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LINKIN PARK - Oberhausen

06.12.2014 | 10:20

09.11.2014, König-Pilsener Arena

Von der Kinderzimmer-Rebellion meiner frühen Teenager-Zeit merkt man LINKIN PARK nichts mehr an, dafür gibt es eine mehr als ordentliche Liveshow vor fast ausverkauftem Haus. Trotz des langweiligsten Gitarristen aller Zeiten.

Was habe ich "Hybrid Theory" von LINKIN PARK geliebt. Das war genau der Soundtrack, der mich in meinem Kinderzimmer durch die Gegend hat springen lassen. Auch "Meteora" gehörte in den Walkman, der perfekt in die Hintertasche meiner Baggy passte. Danach hat die Band jedoch stark abgebaut. "Minutes To Midnight" war ordentlicher Alternative Rock, der nicht mit den beiden Vorgängern mithalten konnte. Die beiden Electro-Rock-Nachfolger kann man beinahe komplett in die Tonne kloppen. Erstaunlicherweise hat LINKIN PARK mit dem sechsten Album "The Hunting Party" den einstigen Biss teilweise wiedergefunden. Wird also Zeit, dass ich die Helden des Kinderzimmers endlich einmal live sehe.

Die Königs-Pilsener-Arena in Oberhausen ist am heutigen Sonntagabend sehr gut gefüllt. Die Ränge sind nahezu komplett ausverkauft und auch im Innenraum ist hinten nur wenig Platz. Das Publikum überrascht mich dann doch sehr. Ich habe ja viele Mitt-Zwanziger und Teenies erwartet, tatsächlich könnte so ziemlich jeder Besucher, der auf der Tribüne neben mir sitzt, locker auf eine Ü-40-Party gehen.

Das kann ja was werden, da der Opener OF MICE & MEN mit seiner brachialen Mischung aus Metalcore und Nu Metal um einiges härter agiert als der Headliner. Ich bange bereits um die Nerven der Dame neben mir, als die Band mit 'Public Service Announcement' loslegt. Generell ist das Publikum zunächst etwas steif und kann sich nur für gönnerischen Applaus begeistern. Frontmann Austin Carlile hingegen schafft es, nach und nach die Leute auf seine Seite zu ziehen. Besonders bei wilden Nummern wie 'The Depth' oder 'Bones Exposed' kann er die Massen zum Hüpfen ermutigen. Mutti neben mir hat auch Spaß und knipst während des 35 Minuten langen Sets fleißig Fotos von den jungen Wilden. Es würde mich wundern, wenn hier nicht so manch neuer Fan überzeugt worden ist.

Nach einer halbstündigen Umbaupause, die mit TOOL, AT THE DRIVE-IN, GHOST und anderen Perlen verkürzt wird, gehen die Lichter der Halle aus und LINKIN PARK lässt das Intro durch die Boxen schallen. Mit der neuen Nummer 'Guilty All The Same' eröffnet die Band sehr stark und in Anbetracht ihrer letzten Alben verhältnismäßig hart. Im Gegensatz zur Vorband ist das Publikum hier sofort munter auf den Beinen und mehr als euphorisch. Mutti neben mir steht jetzt, knipst und filmt fleißig, auch wenn ihr das Selfie mit der Bühne im Hintergrund nicht so ganz gelingen will.

Es fällt schon auf, dass die Band die wilden Tage hinter sich hat. Auch wenn viele Nu-Metal-Kracher vom Debütalbum gespielt werden, könnte sich die Truppe schon bissiger zeigen. Besonders Gitarrist Brad Delson ist noch lahmarschiger als Mick Mars von MÖTLEY CRÜE. Der Mann läuft ganz gemütlich über die Bühne und schrabbelt munter seine Akkordfolgen. Biss und Spaß kann man irgendwie nur wenig bei ihm erkennen. Außerdem finde ich es irgendwie komisch, wenn der Hauptgitarrist einer Rockband Ewigkeiten beide Arme in der Luft haben kann, ohne auch nur einen Ton spielen zu müssen. Co-Sänger Mike Shinoda hingegen hat wesentlich mehr Bühnenpräsenz, wenn er die Klampfe in der Hand hat. Ebenfalls etwas befremdlich wirkt, dass viele Songs gekürzt oder in Medleys verwurstet werden. Bei Hits wie 'Crawling' oder 'What I've Done' fehlt jeweils die komplette zweite Strophe. Dafür überzeugt die aufwendige Lichtshow vollkommen. Was LINKIN PARK an Effekten in die Show integriert, ist der Arena-Kulisse mehr als würdig.

Die Setlist ist ein passabler Mix aus allen Alben, auch wenn "Meteora" erstaunlich kurz kommt. Nur 'Numb' und 'Faint', bei welchem sich Chester Bennington von OF MICE & MEN-Fronter Carlile in Grund und Boden brüllen lässt, stammen von dem erfolgreichen Zweitwerk. Der Fokus liegt klar auf dem ersten und letzten Album der Jungs. Leider wird auch viel Material von "A Thousand Suns" und "Living Things" in Medleys oder gekürzten Formen dargeboten. Besonders bei diesen Radio-Nummern hat Mutti richtig viel Spaß und legt ein paar flotte Tanzschritte hin. Immerhin über 25 Songs (ohne Intro und Solos) in knapp mehr als 100 Minuten kann sich der Fan freuen.

Auch wenn ich vielleicht etwas über LINKIN PARK in diesem Bericht gemeckert habe, wurde ich bestens unterhalten. Die 100 Minuten waren sehr kurzweilig. Allerdings hätte ich mir aus nostalgischen Gründen wohl etwas mehr Material von den ersten beiden Alben gewünscht. Aber das sieht Mutti sicherlich anders.

Redakteur:
Sebastian Berning
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