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Letzte Instanz/Kiloherz - Potsdam

27.10.2006 | 11:45

20.10.2006, Waschhaus

Knapp anderthalb Jahre musste die Potsdamer Fangemeinde auf die LETZTE INSTANZ warten. Umso größer ist der Andrang, als die Instanzler an diesem Freitag im Potsdamer Waschhaus ihren Tourauftakt zur neuen Scheibe "In Licht" spielen. Gegen 21.15 Uhr gehen die Lichter im Waschhaus aus und die Spots für KILOHERZ an. Krachigen Deutschrock mit teils melancholischen Texten um Liebe und die Schwierigkeiten des Seins an sich geben die drei Leipziger zum Besten. Allerdings will nicht so recht Stimmung aufkommen. Die Texte sind schlecht zu verstehen, und vielmals kommen die komplexen Riffs als unkoordinierter Klangbrei beim Publikum an. Trotz gutgemeinter Crossover-, Metal- und Punkrock-Einlagen sind KILOHERZ etwas zu zögerlich, zu melodramatisch und ein bisschen zu kitschig. Nichtsdestotrotz geben sich die Jungs alle Mühe, das Publikum auf die LETZTE INSTANZ einzustimmen.
[Gastautorin Corina Brucker]

Ja, dieses Bemühen ist in der Tat erkennbar. Und in den ersten Reihen wird es durchaus angenommen, vereinzelt geht das Publikum auf die angebotenen Rock-Stücke mit verstärktem Kopfnicken und dezenten Tanzeinlagen ein. Doch im Endeffekt warten die meisten Zuschauer nur auf die Hauptband des Abends. Dennoch schlagen sich KILOHERZ achtbar in Potsdam und zeigen, dass sie sich als Anheizer durchaus bewähren können.
[Henri Kramer]

Nach einer kurzen Umbaupause betreten gegen halb elf die sieben Musiker der LETZTEN INSTANZ die Bühne. In Schwarzlicht getaucht und begleitet von düster-sphärischen Samples erklingen die ersten Töne von 'Unerreicht'. Die finsteren Akkorde und die geschulte Stimme von Sänger Holly kommen lupenrein im Auditorium an. Es dauert nur wenige Minuten und die Potsdamer geben sich völlig dem Bann hin, den die Band webt. Bestimmte gerade noch Dunkelheit die Szene, zerren die Sieben bei 'Sonne' das Publikum mit gleißenden Scheinwerfern "Ins Licht". Cello-Hexer Benni Cellini und Geiger Muttis Stolz scheinen sich ein musikalisches Duell zu liefern. Die mehrstimmige Hymne geht einem unter die Haut. Die ersten Reihen vor der Bühne unterstützen Frontmann Holly mit euphorischem Gesang und wildem Haargeschüttel. Mit 'Ohne Dich' geht es übergangslos krachig weiter. Erst jetzt begrüßt Holly sein Publikum. "Habt ihr Bock auf Schwitzen?", brüllt er und bekommt prompt die begeisterte Antwort. Bei 'Tanz' kocht der Saal. Leidenschaft, Gier, Ekstase werden mit schweren Riffs und aggressiv-melodischen Streichparts gekonnt vertont. Gut aufgeheizt folgen Titel wie 'Kopfkino', 'Schönstes Lied' oder 'Willkommen'. Spätestens jetzt gibt es, zumindest für die holde Weiblichkeit, nicht nur Hörgenus. Die saunaartige Saaltemperatur beschert dem Publikum wohlproportionierte, nackte Männeroberkörper. Der Dank ist ekstatische Textsicherheit der Potsdamer beim folgenden 'Medusa' aus dem Jahre 1999. Als Überraschung hat die LETZTE INSTANZ ihre Version des INCHTABOKATABLES-Hits 'You Chained Me Up' mit im Gepäck - und mit ihrem daraus geschaffenen deutschem Titel 'Wir sind allein' schaffen die Sieben daraus eine würdige Coverversion. Um 23.50 Uhr gibt die Band ihre erste Zugabe: 'Sprachlos'. Der folkige Walzer kommt ohne Gesang aus und beweist einmal mehr das Können von Muttis Stolz und Benni Cellini. Mit 'Jeden Morgen' gönnen die Musiker ihrem Publikum ein wenig Ruhe, nur um mit 'Halleluja' und 'Rapunzel' die Stimmung im Saal aufs Neue anzuheizen. Und mehr noch: Das mittelalterlich anmutende 'Rapunzel' wird kurzerhand zu Elvis Presleys 'Jailhouse Rock' umgemodelt und löst einen weiteren Begeisterungssturm bei den Fans aus. Mit dem anschließenden 'Sandmann' bringen die Instanzler ihr Publikum ruhig aus dem Abend. Während Sänger Holly nach dem Konzert nicht ganz so glücklich ist, sieht man die Potsdamer glücklich und zufrieden von dannen ziehen. "Wir haben uns jetzt zwei Monate nicht gesehen und konnten folglich nicht proben," meint Holly selbstkritisch. "So richtig fließt das noch nicht, aber das kommt im Laufe der Tour. Außerdem hatte ich tatkräftige Unterstützung aus den ersten Reihen, wenn der Text doch mal weg war", grinst er.
Aber falls es tatsächlich Patzer oder Textunsicherheiten gab, so ist das im Auditorium weder zu hören noch zu sehen gewesen.
[Gastautorin: Corina Brucker]

Tatsächlich hat die LETZTE INSTANZ als überaus homogener Musikerverband gewirkt. Die Band scheint damit ihre Krise der letzten Jahre - insgesamt wurden drei Mitglieder ausgewechselt - endgültig überwunden zu haben. Nach der Tour wollen sie an ihrem neuen Album arbeiten, jetzt noch einmal die Kraft für diesen Akt tanken. In Potsdam gelingt dieser Ansatz phänomenal: Besonders die gemeinsamen Gesangseinlagen von Holly und Backgroundsänger wirken sehr dynamisch. Zudem hat die Band an diesem Abend eine unglaublich variantenreiche und helle (!) Lichtshow im Rücken, die neben den austickenden Fans wohl auch die extremen Temperaturen vor der Bühne erklärt. Eine schweißtreibende Angelegenheit ...
[Henri Kramer]

Redakteur:
Henri Kramer

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