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Metal Bash Festival 2008 - Neuwulmstorf

28.05.2008 | 13:09

03.05.2008, Schießsportanlage

Metal Bash Festival 2008

Das METAL BASH jährt sich 2008 zum sechsten Mal und dürfte sich nun endgültig als eines der besten Festivals seiner Art im Norden etabliert haben. Bisher am letzten Juli-Wochenende durchgezogen, haben es die Macher allerdings in diesem Jahr zeitlich erheblich nach vorne verlegt und eröffnen damit die Festivalsaison. "Am Wochenende direkt vor Wacken war nicht mehr optimal, da musste sich was ändern. Und Anfang Mai ist das Wetter immer gut!" erläutert Festivalmacher Jörn breit grinsend und bestens gelaunt auf POWERMETAL.de-Nachfrage. Und er soll Recht behalten mit seiner Entscheidung!

Morgens um 11 ist die Welt noch in Ordnung und während der erste Bierstand gerade mit Fassanstich zum Frühstück einlädt, dürfen OVERDRIVE SENSATION den Reigen eröffnen. Dieser Job ist auf jedem Festival eigentlich die berühmte Arschkarte, aber die Kieler Jungs machen das Beste draus. Ohne Album, fast ohne Publikum und gegen die Verlockungen des bereits erwähnten Frühstücksangebots spielen Sie tapfer an. Ihr vom Siebziger-Jahre-Sound geprägter Hardrock, der hier auch mal ein bisschen Stoner Rock und dort eine Prise Boogie einbaut, ist ein prima Einstieg in einen Tag, der mit der immer klarer werdenden Sonne noch um die Wette strahlen soll.

Gleich die zweite Truppe, GANG LOCO, war für den Schreiber dieser Zeilen einer der heißen Tipps auf dem Billing. Im Underground durch ihre musikalischen Beiträge zu Horror-C-Movies und entsprechende Videoclips zu einer gewissen Größe geworden, stürmen sie selbstbewusst auf die Bühne, um in Priestersutane und Spiegelreflexsonnenbrille kräftig zu posen. Allein ihr "Loco-Metal", ein Mix aus Punk, Hardrock und Modern-Metal-Elementen, zündet nicht so recht. Dafür tut es die Maschinengewehr-Gitarre während der Zugabe, die dann zwar wenige aber dennoch mehr Funken versprüht als der Rest der Aufführung. Für den Anfang immerhin schon mal ganz nett ...

FIRE sind alte Hasen und haben vor den Toren Hamburgs ein Heimspiel. Zwischen MOTÖRHEAD und IRON MAIDEN zu Paul DiAnnos Zeiten liegt die Marschrichtung. Der selbstbetitelte Stampfrocker 'Fire', ein Instrumental, das verdammt nach MAIDENs 'Transylvania' klingt oder die Highspeed-Nummer 'Strong Temptation' geben uns älteren Semestern genau das, was wir noch zum zünftigen Frühschoppen brauchten. Mit dem saustarken 'Shock Train' wird dann noch Alt-Sänger Nino für ein letztes Aufbäumen mit seiner ehemaligen Formation reaktiviert, der selbstverständlich entsprechend abgefeiert wird. Seine euphorisches "Heute ist ein FIRE-Tag!" trifft den Nagel auf den Kopf!

Nach dem Up-Tempo-Metal von FIRE treten OPHIS brutal aufs Bremspedal, was etwas schade ist, da gerade jetzt erstmals richtige Rock-'n'-Roll-Stimmung im Headbanger-Land aufgekommen war. Tonnenschwere Zeitlupenriffs rollen wie Blei aus den Boxen und statt Gesang gibt es Death-Growls, die direkt aus den Höhlen Mordors zu kommen scheinen. Old School Doom Death nennt man das wohl. Das machen die Jungs auch echt gut, aber drei Anschläge pro Minute sind mir doch etwas zu wenig.

Die Death-Thrasher COMMANDER präsentieren hauptsächlich ihr aktuelles Album "The Enemies We Create", das sich offensichtlich nicht nur breiter Bekanntheit sondern auch ebensolcher Beliebtheit erfreut. Die Bajuvaren glänzen mit heftigem Headbangerfutter und machen alles richtig. Well done!

Von WARHEAD bleibt heute irgendwie nicht sonderlich viel hängen. Ähnlich wie GANG LOCO hatte ich die Truppe, die Old School US Power Metal mit einer ordentlichen Prise Thrash würzt als Tipp auf dem Zettel, aber außer dem gelungenen 'Captured' gibt es bei dem durchaus routinierten Auftritt nicht viel, wo echt der Funke überfliegt.

Die nächsten Bayern, die sich in den hohen, heute aber gar nicht kalten Norden locken ließen, sind SYCRONOMICA. Mit ihnen kriegen wir unsere erste Black-Metal-Breitseite des Tages. Wobei Breitseite eigentlich nicht stimmt: Die Münchener verzichten auf jegliches Corpspaint und gehen musikalisch bewusst den gemäßigteren Weg. Ausgefeilte Doppel-Gitarrenparts und die atmosphärischen Keyboards rücken den Fünfer deutlich in die Symphonic-Black-Metal-Ecke, so dass sich das ein und andere mal Parallelen zu den offensichtlichen Vorbildern DIMMU BORGIR offenbaren, ohne allerdings ganz an deren unbestrittene Genialität heran zu kommen. Macht aber nichts; Klasse haben die Burschen allemal - das war sauberes Handwerk heute!

SLAYENSEMBLE covern ... ja genau, natürlich SLAYER. Und das machen Sie auch recht gut. Der Schreihals am Bass gibt einen sehr passablen Tom Araya-Lookalike, während die beiden Gitaristen wenig von der gar schrecklichen Kerry King-Optik oder der von Jeff Hanneman bieten. Dafür ist ihr Zusammenspiel umso überzeugender. Sound, Timing und Songauswahl stimmen bei dem Vierer perfekt und spätestens beim kultigen 'Angel Of Death' vom All-Time-Klassiker "Reign In Blood" der Bay-Area-Ikonen sind nur noch zufriedene Gesichter in der breiten Runde zu erkennen.

Die folgenden Bands hätte man nicht konträrer gegeneinander setzen können. So hatte POWERWOLF-Gitarrero Matthew Greywolf im POWERMETAL.de-Interview nach dem Meet and Greet mit der Band direkt vor deren Auftritt nicht ganz unrecht, als er humorvoll unkte: "Eigentlich wussten wir nicht recht, ob wir hier überhaupt richtig sind, bei dem doch recht harten Billing in diesem Jahr." Das war klar untertrieben, denn keine andere Band verbreitet heute mehr Partystimmung als die Wölfe. Die Bühne zur Kirche umdekoriert und in Nebel und Rotlicht getaucht, zelebrieren Zeremonienmeister Attila Dorn und seine wie er in Priester-Outfits gewandeten Mitstreiter eine Heavy-Metal-Messe allererster Güte. Neben den Power-Hymnen 'Mr. Sinister' und 'Kiss of the Cobra King' vom Erstlingswerk "Return In Bloodred" liegt der musikalische Schwerpunkt der viel zu kurzen Stunde auf dem aktuellen Album "Lupus Dei", so dass ein Ohrwurm dem nächsten folgt! Dorn, klassisch ausgebildeter Sänger rumänischen Ursprungs, überzeugt mit phantastischer Leistung am Mikrofon genauso wie mit seinem verschmitzten Humor, wenn er zum Beispiel 'In Blood We Trust' den Helfern vom Rettungsdienst auf dem Festivalplatz widmet, "...die dort hinten in ihren Blutkonserven baden!". Selten so viel Spaß gehabt, Jungs!

Was nun kommt, passt so gar nicht zu dem strahlenden Sonnenschein dieses herrlichen Frühsommertages: ENDSTILLE stehen bekanntlich für genau das Gegenteil von Spaß und Dollerei. Das ohrenbetäubende Black-Metal-Gewitter der Finsterlinge stößt uns in die Abgründe der menschlichen Seele, Tod und Verderben. Die Instrumentalfraktion prügelt sich verzerrt bis kurz vor die Schmerzgrenze durch das Liedgut ihrer bisher vier Alben und Brüllwürfel Iblis kreischt, jammert und grunzt dazu, dass man schon vom Zuhören Halsschmerzen bekommt. Thematisch sind die Kieler zwar nicht mein Ding, aber das muss ja auch nicht an dieser Stelle diskutiert werden. Die gnadenlose Performance verdient auf jeden Fall Respekt.

Bevor es auf die Zielgerade geht, überraschen uns Veranstalter Jörn und seine KNEIPENTERRORISTEN mit einem unangekündigten Intermezzo: Ein junger Fan, der heute hier (standesgemäß!) seinen 18. Geburtstag feiert, darf gemeinsam mit den Partykönigen 'Holstenritter' intonieren und als Zugabe gibt es natürlich 'Hamburg wir stehn zu dir'. Bierselig stimmen alle in den Chorus ein und DARK AGE müssen sich nicht mehr die Mühe machen, uns aus den qualmenden Trümmern und der verbrannten Erde ENDSTILLEs Reichs zu zerren.

Die Hamburger Melodic-Death/Thrasher DARK AGE haben ein deutliches Heimspiel. Immer wieder erinnert mich ihr Stil an CHILDREN OF BODOM oder IN FLAMES, vor allem, was ihren unbekümmerten Mut angeht, Altes und Neues im metallischen Universum zu verbinden und dabei - nicht zuletzt durch die positive Ausstrahlung ihres Frontmannes Eike Freese - auch Nicht-Fans schnell für sich zu gewinnen. Prima!

MAROON als Headliner zu bringen war durchaus eine mutige Entscheidung der Festivalmacher. So gibt es zum Schluss eines herrlichen Tages noch eine ordentliche Portion Metalcore von den Thüringern, die zugegebenermaßen momentan extrem angesagt sind. Band und Fans geben entsprechend zu später Stunde noch einmal alles. Das Gewürge zwischen Band und Soundmixern, das zu unnötigen Unterbrechungen führt, ist allerdings nicht echt Headliner-würdig. Aber egal - dieser 3. Mai war ein genialer Tag ganz nach Headbangers Geschmack und der 2. Mai 2009 sollte bei allen bereits rot im Kalender eingetragen sein, weil es da wieder heißt: Metal Bash!

Redakteur:
Martin Rudolph

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