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MUNICIPAL WASTE, TOXIC HOLOCAUST, ENFORCER, SKELETAL REMAINS - Nürnberg

25.12.2019 | 15:44

29.11.2019, Z-Bau

Die Auftaktshow zur Winter-Tour der amerikanischen Party-Thrasher in Nürnberg.

MUNICIPAL WASTE konnte in der Vergangenheit nicht nur die die Musik, sondern ebenso durch die gleichermaßen abgedrehten wie witzigen Musikvideos meine Aufmerksamkeit erlangen. Keine Frage also, dass ich mir die aktuelle Tour nicht entgehen lassen darf, auch wenn die Show in Nürnberg an einem Donnerstag stattfindet. Da man zusätzlich noch sowohl TOXIC HOLOCAUST, ENFORCER und SKELETAL REMAINS im Schlepptau hat, dürfte das ein geiler Abend werden. Gespannt bin ich vor allem, ob MUNICIPAL WASTE die Party-Attitüde ebenso stark auf die Bühne bringt, wie es in den Videos der Fall ist.

 

Den Anfang darf SKELETAL REMAINS machen, die angesichts des heutigen Line-ups durchaus als Exotenband bezeichnet werden darf. Die Kalifornier rumpeln auch gleich ordentlich mit 'Devouring Mortality', dem Titeltrack der aktuellen Scheibe, los. Der Death Metal, den die Jungs dem Nürnberger Publikum von der Bühne aus entgegenprügeln, ist stellenweise recht technisch gestaltet und in die Songs sind nicht selten längere Solopassagen eingearbeitet. Es macht zwar ohne Frage Spaß, was SKELETAL REMAINS auf die Bühne bringt, den meisten Zuschauern kann die Musik aber trotzdem nicht mehr als ein verhaltenes Kopfschütteln entlocken. Die Fans gehen zwar sichtlich mit jedem Song mehr und mehr aus sich heraus, jedoch ist die Show nach einer halben Stunde auch schon wieder vorbei und SKELETAL REMAINS holt sich den verdienten Applaus ab. Mir hat es richtig gut gefallen, diese Band kann ich ruhigen Gewissens weiterempfehlen.

Setliste: Devouring Mortality; Torture Labyrinth; Internal Detestation; Viral Hemorrhagic Pyrexia; Beyond Cremation; Traumatic Existence


Nach einer kurzen Pause geht es mit ENFORCER weiter. Die schwedische Mischung aus Heavy und Speed Metal mit gelegentlichen Thrash-Anleihen kommt beim Nürnberger Publikum wesentlich besser an. Das merkt man vor allem daran, dass im Bereich vor der Bühne jetzt kein Platz mehr ist, vorhin bei SKELETAL REMAINS konnte man sich dort noch einigermaßen hin- und herbewegen. Zudem ist die Stimmung gleich deutlich ausgelassener und es bedarf keines großen Aufwands für Sänger Olof, das Publikum zu einem Pit zu animieren. Die Musik geht aber auch wunderbar ins Ohr und ENFORCER geht in Punkto Bühnenshow ebenso rasant zu Werke wie bei den Songs. Dass bei Granaten wie 'Mesmerized By Fire' und 'Take Me Out Of This Nightmare' die Wenigsten im Publikum still halten können, ist auch keine Überraschung. Sehr schade, dass ENFORCER auch nicht wirklich mehr Spielzeit erhalten hat als zuvor SKELETAL REMAINS. Damit endet auch diese Show leider nach einer guten halben Stunde schon wieder, die Zuschauer dürften jetzt ordentlich angeheizt sein für die beiden Bands, die noch folgen.

Setliste: Destroyer; Die For The Devil; Undying Evil; From Beyond; Death Rides This Night; Mesmerized By Fire; Take Me Out Of This Nightmare; Midnight Vice

 

Als nächstes steht TOXIC HOLOCAUST auf dem Programm. Bereits nach wenigen Minuten ist klar, dass die Show von ENFORCER das benötigte Warmup war, welches die Fans im Z-Bau gebraucht haben, denn jetzt legen sowohl die Zuschauer als auch die Band auf der Bühne richtig los. Einen Fotograben gibt es nicht, trotzdem versuche ich erst gar nicht, mich von meinem Platz am Bühnenrand wegzubewegen, denn sicherer als hier ist zumindest direkt vor der Bühne nirgendwo. Der Pit wird immer ausgelassener und es kann auch schonmal vorkommen, dass halbleere Bierbecher oder sogar Zuschauer durch die Luft fliegen, nachdem sie von der Bühne gesprungen sind. Ein Fan lässt sich gar auf den Händen der anderen Zuschauer direkt zur Bar befördern, was eine geniale Idee ist, denn auf diesem Weg kommt man schneller und sicherer ans Ziel, als wenn man sich durch die Meute kämpfen müsste. Der punkige Thrash von TOXIC HOLOCAUST heizt die Menge immer mehr an, genauso stellt man sich ein gelungenes Konzert in einer kleinen gemütlichen Location vor. Obwohl TOCIX HOLOCAUST etwas mehr Spielzeit zur Verfügung hat als die beiden Vorgänger, bin ich mir sicher, dass die Fans in Nürnberg einigen weiteren Songs absolut nicht abgeneigt wären. Andererseits ist eine kurze Pause auch nicht verkehrt, und eine Show steht ja noch an. Geiler Auftritt, wen das nicht mitgerissen hat, der hat wohl keinen Sinn für diese Musik.

Setliste: Gravelord; Acid Fuzz; In The Name Of Science; Nuke The Cross; Bitch; Reaper’s Grave; Death Brings Death; Silence; War Is Hell; The Lord Of The Wasteland


Während der Pause werden an verschiedenen Stellen der Bühne Handtücher ausgelegt, scheinbar ahnen die Helfer schon, dass es jetzt noch heftiger werden wird als gerade eben schon.

MUNICIPAL WASTE wird gleich mit lautem Jubel von den Fans empfangen und anstatt Zeit zu verschwenden, legen die Jungs mit 'Unleash The Bastards' gleich los wie die Feuerwehr. Kurze, knackige Songs, die jederzeit gehörig Arsch treten, sind das Markenzeichen von MUNICIPAL WASTE. Auch hier sind gewisse Punk-Einflüsse deutlich erkennbar. Noch bevor die letzten Töne des Openers verklungen sind, ist das Publikum schon wieder auf demselben Stimmungslevel angelangt wie vorhin bei TOXIC HOLOCAUST. Es ist sogar noch heftiger, die Zuschauer in der ersten Reihe knien oder liegen schon halb auf der Bühne, was es mir nur noch erschwert ordentliche Fotos von der Band zu schießen, ohne wahlweise nur Köpfe, umherfliegende Haare oder hochgestreckte Fäuste vor der Linse zu haben. Wer die offiziellen Videos von MUNICIPAL WASTE kennt, kann sich sicher gut vorstellen, wie es gerade im Z-Bau abgeht, beschreiben lässt sich das Chaos nur schwer. Die Fans haben offenbar Gefallen daran gefunden, von der Bühne ins Publikum zu springen, denn praktisch im Sekundentakt sieht man hier die Fans durch die Luft fliegen. Manchmal sieht man nur ein paar Beine, die zwischen den Köpfen der restlichen Zuschauer emporragen. So geht Party! Es ist die Auftaktshow der Tour, aber man merkt von Song zu Song, dass die Stimme von Tony Foresta immer mehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Als er sich verabschiedet, ist sie sogar so gut wie gar nicht mehr vorhanden. Die lautstark geforderten Zugaben lässt er sich natürlich trotzdem nicht nehmen und knallt der aufgekratzten Meute noch 'Born To Party' vor den Latz. Die Luft in der Halle kann man mittlerweile in Scheiben schneiden, doch das hält weder die Band noch die Fans davon ab, ein letztes Mal alles zu geben und damit einen denkwürdigen Abend zu beenden. Was für eine geile Show!

Setliste: Unleast The Bastards; Mind Eraser; You’re Cut Off; The Thrashin‘ Of The Christ / Poison The Preacher; Shrednecks; Beer Pressure / Threashing’s My Business… And Business Is Good; Wave Of Death; Headbanger Face Rip / Intro / Slime And Punishment; Breathe Grease; Wrong Answer; Under The Waste Command; Sadistic Magician; Think Fast; Substitute Creature; Bangover; Born To Party

 

Der Z-Bau war genau die richtige Location für dieses Konzert, bei dem meiner Meinung nach einfach alles gestimmt hat. Vier Bands, die allesamt überzeugen konnten und Fans, die so sehr abgegangen sind, wie man es selbst bei Metalkonzerten nicht alle Tage sieht. Ich bin zwar echt froh, dass auch mein Fotoequipment diesen Abend ohne Schaden überstanden hat, würde mir aber jede der vier Band wieder anschauen. So eine super Stimmung habe ich echt selten erlebt. Die Halle war auch sehr gut gefüllt, möglicherweise sogar ziemlich ausverkauft. Alles in allem also ein mehr als gelungener Konzertabend, gute Besserung von mir an dieser Stelle noch an Tony Foresta, beziehungsweise seine Stimmbänder.

Redakteur:
Hermann Wunner

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