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Lamb Of God/DevilDriver - Hamburg

12.12.2005 | 21:08

11.12.2005, Logo

Es gibt Dinge, die man einfach durchziehen muss, aller Irrationalität zum Trotz. So geschehen mit mir und meinem Trip in die Hanstestadt zur zweiten Deutschlandtour von LAMB OF GOD. Knapp vier Stunden Fahrt, alleine im Auto mit 12-fach CD-Wechsler und einem Arsch voll Aufgeregtheit. Denn nicht nur dass ich meine Helden aus 2004 endlich live erleben würde - mit THE AGONY SCENE und vor allem DEVILDRIVER hatten die Jungs von LAMB OF GOD zwei bombenstarke Supportbands im Handgepäck. Und so war ich etwas verwundert als sich bei meiner Ankunft am Logo (an dieser Stelle schönen Gruß an die Hamburger Städteplaner - das geht ja mal gar nicht!) nur knapp 15 Leute vor dem Eingang tummelten. Aber es war ja noch eine Stunde Zeit bis zum Einlass, und mit vorgerückter Stunde füllte sich das Logo auch relativ schnell. Denn als ich mein frisch erworbenes DEVILDRIVER/LAMB OF GOD-Fanpaket ins Auto geschleppt hatte, war es bei der Rückkehr schon schwer mit dem Durchkommen. Geht doch!

THE AGONY SCENE
Sich in der ersten Reihe zu parken war dennoch kein Thema, und pünktlich um 20:30 Uhr legten THE AGONY SCENE los. Und siehe da, selbst mir, der die Vorbands meist getrost abwartet, ging der Metalcore der Amis sofort ins Blut. In kompromissloser Schlag-auf-Schlag-Masche ballerten die Jungs alte wie neue Songs in die Menge und ernteten mehr als nur den Höflichkeitsapplaus. Mehr als fünf oder sechs Songs waren aber nicht drin, und ich war trotz der wirklich guten Musik auch froh drum. Denn DEVILDRIVER standen in den Startlöchern, die ich bisher nur magere 25 Minuten als Support von IN FLAMES hatte sehen dürfen. Damals waren die Reaktionen der Leute eher verhalten, heute aber hatte ich das Gefühl, dass mehr Leute wegen DEVILDRIVER als wegen LAMB OF GOD am Start waren.

DEVILDRIVER
Kaum dass die ersten Töne des Intros zu "End Of The Line" durch die Boxen hallten, wurde es reichlich eng um mich herum. Und als die Jungs dann die Ketten sprengten, begann ein wahrer Todestanz. Der absolut fette Zwitter aus Thrash, Death und Metalcore, der mit der neuen Platte noch mal eine Spur straighter geworden war, hatte den Effekt eines riesigen Quirls, der gnadenlos die Massen aufmischte. Pits soweit das Auge (im wirklich winzigen Logo) reichte, und auf der Bühne eine grandiose Band, ständig in Bewegung und würdig geleitet von meinem persönlichen Lieblingsfrontfreak, Bradley "Dez" Fafara. Der gute Mann war nicht zu halten, schrie sich die mit Sicherheit pestschwarze Seele aus dem Leib, hängte sich an die Deckenbeleuchtung und knuddelte jeden Stagediver, der auf die Bühne purzelte. Und das waren verdammt viele! Aber endlich kamen auch seine Bandkollegen mal zur Geltung. Neu-Gitarrist Mike Spreitzer, der mit Kapu aussieht wie die junge Version von MUDVAYNE-Fronter Chad Gray, stand den ganzen Gig über nicht still, und auch der Rest der Truppe gab sich spielfreudig, professionell und perfekt aufeinander abgestimmt. Die Songauswahl war eine gute Mischung aus alter und neuer Scheibe, von 'I Could Care Less' bis 'Driving Down The Darkness' war wirklich alles vertreten. Und ein wenig wurde ich das Gefühl nicht los, dass sich DEVILDRIVER ihrer Rolle als Geheimheadliner durchaus bewusst waren. Dez punktete in seiner Ansage zu 'Meet The Wretched' bei mir nochmal ordentlich mit den Worten "I want to see a goddamn circle pit all over this place. And I'm not talking about this fuckin' hardcore-kickboxing bullshit, I fuckin' hate this!" Der Mann spricht mir aus der Seele...

Setlist:
End Of The Line
Nothing's Wrong
I Could Care Less
The Mountain
Grinfucked
Ripped Apart
Hold Back The Day
Driving Down The Darkness
Meet The Wretched

LAMB OF GOD
Der Schweiß stand mir bis in die letzte Pore, und ich begann mich ernsthaft zu fragen, ob es nachdem Terror noch möglich wäre, die für extremes Moshing berüchtigten LAMB OF GOD heil zu überstehen. Blaue Flecken in Form des Wellenbrechers hatte ich eh schon überall. Beim Umbau ließ man sich nun ein wenig mehr Zeit, und einer der Crewmember "unterhielt" die Masse mit aberwitzigen Theorien über das Hamburger Nachtleben. Aber auch das nahm ein Ende, und zu Glockenschlägen und muslimischen Gesängen betrat der Headliner die Bretter des Logo. 'Laid To Rest' begann etwas holprig, aber kaum waren die Jungs in Fahrt, zwirbelten sie einen Kracher nach dem anderen durch den Laden. Interessanterweise blieben die befürchteten Extreme aus. Es war kein Stück mehr Platz als bei DEVILDRIVER, aber die Massen an Crowd-Surfern blieben aus. Verwunderlich, den die NWoAHM-Mucke der Virginia-Combo ist eigentlich genau dafür geschrieben und rockte live kein Stück weniger als auf Platte! Mit einer fetten Mischung aus allen drei Schaffensperioden nahmen LAMB OF GOD in anderthalb Stunden das Publikum systematisch auseinander. Dabei spielte es keine Rolle ob Highspeed-Fetzen wie 'Hourglass' oder '11th Hour' flogen, oder es wie bei 'Omerta' oder 'Vigil' eher getragen zuging - Hamburg drehte am Rad, und das zu Recht. Ich hatte mich körperlich ja eigentlich schon längst verausgabt, aber ich wollte die Chance natürlich nutzen, und so flogen nach vorne die Haare und nach hinten die Fäuste. Die Songauswahl war absolut erstklassig, selbst der wiedererstarkte BURN THE PRIEST-Klassiker 'Bloodletting' fehlte nicht. Aber mein Eindruck bestätigte sich: so sehr LAMB OF GOD sich auch bemühten, und so heftig die Masse auch abging, an die Intensität von DEVILDRIVER kamen sie nicht heran. Faszinierende Erkenntnis, und für mich auch völlig unerwartet, aber mit Sicherheit nicht unverdient. Was den Gesamtgenuss etwas trübte war der stetig mieser werdende Sound, und gegen Ende waren Randy Blythes Hassattacken trotz Gehörschutz nur noch übersteuerter Lärm. Nach todesmutigem Einsatz, welcher der Ergatterung von Mark Mortons Plektrum galt, schälte ich mich nach meinem Liebling 'What I've Become' schließlich aus der Masse, schnappte mir zwei Cokes und genoss mit 'Black Label' das Finale von außen, vollkommen am Ende.

Setlist:
Laid To Rest
Hourglass
As The Palaces Burn
Now You've Got Something To Die For
11th Hour
In The Absence Of The Sacred
Ruin
Omerta
Pariah
The Faded Line
Bloodletting
The Subtle Arts Of Murder & Persuasion
Vigil
What I've Become
Black Label

Tjoah, was ein fetter Abend, sage ich mal. Ich wurde von keiner Band enttäuscht, sondern eigentlich nur von DEVILDRIVER positiv überrascht, die LAMB OF GOD einfach mal eben den Rang abliefen. Und Mikes Ankündigung, dass sie im März eventuell mit SLAYER (!) wiederkommen, lässt Großes vermuten. Fünf leuchtende Sterne für diesen Abend!

Redakteur:
Dennis Hirth

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