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MARKO HIETALA, OCEANHOARSE - Frankfurt

08.02.2020 | 20:10

04.02.2020, Batschkapp

Die haben es einfach drauf, die Finnen...

Am Dienstagabend auf dem Weg in der Batschkapp: Ein Wochentag, dann noch Fußball in Frankfurt und nicht zu vergessen die Wildschweinwarnung auf der Autobahn 661 zwischen "Egelsbach und Oberursel" (eine Strecke von gut 40 km), dazu die üblichen nervigen oder seltsamen Baustellen. Bei meiner Ankunft in der Kapp ist alles sehr übersichtlich angeordnet, sprich: es ist wenig los, obwohl ich angesichts des bekannten Namens mit mehr Andrang gerechnet habe.

Sei es drum, es geht jedenfalls pünktlich mit der finnischen Supportband OCEANHOARSE los und damit hält auch die erste positive Überraschung Einzug. Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen, der diese Band schon kennt, mir ist sie noch nicht untergekommen, es gibt sie allerdings wohl auch erst seit 2018. Sie spielen reinen, schnörkellosen, kompromisslosen, lauten Metal und können damit das Frankfurter Publikum – das sich inzwischen doch vermehrt vor der Bühne eingefunden hat – durchaus begeistern. Auch ich wippe und zucke mit und bin froh, dass es mal kein Support der Kategorie "wann sind die denn endlich fertig?" ist. Bassmann Jyri hat übrigens fast meterlange Dreadlocks, die er beim Spielen immer wieder schwungvoll durch die Gegend wirbelt, wohingegen Gitarrist Ben sich eines Bodenventilators bedient, um seine Haapracht fliegen zu lassen. Auf der Setliste stehen sowohl ein Bass- als auch ein Gitarrensolo, bei denen der absolut glasklare tolle Sound besonders zur Geltung kommt (und das direkt vor der Bühne!). Die vier Jungs liefern eine tolle Show ab, sind gut gelaunt und voller Enthusiasmus. Zum Schluss kommt auch noch ihr "Maskottchen" zum Zuge, was einiges an Heiterkeit auslöst. Ich würde mal auf einen Gummikraken tippen (oder so etwas in der Art), mit dem ein männliches Wesen sein Haupt verhüllt hat und der fröhlich in die Runde winkt, bevor ihm Gitarrist Ben seine Gitarre zukommen lässt und er geschickt darauf herumklampft – allerdings mit seinen richtigen Händen. Auf jeden Fall ist es ein kurzweiliger Einstieg in den Abend und nachdem sich sowohl der Krake als auch die restlichen Mannen von OCEANHOARSE verabschiedet haben, warten alle gespannt auf Herrn Hietala.

Das ist nun ein kleines bisschen Kontrastprogramm, was uns mit MARKO HIETALA auf seiner "Tour Of The Black Heart" erwartet. Es ist alles dabei, von leise bis fetzig, sogar zwei Coversongs hat er im Repertoire – und nein, nichts von NIGHTWISH, obwohl der eine oder andere Titel seiner Soloplatte durchaus für sein Hauptprojekt geeignet wäre. Und wenn noch einmal jemand sagt, die Finnen seien durchweg melancholisch, dem kann ich nicht wirklich zustimmen. Marko ist – wie Perttu von APOCALYPTICA – ein ausgesprochen witziger, verschmitzter Mensch, dem der Schalk im Nacken sitzt. Das beginnt schon damit, dass er die Bemerkung fallen lässt, dass heute Abend nicht ganz so viele Leute da sind, wir aber das Kind schon schaukeln werden. Dabei hat sich die Batschkapp inzwischen erfreulicherweise noch weiter gefüllt. Zwischen den einzelnen Stücken erzählt Marko immer wieder kleine Geschichten, stichelt auch mal über einen gewissen orangefarbigen Politiker und erfreut uns ansonsten mit seiner mehr als außergewöhnlichen Stimme und der kompletten Platte "Pyre Of The Black Heart" (siehe auch dazu das Review).

Und weil eine Platte alleine ja vielleicht zu wenig ist, müssen noch ein paar Coverstücke dazu, damit der Auftritt nicht zu kurz wird und wir eventuell enttäuscht sind – so ungefähr lautet seine Erklärung. Die beiden Coversongs sind übrigens 'Starman' (von DAVID BOWIE) und 'War Pigs' (von BLACK SABBATH). Aber zuerst gibt es natürlich einmal diverse Stücke seiner CD auf die Ohren, wobei 'Death March For Freedom' besonders gut ankommt, da geht es in der Batschkapp so richtig ab. Nach fast nicht endenwollendem Applaus steht dann wieder ein verschmitzt grinsender Marko am Mikro und meint "Ich hatte da so ein Gefühl... und es hat mich nicht getrogen... ihr mögt diesen Song!". Ja, könnte man so formulieren. Genau wie später 'Runner Of The Railways'. Zwischendurch gibt es auch noch ein finnisches Lied, dessen Titel ich allerdings nicht weiß, das aber offensichtlich der eine oder andere anwesende Finne kennt. Als nach dem 'Starman' das Ende der Show von dem starken 'Stones' eingeleitet wird, gibt erst einmal einen Riesenapplaus und die obligatorischen Zugaberufe, die auch relativ schnell erhört werden. Nachdem die Herren wieder auf der Bühne erscheinen, macht Marko auch hier wieder eine witzige Ansage, die in etwa folgendes beinhaltet: dass es eigentlich schade st, dass wir uns immer in Zwängen verlieren, allerdings würde er es in diesem Fall dabei belassen, weil es doch schön ist, wenn das Publikum klatscht und nach einer Zugabe ruft und man dann diesen Wunsch erfüllt – was natürlich wieder Gelächter zur Folge hat. So klingt denn nach den "Kriegsschweinen" der Abend mit dem ruhigen 'Truth Shall Set You Free' endgültig aus.

Es ist schön, einen vollkommen entspannten Marko zu sehen, dem dieser Auftritt "der anderen Art" offensichtlich jede Menge Spaß macht. Für mich sieht es so aus, als würde er diese kleine Auszeit von NIGHTWISH sehr genießen. Das war schon damals bei TAROT so ein Gefühl, da war sein Bruder Zachary fast noch ein größerer Spaßvogel als er. Ach ja, der Vollständigkeit halber: Marko hat nicht nur "die Haare" schön, sondern auch die Füße – gut zu erkennen, da er seinen Auftritt barfuß absolviert. Ein toller Konzertabend mit zwei ausgesprochen spielfreudigen, gut gelaunten Bands und ein Marko Hietala, den man mit seiner liebenswerten Art, seinem manchmal trockenen Humor und natürlich seiner phantastischen Stimme direkt ins Herz schließen muss. Ich sage es doch: die haben es einfach drauf, die Finnen...

Redakteur:
Hannelore Hämmer

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