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Manowar - Hannover

19.12.2002 | 12:35

18.12.2002, Eilenriedehalle

OTHER BANDS PLAY – MANOWAR KILLS?

360 Kilometer aus den Frankenland in den schönen Norden legte ich zurück, um den Abschlußbericht der diesjährigen MANOWAR-Tour abzuliefern.
Die Eilenriede-Halle ist ein relativ kleines Gebäude im Schatten der hannoveraner Stadthalle, das nach meinen Schätzungen knapp 5000 Leute fassen dürfte, allerdings nur zu knapp drei Vierteln besetzt war.
Während BLUDGEON in der Halle ihren Supportgig gaben, befand ich mich vor der Halle und suchte einen Parkplatz, bekam letzten Ende noch die letzten beiden Songs mit, allerdings hatte ich nicht den Eindruck, etwas verpasst zu haben, da BLUDGEON einen derart unterirdisch schlechten Sound hatten, daß mir ein näherer Kommentar als „Death halt irgendwie“ nicht möglich war.
Nach einer reichlichen halben Stunde aber der Grund, weshalb wir alle gekommen waren: MANOWAR, die selbst ernannten Kings of Metal.
Zum musikalischen Gesamteindruck möchte ich hier nicht viele Worte verlieren, schließlich gibt es bereits vier Berichte von dieser Tour auf Powermetal.de und MANOWAR hielten es auch auf diesem Konzert nicht für nötig, Setlist oder auch nur kleine Ablaufdetails zu ändern, deshalb werde ich lieber ausführlich auf die Dinge eingehen, die auf diesem Konzert doch irgendwie anders waren als sonst.
So begann Joey gleich nach dem ersten Song mit irgendwelchen Bassherumschwenk- und Rückkopplungsspielchen – ich hatte allerdings den Eindruck, er versuchte Zeit zu schinden, da es irgendwelche Probleme mit Karl Logan's Klampfe gab.
Wirklich schwach fand ich hingegen, daß kein Bandmitglied es für nötig hielt allzu viel Zeit mit dem Publikum zu verschwenden, erst nach dem fünfeinhalbten Song hielt man es für nötig, sich ans Publikum zu wenden – und zum Kauf der neuen Single aufzurufen, und abgesehen von einem Mitsingspiel und -natürlich- der True-Metal-Rede war's das dann auch in Sachen Publikumskontakt.
Nichtsdestotrotz begeisterten die Kings of Metal jeden anwesenden Besucher, so verschieden das Publikum auf dieser Tournee auch ausfiel. Im Gegensatz zum 1998er-Tour nämlich waren diesmal neben den „üblichen“ Metallern aller Spielarten und Bikern auch ein Haufen Punks und HC-ler, ein paar HipHopper oder NuMetaller (auf jeden Fall mit großen Hosen), wenige Popper und sogar zwei Kinder unter 14 samt skeptisch guckendem Erziehungsberechtigten anwesend – Raab zeigt folgen. So hatte jeder seinen Spass, wobei es offensichtlich war, daß bei „Warriors Of The World“ ein Teil der Halle verstummte und der bisher Stumme Teil zu singen anfing.
Sehr schade war allerdings, daß Eric Adams lang nicht so gut bei Stimme war, wie ich es mir erhofft hatte und seine Stimme je nach Song zusätzlich an diverse Hall-Chor-Doppler und sonstige Effektgeräte angeschlossen war, bei „Hail And Kill“ führte dies zum merkwürdigen Effekt, daß die letzte Silbe jeder Zeile mit ein wenig Verspätung ein weiteres Mal aus den Boxen kam – Effektgerät auf Amok oder gar ein Tonband als Unterstützung im Hintergrund? Ich möchte MANOWAR hier nichts untrues unterstellen, aber es hörte sich sehr merkwürdig an.
Während Joeys Bassolo, welches ebenso lang wie überflüssig war, fiel bereits das erste Mal auf, daß MANOWAR die Fans lang nicht so im Griff hatten, wie sie es sich wünschen könnten – das Leute aus der zweiten und dritten Reihe zahlreich Richtung Bierstand pilgern habe ich noch nie erlebt, gab mir aber einerseits plötzlich einen sehr guten Platz und Muße, mich ein wenig umzusehen, und was sehe ich da: die Security zieht auf Joey's Geheiß los, ihm ne Braut nach hinten holen!
Beim Showpart (mit besagten Bräuten) wurde dann endgültig klar, daß gerade die MANOWAR-Veteranen, die teils in Shirts von der 92er Tour angereist waren, vielmehr an der Musik als an Joeys Reden interessiert waren – als MANOWAR auf Motorrädern auf die Bühne kamen, wurde das noch artig beklatscht, Joey's True-Metal-Rede hingegen fiel beim Publikum gnadenlos durch.
Als am Anfang ein Fan, „der auf der Arbeit verarscht wurde, weil er MANOWAR-Fan ist“ Joey zeigte, wie man vernünftig ein Bier ext, war das Gejohle noch groß, „Ex! Ex! Ex!“ wurde gefordert, als dann aber Joey bestimmt eine Viertelstunde lang auf englisch, später dann auf deutsch (mit seiner „Deutschlehrerin“) über deutsches Bier, deutsche Frauen, Hannover, die „Heaviest City in the world“ (wo sie ja den Lautstärke-Weltrekord aufstellten) undsoweiter schwadronierte, wurden die Fans ungnädig... während zu Beginn sich Jubel und Aufforderungen wie „Halt's Maul und Spiel!“ noch in der Waage hielten, wurde der „Deutschlehrerin“-Teil von einem „SCHEISSE SCHEISSE SCHEISSE“-Sprechchor niedergebrüllt, einen besonders lauten Fan motzte Joey sogar an, „shut the fuck up!“. MANOWAR sollten sich dringend überlegen, diesen Part langsam mal bleiben zu lassen – ernst nehmen tut ihn schon lange keiner mehr und inzwischen scheint es viele Leute einfach nur noch zu nerven.
Mit „Black Wind, Fire and Steel“ räumten MANOWAR im Anschluss allerdings noch einmal richtig ab, so daß nach dem Konzert kein unzufriedenes Gesicht zu sehen war. Solange sie tatsächlich spielen sind MANOWAR definitiv eine der besten Livebands der Szene.
Einen Erfolg der besonderen Art hatte der Wurstverkäufer vor der Halle, dessen „Braaaaaaaatwurst“ sofort vielstimmig beantwortet wurde, dieser Schrei hat das Kultpotential von „Heeeeeelgaaaaaa!“.

OTHER BANDS PLAY – MANOWAR KILLS!

Redakteur:
Philipp von dem Knesebeck

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