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MISTER MISERY, SINCE APRIL - München

26.02.2020 | 15:27

25.02.2020, Backstage

Headliner nach nur einem Album? Klar, das geht!

Eigentlich ist das sogar eine schöne Sache, denn so ein Clubkonzert für 16 Euro mit zwei weniger bekannten, enthusiastischen Bands ist doch mal angenehm. Wo können denn sonst kleine Bands mal richtig Erfahrung sammeln, wenn nicht in Clubs wie dem Backstage oder dem Nachtleben in Frankfurt oder dem 7er Club in Mannheim und ähnlichen Locations? Deswegen finde ich es großartig, dass Arising Empire ihr Pferdchen MISTER MISERY gleich mal wieder auf eine 14-Stopp-Tour durch Mitteleuropa schickt. Aufmerksamkeit hochhalten und den Burschen mehr Tourerfahrung geben, das kann nicht schaden.

Kurz vor der Abfahrt schaue ich nochmal auf die Webseite des Backstage und diesmal steht da tatsächlich ein lokaler Opener. Ich bin sicher, das letzte Mal, als ich geschaut habe, hat diese Nennung noch gefehlt. SINCE APRIL wird den Anfang machen und auf der Fahrt höre ich mal schnell in das neue Album "Escape" rein. Sehr ordentlicher, leicht progressiver Metal tönt aus den Lautsprechern. Schön, ich bin gespannt.

Als wir eintreffen und nach einer Weile, die dem unglaublich wichtigen Türsteher geschuldet ist, die kleinste der drei Konzertarenen betreten, bin ich überrascht, denn es ist doch ordentlich voll. Einen lokalen Opener heranzuziehen ist immer eine gute Idee, doch obwohl SINCE APRIL sicher auch einige Fans mitgebracht hat, sehe ich ein halbes Dutzend MISTER MISERY-Shirts und mehrere BEYOND THE BLACK-Leibchen. Hier haben die Skandianiver im Vorprogramm von BEYOND THE BLACK im letzten Herbst wohl mächtig Eindruck hinterlassen.

Doch zuerst darf SINCE APRIL ran. Die Bühne ist klein, die Band besteht aus fünf Musikern, viel Auslauf bleibt da nicht. Wie es scheint, würde man gerne etwas mehr Platz haben, ab und an kommt man sich mal ein wenig ins Gehege. Musikalisch ist das Ganze eine ganze Umdrehung härter als auf Konserve und Sänger Umut klingt aggressiver. Trotzdem bleiben die Melodien nicht auf der Strecke, auch wenn ich auf meinem Platz an der Seite, von dem aus es möglich ist, Fotos zu schießen, traditionell eher einen mäßigen Sound habe. Egal, die Stimmung ist auf jeden Fall gut und die vierzig Minuten vergehen wie im Flug. Kurz vor Ende des Sets sorgt eine Coverversion für Stimmung. 'Last Resort' von PAPA ROACH passt gut und sorgt für einen zusätzlichen Energieschub, auch wenn die Band musikalisch absolut bestehen kann. SINCE APRIL würde ich gerne wiedersehen.

Nach einer kurzen Umbaupause geht es auch gleich weiter. MISTER MISERY kommt auf die Bühne, die mit Grabsteinen, für jedes Bandmitglied einen, Laternen und Masken dekoriert ist. Die Schweden wollen Geschichten erzählen, ein bisschen Horrorattitüde verbreiten, aber immer mit einem Grinsen, irgendwie in der Tradition des Gruselns, nicht des Slashergenres. Facepainting gehört dazu, aber auch die heiseren Ansagen des Sängers mit dem absurden Künstlernamen Harley Vendetta. Natürlich besteht der Set aus dem Album "Unalive", das letztes Jahr erschienen ist und zehn Lieder enthält. Headliner-Tour bedeutet in diesem Fall natürlich, dass alle Lieder gespielt werden, das Album ist ja auch nur vierzig Minuten lang. So geht es los mit 'The Blood Waltz' und danach munter kreuz und quer durch die Scheibe.

Ich schätze, dass etwa 100 Musikfreunde ihren Weg in den Club gefunden haben, was für mitten in der Woche und in Anbetracht der doch noch geringen Bekanntheit der Band sehr beachtlich ist. Ich habe an gleicher Stelle schon Geoff Tate, VOYAGER und AUDREY HORNE mit weniger Besuchern erlebt. So gesehen stehen die Zeichen wohl auf Sturm für MISTER MISERY, die sich im Vergleich zu ihrem Auftritt an gleicher Stelle, aber im viel größeren "Werk", deutlich selbstsicherer gibt. Klar, wer heute hier ist, ist ihretwegen gekommen, da darf man auch mal überzeugt auftrumpfen. Was allerdings ein wenig in die Hose geht, ist der Abgang nach etwa vierzig Minuten. Irgendwie glaubt keiner, dass es das gewesen sein soll, und erst nach und nach kommt das Publikum auf die Idee, die Musiker wieder auf die Bühne zu klatschen. Wie gesagt, ein Album, und da noch Lieder fehlen, ist auch klar, dass der Abend noch nicht beendet ist.

Für den Schluss wurden mit 'Tell Me How' und 'Live While You Can' zwei der Top-Songs eines ansonsten ausgewogenen und starken Albums aufgehoben, die das Konzert nach etwas mehr als fünfzig Minuten beenden. Zwar wurde der Auftritt durch die Single 'Hollow', die sich nicht auf "Unalive" befindet und die laut Sänger Harley wohl der erste Song war, den die Band geschrieben hat, verlängert, aber die Coverversionen, die ich erwartete, stellen sich nicht ein. Dabei war ich sicher, dass vielleicht ein 'Shout At The Devil' oder ein Stück von Rob Zombie oder den CRAMPS sich gut geeignet hätten, um den Set auf eine Stunde zu hieven, aber MISTER MISERY wollte die eigene Musik allein stehen lassen. So ist kurz vor 22 Uhr Schluss und die Band kommt schon, kurz nachdem der letzte Akkord verklungen ist, raus zu den Angereisten. Fotos, Autogramme und ein Plausch mit den Fans machen einen guten, fannahen Eindruck.

So bleibt der Eindruck eines starken Auftrittes, wobei ich da ausdrücklich auch SINCE APRIL mit einschließen möchte, und einer sympathischen Band, die sich auf dem Weg befindet, sich eine beachtliche Fanbasis zu erspielen. Nächster Stopp ist dann ja wohl eines der Sommerfestivals, oder? Die Mitsinghymnen dürften auch gerne einem größeren Publikum vorgestellt werden.

Setliste: The Blood Waltz; You And I; Legion; Dead Valentine; Alive; My Ghost; Rebels Calling; Stronger; Hollow; Tell Me How; Live While You Can

Redakteur:
Frank Jaeger

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