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Magic Circle Festival II - Bad Arolsen

13.08.2008 | 02:04

09.07.2008, Prinz-Eugen-Kaserne

Das von POWERMETAL.de präsentierte Festival des MANOWAR-Labels Magic Circle Music geht in die zweite Runde.

Freitag, 11. Juni 2008

KOBUS
Als erste Band haben sich KOBUS angemeldet. Vor vielleicht gerade einmal 80 Fans an der Bühne rumpeln die Südafrikaner durch die Gegend wie ich bei einem Müslifrühstück. Sänger Francois Breytenbach Blom schnauft wie DARKTHRONEs Nocturno Culto bei Heuschnupfen. Einzig Videomeister Neil Johnson geht hier ordentlich seiner Arbeit nach und lässt die Kameras rotieren. Genau wie Gitarrist Theo Crous, dessen Köpfchen einfach nicht stillhalten mag und jede Menge Hirnzellen durch den Fleischwolf jagt. Die ersten Fähnchen gesellen sich zu dem eher belanglosen Treiben - der Metal Hammer verlangt mehr VENOM, der Chef STRYPER, ich will meine Ruhe. Die Gewinner des South African Music Award plauzen sicherlich einige Songs aus ihrem prämierten Album "Swaarmetaal" aus den Boxen. Was da genau gezockt wird, bleibt unverständlich. Sänger Francois nuschelt sich den Mund ab, so dass hinter dem unstrukturierten Brei dicke Fragezeichen stehen. Zumindest hat es der Band Spaß gemacht, denn sie freuen sich diebisch, endlich auch einmal in Deutschland aufspielen zu können. Beeindruckend ist was anderes. Mit 'Pleasure Slave' trauen sie sich auf einem MANOWAR-Festival sogar an einen Kult-Hit der Gastgeber – gewagt! Zum Glück holt der Wettergott die Peitsche raus und lässt Regenhiebe prasseln. Aus die Maus!
[Enrico Ahlig]

STORMWARRIOR
Mit STORMWARRIOR folgt eine deutsche Kultcombo des traditionellen Heavy Metal. Aufgrund ihres vielumjubelten Auftritts im Vorjahr war es keine Frage, ob die Hanseaten dieses Jahr wieder für wackelnde Jeans-Kutten sorgen sollten. Total true schlägt man sich mit 'Into the Battle', 'Heavy Metal Fire' oder 'Valhalla' durch die fast zehnjährige Bandgeschichte, ohne das Feuer richtig zum Lodern zu bringen. Sänger Lars Ramcke lässt die Teutonen auferstehen und die Gitarrensoli um die Wette kämpfen. Mit 'The Axewielder' vom Debütalbum "Stormwarrior" beenden sie einen netten Gig, dem zwar Eigenständigkeit fehlt, der aber hohen Unterhaltungswert hat.
[Enrico Ahlig]

BURNING STARR
Dass sich Magic Circle Music immer wieder gerne mit alten Veteranen der New-York-Szene schmückt, ist nichts Neues und so hat neben THE RODS-Urgestein David Feinstein nun auch der ehemalige VIRGIN STEELE-Gitarrenhexer Jack Starr bei Joey DeMaios Label ein neues Zuhause gefunden. Dass er in Bad Arolsen allerdings unter dem Namen BURNING STARR auftritt, obwohl sein neues Projekt seit geraumer Zeit auf den Namen GUARDIANS OF THE FLAME hört, überrascht ein wenig, geht aber in Ordnung, da nicht nur Stücke seiner aktuellen Band gezockt werden, sondern auch Klassiker wie 'Go Down Fighting' aus seiner Zeit mit David DeFeis & Co., sowie Achtziger-Highlights aus der BURNING STARR-Schatzkiste wie 'Rock The American Way', 'Fight The Thunder' oder 'Evil Never Sleeps'. Neueren Datums ereilen uns ein Stück vom Debüt der GUARDIANS OF THE FLAME, sowie zwei Tracks vom kommenden Album. Das Live-Line-up besteht interessanter Weise zu drei Fünfteln aus den eben von der Bühne verabschiedeten STORMWARRIORs, Mr. Starr höchstselbst und einem sehr guten neuen Sänger, was natürlich andererseits bedeutet, dass das Line-up mit den Kultfiguren Shmoulik Avigal und vor allem Joe Hasselvander der Geschichte angehören dürfte. Der melodische und hymnische US-Metal mit hohem Gesang läuft mir erwartungsgemäß gut rein und auch die meisten Anwesenden lassen sich ganz gut inspirieren. Doch leider Gottes ist um diese Uhrzeit noch nicht allzu viel los auf dem riesigen Kasernengelände.
[Rüdiger Stehle]

PRESSEKONFERENZ
MANOWAR haben zur großen Pressekonferenz geladen. Also auf zum Pressebereich, der erst nach etlichen Verhören ausfindig gemacht werden kann. Neben MANOWAR (Rhino statt Scott Columbus) gesellen sich noch DORO, HOLY HELL und MAJESTY ans Pult, die jedoch nur schmückendes Beiwerk sind. Gut, wir erfahren, dass MAJESTY sich von nun an METALFORCE nennen und HOLY HELL die Aufnahme ihres Debütalbums abgeschlossen haben. Ansonsten kommen wir in den Genuss einer typischen Joey-DeMaio-Show: wenig Infos, aber unterhaltsam und witzig wir immer. Leider bestätigt der Chef, dass WHITESNAKE und DEF LEPPARD nicht spielen werden – einen echten Grund erfahren wir aber nicht wirklich. Auf DEF LEPPARD geht der Chef gar nicht erst ein. Die Absage von WHITESNAKE soll laut seiner Aussage mit der kommenden ALICE COOPER/WHITESNAKE-Tour zu tun haben. Wie meint Joey so schön: "Ich habe keine Ahnung, ich bin nur zum Musizieren hier." Ist klar! Ansonsten erfahren wir, dass Erics Stimme mittels jeder Menge Pussy-Juice so prima in Form ist. Lauter als die Presse lacht nur Maria von HOLY HELL – Nachtigall ich hör dich trapsen. Leider gibt es auch Trauriges zu berichten. Joey erklärt den Ausfall von Scott Columbus damit, dass dessen Eltern kürzlich verstorben sind. Zum Abschluss verkündet Joey noch den Krieg zwischen MANOWAR sowie ihren Fans und der verdammten restlichen Welt. Da fragen wir doch gleich mal bei TED NUGENT nach. Vielleicht hat er ja noch ein paar Schusswaffen übrig.
[Enrico Ahlig]

BELOVED ENEMY
Eigentlich hatte ich ja BRAZEN ABBOT erwartet, als ich mich um 15:00 Uhr vor der Bühne einfinde. Doch da stehen stattdessen BELOVED ENEMY und machen Musik. Die Gothic-Rocker um Ex-FIDDLERS GREEN-Gitarrist Peter Kafka hatten schon im Vorfeld bei Bekanntgabe ihrer Buchung für das MCF II für überraschtes Kopfschütteln gesorgt und hätten eigentlich am Samstag spielen sollen. Nur einige hundert Zuschauer sind vor der Bühne und darüber hinaus etwas überrascht über diesen ungewohnten Sound, der ihnen da entgegengebracht wird. Doch ab und an finden sich auch Fans der Band, die zu Songs der Debütplatte von 2007, "Enemy Mine", und der kommenden Platte im beständigen Nieselregen genussvoll mit dem Kopf nicken. Deplaziert, aber musikalisch sehr überzeugend, wie ich finde.
[Christoph Maser]

DORO
Nach kurzer Umbaupause betritt dann DORO PESCH mit ihren Jungs die Bühne und beweist, dass sie dort Jahre ihres Lebens verbracht hat. 60 Minuten reiner und truer Heavy Metal, und wie aus dem Nichts sind auch mehrere tausend Fans versammelt, um ihre Rockröhre zu feiern. Doro beherrscht die Kommunikation mit dem Publikum und macht von ihrem Metalcharme gewaltig Gebrauch. Die Frau im engen Lederkostüm beginnt mit Songs ihres Debütalbums "Burning The Witches". Weiter geht es mit späteren WARLOCK-Alben und Highlights wie 'Earthshaker', 'I Rule The Ruins', 'Hellbound', 'True As Steel' und 'Burning The Witches' sowie Songs aus "Warrior Soul" und "Fight". Auch die Ballade 'Für Immer' darf nicht fehlen und geht offensichtlich unter die Haut. Bei zwei männlichen Besuchern um die fünfzig, die neben mir stehen, fließen die Tränen der Rührung. True Männer weinen eben Testosteron! So endet es nach 60 Minuten mit 'All We Are' und – etwas unerwartet geht es zurück zum ersten Album – 'Metal Racer'. Gewaltiger Auftritt. Macht Spaß.
[Christoph Maser]

W.A.S.P.
Für Blackie Lawless und Konsorten steht der Auftritt irgendwie unter einem schlechten Stern. Was gerüchtehalber schon die Runde gemacht hat, wird nämlich vor dem Auftritt der Band offiziell, als der Bühnensprecher recht beiläufig bekannt gibt, dass die beiden Samstags-Co-Headliner WHITESNAKE und DEF LEPPARD nicht spielen würden, man dafür aber fünfzehn Euro zurück bekäme, wenn man vor dem Freitagsauftritt MANOWARs das Gelände verließe und nun auch eine Runde Freibier bekäme. Das sitzt. Die offene Feindseligkeit, welche dem Sprecher entgegen schlägt, führt wohl dazu, dass der W.A.S.P.-Auftritt nach hinten verschoben wird, bis die Gemüter wieder etwas beruhigt sind. So betreten Blackie und seine Mannen mit gehöriger Verzögerung die Bühne und spielen leider auch nur einen recht kurzen Auftritt, der es aber dafür in sich hat. Man merkt dem schwarzen Gesetzlosen zwar optisch an, dass er alt geworden ist, doch er rockt was das Zeug hält und hat auch jede Menge Hymnen im Gepäck, die teils recht euphorisch mitgebrüllt werden. Jedenfalls pumpen Hämmer wie 'On Your Knees', 'L.O.V.E. Machine', 'Chainsaw Charlie', 'Wild Child' und natürlich der Überflieger 'I Wanna Be Somebody' jede Menge gute Laune in die etwas angesäuerte Menge. Es fällt auch auf, dass die Songs energisch und spontan raus gedroschen werden, so dass dieses Mal nicht der Verdacht aufkommt, dass Playback im Spiel sei. Für mich auf jeden Fall eines der Highlights des Festivals.
[Rüdiger Stehle]

GOTTHARD
Eher überrascht hat mich im Vorfeld, dass die schweizerischen Hardrocker GOTTHARD mit 75 Minuten und direkt vor MANOWAR eine so gute Position im Billing erwischt haben. Überrascht hat mich dann auch die Band selber, denn die Schweizer spielen eine wirklich gute Show, die auch beim beständig wachsenden Publikum recht gut anzukommen scheint. Natürlich wartet der größte Teil der Menge auf MANOWAR, aber man sieht überraschend viele GOTTHARD-Fans, die textfest neben 'Anytime Anywhere' und 'Hush' auch alles Weitere mitsingen, was die Band ihnen präsentiert. Achtzehn Jahre Bühnenerfahrung merkt man eben, und den Schweizern scheint es Spaß zu machen, auf großer Bühne zu spielen. Denn obwohl sie Probleme mit dem Sound haben – die Drums sind viel zu laut – spielen sich die Musiker die Hände wund, und Sänger Steve Lee läuft mindestens einen Kilometer auf der vierzig Meter langen Bühne. Dazu scheint das erste Mal am Tag so richtig die Sonne.
[Christoph Maser]

MANOWAR
MANOWAR sind an der Reihe. Vor der Bühne hat sich ein gigantisches Meer aus Fahnen gebildet. Großartig! Nur leider ist der Wettergott kein MANOWAR-Fan, denn anders ist es nicht zu erklären, dass kurz vor Beginn ein unglaublicher Regenschauer vom Himmel kracht. Die Fans flüchten nach Walhalla (wahlweise zur Bierbude), und die Organisatoren machen das einzig Richtige: warten. Dann aber ist es so weit. Nachdem die beiden schicken Regenbögen für strahlende Gesichter gesorgt haben, der Regen sich beruhigt und der Flitzer bekleidet hat, soll es losgehen. Nun sind die Ohren an der Reihe. Mit 'Manowar' starten die Amerikaner auf gewohnte Weise ihren Set. Doch was ist das für ein gigantischer Sound? Fett, fett, fett und dermaßen laut, dass meine Kollegin mal eben die Ohrstöpsel sucht – und das in mindestens fünfzig Meter Entfernung zur Bühne. In der Folge glänzen die Kings Of Metal mit der chronologischen Abarbeitung ihrer ersten drei Alben. Für viele die besten Scheiben ihrer langjährigen Karriere. Ungewöhnlich zurückhaltend erweißt sich Joey heute. Doch gleich die erste Ansage sitzt. "Will hier jemand WHITESNAKE oder DEF LEPPARD sehen?" Alle rufen "Ja!" Falsche Antwort Leute, daher wiederholt Joey das Spiel, bis ihm ein kollektives "Nein!" entgegenbrandet. Joey schimpft über Miesmacher und den Metal Hammer, der angeblich zu tief rumstochern würde. Dumm nur, dass bei die Frage zu den beiden Bands bei der Pressekonferenz gar nicht vom Metal Hammer kam. "Fuck The Cocksuckers!" – eben! Ob sich Joey damit viele Freunde gemacht hat, sei dahingestellt. Die Kollegen waren aufgrund dieser Ansage kurz davor, das Festival in die Tonne zu kicken und nach Hause zu fahren. Klugerweise sahen sie darüber hinweg.

Nach dem Debütalbum "Battle Hymns" folgt "Into Glory Ride" und für viele jüngere Fans die erste Gelegenheit, Songs wie 'Warlord' oder 'Hatred' live zu erleben. Drei Stunden schwelgen die Fans in Erinnerungen und erleben einen Sound, der noch in zehn Kilometern Entfernung die Bewohner aus dem Häuschen treibt. Als Bonbon gibt es mit 'Warriors Of The World United' und der neuen Single 'Die With Honor' zwei aktuelle Stücke geboten, bevor mit dem wunderschönen 'Bridge Of Death' der erste Abend beschlossen wird. 'The Crown And The Ring' ertönt und schickt die Anwesenden direkt zur nächtlichen Zeltplatzparty. Prost!
[Enrico Ahlig]

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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