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Magnum - Augsburg

08.11.2012 | 21:11

06.11.2012, Spectrum

Eine Rock-Institution, die nie enttäuscht!

Alle Jahre wieder beehren uns die Recken von der Insel nicht nur mit einem neuen und regelmäßig großartigen Album, sondern touren auch ausgiebig mit vielen Gigs in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diesmal sieht es so aus, als würden sie an jeder zweiten Steckdose spielen, so viele Stationen machen MAGNUM auf der 13th Day Tour. Aber das schadet keinesfalls, denn am heutigen Abend ist das Spectrum in Augsburg doch ordentlich gefüllt. Was allerdings schadet, ist die Tatsache, dass die Vorband bereits spielt obwohl ich noch fünfzehn Minuten vor dem eigentlich angekündigten Beginn eintreffe.

Die Begleitband auf dieser Tour heißt NEONFLY und ich muss gestehen, dass ich sie nicht kenne. Um so wichtiger ist es, gleich mal ein paar Ohren voll zu nehmen und sie kennenzulernen. Durchaus harter, aber melodischer, teilweise auch etwas "haariger" Rock ist mein erster Eindruck. Dabei aber dargeboten von einer Band, die sich sichtlich bemüht, den Laden warm zu spielen. Im Laufe des Gigs verfestigt sich der Eindruck einer metallischeren Variante des melodischen Hard Rock, der auch gelegentlich mal mit beiden Augen ins Powermetallische schaut. Dabei scheinen alle Akteure gehörig Spaß zu haben, nur die Tatsache, dass es im ganzen Saal nur etwa zwanzig Nasen gibt, die nicht älter sind als der Banddurchschnitt, die Angestellten bereits mitgezählt, und dass das Publikum größtenteils nur sitzend und mitwippend dem Auftritt beiwohnt, scheint zumindest Sänger Willy Norton ein wenig anzustacheln. Mehrfach versucht er, die gesetzten Herren und Damen zum Nähertreten zu animieren und betont, dass die Band gar nicht so schlecht riechen würde. Damit hat er die Lacher auch seiner Seite, allerdings kommt er seinem Ziel bis zum Ende des Gigs nicht wirklich näher. Aber das macht nichts, denn trotz der Distanz werden NEONFLY gut aufgenommen, kaum jemand geht zum Rauchen nach draußen, und auch die Vorhalle ist ziemlich leer. Ein gutes Zeugnis für einen Anheizer. Auch mir machen die Briten gehörig Spaß. Einige der Songs haben großartige Refrains, hierbei sticht vor allem der Gassenhauer 'Morning Star' heraus. Zusammen mit der leicht exaltierten, aber sympathischen Performance macht das ziemlich Dampf und auf halbem Weg durch den Set weiß ich schon, dass ich heute das Spectrum nicht ohne das Debütalbum "Outshine The Sun" verlassen werde.

Passend zum Publikum auf dieser für NEONFLY doch eher überalterten Tour haben sie sich etwas einfallen lassen. Nach etwa der Hälfte eines ihrer Songs geht die Musik nahtlos über in JOURNEYs 'Separate Ways'. Ja, das kommt an. Da wird gesungen und gelacht, das kennt hier wirklich jeder. Eine gute Idee und das i-Tüpfelchen auf einem gelungenen Auftritt, der für mich auf jeden Fall bedeutet, dass ich die Band definitiv im Auge behalten muss. Was sich übrigens auf der Heimfahrt bestätigt: Das Album ist nämlich tatsächlich sehr stark!

Dann aber ist es Zeit für die sechs Akteure, die bei jedem MAGNUM-Gig auf der Bühne stehen. Sechs? Die Band hat doch nur fünf Musiker, der Schreiber hat mal wieder keine Ahnung. Von wegen: Kein MAGNUM-Gig ohne Bobs Ventilator. Schon vor über 20 Jahren, als ich die Briten zum ersten Mal live erlebte, gehörte die Windmaschine zur Grundausstattung. Und auch heute fällt er mir sofort ins Gesicht. Schön, dass es Konstanten im Musikzirkus gibt. Und dazu gehört auch, dass MAGNUM machen können, was sie wollen, sie können quasi keine schlechte Songauswahl treffen. Dabei geben sie sich aber heute alle Mühe, unberechenbar zu sein. Doch dazu später mehr. Erstmal kommen die Herren auf die Bühne. Mittlerweile muss man sagen, dass man ihnen das Alter doch schon ansieht. Immerhin liegt ihr Debüt-Album bereits 34 Jahre zurück. Allerdings waren die beiden Bandköpfe Bob Catley und Gitarrist Tony Clarkin damals bereits 31 Jahre alt. Na, mitgerechnet? Richtig, Rentenalter. Sollte ich in dem Alter noch soviel Power haben, werde ich mich glücklich schätzen. Zwar spielt Tony seine Gitarre meist mehr oder weniger im Hintergrund vor sich hin und lässt sich erst zum Ende mal ein Lächeln abringen, aber Bob Catley am Mikrophon macht das alles durch seine Präsenz wett. Er agiert weiterhin theatralisch wie immer und transportiert seine oft fantasievollen Texte überzeugend.

Mit dem Opener des aktuellen Albums wird ein schöner Auftakt gewählt, und auch die nächsten drei Songs sind knackige Rocker. Das Publikum ist zufrieden und bejubelt jeden Song. Zahlreiche MAGNUM-Shirts, auch und gerade von den letzten Touren, zeigen, dass sich die treuen Fans der Band eingefunden haben. Doch auch wenn es beim Hauptact ein klein wenig voller wird vor der Bühne, begnügen sich die meisten damit, den Auftritt von weiter hinten und wenn möglich sogar sitzend zu genießen. Daran ändert auch 'Brand New Morning' nichts, der fünfte Song vom vierten Album, das heute bereits zu Ehren kommt. Es ändert sich aber schlagartig, als Mark Stanway die ersten Noten von 'How Far Jerusalem' anstimmt. Natürlich ist "On A Storyteller's Night" Legende und das Lied reißt dann doch den Einen oder Anderen kurzzeitig vom Hocker. Im Laufe des Sets werden noch zwei weitere Songs des Albums folgen. Welche? Vielleicht 'Just Like An Arrow' und der Titelsong? Nein: 'Les Morts Dansant' und 'All England's Eyes'. Eine außergewöhnliche, aber nicht weniger tolle Wahl. Doch zwischen den beiden epischeren "Storyteller's Night"-Tracks wird 'The Flood' gespielt vom "Sleepwalking"-Album. Zwar hat das Album deutliche Schwächen, aber mit 'Stormy Weather' und eben diesem Song auch zwei echte Granaten. Ich bin jedenfalls begeistert von Song und Performance.

Bob Catley ist ein absoluter Entertainer. Er schäkert mit dem Publikum, reicht gerne mal seinen Schellenkranz weiter, wenn er ihn grad nicht braucht, und schüttelt Hände. Klar, die niedrige Bühne im Spectrum lädt dazu ein, aber selbstverständlich ist das dennoch nicht. Dazwischen fliegen die weißen Haare im Windstrom seines kleinen, elektrischen Freundes, die Hände beschreiben die bekannten Figuren, und seine Stimme klingt klar und kraftvoll wie eh und je. MAGNUM sind einfach eine Bank, und heute Abend versuchen sie, jedem Fan etwas von seinem Lieblingsalbum zu geben. Die siebzehn Songs, die sie spielen, stammen von zwölf verschiedenen Alben! Natürlich können wir darüber diskutieren, ob dies die besten Tracks der jeweiligen Alben sind, denn unverzichtbare Klassiker sind eigentlich nur 'How Far Jerusalem', 'Vigilate' und 'Kingdom Of Madness', aber eigentlich ist ja die Tatsache, dass die Band nicht nur aus einem großen Fundus schöpfen kann, sondern es auch tut, eine erfrischende Abwechslung zu den immer gleichen Setlists anderer Altgedienter.

Einzig die Auswahl der Zugaben ließ mich dann doch ein wenig ratlos zurück. Nach dem fulminanten 'Kingdom Of Madness' verlässt die Band die Bühne, um dann zu drei Zugaben zurückzukehren. Der aktuelle Song von der "13th Day" 'See How They Fall' ist vielleicht eine ungewöhnliche Wahl, aber ein starker Song. Dass dann aber mit 'Rockin' Chair' vom "Goodnight LA" Album ein doch sehr gewöhnlicher, wenn auch selten gespielter, und simpler Rocker folgt, ist sicher kein Höhepunkt. Und als Rausschmeißer kommt dann endlich das bislang vernachlässigte "Wings Of Heaven"-Album zum Zug. Allerdings nicht mit 'Wild Swan' oder 'Pray For The Day' oder dem Übersong 'Don't Wake The Lion', sondern mit 'Days Of No Trust'. Und ich dachte, Bon Catley wäre meiner Meinung, dass der Song eher nichts kann.

So bleibt als kleine Enttäuschung, dass es diesmal das große Finale bereits zum Ende des regulären Sets vor den Zugaben gegeben hat, aber als große positive Überraschung, dass MAGNUM einige Songs ausgetauscht haben und nicht einmal die Hälfte der Songs vor drei Jahren im Set waren und auf dieser Tour sogar 'The Spirit' eine Rückkehr feiert. Ein toller Gig mit kurzweiliger Unterhaltung von einer Band, die immer für einen schönen Abend gut ist.

Setlist:
All The Dreamers, When We Were Younger, Blood Red Laughter, Wild Angels, Brand New Morning, How far Jerusalem, The Flood, Les Morts Dansant, The Spirit, Dance of the Black Tattoo, All My Bridges, All England's Eyes, Vigilante, Kingdom of Madness; Zugaben: See How They Fall, Rockin' Chair, Days of No Trust

Redakteur:
Frank Jaeger

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