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Legends Of Rock - Ennepetal

03.10.2010 | 13:47

18.09.2010, Haus Ennepetal

Das Festival bleibt ein Highlight und hinterlässt ein begeistertes Publikum.

Die Freude über das Aufgebot des diesjährigen "Legends Of Rock" war bei dem einen oder anderen sicherlich groß, denn Bands wie SEVENTH ANGEL oder SHOUT bekommt man nicht alle Tage geboten. Allerdings hat sich im Vorfeld sicherlich bei manchem auch ein wenig Skepsis breit gemacht, weil man sich fragt, ob Ken Tamplin und Co. nach über zwanzig Jahren noch derart begeistern können wie damals. Letztendlich bricht man auch aus traditionellen Beweggründen nach Ennepetal auf, denn das "Legends Of Rock" und früher auch die "Christmas Rock Night" waren stets eine Reise wert, und diese Aussage dürfte für die Besucher aus der Schweiz, Holland, Norwegen oder Schweden umso mehr gegolten haben.

In der Halle angekommen, bietet sich dem Besucher ein ungewohntes Bild: Die Bühne ist kleiner, auf die gegenüberliegende Seite verlegt worden, und der Platz ist eingeschränkt. Das bedeutet zwar leider weniger Andrang, jedoch ist dieser Schritt notwendig, um die Stimmung zu erhalten. Für die Musiker ist es sicherlich ebenfalls eine Umstellung, den Abend nicht wie in früheren Zeiten vor 1200, sondern vor nun etwa 400 Leuten zu gestalten, doch dies belegt auch ihr Engagement. Da passt ins Bild, dass Mark Broomhead (SEVENTH ANGEL) sagt, dass es für ihn keinen großen Unterschied mache, ob er vor 1000 oder zehn Leuten spielt.

 

Den Anfang machen SEVENTH AVENUE aus Wolfsburg. Sie sind keine Unbekannten mehr, und mit SINBREED hat Sänger Herbie Langhans vor kurzem für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Entsprechend routiniert legen SEVENTH AVENUE einen spielerisch ansprechenden Auftritt hin, wobei jedoch auch wieder deutlich wird, weshalb es die Band trotz eines wirklich guten Sängers nicht zu noch größeren Ruhm gebracht hat: Die Gesangslinien von Herbie Langhans verlaufen leider viel zu häufig im Nirgendwo. Um als Legende zu zählen, fehlt schlicht das herausragende Songmaterial. Auf SEVENTH AVENUEs Demo "First Strike" aus dem Jahre 1993, welches damals eine sehr vielversprechende Veröffentlichung darstellte, finden sich mitreißendere Songs. Dennoch liefern SEVENTH AVENUE ihren Fans einen gelungenen Auftritt und die Stimmung ist bei Liedern wie 'Infinite King' (Shout It Out) vom "Eternals!-Album" (2004) auch richtig gut. Anschließend werden noch 'Trail Of Blood' und 'Way To The Stars' vom aktuellen Werk "Terium" (2008) gezockt, und somit sind eine ordentliche Anzahl der Besucher bereits gut aufgewärmt.

 

Als Nächstes steht die REX CARROLL BAND auf der Bühne und bietet dem Publikum gut aufgelegt rockigen Blues. Die bretzelnde Les Paul von Rex sorgt dafür, dass das WHITECROSS-Bluesprojekt einen guten Eindruck hinterlässt, wobei die Klasse bei weitem nicht ausreicht, um sich mit Größen wie beispielsweise Glenn Kaiser (dessen Band im übrigen Ende Oktober durch Deutschland touren wird) messen zu können. Da ist das Trio im Hardrock-Bereich wesentlich besser aufgehoben.

Die Band gibt es bereits seit 2003, und die gebotenen Songs bestehen schon seit einer längeren Zeit, allerdings wurden diese erst soeben veröffentlicht, da lange keine geeignete Plattenfirma gefunden wurde (nun sind es Retroactive Records). Textlich verarbeitet Rex persönliche Erfahrungen, und so handeln manche Lieder von seinem Sohn oder seiner Tochter. Mit dem Verweis auf ihre Heimatstadt beenden die drei ihren Set mit dem 'Chicago Blues'.

 

Jetzt wird es spannend, und die Freude auf den Headliner der Thrash-Fans ist groß, denn SEVENTH ANGEL aus England betreten die Bühne. Bereits vor etwa zwanzig Jahren sind SEVENTH ANGEL in Ennepetal gewesen, doch seither sind sie in Deutschland nur ein einziges Mal aufgetreten (Fear-Dark-Festival in Neckarsulm, März 2010). Daher haben sich so manche diesen Auftritt gewünscht und ihm entgegengefiebert. SEVENTH ANGEL gelingt dabei Außergewöhnliches: Sie tun einfach so, als ob keine zwanzig Jahre vergangen seien. Was ihnen mit ihrer aktuellen Hammerscheibe ("The Dust Of Years", 2009 - klingt so, als hätte die Band nie aufgehört zu existieren) gelungen ist, bestätigen sie nun auch auf ihrem Konzert. Zudem bieten sie genau das, was bereits seit zwanzig Jahren an ihnen begeistert und fesselt: einzigartigen Thrash und Doom Metal mit Atmosphäre. Fans dieser Stilrichtung kommen normalerweise an dieser Band nicht vorbei, und "The Dust Of Years" ist eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Dass SEVENTH ANGEL das Ganze live ebenso begeisternd darbieten, konnte man nicht erwarten, und dass sie eine derartige Spielfreude an den Tag legen, auch nicht. Aber die vier großartigen Musiker und zudem sympatischen Typen lassen nichts anbrennen, und gerade ihre unterschiedlichen Charaktere sind sicherlich auch ein Grund dafür, dass diese Band so besonders ist: Ian Arkley (Gesang, Gitarre), der auf Gothic Metal steht und mit MY SILENT WAKE ein weiteres, heißes Eisen im Feuer hat, Simon Bibby (Gitarre, Gesang), der Progrocker und ebenfalls gute Sänger, Mark Broomhead (Bass, Gesang), der wie Simon für Melodien und Folk-Einflüsse steht und zudem eine gewisse Härte einbringt, und Tank (Schlagzeug), der Punk und Ska-Liebhaber, der nebenbei auch ein lustiger Typ ist und mit seinem Schlagzeugstil das gewisse Etwas einbringt. Es ist einfach eine Freude zu sehen, dass diese Vier wieder zusammen sind und wie sie zusammen harmonieren.

Der Einstieg mit 'Recollections Of A Live Once Lived' könnte besser gar nicht gewählt werden, und der Sound wird während des Auftrittes auch richtig fett. Die perfekte Setliste tut ihr Übriges, denn obwohl vom legendären Erstling "The Torment" (1990) lediglich 'Forbidden Desires' dargeboten wird, sprechen die übrigen Lieder für sich, und die vorwiegend vom "Lament For The Weary"-Album gespielten Nummern haben sowieso eine besondere Ausstrahlung. Das Publikum saugt diese Songs immer mehr auf, und so ernten SEVENTH ANGEL begeisterten Applaus und die ersten, energischen "Zugabe!"-Rufe. Diese Band lohnt sich absolut und ist noch lange nicht am Ende! Der Auftritt wird sicherlich vielen Besuchern im Gedächtnis bleiben, und bereits an dieser Stelle hat sich der Besuch des Festivals gelohnt.

Recollections Of A Life Once Lived
Life In All Its Emptiness
Chaos Of Dreams
Weep Not For Us
Full Of Blackness
Dark Shadows
Woken By Silence
Forbidden Desires

 

X-SINNER starten ihren Auftritt mit dem neuen Song 'Ready To Go'. Dieser lockere Einstieg und die Spielfreude auf der Bühne steigern sich, und der im Verlauf besser werdende Sound (die Gitarre von Greg Bishop ist anfangs zu leise) sorgt ebenfalls dafür, dass Partystimmung im Haus Ennepetal herrscht.

Sänger Rex Scott präsentiert sich zu großer Freude in Hochform, und seine Stimme hinterlässt einen wesentlich besseren Eindruck als auf der aktuellen CD "World Covered In Blood" (darauf ist sie stellenweise zu dünn und zu schrill). Heute passt einfach alles, und die Setlist ist vom Allerfeinsten.

Es ist toll anzusehen, wie eingespielt die Musiker sind und sie damit den Hörer überzeugen. Dabei beweisen sie auch ihren Humor, als Greg 'Highway To Hell' anspielt und Rex ihn dabei unterbricht und meint, dass wir schließlich in die andere Richtung fahren möchten. Ja, wir befinden uns hier auf einem christlichen Festival, und dementsprechend weisen auch einige Bands auf ihren Glauben hin. An diesem Abend wirkt jedoch nichts davon aufgesetzt, und X-SINNER kommen mit ihrer Art sehr gut an.

Höhepunkte der Show sind 'Walking Evil' und 'Living On The Edge', die eine besondere Stimmung verbreiten und mitreißen. Zu 'Living On The Edge' meint Rex Scott einleitend, dass er den Song einst hörte und dabei dachte, dass er in dieser Band sehr gerne singen würde. Schon beim zweiten Album "Peace Treaty" (1991) wurde dieser Wunsch zur Realität. Natürlich kommen auch Songs wie 'Medicine', 'Peer Pressure' und 'Steppin' On Toes' sehr gut an, und somit haben X-SINNER an diesem Abend fett gepunktet. Dieser Auftritt hat positiv überrascht und viel Spaß gemacht.

Ready To Go
Accountable
Medicine
Peer Pressure
Back In Red
What Rock Is For
Lift Him Up
World Covered In Blood
Walking Evil
Living On The Edge
Steppin' On Toes
Rock'n'Roll Damnation
He Loves You

 

Auch der Auftritt von SHOUT wird mit Spannung erwartet. SHOUT waren das letzte Mal vor über zwanzig Jahren in Deutschland (zu damaliger Zeit ist TAMPLIN sogar auf dem Wacken Open Air aufgetreten), und um den Ausnahmekünstler Ken Tamplin - er kann über vier Oktaven singen, hat schon mit KISS zusammengearbeitet und bekam entsprechende Angebote als Sänger einzusteigen - war es in letzter Zeit ziemlich ruhig. Nachdem er Filmmusik und Werbemusik produziert hat, ist er heute mit seiner Gesangsschule beschäftigt.

Erinnerungen an vergangene Auftritte sind zwar noch präsent, und dass Ken live stets überzeugt und atemberaubende Leistungen bringt, weiß man. Geringe Zweifel darüber, ob dies heutzutage auch noch in solch überzeugender Art und Weise funktioniert, sind jedoch vorhanden. Diese verfliegen aber im Nu, denn als die Band mit 'Never Stop' loslegt, zeigt sich Ken gesanglich nach wie vor in Höchstform.

SHOUT legen einen Auftritt auf die Bretter, der kaum Wünsche offen lässt und für viel Begeisterung im Publikum sorgt. Sie erfüllen alle Erwartungen, denn diese Musiker sind allesamt Profis, von denen man sehr gerne lernen möchte. Seien es Ken Tamplin selbst, der technisch einwandfrei Gitarre spielt und dazu noch glasklar bis zu den höchsten Tönen singen kann, oder auch Joe Galetta mit seinem druckvollen, akzentuierten Schlagzeugspiel und den Grimassen, die er dabei schneidet. Außerdem ist Chuck King an der zweiten Gitarre auch ein Könner, und die Keyboards und Background-Gesänge erledigen den Rest: Man kann nicht umhin, diesen Musikern Weltklasseformat zu bestätigen. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht ihr letzter Auftritt gewesen ist.

Never Stop
Give Me An Answer
Showdown
Winners Or Losers
It Won't Be Long
Borderline
When The Love Is Gone
In Your Face
Shout
Sing Hallelujah

 

GUARDIAN haben nun einen schweren Stand. Wie soll diese Band das hohe Level halten können? Umso schwieriger ist dies für die Musiker um Sänger Jamie Rowe, da die meisten Fans damit konform gehen, dass GUARDIAN nach ihrem Album "Miracle Mile" (1993) nichts Außergewöhnliches mehr vollbracht haben. Dementsprechend können GUARDIAN zunächst auch nicht punkten, denn sie starten mit Songs ihrer späteren Produktionen. Außerdem präsentiert sich Jamie Rowe nicht gerade in bester Verfassung. Immerhin wird ihr Auftritt im Verlauf besser, was vor allem am stärkeren Songmaterial liegt, denn nun konzentriert man sich auf die beiden Referenzalben "Fire And Love" (1991) und "Miracle Mile". Somit können GUARDIAN zumindest ihre Fans zufrieden stellen. Eine Überraschung wäre gewesen, wenn GUARDIAN einen Song aus ihrer Glam-Metal-Zeit ausgegraben hätten, doch davon haben sie sich schon lange verabschiedet. Schade, denn das 1989er Debüt "First Watch" hat einige starke Momente. Doch auch Songs wie 'Power Of Love' oder 'Curiosity Killed The Cat' aus ihrer Phase danach stehen für sich und zünden stets, wenn man auf Hardrock der achtziger Jahre steht. Ob es von der Band in Zukunft noch etwas zu hören gibt, bleibt ebenso offen wie die Frage, was aus dem Originalgitarristen Toni Palacios geworden ist, der leider nicht mehr dabei ist (Jamie Rowe, David Bach und Karl Ney waren dagegen am Start). Irgendwie hat man jedoch das Gefühl, dass die Zeit der Band vorüber ist.

 

WHITECROSS legten vor zwei Jahren an gleicher Stelle einen sauberen Auftritt hin, und vermutlich haben sie daher heute die Headliner-Position inne. Diese Aufgabe ist jedoch heute schwierig auszufüllen, denn bereits drei Bands haben außergewöhnlich geglänzt (SEVENTH ANGEL, X-SINNER und SHOUT). WHITECROSS können ihren Gig vor zwei Jahren auch nicht toppen, jedoch gelingt ihnen ein anständiger Auftritt.

Ein großer Pluspunkt ist die Bühnenpräsenz von Rex Carroll, denn der Ausnahmegitarrist zieht die Blicke jedes Mal auf sich. Scott Wenzel kann hingegen nicht mehr so überzeugen wie noch vor zwanzig Jahren. Dennoch sieht man ihm an, dass er mit viel Spaß bei der Sache ist. Vom Aussehen erinnert er an Peter Lustigs Nachbarn - zum Glück trägt er aber nicht so viele Pfunde mit sich herum. Rex Carroll hat es inzwischen aufgegeben, seine letzten Löckchen zu pflegen und erscheint mit Glatze auf der Bühne. Dafür ist es eine haarige Angelegenheit, seinen Fingern auf dem Griffbrett zu folgen.

WHITECROSS bieten ein ähnliches Programm wie vor zwei Jahren, herausragend und neu ist dagegen, dass sie mit 'Love On The Line' ihren besten Song überhaupt spielen (was auch Scott Wenzel in seiner Ansage meint). Das andere Highlight ihres Konzertes ist die Hymne 'In The Kingdom': Hier geben sich Ken Tamplin, Rex Scott und Jamie Rowe ein Stelldichein und zelebrieren zusammen mit WHITECROSS diesen Klassiker. Ein schönes und vermutlich einmaliges Erlebnis. Mit 'He Is The Rock' wird nochmal zünftig in die Saiten gehauen, dann ist jedoch entgültig Feierabend. Gut gemacht!

Enough Is Enough
Walls Tumble Down
Dancing In Heaven
We Know What's Right
Love On The Line
Shakedown
Drum Solo
Down
Good Enough
Guitar Solo
You Will Find It There
Because Of Jesus
In The Kingdom
He Is The Rock

Ein Fazit für das "Legends Of Rock" 2010 fällt nicht schwer, denn es gibt kaum Gründe zum Meckern. Die Atmosphäre war angenehm und gemütlich. Der eine oder andere wundert sich, dass im Publikum nicht eine ausgelassenere Stimmung herrschte, wofür das fortgeschrittene Alter der Zuschauer nur bedingt als Ausrede herhalten kann. Es ist außerdem etwas verwunderlich oder gar befremdlich, wenn einige Besucher dem Anschein nach mehr mit ihrem Handy oder der Kamera beschäftigt sind, als einfach die Liveshow zu genießen - schließlich gibt es Magazine, die anschließend nochmal ausführlich darüber berichten.

Das Essensangebot war auch nicht besonders gut, dafür waren die Preise in Ordnung. Im Großen und Ganzen ist man in jedem Falle glücklich, diese Veranstaltung besucht zu haben und noch einmal die alten Helden in richtig guter Verfassung erlebt zu haben. Daher muss an dieser Stelle dem Veranstalter ein dickes Lob ausgesprochen werden. Danke, dass ihr dieses Festival möglich gemacht habt, und die Hoffnung ist groß, dass es nicht zum letzten mal stattgefunden hat. Sehr gerne würden wir wieder nach Ennepetal reisen, und es gibt noch so manche Formation, die auch heute noch für Begeisterung sorgen würde. SAINT, BELIEVER, PETRA, SACRED WARRIOR, REZ BAND und JERUSALEM fallen einem da spontan ein. Und STRYPER sind natürlich auch ein Traum.

[Stefan und Martin Lang]

Redakteur:
Stefan Lang

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