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Long Distance Calling, Maybeshewill - Dresden

20.03.2011 | 20:47

21.02.2011, Beatpol

Dafür braucht es keine lange Distanz - ran an die Bühne und einfangen lassen vom packenden Klangteppich.

Am Post-Rock-Himmel in Deutschland schwirrt seit einiger Zeit der Name LONG DISTANCE CALLING in großen Lettern herum - dabei machen die Münsteraner doch nur das, was viele Bands machen: rein instrumentalen Post Rock, mal dynamisch, mal verträumt, aber stets sehr eingängig gehalten. Spätestens seit "Avoid The Light" weiß man hierzulande allerdings, dass sie das richtig gut drauf haben. Auch auf dem neuen, selbstbetitelten Werk ist keinerlei Qualitätsabfall festzustellen. Nun sind die Platten aber das eine und die Live-Situation gerade bei dieser Musikrichtung etwas ganz anderes. Denn wenn der Funke nicht überspringt, dann verkommt ein Post-Rock-Konzert schnell zu einer einzigen langweiligen, dudeligen Soße.

Um es vorweg zu nehmen: Diese Gefahr besteht bei LONG DISTANCE CALLING nicht, denn es gibt genug Widerhaken und Spannungsbögen in ihrer Musik, die sie auch live äußerst unterhaltsam gestalten. Dabei wirken die Fünf trotz ihres noch nicht allzu langen Bestehens als LDC sogar schon ziemlich routiniert auf der Bühne und natürlich wissen sie, welche Songs live am besten funktionieren. So gibt es die dynamischsten Riffs ihrer Alben auf die Lauscher, welche natürlich ihre Wirkung nicht verfehlen. Man kann nachvollziehen, warum just dieser Instrumentalrock in geschmackssicheren Metallerkreisen solch einen Anklang findet (wo es doch so viele feine Bands in diesem Genre gibt, die von den meisten Freunden der Metal-Musik kaum bis gar nicht wahrgenommen werden) - vor allem live fällt das Ganze schön wuchtig und kraftvoll aus.

LONG DISTANCE CALLING haben eine perfekt ausbalancierte Mischung am Start und brauchen den Vergleich mit anderen wunderbaren gesangslosen Bands nicht zu scheuen, da sie trotz allem eine gewisse eigene Note für sich verbuchen können. Man bekommt ausgefeilte und geschickt arrangierte Songs mit herrlich mitreißenden Spannungsbögen und wohl dosierten, heftigeren Eruptionen geboten. Struktur, Baby! Und vor allem die nötige treibende Dynamik gibt den Ausschlag. Um all die kleinen Details im Klangbild zu entdecken, hört man sich halt die Alben unter Kopfhörer an - hier und heute kann man ein paar spacige Einspieler registrieren, ansonsten regieren die Klampfen. Wer bei LDC vorbeischaut, erlebt also kein Post-Rock-Konzert, bei dem die Jungs zu schwelgerischen Melodien wippend ihre Lebensabschnittsgefährtin in den Arm nehmen, sondern eines, bei dem sogar Rumzappeln und Headbangen möglich ist - wobei sich das Dresdner Publikum damit doch ziemlich zurückhält.

Auch "Satellite Bay", der Silberteller, mit dem die Münsteraner anno 2007 einst debütierten, wird bei der Songauswahl gleich mehrfach berücksichtigt und es fällt auf, dass etliche Leute auch mit diesen Stücken bestens vertraut sind. Da verwundert es nicht, dass es LONG DISTANCE CALLING auf dieser Tour zum ersten Mal gelingt, vor ausverkauftem Haus zu spielen (es ist allerdings Köln gewesen, nicht Dresden - hier ist es "nur" gut besucht). Es scheint nun wohl allenthalben angekommen zu sein, dass diese Band mehr als nur ein Geheimtipp ist. Wobei man sich mit MAYBESHEWILL auch noch einen erstklassigen Support mit dazu genommen hat.

Die genießen ebenfalls einen guten Ruf und das völlig zu recht. Hier ist der Wunsch berechtigt, dass sie bald mehr als nur Geheimtipp sein mögen. Noch ein bisschen mehr als LDC im typischen Post Rock verwurzelt, können MAYBESHEWILL auch live überzeugen, da auch hier die Klampfen stärker in den Vordergrund gerückt werden. Lediglich das öfter eingestreute Geklimper empfinde ich als etwas störend, da zu präsent und irgendwie seltsam losgelöst vom restlichen Klangbild (vielleicht ist das aber auch einfach eine Frage der Soundqualität). Das wirkt auf Platte nämlich ganz anders und verstärkt da als perfekt eingewobenes Stilmittel diese hinreißende Atmosphäre zusätzlich. Ausnahmslos packendes Songwriting bekommt man bei den Engländern geboten, da haben sich LDC nicht gescheut, einen wirklich fähigen Support mit auf die Tour zu nehmen, der einzelnen Besuchern (die zum Teil auch eher wegen dieser Band den Weg in den Beatpol gefunden haben) sogar besser zu gefallen scheint als die Hauptband.

Fazit: MAYBESHEWILL können offenbar problemlos auch die bisher nicht mit ihrer Musik Vertrauten beigeistern und dass LONG DISTANCE CALLING in ihrem instrumentalen Treiben eine ordentliche Bandbreite draufhaben, wird live sehr deutlich. Irgendwie gibt es keinen einzigen Moment, der aus diesem organischen Fluss herausfällt, obgleich ja die Songs von drei Alben munter durcheinander gewürfelt werden. Obwohl durchaus eine gewisse Routine zu beobachten ist, wirken LDC noch immer schön frisch und unverbraucht. Hoffentlich können sie sich das noch eine Weile bewahren.

Redakteur:
Stephan Voigtländer
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