende Songs gepackt werden, die die Silbe "Power" vor dem Metal in allen Poren atmet. Dazu gesellt sich eine tolle Gesangsleistung von Sänger-Neuzugang Josey Hindrix, dem wie dem Rest der Band die Spielfreude und der Spaß auf der Bühne deutlich anzusehen ist und der die Meute gut anheizen kann. Anzumerken sind auch die bockstarken Backingvocals, die die meisten Songs nochmals gehörig melodisch veredelten, ein Fakt mit dem man scheinbar nicht nur bei mir zu punkten weiß. Jubel und Beifallstürme für die Band gibt es jedenfalls zuhauf, ein deutliches Zeichen, dass nicht nur ich viel Spaß mit OSTROGOTH habe.

Setlist: Heroes' Museum; Scream Out; Lords of Thunder; The New Generation; Full Moon's Eyes; Paris by Night; Queen of Desire; Ecstasy and Danger; Rock Fever

[Simon Volz]


Nach dieser bockstarken Darbietung der belgischen Haudegen ist es nun endlich soweit. Mit schlappen zwei Jahren Verspätung mischt nun endlich WHIPLASH das Publikuma uf (die Band sagte 2010 aus fragwürdigen Gründen ab). Rein optisch sorgt Frontbiest Tony Portaro (Gitarre und Gesang) mit einem Cowboyhut im Camouflage-Look auf der Birne und ellenlangen Bart-Zöpfchen in bester Scott Ian-Manier zunächst für leichte Irritationen. Diese lösen sich in Bälde jedoch in Wohlgefallen auf, denn die Eröffnungsnummer 'Last Man Alive’ wird motiviert und vor allem mit Dampf im Kessel aggressiv zum Besten gegeben. Die beiden Neuzugange Dank DeLong (Bass) und Dan Foord (Schlagzeug) peitschen das einzig verbliebene Original-Mitglied mit ihrer arschtighten Rhythmus-Abteilung an. Tony Portaro zeigt sich stimmlich in guter Verfassung und shoutet entsprechend angefressen in sein Mikrophon. Und die Kuttenträger-Fraktion geht - wie sollte es anders sein? - natürlich zu herrlich rüdem Gedresche der Marke 'War Monger' (YES!!!!) oder 'Stage Dive' ab wie Schmidts Katze. In den vorderen Reihen lecken die Moshpit-Verrückten Blut; sie wirbeln regelrecht hypnotisiert grinsend im Pit rempelnd herum. Auch stimmungstechnisch tischen die US-Thrasher bemerkenswert auf. Mit 'Stab' sowie dem coolen 'Killing On Monroe Street' gibt es übrigens nur zwei Stücke "neueren" Datums (beide Tracks stammen von der gelungenen Langrille "Thrashback" aus dem Jahr 1998). Das aktuelle, gutklassige Comeback-Scheibchen "Unborn Again" (2009) wird dagegen komplett außen vor gelassen ("Old-School-Show"), was allerdings nicht schmerzt, wenn WHIPLASH zu göttlichen Vorschlaghämmern wie 'The Burning Of Atlanta' ansetzen. Und eben dieser Über-Thrasher wird besonders rabiat heruntergebolzt...einfach nur geil! Das konstant hohe Stimmungs-Level wird mit Krachern der Kategorie 'Walk The Plank' locker gehalten, so dass es umso bedauerlicher ist, dass die vorgesehene Spielzeit von nur einer dreiviertel Stunde ratzfatz zu Neige geht. Mit 'Power Thrashing Death' gibt es noch eine alte Nummer des legendären Erstlings "Power And Pain" (1985) und dann ist die Thrash-Party auch schon vorbei. Leider, möchte ich hinzufügen. Denn dieser Auftritt hatte mächtig Eier. WHIPLASH kamen, spielten und zerstörten. Mit einer derartigen Abfahrt war nicht unbedingt zu rechnen.

Tracklist: Last Man Alive/ War Monger/Spit on Your Grave/ Killing On Monroe Street/ Stage Dive/ The Burning of Atlanta/ This/ Walk the Plank/ Power Thrashing Death

[Martin Loga]



Auf den Auftritt von TENSION habe ich mich neben PSYCHOTIC WALTZ am meisten gefreut. Einfach, weil ich Tom Gattis bisher erst ein einziges Mal mit seiner damaligen Band WARDOG auf dem Bang-Your-Head-Festival sehen konnte. Und Tom-Gattis-Metal, wie ich ihn gerne nenne, ist ein extrem gern gehörtes Subgenre im Hause Andrae. Und als Tom Gattis gleich zu Beginn die Hymne 'One Nation Underground' heraus haut, ist klar, dass dies ein sehr mitreißender Auftritt werden wird. Zu meiner großen Freude ist die Zahl derer, die völlig hemmungslos bereits diese Nummer abfeiern, sehr groß. Ein Umstand, der die offenbar eh schon hoch euphorisierten Musiker auf der Bühne um ein weiteres anstachelt. 'Wrecking Crew' ist programmatisch, denn TENSION zeigen in Sachen Spielfreude heute allen Mitstreitern, wo der Hammer hängt. Es ist eine wahre Freude die Herrschaften frisch und routiniert da oben auf den Brettern, die den Metal bedeuten herum wirbeln zu sehen. Keine Spur von Alterserscheinungen oder Langeweile. Hier merkt man zu jeder Sekunde, wie heiß die Band aktuell wieder ist. Die im Netz mit zu verfolgenden Proben der letzten Monate ließen einiges erwarten, aber dies hier übertrifft jede Erwartungshaltung. Im Vorfeld war ich gespannt, ob die Band lediglich das superbe Material der Longplayer spielen würde. Die nächste Nummer beantwortet diese Frage. 'Death Dentence' stammt von der niemals offiziell erschienen "Epitome" EP aus dem Jahr 1987. Die Nummern dieser Knüllerscheibe stehen als Bonus auf dem "Epitaph" Silberling. Mein Nacken schmerzt. Da kommt das epische 'Angels From The Past' als Verschnaufpause sehr gelegen. Gegen Heiserkeit am nächsten Tag ist diese Nummer aber leider auch ungeeignet. Immer wieder schwirrt mir die Frage im Kopf herum, wieso die Band mit solchem Material in der Hinterhand damals nicht durch starten konnte. Aber für lange Grübeleien lässt ein Knaller der Marke 'Shock Treatment' natürlich keine Zeit. Man merkt, wie gut die Musiker aufeinander eingespielt sind. Das ist blindes Verständnis. Hier stehen nämlich ausschließlich Mitglieder aus den frühen Phasen der Band auf der Bühne. Drummer Billy Giddings ist das einzige konstante Mitglied sämtlicher DEUCE und TENSION-Phasen, Basser Michael Francis, der für den erkrankten Tim O'Connor relativ kurzfristig eingesprungen ist, war ebenfalls eine Weile DEUCE-Tieftöner und Zweitklampfer Petio Petev hat Tom bereits bei BALLISTIC unterstützt. Ihr seht, hier stehen keine zufällig gewählten Mitmusiker, sondern allesamt ehemalige Kollegen, die den entsprechenden Zeitgeist im Hinterkopf haben. Sensationell. Und so kann eine steinalte Kamelle wie das nachfolgende DEUCE-Stück 'Telemann's 3rd' auch nur gewinnen. Ich freue mir ein zweites Löchlein ins Gesäß und bin erstaunt, wie viele Freaks im Publikum diese Nummer zu kennen scheinen. Wenn man bedenkt, dass die Nummer bereits aus den späten 70ern stammt, kann man das fast visionär nennen. Weiter im Takt geht es mit dem bekannten 'Seduced' bis uns der Speedkiller 'Reach For Your Sword' ins Nirwana pustet. Dann ist leider Schluss. Trotz einer frenetisch geforderten Zugabe. Das hätte gern noch eine ganze weile so weiter gehen könne. Für mich neben den WALTZERN die absoluten Sieger des Festivals. Bitte bald wieder kommen!

Setlist: One Nation Underground;Wrecking Crew;Death Sentence;Angels From The Past;Shock Treatment;Telemann's 3rd;Seduced;Reach For Your Sword

[Holger Andrae]

 

TYTAN - eine Band mit nur einem Album so weit oben auf dem Billing? Ja, darf der Oli das denn? Ja, der Oli darf das. Denn trotz des besagt überschaubaren Outputs der Band passt sie an dieser Stelle stilistisch ausgezeichnet hinein, und es dürfte auch niemanden wundern, der das Album "Rough Justice" kennt, dass durchaus einige Erwartungen an die Briten geknüpft werden. Bereits beim Intro ist klar, dass der absolute Überhit des Albums gleich zu Anfang gespielt wird. Für mich eine Überraschung. Andererseits ist es am zweiten Tag und als viertletzte Band des Festivals wohl auch besser, nicht zu taktieren, sondern in die Vollen zu greifen. Mit 'Blind Men And Fools' und dem nachfolgenden 'Money For Love' tut man nichts anderes. In den 45 Minuten ihres Gigs zieht die Band dann auch viele der anfänglichen Skeptiker auf ihre Seite, denn der Auftritt verbreitet allgemein gute Laune. Dass es keine besondere Show oder Performance gibt, kann man dabei verschmerzen, aber das ist unter anderem auch der Tatsache geschuldet, dass nur noch die Fischerchöre mehr Mitglieder zu haben scheinen als die Engländer. Wenn das jetzt schlimmer Frickelprog wäre, würde ich ja nichts sagen, aber ganz ehrlich: hierfür braucht man keine drei Gitarren plus Keyboarder. Aber die kuschelige Enge auf der Bühne tut der Stimmung keinen Abbruch, denn die halbe Halle singt aus voller Kehle Gassenhauer wie 'Women On The Frontline' oder 'Cold Bitch' mit und nachher sind sich eigentlich alle einig: Das war schön.

Setlist: Blind Men and Fools, Money for Love, Cold Bitch, Rude Awakening, Don't Play Their Way, Sadman, Far Cry, Forever Gone, Women on the Frontline, The Watcher, Far Side of Destiny, Find the Cost of Freedom

[Frank Jaeger]

 

ANVIL habe ich schon seit Jahren nicht mehr live gesehen. Seltsam eigentlich, denn Gelegenheiten hätten sich ausreichend geboten. Und die Band zählte mit ihren unsterblichen Klassikern "Metal On Metal" und "Forged In Fire" zu meinem Sozialisierungsprogramm in den frühen 80er Jahren. Da das aktuelle Album "Juggernaut Of Justice" ebenfalls rattenscharf klingt, bin ich sehr gespannt auf den Auftritt des Trios, welches heute neben dem unzertrennlichen Duo Lips/Robb Reiner noch aus Sal Italiano am Bass besteht. Den guten Mann wird der eine oder andere eventuell noch aus seiner Zeit bei den New Yorkern CITIES kennen. Ob der gute Herr Weinsheimer da wohl schon gleich die nächsten Kontakte für zukünftige Festivitäten ausgehandelt hat? Man weiß es nicht. Ich würde mich über einen Auftritt der Band, die mit ihrem einzigen Album "Annihilation Absolute" einen Semi-Klassiker abgeliefert hat [große Zustimmung! - ML], sehr freuen. Aber das soll hier nicht das Thema sein. Hier geht es um ANVIL und diese legen furios mit dem Instrumental 'March Of The Crabs' los, welches sofort in '666' übergeht. Die Fans feiern und Onkel Lips grinst sich die Mundwinkel blutig. Der gute Mann hat offensichtlich seinen Spaß. Klar, er lebt den Metal wie kaum ein anderer und er befindet sich im Heavy-Metal-Traumland. Nach dem erstklassigen Titelsong des aktuellen Albums ballert das Trio den meinen Lieblingssong 'Winged Assassins' aus den Boxen. Kopfgewackel Galore. Es ist aber auch eine wahre Freude mit anzusehen, wie Robb Reiner nach allen Regeln der Kunst sein Drumkit vermöbelt. Herrlich. Beim mystisch-langen 'This Is Thirteen' gibt es eine Verschnaufpause fürs Publikum, welches beim kultigen 'Mothra' wieder total steil geht. Leider begeht die Band hier den Fehler, einen zu langen Solospot einzubauen. So etwas nimmt einem verhältnismäßig kurzen Auftritt etwas den Fluss. Da hilft auch die nachgeschobene Mitsing-Einlage nicht wirklich, um die Menge wieder auf die Ursprungseuphorie zurück zu pushen. Und so ist das nachfolgende 'On Fire' leider nicht die erhoffte Umschreibung für den Zustand der Halle. So gern ich jetzt positivere Worte schreiben würde, bleibt mir nichts andere übrig, als auch beim eigentlich tollen Instrumental 'Swing Thing', welchem natürlich die Bläser fehlten, von einer weniger begeisternden Meute zu sprechen. Und wenn es dann auch noch ein nicht besonders spektakuläre Drumsolo von einem Schlagzeuger gibt, dessen Qualitäten jeder in der Halle eh zu schätzen weiß, dann verstehe ich ganz einfach die Songauswahl nicht. Mit dem nachfolgenden 'Metal On Metal' merkt man sofort, worauf die Fans warten: Auf eben diese Hymnen. Dankbar grölen ein paar Hundert Kehlen den kompletten Text mit und ich freue mich für ANVIL, die dann allerdings abschleißend keinen Killer der Sorte 'Motormount', 'Forged In Fire' oder 'School Love' aus dem Köcher ziehen, sondern lieber 'Running' spielen. Muss ich nicht verstehen.

Setlist: March Of The Crabs; 666; Juggernaut Of Justice; Winged Assassins; This Is Thirteen; Mothra; On Fire; Swing Thing;Metal On Metal, Running


Dieses Jahr gibt es die Fortsetzung des NWoBHM-Anniversary Sets. Alle sind gespannt, welche kultigen Gäste Veranstalter Oliver Weinsheimer dieses Mal aufgetan hat, denn darin hat der gute Mann immer ein gutes Händchen bewiesen. Klar ist lediglich, dass die Kollegen von ROXXCALIBUR die Backing Band stellen werden. Und so harren wir alle gebannt, mit Gerstenkaltschalen zum Ölen der anstehenden Karaoke-Veranstaltung in den Händen und schauen mit großen Augen zur Bühne wie Kinder bei der Weihnachtsbescherung. Als Terry Dark mit dem Gitarristen seiner Band JAMESON RAID die Bühne betritt, wird er mit frenetischem Jubel begrüßt. Als beide dann eine akustische Version ihres Hits 'Seven Days Of Splendour' bringen, laufen sicherlich nicht nur mir angenehme Schauer über den Rücken. Was für eine Nummer. Noch immer. Kurz darauf stimmen ROXXCALIBUR mit ein und liefern uns einen sehr stimmungsvollen Auftakt. Daraufhin präsentiert sich Terry als Conferencier, der uns im weiteren Verlauf durch das Programm führen wird. Exzellente Wahl und Umsetzung. Und der erste Gentleman, der von Terry vorgestellt wird, ist kein Geringerer als Paul Gaskin. Da jener auch heute immer noch aktiv ist, stellt die gesangliche Darbietung des GASKIN-Klassikers 'I'm No Fool' natürlich keine Hürde für ihn da. Das Publikum sieht es genau so und so sieht man beim knackigen Chorus etliche Fäuste nach oben schnellen. So kann das gern weiter gehen. Tut es auch, denn mit Glenn Coates hat man einen Sänger ausgegraben, der gleich bei zwei NWoBHM-Legenden ins Mikrophon jodeln durfte. Und so ist der gute Mann auch gleich doppelt am Start. Zuerst bekommen wir den FIST-Smasher 'Turn The Hell On' serviert, welcher ebenfalls exzellent aufgenommen wird.

 

Das anschließende 'Flying High' von HOLLOW GROUND scheinen dann allerdings zumindest in meinem Umfeld nicht viele zu kennen, denn die Reaktionen sind eher verhalten. Vielleicht müssen viele auch nur nach ihrem Einkaufszettel suchen, um diese Band zu notieren. Weiter im Takt geht es mit Carl Sentance und 'Rindin' High' von PERSIAN RISK. Die Menge kommt in Fahrt. Kein Wunder bei solchen Knallern. Wenn man bedenkt, welche Musiker schon in dieser Band gespielt haben, ist es mehr als erstaunlich, wie wenig Profit PERSIAN RISK daraus ziehen konnte. So hat Carl, der ja auch schon bei KROKUS, TOKYO BLADE und TREDEGAR gesungen hat, hier mal ein paar Minuten ein kleines Gefühl von entgegen gebrachter Anerkennung. Es sei ihm sehr gegönnt. Wie auch dem nächsten Gast. Denn Mark Sutcliffe hat mit TRESPASS etliche Hymnen geschrieben, die niemals groß geworden sind. Eine davon hört auf den Namen 'One Of These Days' und ich scheine nicht der einzige zu sein, der diese Nummer als Überschrift des Festivaltages betrachtet;"einer dieser magischen Tage". Ganz egal, wie man es betrachten mag, dieser Track ist die Macht und genau deshalb ist die Halle hier auch am Kochen. Wobei der Siedepunkt noch nicht ganz erreicht zu sein scheint, denn erst als Mister Dark einen gewissen John Mortimer auf die Bühne holt und dieser mit der Mimik eines Irren zuerst 'Death Or Glory' und dann 'Heavy Metal Mania' singt, scheint Kondenswasser von der Decke zu tropfen. Um mich herum verfallen alle in totale Ekstase und wirklich jeder singt mit. Da stört es niemanden, dass John die Nummern im Original gar nicht eingesungen hat, denn wer erinnert sich schon an Gary Lettice? Eben. John Mortimer ist und bleibt das personifizierte HOLOCAUST und mit seiner aktuellen, jäh ergrauten Mähne unterstreicht er dies auch optisch wunderbar. Ein magischer Moment, den Chris Bradley und Steve Dawson von SAVAGE mit ihrem 'Let It Loose' nicht toppen können. Und das, obwohl man hier mal eben einen der ersten Speed-Metal-Songs am Start hat. Irgendwie scheint die Band hier aber leichte Timing-Probleme zu haben. Oder ist man aufgrund der Stimmung in der Halle so aufgeheizt, dass man sich gegenseitig überholen möchte? Kennt man ja eigentlich nur von SLAYER, wenn es Blut regnet. Egal, denn sympathisch ist so etwas ja eh immer. Zur Abkühlung gibt es nun das Bruder-Doppel aus dem Hause PRAYING MANTIS. Tino und Chris Troy legen 'Panic In The Streets' und natürlich 'Captured City' aufs Parkett. Endlich darf auch ROXXCALIBUR-Fronter Alex ran. Und der gute Mann beweist so gleich, was er drauf hat. Toll. Und da Tino heute Geburtstag hat, ist die Stimmung auf der Bühne obendrein auch noch extrem ausgelassen.

 

Alle treten das Spaßpedal bis zum Anschlag durch und feiern mit ihm. Auch das Publikum. Selbst das Nichterscheinen von angesagten SAXON-Musikanten kann die Stimmung nicht schmälern, denn 'Motorcycle Man' und das hymnenhafte 'Princess Of The Night' werden abgefeiert als würde man sie seit zehn Jahren zum ersten Mal hören. Und wenn man denkt, der Peak wäre schon erreicht, kennt man den Veranstalter dieser reizenden Tanzveranstaltung schlecht. Denn was nun kommt, ist der pure Wahnsinn. TENSION-Fronter und MAIDEN-Verehrer Tom Gattis zelebriert mit Original Jungfrauen-Gitarrist Dennis Stratton 'Prowler', 'Remember Tomorrow' und 'Iron Maiden'. Unfassbar großartig. Das hat Feuer, Biss, Spielwitz und Energie. Die Halle kocht über, alle singen mit. Das wäre bei der gebotenen Leistung von Mister Gattis aber gar nicht notwendig, da dieser mit dem beseelten Gesichtsausdruck eines glücklichen Kindes in der Di'Anno-Hochphase wildert, ohne sich zu blamieren. Das klingt richtig gut. Und Dennis Stratton fegt mit der Energie eines überhitzten Dampfbügeleisens über die Bretter, posiert wie ein ganz Großer – der er ja eigentlich sein sollte – und feuert die dampfende Meute immer weiter an. Ein mehr als würdiger Abschluss einer hoch emotionalen Geschichte, die als Auftakt für die Dinge, die jetzt noch kommen sollen mehr als gelungen anzusehen ist.

Setlist:

JAMESON RAID 'Seven Days Of Splendour' (Terry Dark/Peter Green)
GASKIN 'I'm No Fool' (Paul Gaskin)
FIST 'Turn The Hell On' (Glen Coates)
HOLLOW GROUND 'Flying High' (Glen Coates)
PERSIAN RISK 'Ridin' High' (Carl Sentence)
TRESPASS 'One OF These Days' (Mark Sutcliffe)
HOLOCAUST 'Death Or Glory' (John Mortimer)
HOLOCAUST 'Heavy Metal Mania' (John Mortimer)
SAVAGE 'Let It Loose' (Chris Bradley/Andy Dawson)
PRAYING MANTIS 'Panic In The Streets' (Tino und Chris Troy)
PRAYING MANTIS 'Captured City' (Tino, Chris und Alex Stahl)
SAXON 'Motorcycle Man' (Roxxcalibur)
SAXON 'Princess Of The Night' (Roxxcalibur)
IRON MAIDEN 'Prowler' (Dennis Stratton, Tom Gattis)
IRON MAIDEN 'Remember Tomorrow' (Dennis Stratton, Tom Gattis)
IRON MAIDEN 'Iron Maiden' (Dennis Stratton, Tom Gattis)

[Holger Andrae]

 

Endlich. Endlich ist es soweit. JOHN ARCH und JIM MATHEOS headlinen das "Keep It True". Ein Traum, der in Erfüllung geht. Für Organisator Oliver Weinsheimer. Für zahlreiche der Metalheads aus ganz Europa. Und doch schwingt das ganze Wochenende eine gewisse Skepsis und Angst mit, wenn die Sprache auf den Gig kommt. Dass John Arch Bühnenangst hat, ist den meisten Metallern bekannt und so haben nicht wenige die Befürchtung, dass er kurzfristig doch nicht auftreten wird. Die Spannung vor dem Gig ist also greifbar und wird nicht geringer, als die Bühne in der Umbaupause mit Vorhängen abgedeckt wird. "Und wenn er nur hinter dem Vorhang singt, auch egal!", hört man mehr als einmal. Doch um kurz vor elf verschwinden die Vorhänge wieder und es wird dunkel. Schon der aufbrausende Jubel dürfte John Archs Ängste etwas lösen. Joey Vera, Bobby Jarzombek, Frank Aresti und Jim Matheos sind heute nur schmückendes Beiwerk. Die Augen sind sämtlich auf John Arch gerichtet. Und doch setzt leichte Verwunderung ein, als die ersten Zeilen von 'Neurotically Wired' vom Band kommen. Doch spätestens als John ans Mikro springt und mit seiner Stimme auch livehaftig einsetzt, sollte die Euphorie vollends um sich greifen. Allerdings entpuppen sich sowohl 'Neurotically Wired' als auch 'Midnight Serenade' nicht gerade als Auftaktbomben. Der Gesang ist etwas leise abgemischt, die Songs wirken live eher noch vertrackter als auf dem großartigen "Sympathetic Resonance" und die Ungläubigkeit endlich und tatsächlich John Arch auf der Bühne zu sehen, lassen die Masse noch nicht ausrasten. John ist hingegen die Nervosität kaum anzumerken.


Sein Stageacting wirkt zwar etwas unorthodox und verrät mangelnde Bühnenerfahrung, aber dass er bis in die Haarspitzen motiviert ist, wird ebenso deutlich. Überhaupt präsentiert er sich als echter Frontmann. Seine Ansagen sind ihm offensichtlich eine wahre Herzensangelegenheit und seine Dankbarkeit gegenüber den Fans in jedem Wort zu spüren. Wenn er davon spricht, dass er früher nicht verstanden hat, wie viel seine Musik den Menschen bedeutet hat, ihm dies aber über die Jahre immer bewusster geworden ist, dann ist das wohl nichts anderes als die Wahrheit. Genau wie die Aussage, dass er ohne die fantastischen Fans diesen Abend wohl nicht durchstehen würde. Und diesen Dank haben wir Fans auch verdient. Bei 'The Sorceress' erreicht die Stimmung ihren ersten Höhepunkt, die Menschen liegen sich singend in den Armen und feiern John nach allen Regeln der Kunst ab. 'Stained Glass Sky' drückt die Stimmung aufgrund der enormen Komplexität noch einmal etwas, aber allerspätestens ab 'Damnation' ist dieser Headlinergig exakt der mystisch-geniale Wunderauftritt, den wir uns alle erhofft haben. Das überträgt sich auch mehr und mehr auf John, der mit jeder Note sicherer und souveräner wirkt und sich im Grunde im Sekundentakt noch steigert. Natürlich klingen die Songs nicht wie auf dem Album, aber die Gesangslinien verlieren absolut nix von ihrer Originalität und ihrer Magie. Bei 'The Apparition' verschlägt es John dann auch einmal glatt die Sprache, weil die komplette Halle mitsingt. Seine riesigen Augen und der offene Mund können die Verwunderung und die pure Glückseligkeit nicht verbergen. 'Any Given Day' kann dann als einziger der neuen Songs das Stimmungslevel halten und John brilliert vor allem in dem verborgenen Chorus. Wahnsinn. Was dann folgt, ist mit drei Worten zu beschreiben: 'Guardian', 'Epitaph', 'Exodus'. Hier wird nicht nur mitgesungen und geheadbangt. Jetzt fließen Tränen. Es sind Momente wie diese, die das "Keep It True" zum besten und ungewöhnlichsten Festival in Deutschland machen, diese Erinnerungen, von denen man tage- und monatelang zehrt und von denen man nicht nur in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten spricht, sondern, wo wir uns auch in 30 Jahren noch versammeln und das Gespräch beginnen mit "weißt du noch, John Arch auf dem KIT 2012?" und wir dann unseren Enkeln davon erzählen. Mit Stolz und Wehmut. Danke, John, Jim, Frank, Bobby, Joey & Oliver, dass wir hier und heute dabei sein durften.

 

Setlist: Neurotically Wired, Midnight Serenade, The Sorceress, Stained Glass Sky, Damnation, The Apparition, Any Given Day, Guardian, Epitaph, Exodus

[Peter Kubaschk]

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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