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LORDI - Köln

28.03.2015 | 20:42

01.01.1970, Essigfabrik

The Monsterican Dream!

Mr. Lordi lädt wieder zur Monstershow ein. Im Gepäck hat LORDI das neue Unheil "Scare Force One" und musikalische Unterstützung von SINHERESY sowie PALACE. So macht die Monsterbrigade auch kurz nach Karneval Halt in Köln, das jedoch noch nicht richtig in Stimmung zu sein scheint. Anders kann ich es mir die Tatsache nicht erklären, dass eine eher geringe Zuschauermenge den Weg in die Essigfabrik gefunden hat und im Publikum somit einige Löcher klaffen. Doch sei's drum, die Bands machen allesamt das Beste aus dieser bescheidenden Situation und unterhalten zumindest diejenigen, die sich am Abend des Aschermittwochs noch einmal in der Karnevalshochburg versammelt haben. Die Monster werden es ihnen auf ihre Art danken, aber der Reihe nach.

Zunächst liefern die speyerer Metaller PALACE mit ihrer äußerst kraft- und riffbetonten Ausrichtung ein ordentliches Brett ab. Köln ist recht schnell fasziniert von den Jungs, gehören sie doch zu den erfahrenen Hasen im Heavy-Metal-Zirkus und können bereits aus sieben Studioalben zurückblicken. Entsprechend souverän, aber auch spielfreudig, werfen Klampfer HP Bax... eh...Piller und Kumpanen Brecher wie das beginnende 'Rot In Hell', 'Bloodshed Of Gods' und 'Dark Prophecies' in die Menge, die es mit sehr viel Beifall würdigt. Es wird stellenweise gebangt, die eine oder andere Pommesgabel verirrt sich auch in den Kölner Nachthimmel und mit 'The Healer' und 'Machine Evolution' schließt PALACE diesen durch und durch guten Auftritt nach nur 30 Minuten leider viel zu früh ab.

Als nächstes steht mit SINHERESY eine Band auf dem Speiseplan, die wohl grob in die symphonische Melo-Metal-Schublade zu stecken ist. Doch auch wenn jene von der Ausrichtung nicht so ganz zum heutigen Abend passen will, ist die Essigfabrik zumindest zum Teil auf der Seite der Italiener. Parallelen zu NIGHTWISH, WITHIN TEMPTATION und Co. kommen auch am Aschermittwoch durchaus häufig in den Sinn, Stefano, Cecilia und die restliche SINHERESY-Familie machen dennoch eine gute Figur, auch wenn die Stimmung bei PALACE etwas besser war. Die beiden Frontleute ergänzen sich ganz gut, Songs wie 'Made For Sin', 'Elua’s Gift' und 'Temptation Flame' verdienen durch die Bank weg das Prädikat “ganz nett“, tun keinem weh, sorgen aber auch für keine Euphoriestürme und exstatische Jubelarien. Es wird nach jedem Song brav geklatscht, unauffällig auf die Uhr geschaut und nach einer knappen halben Stunde ist auch dieses Szenario vorbei.

Zwei Stunden vor der Geisterstunde ist es aber soweit, ein kleines bisschen Horrorshow wird den Abend äußerst atmosphärisch und spannend ausklingen lassen. Das lange Intro vor 'Nailed By The Hammer Of Frankenstein' sorgt für einen atmosphärischen Beginn, die Monster entern die Bühne der Essigfabrik, die zum ersten Mal an diesem Abend endlich etwas lauter wird und anscheinend auftaut. LORDI ist und bleibt eine äußerst unterhaltsame Live-Band, bei der viele Kleinigkeiten und Besonderheiten ein gelungenes Rahmenprogramm bilden. So auch heute, wenn ein unheimlicher Kinderwagen auf die Bühne rollt, Kunstblut jene verschönert, Mumien und Zombies selbige entert und Mr. Lordi und sein Gruselkabinett zum Tanz bittet. Mit 'Sir, Mr. Presideath, Sir', 'Hell Sent In The Clowns' und 'How To Slice A Whore' wird eine toller Querschnitt des neuen "Scare Force One"-Materials mit alten Schinken der Marke 'It Snows In Hell', 'Deadache' und des fantastischen 'Blood Red Sandman' zu einer tollen Setliste zusammengeknüpft, sodass auch wahrlich jeder Anwesende vollends auf seine Kosten kommt. Es wird geklatscht, geschunkelt und vor allem gegruselt. Auch die Kostüme der Finnen verdienen ob der Detailgenauigkeit eine besondere Erwähnung, sind sie doch das Salz in der Suppe, die LORDI heute serviert. 'Man Skin Boots' und 'Not The Nicest Guy' machen im weiteren Verlauf ebenso viel Spaß wie der mittlerweile etwas ausgelutschte Hit 'Hard Rock Hallelujah' oder auch persönliche Lieblingsschinken wie 'Devil Is A Loser' und 'The Riff'. Nach knapp zwei Stunden, sehr viel Applaus und mehr als sympathischen Ansagen des Frontmonsters kehren nun auch die Protagonisten kurze Zeit später zurück in die Hölle, um mit dem Titelstück des neusten Gassenhauers, 'Who’s Your Daddy', und dem Grande Finale 'Would You Love A Monsterman' zur Zugabe anzusetzen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Fakt ist, dass LORDI aufgrund der tollen Leistung heute defintiv eine größere Zuschauermenge verdient gehabt hätte und trotz klaffender Lücken Vollgas gab. Diejenigen, die sich jedoch eingefunden haben, wurden bestens unterhalten und werden diesen Abend in besonderer Erinnerung behalten. LORDI ist einfach eine tadellose Live-Band, die von ihren Auftritten lebt und weiß, wie sie sich auf der Bühne zu verkaufen hat. Wer weiß, welchen Siegeszug die Monster vor ausverkaufter Hütte hingelegt hätten, Fakt ist jedoch, dass sich jeder in seinen monströsen Arsch beißen darf, der LORDI am heutigen Abend bzw. auf der gesamten "Scare Force One"-Tour verpasst hat. Ätsch.

Redakteur:
Marcel Rapp

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