MOTORJESUS - Übach-Palenberg

10.11.2019 | 14:59

25.10.2019, Outbaix

Ein rheinischer Abend.

Die Rockfans zwischen Niederrhein und Eifel dürften es mittlerweile wissen. Endlich hat die Rockkneipe Outbaix in Übach-Palenberg wieder eröffnet, und schon in den ersten Monaten des Neubetriebes gab es einige Konzerte bekannter Künstler. Am 25.10.2019 war MOTORJESUS aus Mönchengladbach zu Gast. Wie es sich für Vertreter der Dicke-Hosen-Mucke gehört, hatte die Gruppe gleich zwei Vorbands mitgebracht.

Zunächst ist WHEN TREES LEAVE WOLVES aus Aachen an der Reihe. Das Quintett spielt eine energisch-aggressive Musik mit Brüllgesang, die mich an Alternative Metal aus den 90ern erinnert und auch vom Grunge nicht ganz unbeeindruckt scheint. Leider ist der Sound für den kleinen Saal im Outbaix übersteuert, so dass kaum Details im Vortrag der Formation auszumachen sind. Dass etwa bei 'P For Paranoia' Bottleneck gespielt wird, ist zu sehen, aber kaum zu hören. Dennoch hat die Band Spaß in den Backen. Die drei Mann von der Saitenstelle wirbeln Haare und Gitarrenhälse durch die Luft und posen fast wie CROWBAR in schlank. Dass die unbekannte Gruppe anfangs wenig Zuschauerreaktion hervorruft, quittiert der sympathische Frontmann mit selbstironischen Ansagen. Irgendwann bei 'The Wolf Army Anthem', das für den Tierschutz geschrieben wurde (tja, Aggro-Metaller sind auch nicht mehr das, was sie mal waren), ist sogar ein Gitarrensolo auszumachen. Die Jungs von WHEN TREES LEAVE WOLVES haben Einsatz gezeigt und werden mit mehr als nur Höflichkeitsapplaus verabschiedet.

Dann gehört die Bühne der Lokalgröße SCORNAGE. Mit einem ausgiebigen Soundcheck vor ihrem Auftritt sorgt die Gruppe für einen mächtigen Sound beim Konzert. Höllisch laut und rasend schnell lässt der Fünfer seinen brachialen Thrash Metal von der Kette. Wechselnd zwischen schnell, sehr schnell und ultraschnell feuert die Gruppe ein Trommelfeuer unter anderem aus 'Made In Hell' und 'I Am Your Fear' ab. Damit begeistert sie einen Teil des Publikums, andere ziehen sich nach hinten an die Theke für flüssiges Brot zurück, manch einer wartet lieber draußen auf die Hauptband. Nachdem der Sänger ein Ex-Mitglied im Publikum begrüßt hat, feiern die Fans den Burschen bald mehr ab als die Band, bis er zu einem Gastauftritt auf die Bühne geholt wird, den er augenscheinlich angeheitert und zur Freude der Anhängerschaft absolviert. Auch wenn SCORNAGE definitiv nicht jedermanns Sache ist, hat sich die Truppe mit ihrem technisch präzisen Spiel bewiesen, das brutale Riffs und rasiermesserscharfe Soli nahtlos ineinander übergehen lässt. 

Nun ist endlich die Zeit für die Hauptband gekommen. Mit dem AC/DC-artigen Intro von 'Tales From The Wrecking Ball', dem Eingang des aktuellen Albums "Race To Resurrection", eröffnet MOTORJESUS das Konzert und jagt zur Freude der Zuschauer gleich 'King Collider' hinterher. Leider lässt sich die Gruppe dazu hinreißen, dem Over-the-Top-Sound ihrer Vorbands, an die sie härtetechnisch ohnehin nicht heranreicht, nachzueifern. Außerdem spielt wegen gesundheitlicher Probleme von Andreas Peters nur ein Gitarrist. Diese beiden Punkte verhindern, dass die Musik so detailliert vernehmbar ist, wie sie es verdient. Der muskulöse und energiegeladene Rock von MOTORJESUS ist gerade auf dem starken aktuellen Langspieler durch sehr detaillierte Arrangements aufgewertet. Im Laufe des Abends soll sich der Sound zumindest noch etwas verbessern. Auf ihr spezielles Vorprogramm reagiert die Band, indem sie vermutlich spontan ein Thrash-Metal-Medley aus 'Raining Blood', PANTERAs 'Walk' und 'Master Of Puppets' einschiebt, das vor der Bühne lautstark mitgesungen wird.

Eine Gruppe, für die Autorasen im Auftrag des Herrn Name und Programm ist, positioniert sich auch textlich und haut Nummern wie 'Back In The Action Car' oder 'King Of The Dead End Road' vom vorletzten Album
"Wheels Of Purgatory" raus. Während vor der Bühne Köpfe bangen und Fäuste fliegen, werden die Publikumsreaktionen nach hinten mit jeder Zuschauerreihe etwas verhaltener. Dennoch dürften die meisten mit Krachern wie 'Destroyer' und 'The Howling' ihren Spaß haben, ebenso mit Frontmann Chris Birx, der lustige Ansagen macht, auf Zwischenrufe reagiert und nebenbei ein paar Bierchen vernichtet. Auch die Musiker sind gut drauf und quittieren Sprüche des Sängers mit spontanen Einsätzen. Zum großen Finale steht der Kracher 'A New War' vom Debütalbum an, in den die Band Rockklassiker von den SCORPIONS über JUDAS PRIEST bis AC/DC einbaut, die in den ersten Reihen genau so stürmisch mitgesungen werden wie der Chorus. Als kurze Zugabe gibt es dann natürlich die Bandhymne 'Motojesus', bevor die Gruppe unter großem Jubel vor allem aus dem vorderen Teil des Saales von der Bühne geht.

Als die MOTORJESUS-Version von NEIL YOUNGs 'Old Man' aus der Konserve läuft, ist klar, dass das Konzert nun endgültig zu Ende ist. Ein langer, harter Abend ist vorbei, an dem die Jungs von MOTORJESUS einen guten, rundum unterhaltsamen Gig, aber sicher nicht die Show ihres Lebens gespielt haben.

Redakteur:
Stefan Kayser

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