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MASTERPLAN - Langen

27.04.2005 | 10:30

08.04.2005, Stadthalle

Freunde harter Klänge und hervorragender Sänger kamen bei diesem Paket voll auf ihre Kosten. Glücklicherweise machten die zu recht "Flying Aces" benannten Bands in der Stadthalle in Langen Station. Diese bot wie immer die perfekten Rahmenbedingungen für ein tolles Konzert. So gab es auch an diesem Abend angefangen bei den preislich noch human gestalteten Getränke-, Verpflegungs- und Merchandisingpreisen über den Sound bis hin zur straffen zeitlichen Organisation nichts zu beanstanden. Die Halle hätte zwar noch einige Fans mehr verkraftet, aber so war es für die Anwesenden gemütlicher –das ist aber Geschmackssache.

Den Anfang um halb sieben durften die nach eigener Aussage "aus dem Käseland" stammenden PURE INC. machen. Diese überraschten vor allem mich, da sie sich zwar stilistisch etwas von den Tourmitstreitern abheben, jedoch qualitativ gut mithalten können. Mit einem Sänger, der über jede Menge Rock'n'Roll-Dreck verfügt und damit am ehesten mit Fernando Garcia (VICTORY) oder Ted Bullet (Ex-THUNDERHEAD) vergleichbar ist und einem Gitarristen, der mit seiner Paula ebenfalls gehörig Dreck und Power zu bieten hat, braucht sich diese Band vor niemandem zu verstecken. Dazu kommt noch die tight groovende Rhythmusgruppe, die das ganze hervorragend abrundet. Jeder Ton saß dort, wo er hingehört und somit wurde das Gesangsniveau gleich schon zu Beginn des Abends in die erste Liga geschraubt. Dementsprechend gut kamen die Schweizer dann auch bei den um diese Zeit schon anwesenden Fans an. Zum Abschluss ließ es sich MASTERPLAN-Bassist Jan nicht nehmen, den Song 'Fear My Eyes' auf der Rhythmusgitarre mitzuklampfen. Das zeigt, dass die Bands auch untereinander die Musik der jeweils anderen Band schätzen und das Feeling stimmt.

Setliste PURE INC.:

Saviour
Genius
Piece Of Mind
On The Verge
Next To You
Fear My Eyes

Nach einer guten halben Stunde war dann erst mal kurz Umbaupause, bevor ROB ROCK loslegte. Leider hat er auf dieser Tour nicht wie auf seiner letzten den begnadeten Rick Renstrom dabei. Dafür hatte er die ebenfalls mit einem White Metal-Background ausgestatten NARNIA als Backing-Band verpflichten können. Diese spielten die Songs auch hervorragend und so konnte aus musikalischer Sicht nichts schief gehen. ROB ROCK merkte man seine langjährige Gesangserfahrung an und fühlte sich manchmal von dem Acting und den Songs her in die 80er zurückversetzt. So wurde auch mit 'Warrior' eine alte IMPELLITERY-Nummer, die auch den Weg auf das aktuelle ROB ROCK-Machwerk gefunden hat, zum Besten gegeben. ROB ROCK hat auf dieser Tour bestimmt sehr viele neue Fans gewonnen, da u. a. auch mein Arbeitskollege und dessen Freundin sofort begeistert waren, obwohl sie ROB ROCK vorher noch gar nicht kannten.

Setliste ROB ROCK:
Rock The World
In The Night
Slayer Of Souls
Streets Of Madness
Judgment Day
Warrior

Wieder nach einer kurzen Umbaupause, die noch dadurch verkürzt werden konnte, indem man sich – wie bei den anderen Bands auch – Unterschriften und ähnliches von den Musikern am Merchandise-Stand holen konnte, kamen Zak und seine Mitstreiter von CIRCLE II CIRCLE auf die Bühne und rockten nach einem etwas abrupt aufhörenden klassischen Intro, was das Zeug hielt. Bei diesem Auftritt fiel mir auf, dass gerade auch die auf der aktuellen Platte meiner Meinung nach etwas durchschnittlicher daherkommenden Stücke gerade live sehr gut rüberkommen. Von daher ging es auch in Ordnung, dass ziemlich viele Stücke des aktuellen Albums gespielt wurden. Die Mitmusiker machten ihre Sache auch sehr gut. Gesangliche Unterstützung bekam Zak vom Bassisten Paul M. Steward und vom Schlagzeuger Robert Thomas Drennan, die besonders in dem 'Chance'-Nachfolger 'The Middle Of Nowhere' ihre Gesangsqualitäten unter Beweis stellen konnten. Steward wechselte für die prägnanten Stellen wie z. B. bei 'Edge Of Thorns' ans Keyboard und der Bass wurde von dem Gitarristen Andy Lee übernommen. So wurden die Songs überzeugend dargeboten, auch wenn Steward manchmal etwas fest in die Tasten haute – but that's Metal!

Kleiner Exkurs für Gitarristen:
Die Gitarristen um Zak setzten gitarrenmäßig auf klassische Modelle, wie Gibson SG und Fender Stratocaster. Nach einigen Songs wechselte allerdings der Gitarrist Evan Christopher seine Strat gegen eine von der Form her ähnlich aussehende allerdings mit einem schwarzen hohlen Dreieck ohne Bespannung auf dem Kopf versehene Gitarre.
Erst einen Tag später auf der Musikmesse in Frankfurt erfuhr ich am Floyd Rose-Stand, dass es sich dabei um eine neue Gitarrenserie handelt, die von Floyd Rose konzipiert wurde und natürlich noch nicht auf dem Markt ist. Nur ausgewählte Gitarristen spielen das derzeit, wie z. B. Richie Sambora und eben Evan Christopher. Das besondere an dem System ist, dass man nicht mehr stimmen braucht. Vorgestretchte Saiten mit Bolzen oben und unten werden eingehangen und die Stimmung soll halten. Natürlich bin ich da sehr skeptisch. Aber nach dem Live-Eindruck macht das zumindest mal keinen schlechten Eindruck und wäre dann wohl besonders für stimmfaule Gitarristen geeignet. Auf meine Frage, wie es denn möglich sei, die Klampfe runterzustimmen, bekam ich eine kleine Broschüre in die Hand gedrückt, die den Eindruck hinterlässt, dass die Einstellung des Tremolos zum Runterstimmen doch etwas schwieriger ist –dem derzeitigen Floyd-Rose-Stimmprozess nicht unähnlich. Für 7-Saiter sei das System allerdings noch nicht entwickelt worden.

Das Outfit des Bassisten in weißem Sportaufzug mit großem Stirnband gefiel zwar nicht jedem, machte mir aber nichts aus, da wohl jeder in der Band anzog, was er gerade wollte. So unbekümmert spielten sie auch, dass es einfach Spaß gemacht hat, zuzusehen. Als CIRCLE II CIRCLE dann nach 'Taunting Cobras' noch 'Follow Me' inkl. dem tollen Instrumental 'Labyrinths' auspackten, überkam mich eine leichte Gänsehaut. Schön, dass gerade die nicht mehr ganz so oft gespielten Songs von SAVATAGE noch live präsentiert werden. Zum Abschluss gab es dann noch das obligatorische 'Edge Of Thorns', was von allen begeistert mitgesungen wurde. Gerade in dem Solo zeigte Evan Christopher, dass er mehr als würdig ist, dieses Solo zu spielen.
Auszusetzen gab es vielleicht nur, dass einige Songs, wie z. B. 'Into The Wind', 'Watching In Silence', 'In This Life' oder noch mehr SAVA-Klassiker nicht gespielt wurden. Aber die Zeit war begrenzt und so kommen diese Sachen vielleicht beim hoffentlich baldigen nächsten Mal wieder zum Einsatz.

Setliste CIRCLE II CIRCLE:
Intro
Open Season
Sea Of White
Holding On
Hollow
All That Remains
Taunting Cobras
Labyrinths
Follow Me
The Middle Of Nowhere
Cynical Ride
Edge Of Thorns

MASTERPLAN ließen auch nicht all zu lang auf sich warten und legten mit dem Opener ihrer aktuellen Platte los, bevor sie mit 'Crystal Night' zu einem ihrer wohl stärksten Songs übergingen. Die Mannen um Roland Grapow hatten sichtlich Spaß und musikalisch brauchte man sich an diesem Abend wie bei den anderen Bands auch keine Gedanken zu machen. Besonders war mal wieder Uli Kusch hervorzuheben, der mit seinem ultratighten Powerdrumming die Band nach vorne peitschte und bei schwierigsten Kabinettstückchen noch Zeit für Faxen fand. Jorn Landes Stimme ist allein schon ein Konzertbesuch wert. So konnte er an diesem Abend auch überzeugen, selbst wenn er manche Kleinigkeiten weggelassen hatte. Auch wenn er stimmlich auf einer Ebene mit den ganz Großen liegt, so hat er beispielsweise nicht ganz die Ausstrahlung und Magie eines Ronnie James DIO. Zu meiner Überraschung musste Jorn keine HELLOWEEN-Songs zum besten geben, obwohl Roland das beim letzten Mal angekündigt hatte. Das ist sicherlich ein Zeichen dafür, dass sich Roland und Uli nicht als HELLOWEEN-Nachfolger oder –Zweitband verstehen wollen. Auch wenn ich es nicht schlimm gefunden hätte, war diese Entscheidung akzeptabel, da das MASTERPLAN-Songmaterial mittlerweile genug hergibt für eine Show. Weltbewegend oder besonders innovativ kann man die Songs zwar nicht bezeichnen, dafür knallen sie einfach und werden veredelt durch die geniale Stimme. Schlagzeug und Gitarrensoli kamen gewohnt locker und unverkrampft rüber, wären aber wohl auch nicht vermisst worden, wenn sie beispielsweise durch HELLOWEEN-Songs ersetzt worden wären. Zum Abschluss im Anschluss an 'Crawling From Hell' gab es noch einen ganz kurzen Teil des opulenten 'Black In The Burn' zu hören, bevor ein genialer Konzertabend dem Ende hinzuging. Unzufrieden war wohl keiner der Anwesenden und beim nächsten Mal dürften es wohl wieder etwas mehr Zuschauer werden. Beim Herausgehen konnte man noch verschiedene bekanntere Musiker sehen, wie z. B. Tobi von EDGUY.

Setliste MASTERPLAN:
Intro
Crimson Rider
Crystal Night
Wounds
Kind Hearted Light
I'm not afraid
When Love Comes Close
Heroes
Enlighten Me
Bleeding Eyes
Love Is A Rock
Gitarrensolo
Soulburn
Spirit Never Dies
Back For My Life
Crawling From Hell – Soli – Black In The Burn (ansatzweise)

Redakteur:
Tilmann Ruby

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