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Metal Bash 2010 - Neu Wulmstorf

18.05.2010 | 23:18

01.05.2010, Schießsportanlage

Das Ein-Tages-Festival vor den Toren Hamburgs ist der perfekte Auftakt für die Festivalsaison.

Die Zeit des Wartens ist vorbei. Nach langen Monaten der Indoor-Festivals und Konzerte beginnt sie nun endlich für mich: die Festivalsaison. Das allerdings eher schleppend, denn erstens findet das Metal Bash fast vor meiner Haustür statt, weshalb ich die Nächte in meinem eigenen Bett und nicht stilecht in meinem Zelt verbringe, und zweitens findet die Warm-up-Party im Blue Star statt, also im von vier Wänden abgesteckten Jugendzentrum Neu Wulmstorf.

Drei Coverbands haben sich das Ziel gesetzt, der Meute schon mal ordentlich mit den guten alten Klassikern – die da wären: MOTÖRHEAD, BÖHSE ONKELZ und SLAYER – einzuheizen. Doch das Blue Star hat schon mal mehr Gäste gesehen; verwunderlich ist das nicht, haut der Eintrittspreis mit fünfzehn Euro an der Abendkasse doch ordentlich rein. Das möchte der Eine oder Andere zu Recht nicht für drei Coverbands ausgeben.

Die Enttäuschung ist MOTÖRMENT anzusehen, sind sie doch die einzige von Mr. Kilmister höchstpersönlich anerkannte MOTÖRHEAD-Coverband. Sänger Jörn hat sich heute ordentlich was vorgenommen, steht er doch später noch mit den KNEIPENTERRORISTEN auf der Bühne. Stilecht beginnen die drei Musiker ihren Gig mit den Worten: "Moin, moin, wir sind MOTÖRMENT, und wir treten Arsch!" Stilecht auch Jörns Outfit: offenes Haar (für ihn eher ungewöhnlich), Cowboystiefel, ein Patronengürtel um die Hüfte und ein Kreuz auf der blanken Brust, das von einem schwarzen Hemd eingerahmt wird. Da hätte aber ruhig noch ein Knopf mehr offen sein können.

Um wenigstens etwas Stimmung in den mit lediglich dreißig Leuten gefüllten Laden zu bringen und die Nackenmuskeln wenigstens ein bisschen warmlaufen zu lassen, spielen MOTÖRMENT sehr früh den Klassiker 'Ace Of Spades'. Komisch, dass sich die Hütte erst beim folgenden, eher unbekannten 'We Are The Roadcrew' ein wenig füllt. Die Soundtechniker leisten auf jeden Fall gute Arbeit: 'Stone Dead Forever', 'Ramones', 'Over The Top' und 'Bomber' klingen astrein. Leider fehlt Jörn ein bisschen die Melodie in der Stimme, posen tut er auch nicht so viel wie Lemmy. Letzteres mag aber auch am sehr geringen Frauenanteil im altersmäßig gemischten Publikum liegen.

So langsam spielt sich das Trio warm und hat Spaß an der Sache. Und siehe da: Jörn, der natürlich den Bass bedient, führt einige Synchron-Moves mit seinem Gitarristen aus und ballert am Ende von 'Motörment' ("Wir haben den Song geschrieben, und Lemmy ist damit reich geworden!") mit seinem Bass ins Publikum. Bei so viel Übermut tritt er fast die Box um.

Auch die KNEIPENTERRORISTEN können nicht viel reißen. Zwar singen viele Fans von Beginn an die BÖHSE ONKELZ-Cover mit, und ein paar Jungs pogen, aber vor einem Jahr sah es hier ganz anders aus; da hieß es feiern ohne Ende. Immerhin ist das Quartett auf der Bühne gut drauf. Bassist Goofy schießt gleich gen MOTÖRMENT: "Der Sänger war scheiße!" Jörn kontert mit "Aber der Bassist war gut!"

Etwa sechzig Fans überwiegend der ONKELZ respektive KNEIPENTERRORISTEN bevölkern das JUZ, aber die Band sieht das positiv: "Ich hoffe, die, die da sind, haben Spaß!" Und bei 'Dick und durstig' wird auch klar, warum: "Wir sind vor allen Dingen durstig!" Ihre Anhänger scheinbar auch, denn sie trällern diesen Gassenhauer zwischenzeitlich a cappella. Zu 'Heilige Lieder' liegt sich immerhin die Meute vorne in den Armen, und auch die Security hat sichtlich Spaß.

'Nur die besten sterben jung' ist ohnehin von einer Tragödie geprägt – ein Freund von ONKELZ-Sänger Kevin wurde vor einer Kneipe niedergestochen, der Täter wurde freigesprochen. Auch heute ist die Darbietung des Liedes mit einem traurigen Ereignis verbunden: Ein Freund der Band starb und hinterließ Frau und Kinder. Die KNEIPENTERRORISTEN möchten Spenden für sie sammeln; auch am Festivaltag befinden sich Spendenbecher am Einlass.

Die Stimmung steigt wieder zu 'Bomberpilot'. Komischerweise lichten sich die vorderen Reihen, werden aber spätestens bei 'Wir ham' noch lange nicht genug' wieder gefüllt. Liegt vielleicht daran, dass Jörn stolz seinen Bierbauch präsentiert. Aber nur vielleicht. Die Partystimmung erreicht ihren Höhepunkt – endlich! – zu 'Mexico'. Nach drei Zugaben ist dann auch Schluss, und viele machen sich auf den Heimweg, um sich für den eigentlichen Festivaltag zu schonen.

Setlist:
Gehasst, verdammt, vergöttert
Kneipenterroristen
Danke für nichts
Dick und durstig
Heilige Lieder
Heute trinken wir richtig
Wilde Jungs
Nur die Besten sterben jung
Nichts ist für die Ewigkeit
Finde die Wahrheit
Stöckel und Strapse
So sind wir
Bomberpilot
Lieber stehend sterben
Terpentin
Wir ham' noch lange nicht genug
10 Jahre
Könige für einen Tag
Mexico
Die Stunde des Siegers
Auf gute Freunde
Erinnerung

Schade, dass es leerer ist, denn jetzt kommen doch SLAYENSEMBLE. Noch etwa dreißig Leute hören sich die SLAYER-Cover an, einige davon headbangend. Sänger Aloha Monov hat starke Ähnlichkeit mit Tom Araya. Ob er auch dessen Rückenleiden hat? Zumindest dessen Sprüche hat er drauf: Mit "Are you ready for war?" startet 'War Ensemble'. Ein paar Fans fangen an zu pogen, doch wirklich nach Party sieht es hier längst nicht mehr aus. Von Anfang an ist klar: Die KNEIPENTERRORISTEN haben mit ihren ONKELZ-Covern die meisten Zuschauer gezogen. Komisch, dass sie nicht die Position des Headliners eingenommen haben.

Immerhin nicken alle noch Anwesenden wohlwollend mit dem Kopf – das ist eben der Vorteil, wenn man zuletzt spielt: Die Leute wollen einen sehen. Und sie lassen es sich nicht nehmen, ihre Lieblingslieder zu feiern und deren Darbringer anzufeuern.

SLAYENSEMBLE bedanken sich mit Hits wie 'South Of Heaven' und 'Dead Skin Mask'. Doch feiern macht anscheinend müde, denn so langsam verlassen die Fans das Blue Star. Und so kommen nur noch etwa zwanzig Leute in den Genuss von 'Angel Of Death'.

Nach dem letzten Ton brechen die meisten schnell gen Heimat oder zur nächstbesten Maifeier auf. Nur eine Handvoll bleibt zurück, um abzubauen oder einfach noch ein paar Biere zu trinken. Immerhin Aloha darf morgen vor etwas größerem Publikum noch mal ran, dann nämlich wird er auf dem eigentlichen Festival erneut seine Helden mit SLAYART covern.

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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