M'era Luna Festival - Hildesheim

28.08.2007 | 20:56

11.08.2007, Flugplatz

Regen durchflutet das Gelände am Hildesheimer Flugplatz an diesem Freitagabend. Für die meisten der rund 20.000 Festivalbesucher nichts Ungewöhnliches, denn oft regnet es zum Beginn des M'era Luna - und so auch in diesem Jahr. Abschrecken lässt sich keiner. In den Zelten raschelt, kichert und lacht es. Viele der bereits am Freitag angereisten Gäste bereiten sich auf die anstehende Party im Discohangar vor. Bereits dort zeigen sich vereinzelte auffällige Gestalten in der Menge, die größtenteils zu den Electrobeats verschiedener DJs tanzen. Auch wenn die Party für einige erst morgens gegen fünf Uhr endet, stehen am ersten Festivaltag trotzdem die ersten Fans vor der Mainstage. Um elf Uhr starten hier nämlich THE LOVECRAVE mit einem sehr rockigen Sound. Und vor allem ihre Sängerin Francesca Chiara versucht nicht nur mit ihrem attraktiven Äußeren, sondern auch mit ihrem starken Gesang, das Publikum zu der ein oder anderen Bewegung zu animieren.
[Franziska Böhl]

Zum Hangarauftakt schaffen es die weiß gekleideten Nu-Metaller von PESTICIDE dagegen kaum, den paar Dutzend Verschlafenen auch nur ein Mindestmaß an Enthusiasmus zu entlocken. Bis auf wenige einzelne Metalheads lässt sich niemand von dem Ensemble beeindrucken.
[Sebastian Schulze]

Dafür geht es auf der Mainstage mit feuerspeienden Pfeifen einer Kirchenorgel und zwei Tänzerinnen weiter, die den Auftritt von LOLA ANGST begeleiten. Ihre Musik ist eine Mischung aus EBM und Punk. DJ Rainer versucht gegen Ende sogar noch eine Bierflasche mit der Axt zu öffnen, was aber in Scherben endet.
[Swen Reuter]

Der Hangar hat sich mittlerweile knapp zur Hälfte gefüllt, doch der Drummer von DOWN BELOW, Mr. Mahony, bleibt wohl das einzig Hörenswerte, auch wenn Frontmann Neo Scope mit übertriebener Pathetik versucht, die Anwesenden zu motivieren. Wirklich begeistert zeigt sich davon aber keiner.
[Sebastian Schulze]

Abschalten von DOWN BELOW lässt sich gut vor der Mainstage. Hier spielen mittlerweile JESUS ON EXTASY. Der Sänger der Gothic-Rock-Kombo mit industriallastigen Einflüssen, Dorian Deveraux, wirkt mit seinem charismatischen und niedlichen Äußeren auch recht anziehend auf die jungen Mädels. Sympathisch aber auch für alle anderen, denn immerhin begrüßt er die Fans vor der Bühne beim "schlammigen M'era Luna". Einen Hinweis auf ihre MySpace-Seite kann er sich aber nicht verkneifen. Trotzdem: JESUS ON EXTASY legen einen guten Auftritt hin, der aber nach etwas über einen halben Stunde zu Ende ist.
[Franziska Böhl]

Guten Alternative Rock spielen dann die Jungs aus Dallas von FAIR TO MIDLAND. Sänger Darroh Sudderth springt wie wild geworden über die Bühne und kippt sich öfters Wasser über den Kopf. Am Ende springt er noch gewagt aus luftiger Höhe auf die Bühne im Hangar.
[Swen Reuter]

Auf der Mainstage bieten NECRO FACILITY einen ebenso abwechslungsreichen Sound an. Dem Publikum gefällt der erste Electro-Act des Tages, den es mit angemessenem Applaus honoriert.
[Nadja Conrad]

Noch härtere Töne werden im Hangar angeschlagen: Die Industrial-Rocker von PAIN rocken mit ihrem metallastigeren Gitarrensound die kleine Bühne. Allerdings gehen die Fans zu neuen Songs wie 'Nailed To The Grave' vom neuen Album "Psalms Of Extinction" noch nicht so ganz mit, jedoch mag das daran liegen, dass einige wohl eher mit der norwegischen und eher punktigeren Band ANIMAL ALPHA gerechnet haben, die mit PAIN getauscht haben, aber dann doch ersatzlos ausgefallen sind. Doch egal, Hauptsache Peter Tätgren hat gute Laune: Mit einem sanften Beginn geht es nach einer kurzen Ansage auch schon kraftvoll weiter: "If you don´t like the song, than hate me." Und öfter kommt der starke elektrolastige Sound zum Vorschein, der zum Teil mit grunzenden Gesang gepaart wird. Dazu gibt es aber auch eine recht klare Stimme, die beispielsweise Worte wie "Hey Little Bitch" singt. Während des Auftritts von PAIN steigt die Stimmung immer mehr, am Ende müssen sie sogar eine Zugabe spielen.
[Franziska Böhl]

Auf der Mainstage herrscht derweil Verwirrung, denn da die Mitglieder von ASSEMBLAGE 23 nicht rechtzeitig spielen können, sind erst mal die drei Damen von CLIENT an der Reihe. Fein gestylt geben sie sich ziemlich unnahbar und der etwas monotone, elektronische Sound kann auf Dauer nicht überzeugen. Aber mit dem Eintreffen von Tom Shear steigt dann auch die Stimmung im Publikum vor der Mainstage. Grund dafür dürfte unter anderem die lange Bühnenabstinenz von ASSEMBLAGE 23 sein. Es erklingen zahlreiche neue Songs und einige Klassiker in feinster Electro-Pop-Qualität. Die Menge findet daran großen Gefallen und jubelt den Amerikanern zu.
[Swen Reuter]

Im gewohnten Piratenoutfit entern inzwischen CULTUS FEROX die Bühne des reichlich gefüllten Hangars. Die Band versteht es bestens, mit ihren mittelalterlichen Klängen das Publikum mitzureißen und überzeugt mit einer starken Liveperformance, was mit anhaltendem Applaus bedacht wird.
[Nadja Conrad]

Freudig wird ebenso die schwedische Electro-Band COVENANT auf der Mainstage erwartet: Mit strahlend weißem Anzug und einem Lächeln auf den Lippen scheint sich Sänger Eskil Simonsson sichtlich auf den Auftritt zu freuen. Dabei präsentieren sie unter anderem Songs des aktuellen Albums "Skyshaper", so zum Beispiel 'Ritual Noise'. Aber auch ältere Stücke wie 'Call The Ships To Port' werden gespielt. Währenddessen verwandelt sich das Publikum in eine tanzende Masse. "Dancing In the Sun", wie sie zuvor Simonsson auffordert. Nötig ist das bei dieser ausgelassenen Stimmung aber nicht.
[Franziska Böhl]

Beim Konzert im Hangar der englischen Formation NOSFERATU herrscht hingegen verhaltene Stimmung, obwohl die Gothic-Rocker eine gute Show präsentieren. Musikalisch gibt es nichts auszusetzen. Doch der Funke zum Publikum will nicht so recht überspringen. Mit 'Rise' spielen sie einen älteren Klassiker und verabschieden sich nach einer Stunde Spielzeit.
[Swen Reuter]

Interessanter mag es da auf der Mainstage sein: Die japanischen Modern-Rocker DIR EN GREY spielen bereits und die weiblichen Fans in den ersten Reihen können die Blicke von den Jungs mit ihrem leicht femininem Äußeren nicht lassen. Viel tun müssen DIR EN GREY also nicht, die Mädels schreien auch so. Mit arrogantem Blick scheint Sänger Kyo das alles aber abzutun. Er zieht seine Show durch.
[Franziska Böhl]

Dafür gleicht der Auftritt im Hangar fast einem Theaterstück, bei dem die Musik etwas in den Hintergrund rückt, die auch nicht so berühmt ist. Zumindest was den Sound betrifft. Mit aufwendigen Kleidern und Accessoires aus dem viktorianischen Zeitalter präsentieren sich EMILIE AUTUMN mit drei Damen dem Publikum. Sie zeigen eine aufwendige Show und servieren den Gästen der ersten Reihen Gebäck. Und mit einem eindrucksvollen Geigensolo zeigen EMILIE AUTUMN ihr musikalisches Können.
[Swen Reuter]

Weiter geht es mit dem allbekannten 'Herren der Winde'. Damit startet das Sextett von SCHANDMAUL um den rotgekleideten Thomas Lindner in ein phantastisches Konzert. Gelungene Outfits sowie die zwei fiedelnden Schönheiten Anna und Birgit sorgen nicht zuletzt dafür, den Auftritt auch optisch ansprechend zu gestalten. Als Sänger Thomas nach den beiden mitreißenden Liedern 'Kein Weg zu weit' und 'Sichelmond' auch noch einen kettenhemdbewehrten Wikinger aus der Autogrammstunde an seinem überdimensionalen Bart wiedererkennt und ihm ein schönes Festival wünscht, ist die Stimmung perfekt. Da können auch das überragende Gitarrensolo in 'Lichtblitz' oder der vielgeliebte Song 'Walpurgisnacht' zum Abschluss nicht mehr viel steigern. Kurzum, alte Fans sind begeistert, neue werden sich nach diesem Spektakel wohl auch einfinden - weiter so, liebes SCHANDMAUL.

Spannung in der Luft ist auch greifbar, als die Jungs und Mädels von MY DYING BRIDE die Bühne im Hangar betreten. Ohne viel Umschweife geht es auch direkt in düstere Doom-Metal-Sphären, und auch wenn Sänger Aaron Stainthorpe zwischen den Songs nicht viel spricht, macht er das doch Körpereinsatz und einem nicht zu kleinen Maß an Theatralik wieder wett. Der perfekt abgemischte, kraftvolle Sound sowie der volle Einsatz reißen auch schon bald die ersten Zuschauer in ihren Bann, und so manch einer der sonst eher ruhigen Gothic-Gemeinde findet sich wohl unvermittelt headbangend wieder. Abschließend mit 'My Darkest Hour' verebben die tragischen Töne, und es ist wohl nicht schlecht, dass das Festivalgelände für scharfe Gegenstände gesperrt ist, denn es wunderte nicht, trüge sich so manch einer nach diesen tragischen Kompositionen mit Selbstmordgedanken.
[Sebastian Schulze]

Weg mit solchen Gedanken und auf zur Hauptbühne, denn hier wird es kurz vor Beginn von AND ONE eng. Sie avancieren zum heimlichen Hauptact des Tages. Im gewohnt weißen Anzug betritt Steve Naghavi die Bühne und erklärt das M'era Luna für eröffnet. Es folgt ein Querschnitt aus ihrem Schaffen. Dazu spielen sie zwei Coverversionen: 'Timekiller' von PROJECT PITCHFORK und 'The Walk' von THE CURE. Letztere Band ermahnt er, endlich ein neues Album zu veröffentlichen. Steve hat das Publikum fest im Griff und legt den stimmungsreichsten Auftritt des Tages hin.
[Swen Reuter]

Rappelvoll wird aber auch der Hangar noch einmal, denn SUICIDE COMMANDO hat sich angesagt. Die ganze Electro-Gemeinde versammelt sich für den Höhepunkt des Abends. Auf der Bühnenleinwand laufen während der Show abgedrehte Filme und diverse Texteinblendungen. Verstärkt wird das Ganze noch durch helle Lichtblitze. Der verzerrte Gesang wirkt sehr aggressiv. Johan van Roy zieht die Menge perfekt in seinen Bann, die ausgiebig tanzt. Dabei gilt: Entweder bis zum umfallen mitfeiern oder fluchtartig den Hangar verlassen.
[Nadja Conrad]

Fluchtartig werden das wohl einige getan haben, um pünktlich 22:45 Uhr auf die Hauptbühne blicken zu können: Beginnend mit 'Jambi' starten die Virtuosen von TOOL in eine Show der Extraklasse. In ihrer unverwechselbaren Art, von Sänger Keenan während eines Interviews auch als "Thinking Man's Metal" bezeichnet, kann sich wohl jeder, ob Metaller oder Gothic, wiederfinden. Obwohl Keenan das Publikum wie üblich nur mit einem seit- oder rückwärtigen Anblick seiner selbst beglückt, Gitarrist Adam Jones statisch und selbst versunken vor sich hin klampft, zeigt wenigstens Bassist Chancellor mit rotierendem Kopf etwas Ausdruck. Und während auf der Bühne einige Videoscreens fröhlich vor sich hin flimmern, merkt auch jeder TOOL-Neuling spätestens beim dritten Stück 'Schism', dass diese vier Jungs mit dem phantastischen Drummer Caray ihr Handwerk mehr als nur verstehen. Als dann das Einsetzen einer beeindruckenden, grünen Lasershow zwischen Bühne und Audioturm die sowieso schon opulente Laune der Menge weiter hochschraubt, folgt sie mitgerissen den schrägen, verwinkelten Konstruktionen der Gruppe. 'Vicarious', der erste Song des neuen Albums "10.000 Days", beschließt einen rundherum gelungenen Auftritt der Amerikaner, die damit einmal wieder zeigen, warum sie in den letzten Jahren zwei Grammys eingesackt haben. [Sebastian Schulze]

Nach diesem berauschendem Auftritt geht es zum nächsten Bierstand, um bei einem kühlen Hellen noch ein wenig über TOOL und den ersten Tag des M'era Luna zu philosophieren. Doch die Nacht ist noch jung, denn es ist gerade einmal kurz nach Mitternacht, und da heißt es natürlich nicht ins Zelt fallen. Erfreulicherweise gibt es wieder Musik aus der Konserve im Discohangar. Auch an diesem Abend tanzen wieder viele der Festivalbesucher bis in die Morgenstunden. Eine lange Nacht wird aber auch das nicht. Gegen elf Uhr morgens beginnt bereits wieder die nächste Band, doch zuvor muss wenigstens etwas gegessen werden, das nicht nach Hot Dog oder Pizza aussieht - und schnell noch eine Dusche in den fragwürdigen Gemeinschaftsduschen genommen werden.
[Franziska Böhl]

Mit traditionellen und rauen EBM starten dann auch PROCEED am Sonntag im Hangar. Das Trio aus Magdeburg kann bereits zu früher Stunde zahlreiche Zuschauer zum Tanzen animieren.
[Swen Reuter]

Vor der Hauptbühne sieht es dagegen etwas leer aus. So viele sehen sich den Auftritt von BIG BOY nämlich nicht an. Die Glam- und Gothrocker geben sich zwar viel Mühe, aber Stimmung ist um diese Uhrzeit noch nicht zu erwarten. Dafür feiert sich die Band am Ende selbst mit dem Song 'Hail The Big Boy'. [Franziska Böhl]

Weiter geht es im Hangar mit dem Duo IMPLANT: Mit einer Mischung aus EBM und Industrial kommen die Belgier bei den Zuschauern gut an. Dass ANNE CLARK die beiden gesangstechnisch nicht unterstützt, tut dem Ganzen keinen Abbruch.
[Swen Reuter]

Farbenfroher und ein wenig verrückter geht es mit der Alternativ- oder eher Electro-Band WARREN SUICIDE aus Berlin weiter. Einen gleichnamigen Song hat die Band auch zu bieten - und das M'era Luna wird mit selbst angefertigen Tafeln begrüßt.
[Franziska Böhl]

Für schnelle und atmosphärische Elektrobeats sorgen derweil die Vier von ANGELS AND AGONY im wohlgefüllten Hangar. Die auffordernden Rufe von Reinier Kahle wie "Play for your souls" sind fast unnötig, die Menge eifert auch so mit. Schon bei Song nummer zwei, 'Forever', sind vor allem eingefleischte Fans kaum noch zu halten. Einzig etwas verloren steht Drummer und Soundengineer Fried Bruggink hinter seinem Elektroschlagzeug, der, zumindest auf der Bühne, auch gut durch einen Wackeldackel zu ersetzen wäre.
[Sebastian Schulze]

Mit einem stimmgewaltigen und rockigen Auftritt begeistern KRYPTERIA mit ihrer charismatischen Frontfrau Ji-In das Publikum vor der Mainstage. Mit 'I Cant't Breathe' endet das viel zu kurze Konzert.
[Swen Reuter]

Begeistern kann die nächste Band im Hangar: Kurz bevor DIORAMA mit ihrer Show beginnen, geht Keyboarder Felix Marc die Mikros durch und erntet schon für seine kurzen Gesangeseinlagen Applaus. Größeren erhält dann aber Sänger Torben Wendt, und ein guter Auftritt der Elektro-Gothic-Band beginnt. Kraftvoll und energisch werden dabei Lieder wie 'Synthesize Me' vertont. Nach einer knappen Dreiviertelstunde müssen aber auch DIORAMA wieder die Bühne verlassen. [Franziska Böhl]

Am Mikrofon der Mainstage steht inzwischen Roberto Vitacca von LACRIMAS PROFUNDERE - und Peter Kafka am Bass. Mit seiner Wollmütze passt er nicht so recht ins Bild hinein. Jedoch agiert er sicher, was den Gesang betrifft, wirkt nur etwas nervös. So hält sich die Stimmung im Publikum auch in Grenzen. Bleibt zu hoffen, dass die Besetzungswechsel bei den Gothic-Rockern nun ein Ende haben. [Swen Reuter]

Im Hangar ist nun der Frontmann von HOCICO, Erk Aicrags, mit seinem Nebenprojekt RABIA SORDA an der Reihe. Wie immer legt der Mexikaner eine energiegeladene Show hin. Nur der Sound ist etwas gewöhnungsbedürftig. Das Publikum ist vom Auftritt recht angetan.
[Nadja Conrad]

Eine wohl viel bessere Stimmung herrscht aber auf der Mainstage: Hier präsentieren THE CRÜXSHADOWS einen Großteil der Songs ihres neuen Albums "DreamCypher". Mit 'Winterborn' spielen sie einen ihrer älteren Hits. Sänger Rogue turnt zu den elektronischen Klängen wie üblich über die Bühne und klettert auf die Absperrung zum Publikum, welches ordentlich mitfeiert.
[Swen Reuter]

Nun sind drei altbekannte Herren der Elektroszene am Start: In einer Art Kampfanzüge präsentieren 32 CRASH hauptsächlich die Songs ihrer aktuellen EP "Humanity". Darin erzählen sie die Geschichte von einer Welt, die von Chaos regiert wird und wie sie in geordnete Bahnen zurück gebracht werden soll. Spannender geht es da auf der Hauptbühne weiter.
[Nadja Conrad]

Denn unter brennender Sonne beginnt das Konzert der Alt-Goth-Rocker von THE 69 EYES mit dem Song 'Devils'. Und obwohl das Festivalgelände bis zum Bersten gefüllt ist, sieht man auch bei 'Never Say Die' und 'Dance D'Amour' fast mehr schwarze Schirme als enthusiastisch feiernde Leute, vom Platz direkt vor der Bühne einmal abgesehen, der aber von Menschen bevölkert wird, die großteils weiblich sind und auf ihren 18. Geburtstag wohl noch eine Weile warten dürften. Die THE 69 EYES, in überraschendem Metaloutfit, mit den obligatorischen Ankhs auf dem Rücken, setzen fort mit 'Feel Berlin' und 'The Chair', unterbrochen von den übertriebenen Showeinlagen des Trommlers Jussi, der damit wohl kleine Mädchen, nicht aber die Ohren von Musikliebhabern beeindrucken kann. Das ganze Spektakel findet unter einer schwächlichen Lightshow statt, die sich klar der gleißenden Sonne geschlagen geben muss. Nach 'Gothic Girl' ist dann noch der Versuch eines Drumsolos zu vernehmen, der zeigt, dass man sich als Schlagzeuger doch eher mit dem Üben am Set anstatt mit dem Wirbeln von Sticks beschäftigen sollte. Nach acht weiteren langen Minuten endet das Theater, woraufhin die meisten schwarzen Schirme eine interessante, wenn auch nicht überraschende, Affinität zu ihren grünen Konterparts der Bierstände entwickeln.
[Sebastian Schulze]

Der Auftritt im Hangar beginnt derweil mit einer Ansage des angeblichen Bandmanagers Harry Pritzel, der verkündet, dass die Band nicht auftreten kann. Dies ist ein Wink an den Film "Verschwende deine Jungend": Natürlich treten WELLE:ERDBALL auf. Los geht es mit 'Die Roboter' von KRAFTWERK. Alle tragen Masken, die beiden Damen Uniformen und verführerische, kurze Röcke. Es wird wieder der 'Starfighter F-104G' gezündet und die Menge tobt im vollen Hangar. Mit 'Es geht voran' endet eine super Show.
[Nadja Conrad]

"This is ugly" - Worte aus dem Mund von SKINNY PUPPY-Sänger Kevin Ogilvie zu Beginn des Auftritts der Post-Industrial-Rocker. Ihre Fans blicken währenddessen gespannt nach vorn zur Hauptbühne, nicken die Köpfe im Takt und sehen Ogilvie dabei zu, wie er sich nach und nach entblättert, seinen Verband ablegt, sich mit Blut beschmiert oder selbiges auf der großen, weißen Leinwand ausspuckt. Trotz der Uhrzeit und der hell scheinenden Sonne verfehlt die etwas merkwürdige Show von Ogilvie aber nicht seine Wirkung. Natürlich fehlen auch SKINNY PUPPY-Hits wie 'Worlock' nicht. Nur schade, dass nach nur einer Stunde ihr Auftritt vorbei ist.
[Franziska Böhl]

Technische Probleme verzögern den Auftritt von IAMX. Der Hangar ist auch nur mäßig gefüllt, da gleichzeitig DEINE LAKAIEN auftreten. Trotz allem herrscht von Beginn an eine gute Stimmung im Publikum. Chris Corner, der Sänger der SNEAKER PIMPS, hat den Touch einer Diva, überrascht aber mit einem starken Auftritt. Los geht es mit 'Alternative', was ordentlich rockt. Der Sound ist eine Mischung aus Elektro und Pop mit eingängigen Gitarrenklängen. Insgesamt ein überraschend gelungener Auftritt.
[Nadja Conrad]

Recht leise beginnt der Auftritt von DEINE LAKAIEN & DER NEUEN PHILHARMONIE FRANKFURT an diesem Abend. Im Hangar wäre die Akustik sicher angenehmer gewesen, doch der Theatralik, die sich auf der Mainstage entwickelt, tut das keinen Abbruch: Gespannt sehen die Fans nach vorn, um zu erhaschen, was genau Pianist Ernst Horn herumdirigiert oder wie Sänger Alexander Veljanov bei Liedern wie 'Over And Done', 'Into My Arms', 'Vivre' oder 'Dark Star' seine ausdrucksstarke Stimme spielen lässt. Einer Stimme, die so manche Gänsehaut erzeugen kann, vor allem bei ihrem letzten Lied: 'Love Me To The End'. [Franziska Böhl]

Und auch auf den folgenden Auftritt fiebern die Fans den ganzen Tag hin. Zum Instrumental von 'Acropolis', betritt erst die Band und dann ANNE CLARK unter großem Beifall die kleine Bühne. Es folgt der ruhige Song 'Killing Time'. Während der Lieder steht Frau Clark oft mit verschränkten Armen da und wirkt fast abwesend. 'Sleeper In Metropolis' wird natürlich gebührend gefeiert. Danach verlassen sie und einige Musiker die Bühne und es sind Klänge zu hören, die an ein Didgeridoo erinnern. Es folgt ein experimentelles und gelungenes Stück. Danach kommen alle zu 'Nightship' wieder auf die Bühne. Mit 'Our Darkness' findet das M'era Luna einen großartigen Abschluss im Hangar.
[Nadja Conrad]

Auf der Hauptbühne können aber noch THE JESUS AND THE MARY CHAINS bestaunt werden. Ihr einziger Auftritt im Sommer 2007 in Deutschland. Doch eigentlich hat sich die Indie-Rock-Band bereits 1999 offiziell aufgelöst. Trotzdem präsentieren sie an diesem Abend Musik aus ihrer 15-jährigen Bandgeschichte. Von den Älteren im Publikum wird diese auch gut angenommen. Auf viele jüngere Festivalgänger haben THE JESUS AND THE MARY CHAINS aber nicht solch eine Wirkung. Klar mögen die Jungs in die Jahre gekommen sein, keine rockige Show abliefern und ihre Musik eher melancholisch als "happy" wirken - und so verlassen immer mehr den Platz, passend zur allgemeinen Abreisestimmung auf dem Gelände. Ein wenig traurig wirkt das Ganze. Dennoch genießen ihre Fans jede Sekunde des Konzerts. Kurz nach 22 Uhr müssen sich THE JESUS AND THE MARY CHAINS aber auch verabschieden. Viele Optionen bleiben den restlichen Festivalbesuchern an diesem Abend nicht. Heute gibt es nur diverse kleinere Abschieds-Straßen-Partys und natürlich das "Mülltrommeln", das für einige eher im Besäufnis endet. Froh ist über den Lärm aber nicht jeder. Doch was soll's. Es ist der letzte Tag, da wird nun einmal noch das ein oder andere Bier gezischt. Noch ist die Party nicht aus und um den Kater kann man sich auch noch am nächsten Morgen kümmern. Gegen 12 Uhr mittags am Montag ist dann auch das Gelände des Hildesheimer Flugplatzes leerer. Mit vielen schönen Erinnerungen an ein tolles M'era Luna-Festival geht es nach Hause. Bis zum nächsten Jahr. Prost!
[Franziska Böhl]

Für euch dort: Franziska Böhl, Nadja Conrad, Swen Reuter und Sebastian Schulze.

Redakteur:
Franziska Böhl

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