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METAL CHURCH, ARMORED SAINT - Hamburg

25.08.2019 | 14:36

19.07.2019, Grünspan

Wenn zwei US-Metalschlachtschiffe durch deutsche Lande tingeln, sind die Erwartungen hoch.

Wenn zwei altehrwürdige US-Metal-Truppen gemeinsam die Hansestadt besuchen und dies dann auch noch auf einen Freitag fällt, ist es klar, dass das ebenso altehrwürdige Grünspan rappelvoll wird. Da es draußen schon flauschig warm ist, habe ich nach dem Konzert das Gefühl, fließendes Wasser in den Schuhen zu haben. Zum Glück gibt es Flüssignahrung. Aber dies alles wollt ihr eventuell gar nicht wissen. Von daher komme ich jetzt endlich zum eigentlichen Geschehen.

Der California-Fünfer ARMORED SAINT startet mit 'Raising Fear' gleich im sechsten Gang! Wie man es von Auftritten des megasympathischen Quintetts gewohnt ist, gibt es keine Warmlauf-Phase. Wahnsinns-Frontmann John Bush und seine Bande sorgen sofort dafür, dass die Luft brennt. Lichterloh! Der anschließende Oldie 'Can You Deliver' wird aus allen Kehlen mitgesungen, was den eh schon hoch motivierten Musikern offensichtlich einen weiteren Kick gibt. Völlige Begeisterung bricht bei mir aus, als man nun 'Creepy Feelings' aus dem Köcher zieht. Diese Nummer ist wohl nicht nur einer meiner Favoriten, denn auch in meinem direkten Umfeld drehen alle am Rad. John Bush zappelt auf der Bühne herum, als wäre er ein Zwanzigjähriger in einem gut klimatisierten  Raum. Obendrein hat ihn auch noch immer nicht ein bisschen seiner Sangeskraft verlassen. Das überraschende 'Head On' wird vom Video-Hit 'Last Train Home' abgelöst, welches von der kompletten Halle mitgesungen wird. Es folgt mit 'Underdogs' die nächste Überraschung und auch 'For The Sake Of Heavyness' ist alles andere als Standard-Programm. Man merkt der Band auch an, dass sie selbst gern im eigenen Back-Programm [Dr. Oetker?-der Red.] wühlt. Jeff Duncan und Phil Sandova hauen ihre Jahrhundertriffs und Hooks im Sekundentakt aus den Handgelenken und Joey Vera ist wie immer drahtig agil unterwegs. Es macht einfach unglaublich viel Spaß, diesen Musikern zuzuschauen. Weiter im Takt geht es mit 'In The Hole', dem alles vernichtenden 'Reign Of Fire' (erwähnte ich bereits die Temperaturen?) und dem Titelsong des noch immer aktuellen Albums "Win Hands Down". Ein Stimmungsabfall ist bei neuerem Material nicht zu verzeichnen, was ganz eindeutig für deren Qualität spricht. Das können nicht viele Bands aus den 80ern für sich beanspruchen. Nach 'Nervous Man' gibt es mit einem aus allen Kehlen gesungenem 'March Of The Saint' und dem obligatorischen 'Madhouse' die finale Salbung. Als Drummer Gonzo sich von den Fans verabschiedet, habe ich das Gefühl einen wandernden Wasserfall zu sehen, so sehr schwitzt der gute Mann. Ich fühle mich ähnlich, bin aber gleichzeitig so euphorisiert, dass mir das völlig egal ist. Das Wissen, nach längerer Pause mal wieder die beste Liveband im traditionellen Segment erlebt zu haben, entschädigt für alles. Und diesen Status haben die Herrschaften mal wieder untermauert.

Setliste: Raising Fear; Can U Deliver; Creepy Feelings; Head On; Last Train Home; Underdogs; For The Sake Of Heavyness; In The Hole; Reign Of Fire;Win Hands Down; Nervous Man; March Of The Saint; Madhouse

Da hat es der Headliner bei mir heute Abend leider verflucht schwer, obwohl ich viele Alben von METAL CHURCH sehr schätze. Schon beim Einsteigs-Doppel 'Damned If i Do' und 'Needle And Suture' fällt der weitaus  matschigere Sound negativ ins Gewicht. Die Gitarren drücken leider nicht und Mike Howes Gesang höre ich nur, wenn ich ihn anschaue. Warum glauben Hauptbands immer, dass lauter automatisch auch besser wäre? Werde ich ihm Leben nicht mehr verstehen. Zum Glück relativiert sich diese Problematik und beim Gassenhauer 'Badlands' scheint nicht nur mir die Sonne aus dem Löchlein. Die Nummer ist aber auch unverwüstlich. Mike singt toll, während sein Stageacting etwas anstrengend ist. Nun verweilt die Band eine Weile in Klassiker-Gewässern und haut zuerst 'Gods Of Second Chance' vom Album mit dem unfassbaren Artwork und danach das überraschende 'Date With Poverty' raus. Die Menge tobt, wobei ich den Eindruck habe, dass bei Heiligen etwas mehr los war. Dies mag an der Luft liegen, denn auch ich merke, dass so richtiges Ausflippen – also beidfüßiges Wippen – konditionstechnisch schon schwer fällt. Der 'The Dark'-Kracher 'Start The Fire' (Jungs, was habt ihr alle mit diesen Temperaturen?) ändert diesen Zustand und auch 'No Friend Of Mine' und 'Watch The Children Pray' halten dieses Niveau. Das neue 'The Black Things' sorgt für eine dringend notwendige Verschnaufpause, denn nun folgt mit 'Beyond The Black' der erste Song des Jahrhundert-Debüts. Da kann man noch so ausgelaugt sein: Dieses Riff ist wie eine Adrenalinspritze. Unfassbar, wie grandios diese Musik gealtert ist. Da kann das anschließende 'By The Numbers' trotz seiner Klasse nicht mithalten. Hier ist das Konzert erst einmal beendet, aber natürlich folgen noch Zugaben. Hierbei überraschen die Herren um Urgestein Kurdt Vanderhoof mit 'In Mourning', welches mein Highlight der "Human Factor" ist und somit alle Daumen nach oben zeigen lässt. Das anschließende 'Fake Healer', welches natürlich nach allen Regeln der Kunst abgefeiert wird, beendet dann ein sehr gutes Konzert und lässt mich fassungslos zurück. Kein 'Metal Church' und kein 'Gods Of Wrath'? Eieiei. Das gibt Abzüge in der B-Note.

Das ist aber Jammern auf hohem Niveau, denn die Band ist auch am heuteigen Abend in sehr guter Verfassung zu sehen gewesen. Pech nur, dass der Support ARMORED SAINT heißt. Da gewinnt (fast) keiner.

Setliste: Damned If You Do; Needle And Suture; Badlands; Gods Of Second Chance;Date With Poverty;Start The Fire;No Friend Of Mine;Watch The Children Pray;The Black Things; Beyond The Black; Fake Healer

Redakteur:
Holger Andrae

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